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Aktenmäßige Nachrichten von dem Gauner- und Vagabunden-Gesindel, sowie von einzelnen professionierten Dieben, in den Ländern zwischen dem Rhein und der Elbe – Karl P. Schwencken, 1822

Inhalt

158. Dahlmann, Johannes, aus Schelborn (Hildesheim)

Signalelement

Ist 52 Jahr alt, mittlerer Statur, hat braune Haare, graue Augen, und spricht gewöhnlich plattdeutsch. Sein Vater, Johannes Dahlmann, vulgo Sarstädter Johann, ein seiner Zeit berüchtigter Räuber, soll von seinen Kameraden erschossen worden sein (a). Er, der Sohn, erhielt im Frühjahr 18o7 zu Hildesheim eine 14tägige Gefängnisstrafe und körperliche Züchtigung. Im Dezember desselben Jahrs wurde er von neuem mit Peter Christian Wolf (No. 1175) und andern Gaunern zu Dilligsen verhaftet, entkam aber wieder.

(a) Interessante Zeichnungen 1c. S. 58.

159. Damm, Johann Herrmann, aus Zierenberg (Kurhessen)

Signalelement

* Ist 32 Jahr alt,5 Fuß 4 Zoll groß, hat hellbraune Haare und Augenbraunen, blaue Augen, kleine Nase, gewöhnlichen Mund, rundes Kinn, rundes Gesicht, gesunde Gesichtsfarbe. Ist im Herbst 1815 aus dem Stockhause in Cassel, wo er eine ihm wegen Diebstahl zuerkannte 5jährige Eisenstrafe verbüßen sollte, entwichen.

160. Dambach, Joseph, vulgo Tyrolers Joseph, aus Salzschlirf.

Signalelement

* Er ist 36–38 Jahr alt, 5 Fuß 6 Zoll groß, untergesetzter Statur, hat gelbbraune Haare und Augenbraunen, hellgraue Augen mit einem tückischen scheuen Blick, starke, sehr gebogene spiß zulaufende Nase, kleinen Mund mit etwas hervorragender Unterlippe, breites Gesicht mit Blatternarben. Er ist katholisch und von Profession ein Zimmermann. Er brach im Februar 1811 aus dem Zuchthaus zu Fulda, wo er schon früher wegen Diebstahls bestraft worden war, aus, wurde zu Schlitz wegen wiederholter Diebstähle von neuem verhaftet und nach Giesen abgeliefert, von wo er im Dezember 1812 nach Fulda zurückgebracht wurde (a).

(a) v. Grolmann a. a. D. S. s und 439.

161. Danz, Catharine, aus Wildungen im Waldeckschen gebürtig.

Sie ist 27 Jahr alt. Sie verließ schon in ihrer Jugend ihren Geburtsort und trieb sich auf dem Lande umher. Später verheiratete sie sich in Cassel, beging das selbst mehrere Diebstähle und wurde deshalb zu 4wöchiger Gefängnisstrafe und Landesverweisung verurteilt. Conrad Danz, aus Wildungen gebürtig, ein Korbmacher, der eine Tochter des Amerikaner Wilhelms zur Frau hat, ist wahrscheinlich ein Verwandter von ihr.

162. Dehn, Daniel, aus Frankenau (Kurhessen).

Signalelement

* Er ist 22 Jahe alt, 4 Fuß 8 Zoll groß, untergesetzter Statur, hat blonde Haare, blaue Augen, kleine eingebogene Nase, kleinen Mund, rundes Kinn. Er wurde im April 182o vom Kriminal- Gericht in Marburg mit Steckbriefen verfolgt.

165. Deihard, Anne Margarethe, vulgo Schlizer-Grith, aus Niedermoos.

Sie war früher Zuhälterin des Joh. Henrich Ritter (No. 824), saß mit diesem 181 1 in Giesen, wo ihr der erlittene Arrest zur Strafe angerechnet, und ihre Polizeiliche Beaufsichtigung verfügt wurde (a).

(a) v. Grolman a. a. O. S. 150 und 177.

