Die Verbrechen des Johann Martin Rupprecht

vulgo Hessen-Martin

Schon im Oktober 1810 gestand J. M. Rupprecht in Marburg vor dem königlichen Generalprokurator Freiherr Carl von Hanstein die Teilnahme an sieben Diebstählen. Dieser bot nun dem Kriminalgericht in Gießen die Auslieferung von Rupprecht an, damit dieser durch seine dort einsitzenden Komplizen zu einem umfassenden Geständnis gebracht werden könne. Gießen lehnte jedoch diese angebotene Auslieferung mit der Begründung ab, daß Rupprecht in der Oberprovinz Hessen keines Verbrechens angeschuldigt sei. Von Hanstein wandte sich daraufhin an das Peinliche Gericht in Darmstadt. Unter der Bedingung der kostenfreien Rücklieferung durch die Marburger Behörde, falls er nicht zu einem Geständnis gebracht werden könne, nahm das Kriminalgericht in Darmstadt an. Am 3. Dezember 1811 wurde Martin Rupprecht nach Darmstadt gebracht um vom Großherzoglich Hessischen Peinlichen Richter Carl Friedrich Brill vernommen zu werden.

Durch Brill und Pfister wurden insgesamt 23 Verbrechen nachgewiesen und dokumentiert. Im folgenden habe ich versucht, diese Verbrechen regional und zeitlich zu ordnen. Der jeweilige Link führt zur detaillierten Beschreibung des Verbrechens.

Hessenkarte
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um 1783

in Eckardtroth/Salmünster geboren

um 1800

Heirat mit Catharine WINDSTRUMPF
Österreichisches Militär, Dessertation in Ulm
Französiches Militär, abermalige Dessertation
Wetzlar

Ende September 1798 / 1799

Diebstahl durch Einbruch und Einsteigen zu Ostheim

BRILL, CARL FRIEDRICH: Actenmässige Nachrichten von dem Raubgesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern, besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben, Teil 2 Seite 346 Nr. 17


1798 / 1799

Diebstahl zu Wabern

BRILL, CARL FRIEDRICH: Actenmässige Nachrichten von dem Raubgesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern, besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben, Teil 2 Seite 346 Nr. 18


Weihnachten 1798 / 1799

Diebstahl durch Einbruch zu Unshausen

BRILL, CARL FRIEDRICH: Actenmässige Nachrichten von dem Raubgesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern, besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben, Teil 2 Seite 346 Nr. 19


Weihnachten 1798 / 1799

Diebstahl zu Mosheim

BRILL, CARL FRIEDRICH: Actenmässige Nachrichten von dem Raubgesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern, besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben, Teil 2 Seite 347 Nr. 20


Datum nicht dokumentiert

Diebstahl zu Wittershausen

BRILL, CARL FRIEDRICH: Actenmässige Nachrichten von dem Raubgesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern, besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben, Teil 2 Seite 347 Nr. 21


Datum nicht dokumentiert

Diebstahl zu Altenburg bei Felsberg und in der nemlichen Nacht daselbst durch Einsteigen attentierter

BRILL, CARL FRIEDRICH: Actenmässige Nachrichten von dem Raubgesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern, besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben, Teil 2 Seite 348 Nr. 22


1805

Bienendiebstahl zu Haldorf [Kassel]

BRILL, CARL FRIEDRICH: Actenmässige Nachrichten von dem Raubgesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern, besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben, Teil 2 Seite 345 Nr. 16


nach Pfingsten 1808 [5./6.Juni 1808]

Straßenraub im Altgronauer Wald

BRILL, CARL FRIEDRICH: Actenmässige Nachrichten von dem Raubgesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern, besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben, Teil 1 Seite 88 Nr. 13 (Heusner)


1809

Straßenraub bei Steinau

PFISTER, LUDWIG: Aktenmäßige Geschichte der Räuberbanden an den beiden Ufern des Mains, im Spessart und im Odenwald, enth. vorzügl. auch d. Geschichte d. Beraubung u. Ermordung d. Handelsmanns Jacob Rieder von Winterthur auf d. Bergstraße, Seite 118 Nr. CV


2. Februar 1809

Straßenraub im Wald bei Mittelgründau (Beraubung des Glaswagens und Todschlag des Fuhrmanns)

