21. Juni [GROLMANN] oder August [BRILL] 1809

Wetzlar

Teilnehmer:

  • Johann Georg Gottschalk
  • Johann Martin Rupprecht
  • Johann Heinrich Festweber
  • Johann Heinrich Vogt
  • Ludwig Funk
  • Peter Görzel
  • Johann Adam Heusner
  • Conrad Anschuh
  • Wilhelm Rhein
  • Justus Holzapfel
  • Johann Justus Dietz

Am 21. Juni 1809 war in Wetzlar Markt, der auch von einer Tuchmacherfamilie aus Kleinrechtenbach namens Eisenhardt als Händler besucht wurde. Sie verkauften hier ihre Waren und kauften andere ein. Zur gleichen Zeit beschlossen elf Räuber unter der Führung von dem “Schwarzen Jung”, diese Händlerfamilie auf ihrer Heimreise zu überfallen und zu berauben. Als alles genau besprochen war, begann eine fieberhafte Tätigkeit. Einer brachte ein Schießeisen, Patronen wurden gegossen und aus Leinentüchern Knebel gefertigt.

Zwei der Spießgesellen wurden als Kundschafter nach Wetzlar geschickt. Am späten Nachmittag kehrten sie zurück und berichteten von einem Händlerwagen, der bald kommen müsse.
Vater Ludwig Eisenhardt ging vor dem Wagen her, die beiden Söhne Johannes und Philipp Eisenhardt folgten ihm. Der Vater wurde als erster mit vorgehaltenem Gewehr gestellt und mit Prügeln zu Boden geschlagen. Danach schleppten sie ihn ins Gebüsch, fesselten und beraubten ihn bei weiteren Stockhieben. 150 Gulden fanden die Räuber bei Ludwig. Der Sohn Johannes, der dieses beobachtet hatte, wollte im ersten Augenblick fliehen, was ihm jedoch nicht gelang. Auch er wurde niedergeschlagen, geknebelt und beraubt. Bei ihm fand man 50 Gulden. Philipp Eisenhardt erging es am schlechtesten. Er war ein großer, starker Mann und wollte sich befreien. Da zwei Räuber ihn nicht überwältigen konnten, kamen andere hinzu und schlugen ihn bis zur Bewußtlosigkeit. Danach wurde auch er geknebelt und beraubt. Als er wieder zu sich kam, bewachte ihn Conrad Anschuh, während die anderen die Diebesbeute verstauten. Da er am Kopf aus mehreren Wunden stark blutete, bat er, seinen Kopfzu verbinden, was Conrad auch tat. Dem Verband verdankte Philipp das Leben, da er mit Sicherheit sonst verblutet wäre.

Der gesamte Überfall hatte etwa eine halbe Stunde gedauert. Danach packte jeder der Räuber einen Teil der Beute auf die Schulter, und sie verschwanden im nahe gelegenen Wald. In einer Diebesherberge in Münzenberg wurde der Raub geteilt, er hatte einen Gesamtwert von 2300 Gulden. Die Händlerfamilie war durch diesen Überfall in tiefste Armut geraten, selbst ihren Wundarzt konnten sie nicht bezahlen. Die Amtskasse hatte die Bezahlung der ärztlichen Behandlung übernommen. Alle Beraubten erhielten auch aus der herrschaftlichen Kasse ein zinsloses Darlehen von etlichen hundert Gulden, aber ihr Geschäft kam nicht mehr richtig in Gang; ja selbst das Darlehen konnte nicht mehr zurückgezahlt werden.


Rupprecht war es, nach feinem Geständnis , welcher mit dem Ludwig (Ludwig Funk) den Ludwig Eisenhard in den Wald führte, mit Schlägen misshandelte und demselben das Geld raubte, Der Überrheiner Wilhelm war es aber, der ihn knebelte. Das Rupprecht, wie Heusner behauptet, eine Pistole gehabt , läugnet er. [1]

BRILL, CARL FRIEDRICH: Actenmässige Nachrichten von dem Raubgesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben, Teil 1 Seite 95 Nr. 15 (Heusner)


Großer Straßenraub unter lebensgefährlichen Misshandlungen, unweit Klein-Rechtenbach auf der Landstraße zwischen Butzbach und Wetzlar, 21ten Juni 1809.