164. Deinhard, Heinrich oder Johannes, angeblich aus Dreutschin in Ungarn.

Signalelement

* Er ist 32 Jahr alt, 5 Fuß 5 Zoll groß, schmal von Statur, hat blonde Haare, blaue Augen, eine etwas dicke und spitze Nase, spitzes Kinn, mangelhafte Zähne. Hat zwei kleine Warzen an der rechten Seite der Nase; Schmarren an der linken Hand unter dem Daumen, auf dem Zeige- und den beiden Mittelfingern, eine runde Narbe am rechten Unterarm, etwas eingebogene Knie. Spielt gut Billard. Er nennt sich auch Müller und Schäfer und gibt sich für einen Koch und Kellner aus. Im Jahr 1819 saß er wegen Einbruchs in Hanau, brach aber dort aus, und wird daher mit Steckbriefen verfolgt.

165. Deisch, Joh. Christoph, oder Treisch vulgo der Rothhösigte, aus Friedert (Würzburg)

Signalelement

Er ist ungefähr 60 Jahr alt, etwa 5 Fuß 4; Zoll groß, hat schwarze Haare, ein mageres Gesicht, und gelbliche Gesichtsfarbe. Ein Genosse der Grabfelder Gauner, befand er sich im Jahr 1810 zu Maßfeld (Meiningen) und im Jahr 1811 zu Bischofsheim (Würzburg) in Untersuchung.

166. Delis, Martin, vulgo Zahnfranzen Martin.

Er ist ein Sohn von Franz Delis, vulgo Zahnfranz, der als Zahnbrecher umherzog, und dessen zahlreiche Abkömmlinge größtenteils Diebe und Landstreicher sind. Martin Delis, ein Genosse von Schinder-Hannes (a), saß 1811 in Mannheim, von wo er nach Mainz ausgeliefert worden ist (b).

167. Delis, Philipp, vulgo Zahnfranzen Philipp.

Signalelement

Er ist 43 bis 44 Jahr alt, 5 Fuß 5 – 6 Zoll groß, schlanker Statur, hat schwarze über die Stirn hängende Haare, schwarze Augenbraunen und dergleichen Augen, etwas gebogene spitze Nase, mittelmäßigen Mund, spitzes Kinn, längliches mageres Gesicht, blasse Gesichtsfarbe. Er ist ein Bruder von Martin Delis (No. 166), hatte sonst eine Schwester des Joh. Fuchs, vulgo barfüßiger Hannes (No. 274) zur Beischläferin, mit der er 181o zwei Kinder hatte, von denen das eine, ein Knabe, damals 5 Jahr, das andere, ein Mädchen, 5 Jahr alt war. Ehemals hielt er sich meist im Isenburgschen auf, nachher soll er zu Seelbach im Nassauschen seine Hauptniederlage gehabt haben (c).

(a) Actenmäßige Geschichte der Räuberbanden an den beiden Ufern des Rheins. Th. II. S. 455. No. III. | (b) Pfister a. a. O. Th. I. S. 154 und Th. II. S.202. | (c) Pfister a. a. D. Th: I. S. 198. Th. II. S. 255. Brill S. 505

168. Denst, Johannes, vulgo großer oder Kanngießers Hannes.

Er wohnte in früherer Zeit zu Steinau, und hatte eine Frau oder Beischläferin mit Vornamen Marie. Ein Bruder von ihm, Bendict Denst, zieht als Zinngießer umher, eine Schwester Anne Marie ist die Zuhälterin des Joh. Reipert (No. 814) und eine andere heißt Juliane. Die beiden letzten saßen 1811 zu Fulda. Er kommt als Mitglied der Diebesbanden am Main c. vor, saß 1811 zu Coburg (a) und ist höchst wahrscheinlich Eine Person mit Joh. Ferd. Hartmann (No. 555).

(a) Daselbst. Th. I. S. 164. Th. II. S. 217.

