Johannes Reitz

vulgo Ha(a)rbacher Hannes

Grünberg

Johannes REITZ wurde am 15.08.1769 in Grünberg-Harbach geborenen. Sein richtiger Name war REITZ, nicht Reis – wie PFISTER schrieb. GROLMAN nannte den richtigen Namen und auch in den Kirchenbüchern ist er mit „tz“ aufgeführt.
Laut den Kirchenbüchern des Kirchspieles Wirberges (zwischen Grünberg und Reiskirchen) ist erm am 15. August geboren und nur einen Tag später getaft worden. Sein Taufpate war ein Johannes Clös. Im Verzeichnis der Konfirmanden Harbachs aus dem Jahre 1784 geht hervor, daß Johannes Reitz in diesem Jahr konfirmiert wurde. Über eine mögliche Heirat findet sich kein Eintrag. Auch über seinen Tod ist nichts vermerkt.[1]

Harbacher Hannes
Phantombild des Johannes Reitz.
Zeichnung von Bernd Schwarz

Signalelement

Er ist über 50 Jahre alt, ohngefähr 5 Fuß 2 Zoll groß, von starkem plumpen Körperbau, hat schwarzbraune Haare, niedrige Stirn, blaugraue Augen, eine dicke, etwas eingedrückte aufgestutzte Nase mit weiten Öffnungen, mittelmäßigen Mund mit etwas aufgedrungenen Lippen, rundes gespaltenes Kinn, rundes volles Gesicht, starke Backen-Knochen, bräunliche Farbe. Zischt etwas beim Sprechen.

Er gehörte zu den vollendetsten Gaunern und hat sich, so oft er auch schon verhaftet gewesen, jedesmal wieder in Freyheit zu setzen gewußt. Er ist aus dem großherzogl. hessischen Amte Grünberg gebürtig, zog sonst vornehmlich in der Wetterau und dem Isenburgischen umher, und führte zum Schein einen Handel mit Zunder. Er hat nacheinander mehrere Beyschläferinnen gehabt, unter anderen die Elisabeth Mahler von Winnerod und Magdalene Bender.[2]

Insgesamt werden Johannes Reitz vom Hofgerichtsrat GROLMANN 21 Straftaten angelastet.

Harbach 1734
Harbach um 1734

Beraubung eines Frachtwagens bei Friedberg [1807]

Jonas Hoos und der Haarbacher Hannes waren 1807 in Freidberg bei einem Schlosser. Hier wollten sie Pistolen kaufen und reparieren lassen. Abends sahen sie einen beladenen Frachtwagen vor einem Wirtshaus stehen. Der Fuhrmann spannte gerade die Pferde aus und brachte sie in den Stall. Diese Gelegenheit benutzten Hoos und Reitz und schnitten eine Tasche sowie ein Paar Stiefel von dem Wagen ab. In der Tasche fanden sie 140 Taler in preußischer Münze, zwei Fuhrmannskittel und ein Hemd und sonstige Kleinigkeiten.

Weitere Beraubung von Frachtwagen zu Wolfshausen

Nach obigem Diebstahl zogen die Diebe (Jonas Hoos und Martin Knaus von Diedelsheim vulgo Mühlarzt) auf einen Strauß in die Gegend von Marburg aus. In Wolfshausen fanden sie mehrere Güterwagen auf der Landstraße. Es war Wache dabei, und von den geladenen Effecten ließ sich nichts, was sie brauchen konnten, in der Geschwindigkeit hinwegbringen. Sie begnügten sich daher mit den aufgebundenen Habseligkeiten der Fuhrleute. Nach dem Geständniß Hoosen’s namen sie 3 Fuhrmanns-Röcke und 8 Säcke. Der Wirt, vor dessen Haus die Wagen hielten, und den Schaden mit tragen mußte, gibt an, daß auch noch Stiefel und einige sonstige Kleidungsstücke entwendet wurden.