BRILL, CARL FRIEDRICH: Actenmässige Nachrichten von dem Raubgesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern, besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben, Teil 1 Seite 75 Nr. 9 (Heusner)

PFISTER, LUDWIG: Aktenmäßige Geschichte der Räuberbanden an den beiden Ufern des Mains, im Spessart und im Odenwald, enth. vorzügl. auch d. Geschichte d. Beraubung u. Ermordung d. Handelsmanns Jacob Rieder von Winterthur auf d. Bergstraße, Seite 111 Nr. XCVII


Mitte Mai 1809

Diebstahl mit Führung von Waffen an einem Frachtwagen zu Okarben

BRILL, CARL FRIEDRICH: Actenmässige Nachrichten von dem Raubgesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern, besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben, Teil 2 Seite 342 Nr. 13


nach Pfingsten 1809 [21./22. Mai 1809]

Diebstahl durch Einbruch zu Münzenberg

BRILL, CARL FRIEDRICH: Actenmässige Nachrichten von dem Raubgesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern, besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben, Teil 2 Seite 340 Nr. 12


Juni 1809

Attentierter Straßenraub im Wald bei Münzenberg

BRILL, CARL FRIEDRICH: Actenmässige Nachrichten von dem Raubgesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern, besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben, Teil 1 Seite 155 Nr. 41 (Heusner)


21. August 1809

Straßenraub zwischen Butzbach und Wetzlar [Alte Frankfurter Straße]

BRILL, CARL FRIEDRICH: Actenmässige Nachrichten von dem Raubgesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben, Teil 1 Seite 95 Nr. 15 (Heusner)


6. September 1809

Versuchter Straßenraub zwischen Ettershausen und Habicht [Zeitlofs/Steinau]

BRILL, CARL FRIEDRICH: Actenmässige Nachrichten von dem Raubgesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern, besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben, Teil 1 Seite 156 Nr. 42 (Heusner)


26. September 1809

Straßenraub zwischen Hainchen und Düdelsheim

BRILL, CARL FRIEDRICH: Actenmässige Nachrichten von dem Raubgesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern, besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben, Teil 1 Seite 110 Nr. 19 (Heusner)

PFISTER, LUDWIG: Aktenmäßige Geschichte der Räuberbanden an den beiden Ufern des Mains, im Spessart und im Odenwald : enth. vorzügl. auch d. Geschichte d. Beraubung u. Ermordung d. Handelsmanns Jacob Rieder von Winterthur auf d. Bergstraße, Seite 136 Nr. CXXXIX


27. September 1809

Attentierter Straßenraub bei Vilbel

BRILL, CARL FRIEDRICH: Actenmässige Nachrichten von dem Raubgesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern, besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben, Teil 2 Seite 337 Nr. 9

PFISTER, LUDWIG: Aktenmäßige Geschichte der Räuberbanden an den beiden Ufern des Mains, im Spessart und im Odenwald : enth. vorzügl. auch d. Geschichte d. Beraubung u. Ermordung d. Handelsmanns Jacob Rieder von Winterthur auf d. Bergstraße, Seite 85 Nr. XXXVI


Oktober 1809

Verhaftung in Hüttengesäß, Auslieferung nach Langenselbold
Mainz (Gerichtsverhandlung), zurück nach Langenselbold

05. April 1810

Flucht von Langenselbold, … „fing sogleich wieder das Rauberhandwerk an“ – steckbriefliche Suche

21. Mai 1810

Straßenraub bei Bieber

BRILL, CARL FRIEDRICH: Actenmässige Nachrichten von dem Raubgesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern, besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben, Teil 2 Seite 326 Nr. 5

PFISTER, LUDWIG: Aktenmäßige Geschichte der Räuberbanden an den beiden Ufern des Mains, im Spessart und im Odenwald, enth. vorzügl. auch d. Geschichte d. Beraubung u. Ermordung d. Handelsmanns Jacob Rieder von Winterthur auf d. Bergstraße, Seite 104 Nr. LXXIX


Juni 1810 – Verhaftung im Amt Windecken, nach Vernehmung nach Frankfurt, freigelassen

Juli 1810

Straßenraub bei Hainchen

BRILL, CARL FRIEDRICH: Actenmässige Nachrichten von dem Raubgesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern : besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben: Teil 2 Seite 336 Nr. 8