169. Dette, die Familie.

Die Mitglieder dieser Familie treiben sich als Kesselflicker und dergleichen, vornemlich im Fürstenthum Niederhessen, und den angrenzenden Ländern umher und stehen durch Heirath mit den übrigen in jenen Gegenden streifenden Vagabunden: Familien in enger Verbindung. Ihre gewöhnliche Niederlage hatten sie schon seit einer Reihe von Jahren in Kirchhosbach (Kurhessen). Der Stammvater dieser Familie ist David Dette, der aus Böhmen herstammen und vor 15 bis 20 Jahren als vacirender Kesselflicker in Eiterhagen (Kurhessen) gestorben sein soll. Er hat folgende Kinder hinterlassen:

I. Caspar Dette, ungefähr 65 Jahr alt, zu Kirchhosbach wohnhaft. Dieser hat mit Anne Catharine Ronshausen, aus Weisenborn gebürtig, 5 Kinder, als:

1) Wilhelm Dette, 52 Jahr alt, Kesselflicker, zu Kirchhosbach wohnhaft und an Anne Elisabeth Bindemann (No. 74. IV. 4.) verheiratet, welche ihm 5 Kinder geboren hat:

  • a) Anne Elisabeth, 7 Jahr alt;
  • b) Charlotte, 5 Jahr alt und
  • c) Peter, 5 Jahr alt.

2) Elisabeth, 39 Jahr alt, in Kirchhosbach geboren, hat mit dem Tagelöhner Christian Mell, aus Erkshausen gebürtig und in Kirchhosbach wohnhaft, mit dem sie in der Ehe lebt, 4 Kinder:

  • a) Anne Elisabeth, 15 Jahr alt;
  • b) Johannes, 9 Jahr alt;
  • c) Caspar, 7 Jahr alt; und
  • d) Anne Else

3) Anne Elisabeth, 29 Jahr alt, an Henrich Lorchheim verheiratet.

II. Anne Catharine, zu Allendorf an der Landsburg geboren, war Beischläferin des Christoph Bachmann (No. 17) und hatte von diesem und andern Zuhältern 6 Kinder, soll aber im Jahr 1815, wo sie sich mit Anton Röttgen (No. 854) zu Marburg in Untersuchung befand, noch vor Eingang des Strafurteils, wodurch sie auf 5 Jahre zum Zuchthause verurteilt worden, in einem Alter von einigen 60 Jahren in dem dortigen Gefängnisse gestorben sein. Sie hatte schon im Jahr 1787 mit Joh. Jost Müller (No. 59 d. V ) zu Cassel gesessen, und war damals des Landes verwiesen worden. Ihrer damaligen Angabe nach war sie mit einem Kammerjäger Namens Nicolaus Jacobi vom Eichsfelde verheiratet.

III. Magdalene ist dreymal verheiratet gewesen:

1) mit dem Scheerenschleifer Lorenz Diedrich aus Rotenburg

2) mit Georg Alberg, einem Scheerenschleifer vom Eichsfelde, von welchem sie zwei Söhne hat, als:

  • a) Joseph Alberg, welcher ungefähr 26 Jahr alt, in Bittstädt bei Mühlhausen geboren, und am Arm

und Bein lahm ist; treibt die Zinngießer-Profession, und hat mit Anne Catharine Bindemann, Tochter des Joh. Bindemann (No. 77.) drey Kinder von 5–2 Jahren.

  • b) Johannes Alberg, 2o Jahr alt, Zinngießer in Bittstädt, geht an Krücken;

3) mit Johannes Bindemann (No. 77) in Münchhosbach. Mit diesem hat sie einen Sohn, Namens Caspar, 15 Jahr alt, welchen Wilhelm Dette (No. 69. I. 1) bei sich hat.

IV. Anne Gertrud, in Retterode geboren, war an Michael Kaufhold (No. 475) verheiratet, und ist im

Jahr 1816 zu Cassel in der Gefangenschaft gestorben.

V. Justine, einige und 4o Jahre alt, ist an Jacob Velmeder, einem irden Geschirrhändler aus Abterode, verheiratet, und hat mit demselben mehrere Kinder, von denen das älteste, Leonhard, 12 – 15 Jahr alt ist, und ein anderes Christian heißt.

VI. Christine, ungefähr 58 Jahr alt, hat vom Christian Heß aus Germerode, der sich als Schneider, Zinngießer und Musikant nährt und in Wallburg wohnt, Töchter, von denen die älteste, Anne Marthe, 17 bis 18 Jahr alt ist.