Fortshaus Harbach um 1900
Forsthaus Harbach

Qualificierter großer Diebstahl zu Harbach, Unterförster Müllers Wittwe [Frühjahr 1807]

Die Diebe Jonas HoosPeter Görzel vulgo Heiden-Peter und Johann Georg Wehrt vulgo Speckbart, hatten die seltene Kühnheit, diesen Einbruch füh abends zu verüben, als noch alle Leute im Dorf munter waren. Die Hausfrau und ihr Sohn waren zu Anderen spinnen gegangen, und hatten das Haus verschlossen. Die Diebe hatten sich aber auf den Fall des Angriffs mit Degen und Pistolen vorgesehen. Das Haus wurde ausgeleert und selbst das Bett mitgenommen. Einen verschlossenen Koffer trugen sie in den Garten und schlugen ihn mit Steinen auf. Porcellan und was sie nicht mitnehmen mochten, wurde zertrümmert. Der Werth des Entwendeten, ohne den sonstigen Schaden, ist eidlich erhärtet auf 104 fl., 2 kr.


Insgesamt werden ihm vom Hofgerichtsrat Grolman 21 Straftaten angelastet.

In der folgenden Aufzählung werden die Straftaten, an denen Johannes Reitz eine Beteiligung durch Zeugen- oder Beschuldigtenaussagen nachgewiesen werden konnte, in chronologischer Reihenfolge dargestellt [1]:

1) Zinn- und Kessel-Diebstahl mit Einbruch in Allendorf an der Ulm im Jahre 1806.

Schaden: 53 Gulden, 20 Kreuzer
Täter:
Martin Knaus vulgo Mühlarzt, Kartoffel-Müller
Jonas Hoos und
Harbacher Hannes

Die drei Diebe hätten sich laut Grolman auf der Etzel-Mühle bei Lohra getroffen und seien über Blasbach nach Allendorf gegangen.
Hier habe man am Tatobjekt ein Gefach herausgebrochen und sich so Zugang zu einem Anwesen verschafft, welches Bekannten der Freundin des ,,Mühlarztes“ gehörte.
Während der Tatbegehung habe der Jonas Hoos ein langes Messer mitgeführt. Gestohlen wurde Zinn und Kupfer, welches anschließend an einen Juden in Leihgestern verkauft wurde .

2) Diebstahl in Rixfeld in der Nacht vom 20. auf den 21. Juni 1807

Schaden: unbekannt
Täter:
Harbacher Hannes
Müllers Hannes
Hessen-Hannes (alias „dicker Hessenhannes“) bereits nach Mainz ausgeliefert.

Bei dem Geschädigten Johann Georg Dietz seien Leintücher, wollenes Garn, ein Kaffeekessel sowie Gemüse und Kleinigkeiten entwendet worden.

3). Qualifizierter Diebstahl bei der Witwe des Unterförsters Müller in Harbach im Frühjahr 1807.

Schaden: 104 Gulden, 2 Kreuzer
Täter:
Jonas Hoos
Harbacher Hannes
Peter Görzel aus Ziegenhain, vulgo Heidenpeter
Johann Georg Wehrt vulgo Speckbart

Grolman gibt in seinen Ermittlungsakten an, dass die Diebe die seltene Kühnheit besessen hätten, den Einbruch am frühen Abend zu verüben, „als noch alle Leute im Dorf munter waren.“ und spielt damit auf das dreiste Vorgehen der Täter an.
Die Witwe sei, so fahrt Grolman fort, mit ihrem Sohn zu Bekannten spinnen gegangen und habe ihr Haus ordnungsgemäß verschlossen. Die Straftäter drangen jedoch in das Anwesen ein und hätten sich für den Fall der Entdeckung mit Degen und Schusswaffen versehen.
Das Haus wurde vollends ausgeleert, selbst das. Bett wurde mitgenommen. Einen verschlossenen Koffer trugen die Räuber in den Garten und schlugen ihn mit Steinen auf, so der rekonstruierte Tatablauf. Porzellan und andere Gegenstände, die die Rechtsbrecher nicht mitnehmen mochten, seien von ihnen zertrümmert worden.
Die Schadenshöhe der entwendeten Gegenstände belief sich nach einer eidesstattlichen Erklärung der Geschädigten auf 104 Gulden.

