Andreas Fischer

vulgo Schwarzer- oder Lumpen-Andres

Er kommt auch unter dem Namen Andreas Küpper vor und zog ehemals als Korbmacher und Lumpensammler meist in Oberhessen umher. Er hatte Elisabeth Rupprecht als Beischlaferin bei sich, mit der er im Jahr 1811 zwey Mädchen von 5 — 2 Jahren hatte. Er wurde im July 1811 wegen vieler begangener Verbrechen verhaftet und nach Marburg gebracht, wo er am 1. April 1815, vor Eingang des Erkenntnisses, wodurch er statt der wohlverdienten Todesstrafe aus Gnade auf Zeitlebens zu den Eisen verurtheilt wurde, mit Tode abgegangen ist.

Quelle: Schwenken, Karl Philipp Theodor: Aktenmäßige Nachrichten von dem Gauner- und Vagabunden-Gesindel, sowie von einzelnen professionirten Dieben, in den Ländern zwischen dem Rhein und der Elbe ( 1822 ) No. 17


LII. Andreas Fischer, vulgo Lumpen-Andres, auch schwarzer Andres.

Ist ein Schwager des Hanns Martin Rupprecht. Dahier liegt [Gießen] ihm zur Last:

1) Diebstahl zu Kehna. XXXIV. 5. Desgleichen letztes Bekenntnis Barthels v. d. Velten no. 4.

2.) Straßenraub bei Vilbel, XLIII. 25. Pfister Th. I. p. 85.

3.) Straßenraub zwischen Diedelsheim und Hainchen, Pfister Th. I. p. 136, seq.

4.) Hausraub zu Mornshausen, A. Biedenkopf.

Letztes Bekenntnis Barthels v. d. Velten no. 3.

Die nachstehende Angabe über dieses Verbrechen hörte Barthel angeblich aus dem Munde Fischers bei dem Diebstahl zu Kehna, wo Fischer noch ein weißes Jäckchen anhatte, das, wie er selbst sagte, von diesem Raub herrührte.

Teilnehmer waren hiernach, außer Fischer:

  • Johannes Kaiser (LX.)
  • Philipp Jacobi (LVI.)
  • Jacob Strack und
  • Justus Strack (Brüder, Lumpensammler CXLV. und CXLVI.)
  • Philipp Seim (CXXXIX.) und wahrscheinlich
  • Konrad Kreis (LVIIl.)

Die Gesellschaft soll von Brungershausen aufgebrochen sein, und Johannes Kaiser, welcher bei dem Beraubten in der Lehre gestanden, die Gelegenheit angegeben haben. Der von hieraus erhobene Tatbestand des gedachten Verbrechens ist folgender.

Der Gemeindemann Johann Jost Werner wurde in der Nacht vom 17ten auf den 18ten Oktober 1808 von einer, wie er sagt, 8-9 Mann starken Spitzbuben Bande in seinem Haus überfallen, und unter großen Misshandlungen aller seiner Habseligkeiten beraubt. Das Entwendete bestand in 100 fl. barem Geld, dem ganzen Weißzeug, sämtlichen Kleidungsstücken, 2 Violinen, einer Bassgeige und etlichen Klarinetten. Der Verlust überhaupt ist zu 600 fl. Angegeben. Die Räuber hatten ein Gefach neben der Haustüre eingeschlagen, letztere dadurch eröffnet, und dann die Türe in der oberen Stube, worin Werner nebst Frau und einem 3jährigen Kinde schlief, mit Prügeln eingerennt. Einer von ihnen leuchtete mit einem großen Hängelicht, die andern mit, Knitteln und Pistolen bewaffnet, stürmten geradezu nach dem Bette. Die Frau wurde an den Haaren herausgerissen, und an Händen und Füßen gebunden. Dem Mann, der etliche Mal „Feuer!“ rief, wurde mit Prügeln öfters auf den Kopf geschlagen, und dann die Hände hinter den Kopf, und die Füße zusammengeknebelt. Erst wie sie alles hatten, was sie mitnehmen konnten, sprangen die Räuber fort. Nur geraume Zeit nachher gelang es dem Mann, nach vieler Anstrengung, den um seine Hände gebundenen Strick zu durchbeißen. Nun machte er Lärmen im Ort, es war aber zu spät, und keine Spur der Räuber mehr zu finden. Derjenige Räuber, welcher geleuchtet, trug nach des Beraubten Angabe einen grauen Rock, die übrige hatten blaue Kamisöler an.

Quelle: Actenmässige Geschichte der Vogelsberger und Wetterauer Räuberbanden und mehrerer mit ihnen in Verbindung gestandener Verbrecher, Nebst Personal-Beschreibung vieler in alle Lande teutscher Mundart dermalen versprengter Diebe und Räuber – Von Friedrich Ludwig Adolf von Grolmann, Giessen 1813