170. Deutscher, Johann Adam, vulgo Husaren-Adam, aus Hundshausen (Kurhessen) gebürtig.

Signalelement

* Er ist 38 Jahr alt, 5 Fuß 5 Zoll groß, hat blonde Haare und Augenbraunen, blaue Augen, gewöhnliche Nase, großen Mund, spitzes Kinn, rundes Gesicht, gesunde Farbe. Er hat von jeher ein Landstreicherleben geführt, hatte eine Schwester des Martin Ruprecht (No. 7o d. V.) zur Beischläferin, und ist in Verbindung mit andern Gaunern auf Diebstähle ausgegangen. Endlich wurde er verhaftet, und auf unbestimmte Zeit zu den Eisen verurteilt, entwich aber im Herbst 1815, bei Gelegenheit des Einmarsches russischer Truppen, aus dem Stockhause in Cassel und trieb sich sodann mit Conrad Koch (No. 512), dem scheelen Heinrich (No. 1120) und andern Gaunern stehlend an der hessischen Grenze umher. Später soll er und Paul Ruprecht (No. 862) wegen Plünderung eines Schäferkarrens bei Lenderscheit, in Homsberg (Kurhessen) gesessen, aber wieder entlassen sein.

Im Februar 1816 wurde er endlich wieder zum Stockhause in Cassel eingebracht, und sodann im Januar 1817 begnadigt. Er ist wahrscheinlich ein Bruder von dem Folgenden.

171. Deutscher, Johann Heinrich, vulgo Hessenländer Heinrich.

Signalelement

* Er ist 27 Jahr alt, 5 Fuß 9 Zoll groß, stark und gut gewachsen, hat blonde Haare und Augenbraunen, gewöhnliche Augen, gewöhnliche Nase und Mund, rundes etwas vorragendes Kinn, blasse Gesichtsfarbe, einige Blatternarben im Gesicht, und in der linken Hand, in der Gegend der Pulsader, eine 2 Zoll lange Narbe. Sein Vater, Christian Deutscher, war Husar in schwedischen Diensten, und zog nachher als Vagabund umher. Seine Mutter, Anne Elisabeth Deutscher, vulgo Anne Lies, hat einen blinden Sohn, Namens Wilhelm, von etwa 38 Jahren und eine Tochter Namens Anne Barbara, vulgo Bärbchen bei sich. Johann Adam Deutscher (No. 170) ist höchstwahrscheinlich ein Bruder von ihm. Er saß im Jahr 181 1 zu Giesen wegen Diebstahls in Untersuchung, wo er im November 1812 zur Landesverweisung verurteilt, und hierauf nach Marburg ausgeliefert wurde (a). Er soll sich gegenwärtig meist in Kirchberg aufhalten.

(a) v. Grolman a. a. O. S. 187 und 439.

172. Dicke Liese, die.

Signalelement

Sie ist ungefähr 4o Jahr alt, hat schwarze Haare, und eine fesche Gesichtsfarbe. Sie zieht mit andern Vagabunden in Niederhessen umher, und hat einen dicken buckligen Knaben von 12–14 Jahren bei sich. Sie ist wahrscheinlich Eine Person mit der ehemaligen Beischläferin des Friedrich Blum (No. 95.)

175. Diedrich.

Die Vagabunden-Familie dieses Namens stammt vom Eichsfeld, von wo aus ihre Mitglieder größten Teils als Kesselflicker und dergleichen in den benachbarten Ländern umherstreichen, und die öffentliche Sicherheit gefährden. Sie stehen mit den übrigen in diesen Gegenden existierenden Gauner-Familien in Verbindung und Verwandtschafts-Verhältnissen. Es gehören zu dieser Familie

1) Conrad Diedrich, welcher mit Elisabeth Lorchheim (No. 617. IV.) zwei Kinder hat, von denen ein Sohn Namens Franz im kurhessischen Regiment Prinz Solms als Tambour gestanden haben, und eine Tochter, Namens Marie, sich beim Förster zur Hoheneiche aufhalten soll. Vielleicht Eine Person mit Conrad Diedrich (No. 8 d. V.)