Bei diesem Einbruchdiebstahl wird die Skrupellosigkeit des ,,Harbacher Hannes“ und seiner Kumpanen deutlich. Zum einen fand ‚der Beutezug in seinem Heimatort statt, zum zweiten deutet die. Tatsache, dass die Rechtsbrecher Waffen mitführten, auf ihre Gewaltbereitschaft hin.
Man muss wissen, dass es damals erste Bürgerpflicht war, beim Auftreten von Räuberbanden Alarm zu schlagen und sich mit Waffen, Mistgabeln, Sensen und dergleichen aktiv zur Wehr zu setzen. Im Jahre 1748 war hierzu vom Hessischen Landgrafen eine Verfügung ,,gegen das Dieb- und Raubgesindel“ ergangen:

Im Fall eine Räuberbande einen Einbruch verübt, sollen die -tseinwohner sich gegenseitig zu Hilfe eilen. Es soll gleichzeitig mit ren Glocken gestürmt werden, ohne abzusetzen. Sollten die Räuber, ~ vorgekommen ist, den Zugang zu den Glocken besetzt halten, so , Einwohner durch Schießen Lärm machen, und falls die Nachbarn nicht zu Hilfe eilen, sollen sie eine angemessene Geldstrafe erhalten.

Weiterhin wird folgendes erwähnt:

Wofern Vagabunden sich zu 3 oder 4, oder in größerer Zahl betreten lassen und mit Waffen versehen sind, sollen solche zur Niederlegung der Waffen und zur Ergebung aufgefordert werden; ich weigern, soll man alsbald scharfes Feuer auf sie geben. Werden sie lebendig eingebracht, so soll man sie, falls sie schuldig sind, einen summarischen Prozeß verurteilen und mit dem Strang vom Leben , bringen.

4) Einbruch in der Urhahnischen Burg bei dem Rath Ehrlicher in Berstadt im Frühjahr 1807

Schaden: unbekannt
Täter:
Jonas Hoos
Harbacher Hannes
Heidenpeter
Johann Georg Wehrt vulgo Speckbart

Mittels einer Leiter wurde von der Bande der Wassergraben, der die alte Burg umgab, überwunden. Sie „legten Schild ein“, d.h. sie brachen ein, indem sie sich Zugang zur Küche verschafften. Jonas Hoos hielt dabei mit einer Pistole Wache, während sich die anderen an Kupfer- und Zinngeschirr bemächtigen.
Der genaue Schaden konnte nicht festgestellt werden, so Grolman, da der Rath Ehrlicher nebst Ehefrau bereits verstorben waren und das Anwesen leer stand. Der nun verantwortliche Schultheiß konnte über den Wert der Beute keine Angaben machen.
Die Beute selbst wurde den Ermittlungen nach an einen jüdischen Händler mit den Initialen H. A. aus Münzenberg verkauft.

5) Beraubung eines Frachtwagens bei Friedberg im Jahre 1807.


Schaden: etwa 550 Gulden
Täter
Jonas Hoos
Harbacher Hannes

Hoos war mit dem ,,Harbacher Hannes“ bei einem Schlosser in Friedberg. Sie wollten sich Pistolen kaufen und reparieren lassen. Abends sahen sie einen Frachtwagen vor. dem Mainzer Tor anfahren, so Grolman. Während der Fuhrmann die eben ausgespannten Pferde in den Stall führte, schnitten beide den Kober [geflochtenes verschlossenes Behältnis, mit Leder überzogen, d. Verf.] und ein Paar Stiefel von dem Wagen ab und entwendeten diese.
Im Kober hätten sich 140 schwere preußische Taler, 2 Fuhrmannskittel, ein Hemd und sonstige Kleinigkeiten befunden.

6) Beraubung eines Frachtwagens in Wolfshausen im Jahre 1807.


Schaden: unbestimmt –

Täter: Jonas Hoos, ,,Harbacher Hannes“ und der ,,Mühlarzt“.
Die Diebe seien nach dem Diebstahl in Friedberg in die Marburger Gegend gezogen, so Grolrnan. In der Gegend von Wolfshausen hätten sie mehrere Frachtwagen auf der Landstraße stehen gesehen.
Diese Wagen seien allerdings bewacht gewesen, zudem hätten sich die Rechtsbrecher ihrer mitgeführten Gegenstände nicht schnell genug entledigen können. Folglich begnügten sie sich damit, die angebundenen Habseligkeiten der Fuhrleute zu entwenden.