Teilnehmer:

  • Hessen- Heinrich, oder dicker Hessen-Hannes (bekannt unter dem Namen Heinrich Mohr; heißt eigentlich Johannes Festweber.)  – wurde von Marburg nach Mainz ausgeliefert
  • Schoden-Heinrich, (Joh. Heinrich Vogt von Gilsenberg) S. XLIII.
  • Ludwig Funk, vulgo Selnröder Ludwig (S. XXXVIII.)
  • Scheeler oder Heiden-Peter (Peter Görzel oder Gärtner) S. XXXIX.
  • Conrad Anschuh (eigentlich Unschick aus Rodheim, Amts Nidda) S. XXXV.
  • Überrheiner Wilhelm  (soll nach Mainz geliefert sein)
  • Johann Adam Heusner, vulgo dicker oder Odenwälder Hann-Adam (sitzt in Darmstadt)
  • Martin Rupprecht, vulgo Hessen-Martin, Schwiegersohn des Porzellan-Hannes (sitzt in Darmstadt)
  • Johann Justus Diez vulgo Hann-Jost oder Lumpen-Jost S. XXXVII.
  • Johann Justus Holzapfel, vulgo lahmer Hann Jost, auch Hann-Jost mit den krummen Händen, noch in Freiheit

Dieser Straßenraub betraf die Tuchmacher Gebrüder Philipp und Ludwig Eisenhard, und den Sohn des letzteren, Johannes Eisenhard, sodann das Eigentum des Schneiders und Krämers Adam Dallinger, sämtlich von Niederkleen, im Herzoglich Nassauischen Amt Hüttenberg. Sie kamen von dem Wetzlarer Jahrmarkt, hatten dort feil gehalten und eingekauf, und führten mehrere Hundert Gulden Geld und einen Karn mit Waren bei sich (*).

 (*) Also nicht Juden waren es, wie in Hrn. Stadt Director Pfisters Aktenmäßiger Geschichte Th, 2. p. 133. seq aus Irrtum entweder des Protokollführers oder des Kopisten, eingeflossen ist. Unsere Erzählung beruhet auf der übereinstimmenden Aussage fünf hier verhafteter Komplizen, des Schwarzen Jungs, Scheelen Peters, Selnröder Ludwigs, Conrad Anschuhs und Lumpen-Jostes, welche sämtlich dieser Tat geständig sind, und – der Beraubten.

Die Aussagen Johann Adam Heusners hat man zwar bis jetzt von Darmstadt nicht vollständig mitgeteilt erhalten. Allein aus Antwortschreiben und kommunizierten Bruchstücken ergibt sich doch, dass Heusner in allen wesentlichen Teilen mit den Aussagen der hiesigen Delinquenten übereinstimmt. Nur auf die Teilnahme Schoden-Heinrichs will er sich nicht entsinnen, und gibt vor, dass es der Täter seines Wissens nicht mehr als zehen gewesen seien. Ob Hessen-Martin diesen Straßenraub eingestanden hat, hat man hier Orts nie erfahren können. Es scheint aber dass er noch gar nicht ausführlich vernommen worden, weil das Großherzogl. Kriminal-Gericht zu Darmstadt sonst ohne Zweifel auf die seinetwegen geschehene Anfrage Antwort erteilt hätte.

Hessen-Heinrich hatte die Räuber zu diesem Unternehmen zusammenberufen. Er war der Ballmassematten oder Anführer. Einige hier Verhaftete glauben nicht unwahrscheinlich, dass Münzenberger Juden, die nämlichen, welche in der Folge die Schärfenspieler gemacht, die Gelegenheit verraten und die erste Anreizung zu diesem abscheulichen Verbrechen gegeben haben. Auf dem von Riesischen Pfachthof versammelte sich die Bande elf Mann hoch, und traf nähere Abrede. Hier wurde Schießgewehr herbeigeschafft, Patronen gemacht und Knebel gefertigt. So gerüstet, und mit Säcken und Prügeln versehen, zogen sie ab, und wer etwa an der Tüchtigkeit seines Prügels zweifelte, schnitt sich unterwegs eine junge Buche oder Eiche. Scheeler Peter und dicker Hann-Adam wurden als Kundschafter voran nach Wetzlar geschickt. Sie erforschten dort die rechten Leute, sahen Geld und Kisten packen, und bezeichneten letztere, zu Vermeidung Irrtums, mit Kreide. Die übrigen Räuber erwarteten, ungefähr eine halbe Stunde von Wetzlar im Wald gelagert, ihre Rückkunft, und zogen sich, wie die Abgesandten mit der Botschaft zurück kamen, dass die Karawane bald anrücken würde, mit solchen tiefer in den Wald zurück bis gegen Klein-Rechtenbach. Hier wählten sie zur Ausführung ihres Vorhabens einen Platz, wo das lichte Kornfeld sich mit dem Dickicht des Waldes paarte, und wo sie mithin auf der einen Seite Hellung, auf der andern aber Dunkel und Verborgenheit nach Bedürfnis hatten.