2) Johannes Diedrich, Scherenschleifer, in Rotenburg (Kurhessen) verstorben, hat mehrere Kinder hinterlassen, von welchen:

a) Marie Elisabeth, am Johannes Lorchheim (No. 617 I.) verheiratet gewesen, und vor 10 – 12 Jahren

in Weiterode verstorben ist.

b) Rebecca, an Johann Herrmann Bindemann (No. 74) verheiratet und

c) Ernst Adolph Werner, welcher während der westfälischen Periode zu Marburg im Gefängnisse gestorben ist, und vier Kinder hinterlassen hat, als:

  • 1) Wilhelm (No. 175d.),
  • 2) Andreas (No. 174 b.),
  • 3) Anne Marie, 18 Jahr alt und
  • 4) Elisabeth, 15 Jahr alt, sich beide in Treffurt bei ihrer Mutter, Anne Catharine, geb. Dunkel, aufhaltend. Sodann gehören noch zu dieser Familie:
  • 5) Adolph Diedrich (No. 174 a.)
  • 6) Andreas Diedrich (No. 175 b.)
  • 5) Conrad Diedrich (No. 8 d.V) und wahrscheinlich auch
  • 6) Anne Marie Diedrich (No. 175a.)

174a. Diedrich, Adolph.

Signalelement

Er ist 45 bis 50 Jahr alt, großer starker Statur, hat schwarze Haare, schwarzgraue Augen, lange starke Nase, etwas aufgeworfenen Mund, vollkommenes Gesicht, dunkele Gesichtsfarbe. Er zieht, wie die meisten seiner Verwandten, als Zinngießer umher, und hat sich im Darmstädtischen und andern Gegenden in Gemeinschaft mit andern Gaunern einer Menge Verbrechen schuldig gemacht. Er hat früherhin einmal eine Zeitlang den Namen Hofmann geführt (a).

(a) Pfister a. a. D. Th. II. S. 221. – v. Grolman S.473.

174b. Diedrich, Andreas, zu Frankenhain im Weimarschen geboren.

Signalelement

* Er ist 25 Jahr alt, 5 Fuß 4 Zoll groß, schmaler Statur, hat hellbraune krause Haare, dunkelblaue gräuliche Augen, große vorne dicke Nase mit großes Nasenlochern, dicken aufgeworfenen Mund, kleinen stark gespaltenes Kinn, schmales längliches Gesicht mit vielen Blatternarben, starken Backenbart, am Zeigefinger der linken Hand eine Schnittnarbe, und durchstochene Ohrläppchen. Er ist ein Sohn des zu Marburg in der Gefangenschaft gestorbenen Ernst Adolph Diedrich No. 175 c.) und seit 1816 verheiratet mit Anne Marie Holzapfel (No. 56 d. V.), mit der er 1818 ein Kind hatte.

Er saß 1810 mit seiner Mutter Anne Catharine Dunkel und 1812 mit seinem Bruder Wilhelm (No. 175d) in Marburg. Im Jan. 1818 wurde er von neuem in Abterode verhaftet, nach Eschwege und von da mit Joh. Stelzner (No. 1025.) und andern nach Cassel geliefert, wo ihm im Febr. 1820, unter Anrechnung des erlittenen Arrestes zur Strafe, das fernere Vagabundiren untersagt und er in seine Heimat gewiesen wurde. Bei seiner Verhaftung führte er einen Patz, der ihm auf eine Bescheinigung, dass er seinen früherem Pass verloren hätte, vom kurhessischen Amte Buschhausen ausgestellt war.

175a. Diedrich, Anne Marie, zu Altenbursla (Kurhessen) geboren.

Signalelement

* Sie ist 34 Jahr alt, (im Dezember 1787 geboren) 5 Fuß 1 Zoll groß, hat braune Haare, hellbraune Augenbraunen, hellblaue Augen, kleine spitze Nase, ziemlich dicke Lippen, große Zähne, von denen die beiden mittelsten des Oberkiefers ausgezeichnet breit auch länger als die übrigen sind, rundes Kinn, weiße Haut und kleine wohlgeformte Hände. Ihr Vater hat Joh. Heinrich Diedrich geheißen, ist aus Gesterode gebürtig und ein Zinngießer gewesen; ihre Mutter Anne Elisabeth Vockerod ist zu Lengefeld geboren. Sie ist verheiratet an Georg Peter Heckmüller (No. 362b), mit dem sie im Jan. 1818 verhaftet, nach Eschwege und von da nach Cassel gebracht wurde, wo sie im April 1821 unter Anrechnung des erlittenen Arrestes noch zu 4wöchiger Zuchthausstrafe, so wie zur Landesverweisung verurteilt ward. Sie gehört dem Gaunergesindel an und ist höchst wahrscheinlich ein Mitglied der Familie Diedrich (No. 175.)

