vulgo Basti

Auch er ist der Sohn herumziehender Eltern, auch erst 17 bis 18 Jahre alt, von Neckargerach gebürtig. Von seinen Eltern sind keine Vergehen bekannt. Auch er ist musikalisch, und die Kultivirung dieses Talentes brachte ihn mit Andreas Petry zusammen und durch diesen mit der Räuberbande in Verbindung. Er ist von Allen der munterste, aufgeweckteste, muthwilligste, und, den Mangel an Erfahrung abgerechnet, der gescheideste; aber auch der ausdauerndste. Hölzerlips selbst, der ungerne einem Andern den Vorrang in irgend etwas zugesteht, erklärte während einer Confrontation, bei welcher Basti nicht zugegen war: »Basti ist der härteste von uns allen. Wenn der, als Räuber bis zu seinem 30ten Jahre fortgelebt hätte, so wäre Schinderhannes nichts gegen ihn gewesen.« Er wurde als Schulknabe, eben seiner ausgezeichneten Fähigkeiten wegen besonders geschätzt und eine vornehme Person nahm sich eben darum seiner an und wollte ihn ein Handwerk lernen lassen. Sein Vater verließ aber damals gerade die Gegend des Odenwaldes, in welcher Basti zur Lehre kommen sollte, und beharrte darauf, daß er mit ihm ziehen sollte. Er folgte, blieb aber nicht lange bei seinem Vater, sondern verließ ihn und trieb sich nun bei englischen Reitern, Marionettenspielern und Leuten, welche Lappländer ums Geld sehen ließen, herum, bis er sich endlich auch von diesen wieder losmachte und mit seinem Saitenspiele allein umherzog. Auf diesen Zügen kam er mit andern Purschen seines Gelichters und unter diesen auch mit Andreas Petry zusammen. Jugend, Frohsinn und gleiche Beschäftigung knüpfte das Band ihrer Freundschaft enger. Durch Andreas Petry wurde Basti in den Familienzirkel des schwarzen Peters eingeführt. Dieser hatte seine Tochter Margaretha bei sich, welche früher mit einem gewissen Lüttich als dessen Beischläferin verbunden war und von ihm zwei Kinder hatte. Dieser Lüttich war jenseits Rheins beim Forstwesen angestellt und hatte dort Frau und Kinder. Er war aber vom linken Rheinufer mit deren Zurücklassung, wegen eines verübten Mordes entflohen und hatte in den Gebürgen des Odenwaldes Schutz gefunden. Hier traf er Margaretha Petry und verband sich, seine früheren Verhältnisse verschweigend, mit ihr. Seine Frau erfuhr endlich seinen Aufenthalt und suchte und fand ihn mit ihren Kindern; er wußte sie aber durch die fürchterlichsten Drohungen zurückzuschrecken. Margaretha Petry erfuhr zwar nun die wahren Verhältnisse Lüttichs, allein sie hatte schon ein Kind von ihm gezeugt und blieb daher mit ihm in fortgesetzter Verbindung, deren Folge bald ein zweites Kind hervorbrachte. Lüttichs vorzüglichste Beschäftigung war die Wilderei, und sie war es auch, welche ihn auf zwei Jahre in das Zuchthaus nach Mannheim brachte. Margaretha Petry hatte, der Verhältnisse Lüttichs, ihrer Eltern und ihrer eigenen bewußt, dennoch die Frechheit, öffentlich als seine Frau aufzutreten und als solche bei Sr. Königlichen Hoheit dem Herrn Großherzoge von Baden, schriftlich um Begnadigung Lüttichs zu bitten. Sie wurde ihr abgeschlagen, und nun war auch ihre Liebe erkaltet. Sie suchte nun als feile Dirne jeden an sich zu locken, bis es ihr endlich gelang, den Basti auf längere Zeit mit sich zu verbinden.
Elisabetha Margaretha Petri wurde am 8. und 9. April 1812 in Mannheim bei der Verhandlung vor dem Großherzoglichen Hofgericht anlässlich der Untersuchung gegen Veit Krähmer und seine Komplizen verurteilt. Sie erhielt eine halbjährige Zuchthausstrafe unter Anrechnung des bis dahin abgesessenen Arrestes. Gründe für die Verurteilung waren die Mitwisserschaft eines von Johann Daniel Lüttich verübten Raubes sowie Ehebruch und Gaunerei.
Einige Monate später – am 31. Juli 1812 – entging „Basti“ in letzter Minute seiner Hinrichtung. Großherzog Karl von Baden (1786–1818) wandelte seine Todesstrafe in eine lebenslängliche Zuchthausstrafe um. Vier seiner ehemaligen Räuberkomplizen dagegen starben unter dem Schwert des Scharfrichters.

A. Verhaftete Räuber I. In Heidelberg
5. Sebastian Lutz vulgo Basti
Straßenräubereien:
Straßenraub zwischen Hemsbach und Laudenbach
Straßenraub bei Gelnhausen No. VI.
Straßenraub bei Dörnigheim No. XXXV.
Einbrüche und Diebstähle
Dürrfleischdiebstahl zu Dörlesberg. No. IX.
Diebstahl zu Oberschönmattenwaag. No. XXI.
Attentierter Einbruch zu Kü.sheim No. XXVIII.
Einbruch zu Bürgstadt bei Moltenberg No. XLVIII.
Einbruch zu Adelsheim No. LIII.
Dürrfleischdiebstahl zu Simmewringen. No. LV.
Einbruch zu Wilhelmsbad bei Hansu. No. LXXXV.
PFISTER, LUDWIG: Aktenmäßige Geschichte der Räuberbanden an den beiden Ufern des Mains, im Spessart und im Odenwald : enth. vorzügl. auch d. Geschichte d. Beraubung u. Ermordung d. Handelsmanns Jacob Rieder von Winterthur auf d. Bergstraße ; nebst e. Sammlung u. Verdollmetschung mehrerer Wörter aus d. Jenischen oder Gauner-Sprache / von Pfister. – Heidelberg, bei Gottlieb Braun, 1812.