Noch ehe man an diese Stelle kommt, war zu seinem und der Seinigen Glück der Schneider und Krämer Dallinger mit seiner Frau und 14 jährigem Sohn zu Großrechtenbach abgegangen, und hatte sich bei Gelegenheit eines Salz-Einkaufs verweilet. So entging er mit den Seinigen der persönlichen Misshandlung; aber seine Waren befanden sich auf dem Karn der Tuchmacher Eisenhard, welche mit solchen voran nach ihrer Heimat zogen.

Ludwig Eisenhard ging vor dem Pferd her; Er würde an der Waldecke zuerst von den Räubern mit vorgehaltenem Karabiner gestellt, und dann mit Prügeln zu Boden geschlagen. Sie schleppten ihn darauf in das Gebüsch, und banden ihn, unter immerwährendem Schlagen auf Kopf, Brust und Schultern, Hände und Füße. In dieser Lage bat er jammernd um sein Leben; statt Schonung erhielt er immer mehrere Schläge. Er rief den Unmenschen zu, die ihn misshandelten: „Habt Ihr denn keinen Gott?!“ Ein Räuber versetzte ihm darauf einen Faustschlag in das Gesicht mit den Worten: „Wart, ich will dir den Gott geben!“ – Ein anderer schlug den Karabiner auf ihn an, und drohte ihn zu erschießen. Auf sein weiteres Wehklagen rief ein Dritter? „Schieß den Hund tot!“ der angeschlagene Karabiner wurde auf ihn losgedrückt, das Pulver auf der Pfanne blitzte, aber – das Gewehr versagte. So dem Tod nahe, wurde er seines Geldes beraubt, dass er auf dem Markt gelößt hatte, und in 150 Gulden bestand.

Johannes Eisenhard, Sohn des Vorigen, ging mit seinem Oheim Philipp Eisenhard hinter dem Karn, als die Raub-Geschichte ihren Anfang nahm, und sprang im ersten Augenblick auf die andere Seite in das Korn, um zu entfliehen. Drei von den Räubern aber, der schnellfüßige Heiden-Peter an der Spitze, flogen ihm nach; er wurde eingeholt, zu Boden geworfen, an Händen und Füßen geknebelt, auf das Gesicht gelegt, und seiner Barschaft beraubt, die in etwa 50 fl. bestand. Einer der Räuber fühlte seine Sackuhr, und nahm sie mit den Worten: „Ha ha! Die ist auch gut für uns!“ So oft der Beraubte sich umsehen wollte, erhielt er Schläge in das Gesicht, im Übrigen aber wurde er schonender behandelt, als sein Vater, weil er gleich übermannt war, und sich nicht gewehrt hatte. Indessen stand Einer mit angeschlagenem Karabiner vor ihm Wache, bis zu völliger Beendigung des Raubes. Philipp Eisenhard wurde von zwei Räubern angefallen. Einer von ihnen schlug ihm mit einem Prügel wiederholt auf den Kopf, und der Andere suchte sich seines Büchsenranzens zu bemächtigen, worin sich ungefähr 100 fl gelöstes Geld befanden. Er glaubte, es sei ihm möglich, sein Eigentum zu retten, und wehrte sich anfangs so herzhaft, dass er mit dem, welcher ihn plündern wollte, zu gleicher Zeit in den neben der Chaussee befindlichen Graben fiel. Nun kamen aber einige andere Räuber hinzu; er wurde übermannt, von dem Karn weg in den Wald geschleppt, und mit einem dicken Prügel unaufhörlich auf Kopf und Schultern geschlagen. Bald lag er ohne Besinnung da; man knebelte ihm die Hände auf den Rücken, und er merkte es nicht. In diesem Zustand wurde ihm seine Barschaft genommen. Wie er nun, völlig beraubt, nach einiger Zeit wieder zu sich kam, und stromweise das Blut aus seinen Wunden quoll, fand er, während die Andern den Karn plünderten, noch einen der Räuber bei ihm stehen. Er bat, ihm den Kopf zu verbinden, dass er sich nicht verblute, und der Räuber, – es war der dicke Hann-Adam, – hatte – die Geldbegierde war ja befriedigt! – so viel Menschlichkeit, der Bitte Gehör zu geben. Schweigend zog er des Verwundeten Schnupftuch aus der Tasche, und verband ihm den Kopf damit. Ohne diese augenblickliche Hilfe, welche die Verblutung um vieles hemmte, war Philipp Eisenhard wahrscheinlich verloren. Er hatte nach dem Fund-Schein des Arztes elf beträchtliche Kopfwunden, wovon einige 1, 2, 3 und 4 Zoll lang auf das Cranium penetrierten. Sein linkes Schulterblatt war zersprengt, und die Röhre des Oberarms, gleich über der Junktur des Ellenbogens, entzweigeschlagen. Auch Ludwig Eisenhard hatte sehr beträchtliche Kopf- und andere Wunden. Die ganze Raubgeschichte, einschließlich der Plünderung des Karrens und des Einsackens der Waren, dauerte ungefähr eine halbe Stunde.