7) Einbruch auf dem Lieber Hof und Entwendung zweIer großer
Branntweingeschirre um 1807/08.
Schaden: 113 Gulden
Täter: Jonas Hoos, ,,Mühlarzt“ und ,,Harbacher Hannes“.


8) Entwendung zweier Branntweinkessel in Södel um 1807/08.

Schaden: 31 Gulden
Täter: Jonas Hoos, ,,Heidenpeter“, ,,Harbacher Hannes“, ,,Mühlarzt“ und Johannes Müller (alias ,,Birklarer Schneider“) gewesen. Letzterer sei, so Grolman, bereits in Marburg hingerichtet worden.
Grolmans Vemehmungen ergaben, daß Hoos, Heidenpeter und Harbacher Hannes eigentlich auf einen Fleischdiebstahl in einem Södeler Keller begeben wollten, jedoch nichts gefunden hatten. Nachdem sie daraufhin dem Mühlarzt und dem Birklarer Schneider begegnet seien, hätten sie mit ihnen beschlossen, Branntweingeschirr zu entwenden und den Entschluß durchgeführt.

9) und 10) Glockendiebstahl und Einbruch in eine Schmiede in Harbaeb in der Nacht vom 29. auf den 30. Dezember 1808.

Schaden: insg. 46 Gulden

Täter
Conrad Anschuh
Harbacher Hannes
Kaspar Ruthmann
Elisabeth N. und der bereits verstorbene
Kaisers Konrad

In der Tatnacht seien die Diebe unter AntUhrung des ,,Harbacher Hannes“ in die Kirche in Harbach eingestiegen. Anschließend hatten sie sich auf den 42 Fuß hohen Glockenturm begeben.
Hier hätten sie, so der Jurist Grolman, mit einem starken Meißel die Glocken
losgeschlagen.
Mittels eines dicken Seiles und einer im Turm befmdlichen Leiter schleppten sie die Glocke vom Turm ins Freie. Hier wurde sie noch etwa 50 Schritte fortbegewegt.

Anschließend sei die Beute jedoch zu schwer geworden, so daß die Diebe nicht mehr in der Lage waren, selbige fortzuschaffen. Um nicht ganz leer auszugehen, habe der ,,Harbacher Hannes“ mittels des Meißels den Ring und die Ohren der Glocke abgeschlagen.
Die Reparaturkosten hätten sich auf 15 Gulden belaufen, so der Hofgerichtsrat.
Anschließend sei die Bande in einer Harbacher Schmiede eingestiegen und habe sämtliches Handwerksgeschirr entwendet. Der eidliche Wert der Gegenstände habe sich auf 31 Gulden belaufen ..
Diese Arbeitsgeräte seien wiederum an den Hehler in Münzenberg verkauft worden.

11) Einbruch und Öldiebstahl in der Neujahrsnacht 1809 in Dörheim.
Schaden: mind. 40 Gulden

