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Stephan Heußner

vulgo Langbeiniger Steffen

*  21. Januar 1783 Etzen-Gesäß (Bad König) ~ 22. Januar 1783 + 31. August 1811 (Selbstmord in der Gefängniszelle Heidelberg)

https://www.archion.de/de/viewer/?no_cache=1&type=churchRegister&uid=246998
Bad König > Taufregister 1734-1807 ; Archion Bild 106
: Tobias Philipp Heusner, ein armer Mann, der sich auf der Bruchmühle aufhält, und Maria Kathrine dessen Ehefrau. Taufzeuge Stephan Regnus Fruchthüter in Rimhorn – alle katholisch
Stephan Heusner
Stephan Heusner

Philipp Müller denunzierte seinen Schwiegersohn Stephan Heußner als besonders gefährlichen Räuber und identifizierte dessen Ehefrau, seine Tochter, in Eberbach. Stephan Heußner war bereits Anfang Mai 1811, kurz nach einem Diebstahl in Egelsbach, gemeinsam mit dem sogenannten „kleinen Johann“ in Hüngheim festgenommen worden, nachdem beide ihren Anteil an gestohlenem Fleisch verkauft hatten. Während der Verhöre gab Heußner eine falsche Identität als „Stephan Müller“ an und behauptete, aus kaiserlichen Gebieten zu stammen, offenbarte jedoch durch korrekte Angaben zu seiner Ehefrau, deren Familie und zur Eheschließung belastende Details. Der Mitangeklagte Johann Adam Treber bestätigte hingegen seine Personalien, die mit den Aussagen seiner in Heidelberg inhaftierten Ehefrau übereinstimmten.

Aufgrund gravierender Mängel und Oberflächlichkeit der Ermittlungen wurden beide trotz bestehender Fahndungsbeschreibungen nicht als Schwerverbrecher erkannt, sondern lediglich als Vaganten zu einer sechsmonatigen Arbeitshausstrafe verurteilt. Auch der anschließende Transport nach Bruchsal erfolgte unzureichend gesichert. Während eines Hagelwetters nutzten die Gefangenen die Unachtsamkeit ihres einzigen Begleiters, um diesen anzugreifen und zu Boden zu schlagen. Der Fuhrmann griff ein, verletzte Stephan Heußner schwer und verhinderte Schlimmeres, konnte jedoch die Flucht des „kleinen Johann“ nicht verhindern.

Stephan Heußner wurde nach seiner Verwundung in Moßbach zunächst nach Bruchsal überstellt, wo er unter falschem Namen (Stephan Müller) unauffällig verblieb. Nachdem die Behörden in Heidelberg durch das Amt Eberbach Kenntnis von seinem Transport erlangt hatten, entstand Verdacht, woraufhin er nach Heidelberg gebracht wurde. Dort wurde er sowohl von seinen Komplizen als auch von der Familie seiner Ehefrau eindeutig identifiziert. Heußner selbst hielt zunächst an seiner falschen Identität fest. Erst die sukzessive Konfrontation mit verhafteten Verwandten und Mitbeteiligten führte zu einem vollständigen Zusammenbruch seiner Verteidigung, woraufhin er ein umfassendes Geständnis zahlreicher Straftaten ablegte.

Diese Geständnisse hatten erheblichen Einfluss auf die Ermittlungen, insbesondere indem sie zur Überführung seines bereits in Darmstadt inhaftierten Bruders Johann Adam Heußner beitrugen, der zuvor jede Aussage verweigert hatte. Nach seinem Geständnis zeigte Stephan Heußner ein deutlich verändertes Verhalten: Er trat offener und freundlicher auf, ohne jedoch die provokative oder respektlose Haltung anderer Mitbeschuldigter anzunehmen. Am 30. August 1811 verließ er das Verhör in augenscheinlich guter Stimmung und wurde auch am Vormittag des folgenden Tages unauffällig angetroffen. Wenige Stunden später wurde er jedoch tot in seiner Zelle aufgefunden; er hatte Suizid begangen, indem er sich mit seinem Halstuch am Fenstergitter erhängt hatte. Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos.

Er hinterließ eine Frau und zwei kleine, schöne Kinder.