Als auf einen Pfiff sämtliche Räuber den Schauplatz verlassen hatten, arbeitete der am wenigsten beschädigte Johann Eisenhard mit Händen und Füßen, um sich von seinen Banden zu befreien. Es gelang ihm endlich, einen Fuß aus den Stricken zu winden, und nun lief er, mit immer auf den Rücken gebundenen Händen, und in der Meinung, dass sein Vater und Oheim erschlagen seien, nach Klein- und von da nach Groß-Rechtenbach. Unterwegs schnitte ihm der Schäfer von ersterem Ort die Stricke entzwei, womit seine Arme rückwärts geknebelt waren. In Kleinrechtenbach ist keine Kirche; in Großrechtenbach dagegen wurde die Sturm-Glocke geläutet. Die Gemeinden versammelten sich, und der junge Eisenhard kehrte um, und zog mit ihnen an den Platz zurück, wo die Gewalttat geschehen war.

Rechter Hand von der Chaussee fanden sie hier im Wald den beraubten Karn; der Gaul war an einen Baum gebunden. Alle Kasten waren erbrochen und leer gemacht; weit umher auf der Erde zerstreut lagen die Papiere, womit die Waren gepackt gewesen. Zehn bis zwölf Schritte von dem Karn, im Gebüsch, lag Philipp Eisenhard ohne Besinnung in seinem Blute.

Ludwig Eisenhard hatte sich, während sein Sohn nach den Ortschaften um Hilfe gegangen war, mühsam aufgerichtet, und nach Kleinrechtenbach zu fortgemacht. Durch einige Leute aus diesem Ort, welche auf die erste durch seinen Sohn erhaltene Nachricht herbeigekommen, war er unterwegs seiner Bande entledigt worden.

Soweit die Geschichte der Misshandlungen! Wir kommen auf den Wert der geraubten Sachen. Dieser beträgt, nach eidlicher Würdigung der Damnificaten, mit Einschluss baren Geldes, in Summa 2.332 Gulden 53 kr. Philipp Eisenhards Anteil an diesem Verlust macht 452 fl. 29 kr., der Ludwig Eisenhards 867 fl. 20 kr. der Johannes Eisenhards 225 fl, 40 kr. und der Adam Dallingers 787 fl. 24 kr.

Die Waren der Gebrüder Eisenhard und ihres Neffen bestanden meistens in wollenen Tüchern; besonders blauem, grauem und vorzüglich schwarzem Tuch. Die Stücke des Philipp Eisenhard waren mit P. E. die der Andern mit E. bezeichnet. Dallingers Waren bestanden in Spitzen, Seidenband, Borden, Leintuch, seidenen Tüchern, Sammet-, Leinen- und Wollenband; auch etwas Tabak, Kaffee und Zucker war darunter. Sämtliche geraubte Sachen wurden von den Räubern in Säcke getan; und auf den Münzenberger Hof gebracht. Hier verteilten sie das Geld, und nahmen von dem Tuchwerk usw. so viel, als sie zur neuen Kleidung für sich und ihre Koncubinen bedurften. Die Spezerei-Waren wurden teils verzehrt, teils, mit noch einigen andern, verschenkt; Alles übrige wurde an Münzenberger Juden verkauft, welche auf das Hofhaus kamen und die Sachen besahen. H* A* kaufte das Tuch, (besonders das schwarze) um bare 10 Carolin; das Bandwerk kaufte M* D* um 3 Carolins. Auch das s.g. T* M**chen hatte wahrscheinlich Anteil an dem Handel.