Täter: Conrad Anschuh, ,,Harbacher Hannes“ und der „Schoden-Heinrich“.
In der angegeben Tatzeit wurde ein Gefach der Mühle des Konrad Schutt in Dorheim herausgebrochen, um sich so Zugang zu verschaffen. Anschließend habe die Bande die Tür zum Keller der Mühle aufgebrochen und mehrere
Ölfasser entwendet.
Conrad Anschuh gab nach seiner Festnahme folgendes zu Protokoll:
„Ich habe mit Schaden-Heinrich und Harbacher Hannes im Wirtshaus zu Münzenberg gesessen; hier habe Schaden-Heinrich, der die Gelegenheit gewußt, den Vorschlag zu diesem Diebstahl gemacht.
Harbacher Hannes und Schaden-Heinrich seyen in dem Keller gewesen; Er (Anschuh) habe Schildwache gestanden. Aus dem Keller seye zuerst ein halböhmiges Faß mit Öhl gebracht worden.
Sie hätten solches in das Feld gerollt, und daraus kleinere leere Fässer, die aus dem Keller gehohlt worden, eintrichtern wollen; das Öhl in dem großen Faß wäre aber bei der damaligen Kälte so dick und geronnen gewesen, daß sie- solches nicht einfüllen können. Sie ,hätten daher das aufgeschlagene große Faß im Feld liegen lassen; die Andern seyen in den Keller zurück, und hätten drey kleinere Fäßchen mit Öhl herausgebracht. Das Eine hiervon habe 20 Maas gehalten, das andere, so im Keller gefüllt worden, ebensoviel, wäre aber, bis sie es an Ort und Stelle gebracht, wegen schlechter Beschaffenheit ohngefähr zur Hälfte ausgelaufen; das dritte habe 6 Maas enthalten.
Ob das erste und letzte Fäßchen im Keller gefüllt worden, oder gefüllt dagelegen, wisse er nicht.
Die drey Fäßchen mit Öhl hätten sie nach Münzenberg in das v. Riesische Hofhaus gebracht. Hier habe der Münzenberger Jude H. A. die zwei große Fäßcher, worin noch 30 Maas gewesen, – die Hoffrau aber, Witwe St., das kleine Fäßchen mit denen 5 Maas Öhl, gekauft.
Für die Maas Öhl seyen 40 kr. bezahlt worden; die Fässer hätten die Käufer umsonst erhalten. “

12) und 13) Zwei Einbrüche in der Nacht vom 7. auf den 8. Januar 1809 in Oppenrod.

Schaden: etwa 33 Gulden

Täter: Conrad Anschuh, ,,Harbacher Hannes“, ,,Heidenpeter“, Heinrich Keller aus Ruppertsburg (alias ;,Ruppertsburger Heinrich“).
Aus einem Anwesen in Oppenrod wurde den Akten zu Folge ein eingemauerter Kupferkessel der Größe von 14 Eimern herausgebrochen und entwendet.
Beim zweiten Einbruch wurde ein gleicher Kes.sel von acht Eimern Größe entwendet. Zudem bemächtigten sich die Räuber einiger Töpfe mit Fett.

14) Einbruch in Albach in der Nacht vom 7. auf den 8. Januar 1809.

Schaden: nach eidlicher Angabe 30 Gulden
Täter:
Conrad Anschuh
Harbacher Hannes
Heidenpeter
Ruppertsburger Heinrich

In der gleichen Nacht seien die Täter nach Albach gezogen und staWenaus einem Anwesen einen weiteren Kessel, zwei Töpfe mit Fett, zehn „Hembdem „, also Hemden.

15) „Großer, durch Waffen, Einbruch und Mißhandlungen qualifizierter, und mit seltener Verwegenheit früh Abends verübter Diebstahl zu Hörgern, Amt Niederweisel.


3I ter Jenner 1809. “ Schaden: um 130 Gulden
Täter: ,,Ruppertsburger Heinrich“; ,,Harbacher Hannes“; Albert Krämer (alias ,,zunder-Albert“), in Würzburg verhaftet, Veit Krämer, Sohn des vorigen, in Heidelberg hingerichtet; ,,Hessen-Heinrich“; Ludwig Funk (alias „Sellnröder Ludwig“); „Schoden-Heinrich“; ,,Heidenpeter“; ,,Bruchschneiders Hannes“, bereits tot.
Grolman führt an, daß zu dieser Straftat die führenden Köpfe der Banden angetreten waren.
Die Tat selbst sei mit seltener Verwegenheit geführt worden, da sie nicht „in der Stille der Nacht“, sondern am frühen Abend verübt worden sei.
Das Kriminalitätsbild der damaligen Zeit beschreibend, meint Grolman:
„Dieser offenbare Trotz gegen die Gesetze, dieser Hohn aller Polizey¬Anstalten beweißt, wie weit es mit den Gaunern gekommen war. “
Am Tag des 31.01.1809 hätte sich, so Grolmaris Ermittlungen, die Bande auf Anraten. des „Schoden-Heinrichs“ in Münzenberg versammelt und wäre anschließend nach Hörgetn gezogen.
Hier seien sie gegen 19.- 20.00 Uhr beim Haus des Heinrich Bröder angekommen. Dieser sei mit seiner Frau in dieser Zeit bei Bekannten im Dorf gewesen, habe aber die Haustür ordnungsgemäß verschlossen.
Ein Teil der Bande habe, so der rekonstruierte Tatablauf, bei dem Einbruch „Schießgewehre“ mitgeführt. Namentlich führt Grolman. den ,,Hessen¬Heinrich“ als Inhaber eines Karabiners sowie den ,,Heidenpeter“ als Träger einer Pistole auf. Zudem seien alle Straftäter mit „Prügeln und Stecken“ bewaffnet gewesen.
Nachdem einige Diebe die Haustüre sowie eine Stubentür aufgebrochen hätten, seien aus dem Anwesen Kleider, Wäsche, Tuch und Bargeld von insgesamt 132, 30 Gulden entwendet worden.

