Johannes Lehn

vulgo Michels Hannes, Spiel-Hannes, Musikanten-Hannes, auch Lohmüller Hannes

Lehn
Johannes Lehn
Signalelement

Er ist ohngefähr 36-38 Jahre alt, 5 Fuß 2-3 Zoll groß, hat schwarze Haare , schwarze zusammengewachsene Augenbrauen, schwarze Augen, kleine stumpfe Nase, gewöhnlichen Mund und schwärzliche Gesichtsfarbe. An seinem Körper sollen sich Spuren eines erhaltenen Schrotschusses befinden.

Er ist ein Sohn von Michael Lehn, geht bald als Musikant, bald als Krämer umher und hatte Anna Margaretha Reis, eine Schwester von der Mutter des Veit Krämer zur Frau oder Beischläferin.


Siehe auch:

Beiträge zur Beurkundung der deutschen Strafrechtspflege in den drei letzten Jahrhunderten herausgegeben von Advocat Bopp in Darmstadt Erstes Heft. Stuttgart, Verlag von Gebr. Mäntler (A. Kröner). 1861

Johannes Lehn stammt aus einer Familie, welche unter dem Namen: Die Lehmüllers-Bande berüchtigt war. Er wurde zu Kestrich im Fürstenthum Oberhessen geboren, ist katholischer Religion und dermalen 35 Jahre alt. Als er das zweite Jahr erreicht hatte, verließ sein Vater Kestrich, zog einige Zeit ohne festen Wohnsitz umher und hielt sich dann bis zum Jahr 1806 zu Steinbach in dem Amt Ortenberg auf. Lehn besuchte daselbst die Schule, lernte Lesen und Schreiben, erhielt Unterricht in der Musik und erwarb sich einige Fertigkeit in Drahtarbeiten. Als er ungefähr 22 Jahre alt war, trennte er sich von seinen Eltern, zog mit Musikanten umher, und spielte in Wirthshäusern. Bei einer solchen Gelegenheit soll der nun hingerichtete Adam Heusner *) seine Bekanntschaft gemacht und ihn zu dem Räuberleben verführt haben. Er schloss sich diesem berüchtigten Verbrecher an, verschaffte sich einen kleinen Kramkasten zum Deckmantel und wurde nun Dieb und Räuber vom Handwerk. Mehrere Jahre ergab er sich in steter Gemeinschaft mit der Heusner’schen Bande dieser ruchlosen Lebensweise, und kam dann im Jahr 1810 nach Zimmern, Großherz. Badischen Amts Rothenfels, wo sein Vater inzwischen Flurschütze geworden war. Es glückte dem Sohne, die Stelle des Vaters zu erhalten, und bald nachher wurde der junge Mann als Nachtwächter und Gemeindediener angenommen.

Es wäre zu erwarten gewesen, dass diese günstige Wendung seines Geschicks ihn zu einer ehrlichen Lebensweise zurückgeführt hätte; allein diese Erwartung wurde getäuscht. Mit Schlauheit vermied er zwar jede Verschuldung in seinen Dienstverhältnissen und wusste er sich auch bei seinen Vorgesetzten einzuschmeicheln; indessen benutzte er seine Stellung zu fortwährender Verbindung mit Gaunern und bildete sich bald aus Einwohnern der Gegend eine neue Bande, mit welcher er, selbst in der Nähe von Zimmern, die frechsten Raubthaten und Diebstähle in gefährlichster Art verübte.

*) s, Brill a. a, O. Th, 1, S, 37-228: Johann Adam Heusner