Der Herausgeber dieses hatte, als untersuchender Richter, von diesem, auf Herzogl. Nassauischem Gebiete vorgefallenen, Straßenraub nichts als allgemeine Notizen. Was er wusste, beschränkte sich darauf: die Tuchmacher Eisenhard von Niederkleen, welche ehedem in der, unter des Verfassers Direktion gestandenen, Zuchthaus-Spinnerei zu Gießen viele Wolle zum Behuf ihres Gewerbes spinnen lassen; hatten seit langer Zeit aufgehört, welche zu schicken, und doch führten sie keine Beschwerde. Ein Straßenraub, so hieß es, hatte sie in ihrem Geschäfte zurückgesetzt. Wo? Wann? und auf welche Art der Straßenraub geschehen? dieses ist nicht bekannt geworden; viel weniger war irgendeine Anzeige in Ansehung der Täter vorhanden. Diese bei Gelegenheit der hiesigen großen Räuber-Untersuchung zu entdecken, es koste es viel Muhe, als es wolle, war nunmehr sein eifriges Bestreben, – und den ersten Grund zu dem Gelingen legte die mit einigen Dirnen der Bande über das wollene Tuch ihrer Kleider angestellte Untersuchung. Jede Frage erregte Verlegenheit, jede Antwort führte weiter auf die Spuren des begangenen großen Raubes. Man erfuhr, dass Einige von denen welche das Tuch zu dieser Kleidung geraubt hatten, wirklich hier verhaftet waren. Es ergab sich, dass auch sie, – namentlich der Schwarze Jung und Conrad Anschuh, – noch Kleidungsstücke von geraubtem Tuch besaßen. Funks und Anschuhs Beischläferinnen gestanden, dass sie durch ihre Kerls von diesem Tuch gekleidet worden. Jetzt wurde die Untersuchung gegen die Hauptschuldige rasch angegriffen. Sie konnten nicht lange leugnen, und gaben ihre Gefährten an. Man teilte die hiesigen Aussagen nach Darmstadt mit, und auch der dort sitzende Johann Adam Heusner bekannte. Auch der später eingefangene und hierher gebrachte Lumpen-Jost wurde überführt und zum Geständnis gebracht. Nur Schoden-Heinrich, den man hauptsächlich um dieses Raubs willen von Bergen, wo er saß, hierher bringen ließ, war nicht zum Geständnis zu bringen.

Durch obigen Straßenraub wurden die Gebrüder Eisenhard und der Krämer Dallinger, welchen letzteren der Schrecken ein halbes Jahr bettlägerig machte, in die tiefste Armut versetzt. Jene waren nicht im Stand, den Arzt zu bezahlen, der zu Heilung ihrer Wunden von Butzbach herbeigerufen wurde, und die Gebühren mussten aus der Amtskasse berichtigt werden. Sämtliche Beraubte erhielten zwar, wie man amtlich benachrichtigt ist, ein unentgeltliches Darlehn von mehreren Hundert Gulden aus herrschaftlicher Kasse. Allein nie erhebt sich ihr Geschäfte zum vorigen Flor wieder, keine Aussicht öffnet sich ihnen zur Rückzahlung, und am übelsten daran ist der eine Eisenhard, dem die Misshandlungen seine Gesundheit geraubt, und Gesicht und Gehör auf eine, besonders seinem Geschäfte nachteilige, Weise geschwächt haben.

GROLMANN, LUDWIG ADOLF: Aktenmässige Geschichte der Vogelsberger und Wetterauer Räuberbanden und mehrerer mit ihnen in Verbindung gestandener Verbrecher, Nebst Personal-Beschreibung vieler in alle Lande teutscher Mundart dermalen versprengter Diebe und Räuber, Giessen 1813