Während der Straftat seien die Täter jedoch von am Hause vorbeilaufenden Frauen entdeckt worden. Die Einwohnerinnen wurden jedoch vom ,,Heidenpeter“ gestellt. AnscWießend habe er die anderen Bandenmitglieder informiert.
Daraufhin seien die Frauen von „Schoden-;Heinrich“, „Hessen-Heinrich“ und ,,Harbacher Hannes“ mißhandelt worden.
Durch die Schmerzensschreie wurden, so die Ermittlungsakten, andere Dorfbewohner auf die Räuberbande aufmerksam. Die Bauern gingen nun ihrerseits bewaffnet gegen die Straftäter vor und nötigten sie zum Rückzug. Hierbei verloren sie einen Teil der Beute im Wert von 100 fl. und 56 kr. Nachdem die Täter einige Schüsse auf ihre Verfolger abgegeben hätten, seien sie in verschiedene Richtungen geflüchtet.
Es wird berichtet, daß der „Schoden-Heinrich“ von seinen Verfolgern eingeholt und überwältigt wurde. Dennoch gelang es ihm, die Reihen der Einwohner zu durchbrechen, indem er einen Dolch zückte und sich so freie Bahn verschaffen konnte.
Doch stand ihm auf seiner Flucht nun die hochwasserführende Wetter im Weg. Für ihn kamen, so die Aufzeicbnungen,“nur das Ergeben oder Hineinstürzen in die Fluten in Betracht.
„Schoden-Heinrich“ wählte, so Grolman, sein Heil in der Flucht und stürzte sich in die Wetter. Jedoch hatten Fischer in diesem Gebiet Netze ausgespannt, in denen sich der Gauner verwickelte. Derart bewegungsunfähig wurde er erneut von den Dorfbewohnern gestellt
und gefangen genommen. Anschießend wurde er nach Niederweisel gebracht. Hier habe er sich, so der Hofgerichtsrat, fiir den ehemaligen preußischen Soldaten Johann Vogt aus Danzig ausgegeben und mit „unverschämter Frechheit“ die Teilnahme an diesem Diebstahl abgestritten. Er habe sogar die Aussage des gesamten Ortes verhöhnt. Bereits sechs Tage nach seiner Inhaftierung sei es dem Schoden-Heinrich gelungen, sich durch Ausbruch der Verurteilung zu entziehen.

16) Einbruch und Zinn- DiebstaW in Ostheim um 1809.


Schaden: 70 Gulden.
Täter: Johannes Vielmetter (alias „alter Jacob Heinrich“) ,,Harbacher Hannes“, ,,Hölzerlips“ und Philipp Friedrich Schütz (alias ,,Mahnen-Friedrich“).
Die beiden letzteren seinen bereits in Heidelberg hingerichtet worden.
Durch ein eingestoßenes Küchenfenster seien die Täter in das Haus in Ostheim eingedrungen und hätten neben Kupfer und Zinn etwa acht Pfund
Hammelfleisch entwendet. .
Dem ,,Harbacher Hannes“ sei eine Tatbeteiligung nach Aussage der beiden in Heidelberg festgenommenen Täter angelastet worden.