Juli 1810

Diebstahl durch Einsteigen und Einbruch auf einem Dorf bei Homburg vor der Höhe

BRILL, CARL FRIEDRICH: Actenmässige Nachrichten von dem Raubgesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern , besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben, Teil 2 Seite 344 Nr. 14


10. August 1810

Diebstahl zu Dörnigheim

BRILL, CARL FRIEDRICH: Actenmässige Nachrichten von dem Raubgesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern, besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben, Teil 2 Seite 344 Nr. 15


10. September 1810

Straßenraub auf der langen Meile bei Homburg vor der Höhe und Bonamäs

BRILL, CARL FRIEDRICH: Actenmässige Nachrichten von dem Raubgesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern, besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben, Teil 2 Seite 332 Nr. 7

PFISTER, LUDWIG: Aktenmäßige Geschichte der Räuberbanden an den beiden Ufern des Mains, im Spessart und im Odenwald : enth. vorzügl. auch d. Geschichte d. Beraubung u. Ermordung d. Handelsmanns Jacob Rieder von Winterthur auf d. Bergstraße, Seite 90 Nr. XLVII


30. September 1810

Straßenraub hinter Aschaffenburg im Spessart und vorher attentierte Diebstähle an zwei Fuhrmannskarren

BRILL, CARL FRIEDRICH: Actenmässige Nachrichten von dem Raubgesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern : besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben, Teil 2 Seite 328 Nr. 6

PFISTER, LUDWIG: Aktenmäßige Geschichte der Räuberbanden an den beiden Ufern des Mains, im Spessart und im Odenwald : enth. vorzügl. auch d. Geschichte d. Beraubung u. Ermordung d. Handelsmanns Jacob Rieder von Winterthur auf d. Bergstraße, Seite 70 Nr. XII


Oktober 1810 – Verhaftung in Romsthal und Auslieferung nach Langenselbold

14. Dezember 1810 – Verlegung nach Gießen

20. Dezember 1810 – Verlegung nach Marburg

03. Dezember 1811 – Haft im Stockhaus Darmstadt – Anklage wegen 11 Straßenräubereien und 14 Diebstähle

20. Juni 1814 – Urteil des Großherzoglichen Hofgerichtes Darmstadt -> Verurteilung zum Tode durch das Schwert, Revisionsverhandlungen des Urteils

26. Oktober 1814 – Bestätigung des Urteils

05. November 1814

Hinrichtung

Auf dem Marktplatz vor dem Rathaus zu Darmstadt ist ein kleines Podium aufgeschlagen. Rundum steht Militär mit aufgepflanzten Bajonetten. Dahinter, Tausende von Neugierigen. Auf dem Podium sitzt das Gericht. Ein Richter verlas den Delinquenten vor der Öffentlichkeit noch einmal das Urteil. Die Hinrichtung selbst fand aber nicht auf dem Marktplatz statt. Dort, wo heute die Schulstraße auf die Kirchstraße stößt stand das “Bessunger Tor “, ein Teil der alten Stadtbefestigung. Jenseits des Tores war freies Feld. Nur vereinzelt standen Häuser dort. Der Zug führte durch das Bessunger Tor auf den Bessunger Weg, die heutige Karlstraße entlang zur Richtstätte. Dort hatte man ein hohes Gerüst erbaut, dass von zwei Treppen aus zugänglich war.

Brill schreibt zum Abschluss seiner Dokumentation: «Daß Rupprecht nicht noch manches schwere Verbrechen auf sich habe, möchte ich nicht behaupten: ich glaube vielmehr das Gegentheil; allein aus Mangel an deßfallsigen bestimmten Inzichten konnte die Untersuchung damit nicht aufgehalten werden, daß derselbe zu etwaigen deßfallsigen weiteren Bekenntnissen zu bestimmen versucht worden wäre.
Ich will nicht behaupten, dass Rupprecht seine sämtlichen Verbrechen von sich einbekannt hat, inzwischen hat er doch nicht nur die, welche von ihm bekannt waren, mit Offenherzigkeit eingestanden, sondern auch andere nicht bekannt gewesene angegeben und Mehrmalen erklärt, wenn man noch etwas von ihm wisse oder erfahre, man es ihm vorhalten möge, wo er denn, wenn er schuldig sei, mit gleicher Aufrichtigkeit die Wahrheit sagen wolle, da sein schlechter Kopf (er hat wirklich ein sehr schlechtes Gedächtnis) ich sich nicht auf alles besinnen lasse.»