17) Tuch- und Kesseldiebstahl in Göbelnrod im Jahre 1810.

Schaden: nach eidesstattlicher Erklärung 63 Gulden
Täter:
Ruppertsburger Heinrich
Harbacher Hannes
Johann Justus Dietz

Drahtzieher der Tat soll der ,,Harbacher Hannes“ gewesen sein.
Zum Tathergang gibt der Gießener Untersuchungsrichter an, daß die Diebe ein GefachG) aus einem Fachwerkhaus herausmeißelten und in das Gebäude einstiegen. Sie seien über eine Schüsselbank gestiegen und hätten sich eines kupfernen Waschkessels bemächtigt. Dieser sei zusammen mit 105 Ellen Tuch, welches darin gesotten werden sollte, entwendet worden. Ein Spengler aus Lich sei von der Bande in einen nahe gelegenen Wald bestellt worden, um das nach heutigen Begriffen ,,Hehlerware“ genannte Raubgut abzukaufen.

18) Kleiderdiebstahl auf dem Ringelshäuser Hof, Amt Nidda um 1810/11.


Schaden: unbekannt
Täter:
Ruppertsburger Heinrich
Harbacher Hannes
Johann Justus Dietz.

Der ,,Ruppertsburger Heinrich“, so Grolman, sei über das Dach des Schweinestalles in zu einem Fenster des Wohnhauses gelangt und eingestiegen, während die anderen Wache hielten ..
Die Beute bestand aus einem Mannsrock, einem Paar lederner Hosen, einer Weibskappe, einem Halstuch und einem Kinderwämschen.

19) Kirchenraub und versuchter Glockendiebstahl auf dem Wirberg, Jahr unbekannt.

Schaden: 105 Gulden, 3 Kreuzer

Täter:
Harbacher Hannes
Ruppertsburger Heinrich

Von einem weiteren dreisten Diebesplan. aus dieser Zeit. wird ebenfalls berichtet: Der ,,Ruppertsburger Heinrich“ und der ,,Harbacher Hannes“ hatten sich vorgenommen, die Glocken der Wirberger Kirche zu stehlen. Die beiden Diebe stiegen, so der rekonstruierte Tatablauf, durch das zum Kirchhof gewandte Fenster in die Kirche ein, indem sie das Blei daran zerschnitten, das Windeisen verbogen und durch ein zwei Schuh breites und zwei Schuh hohes Loch einstiegen. Anschließend kletterten sie auf den Kirchturm. Dort angekommen mußten sie jedoch von ihrem Plan absehen, da die Glocken viel zu schwer für sie waren.
Daraufhin änderten die Täter ihren Plan und stahlen die Orgelpfeifen der Kirchenorgel. Hierbei wurde das Instrument vollständig zerstört. Einige der Orgelpfeifen konnten sogar noch verbogen und zerbrochen in der Kirche aufgefunden werden.
Überaus bestürzt berichtet der Zeitzeuge, daß die Verbrecher zahlreichen Unrat in der Kirche zurückgelassen hätten und sie sogar durch Verrichtung der Notdurft im Haupteingang entweiht hätten.
Die Reparaturkosten der Orgel hätten, so Grolmann, 98 Gulden und 48 Kreuzer betragen, während ein neues Fenster 6 Gulden, 82 Kreuzer gekostet hätte. Wiederum der Spengler aus Lich habe die gestohlenen Orgelpfeifen von den beiden Dieben erworben.

20) Einbruch in Niedereschbach

21) Diebstahl bei einem Krämer an einem ungenannten Ort.

Von den beiden letztgenannten Straftaten weiß man, laut Grolman, keine genaueren Tatumstände. Sie beziehen sich lediglich auf Aussagen des festgenommenen ,,Hölzerlips“, der auch den ,,Harbacher Hannes“ als Teilnehmer angibt.

Quellen:
[1] S. Schepp, Harbach
[2] C.P.T. SCHWENKEN, Aktenmäßige Nachrichten von dem Gauner- und Vagabundengesindel, Cassel 1821