175b. Diedrich, Andreas, vulgo Bäckers Andres, zu Hilkerode auf dem Eichsfelde geboren.

Signalelement

* Er ist 28 Jahr alt, 5 Fuß 2 Zoll groß, hat blonde Haare, hohe Stirn, blaue Augen, rundes Kinn. Er befand sich mit Joh. Henrich Bicker (No. 70) und andern im Jahr 1811 zu Marburg in Untersuchung, und wurde daselbst im Jahr 1812 zu einer 6jährigen Eisenstrafe verurteilt. Ein Bruder von ihm war Conrad Diedrich (No. 8 d. V. ) welcher im Jahr 1804 in Cassel des Landes verwiesen worden und im Juli 1815, 36-40 Jahr alt, zu Marburg im Gefängnis gestorben ist.

175c. Diedrich, Christoph, in Buckelhagen (Schwarzburg) geboren

Er soll, wie ihn Joh. Sippel (No. 991) zu Eisenach beschuldigt hat, mit Gaunern in Verbindung stehen und an deren Taten Teil nehmen.

175d. Diedrich, Wilhelm Ernst, zu Hörselsau im Gothaischen geboren.

Signalelement

* Er ist 23 Jahr alt, (im Juli 1793 geboren), 5 Fuß 4 Zoll groß, hat braune Haare, flache Stirn, graue Augen, längliches blasses Gesicht. Er ist ein Sohn des Ernst Diedrich (No. 175c.) Und verheiratet mit Eva Elisabeth Esch (No. 222.) Er zog früher als Scherenschleifer umher, ließ sich um das Jahr 1810 in Grebenstein (Kurhessen) nieder, wurde im Jan. 1812 in Marburg eingebracht und daselbst wegen Teilnahme an den von Conrad Riemann (No. 823) verübten Kobold-Diebstählen im April 1812 zu einer halbjährigen Zuchthausstrafe verurteilt.

176. Diesing, Heinrich.

Signalelement

Er ist einige und 40 Jahre alt, mittlerer Statur, hat schwarze Haare, hageres längliches Gesicht und spricht etwas Französisch. Er hatte um das Jahr 1807 eine Frau mit einem 1jährigen Knaben bei sich. Die erste war damals etwa 26–28 Jahr alt, hatte schwarze Haare, und ein längliches spitzes Gesicht. Er war ehemals Diebesgenosse von Theodor Unger (No. 84 d. V.), saß 1810 in Heiligenstadt und 1813 in Magdeburg.

177. Dietel, Johann Thomas, vulgo Bieglers-Schuster, aus Sparneck gebürtig.

Signalelement

Er ist einige und 60 Jahre alt, mittlerer Statur, hat ein hageres Gesicht, blasse Gesichtsfarbe und eine Platte. Von Profession ein Schuhmacher und Topfbinder. Er wird mit Joh. M. Kaufmann (No. 478) und J. F. Krauskopf (No.56), wegen Mordes, von Lobenstein (Reus) aus mit Steckbriefen verfolgt (a).

178. Dietz, Caspar.

Signalelement

Er ist ungefähr 27 Jahr alt, mittlerer Statur, hat schwarze Haare, und braune Gesichtsfarbe. Er ist ein Bruder des Joh. Justus Dietz (No. 9 d. V.), hatte ehemals eine Beischläferin, Namens Lehne, welche aus dem Hessischen stammen soll.

179. Dietz, Catharine.

Signalelement

Sie ist die Tochter eines herumziehenden Korbmachers, Namens Heinrich Dieß, und hatte zwei Brüder, wovon der eine Joh. Justus (No. 9 d. V.) im März 1815 zum Tode verurteilt worden ist, und der andere Caspar (No. 178) damals im nassauischen Militär-Dienst gestanden haben soll. Sie war die Beischläferin des Joh. Henrich Becker (No. 6o), mit dem sie auch 1811 in Giesen saß, dort aber wieder in Freiheit gesetzt wurde (b).

(a) Mitteilungen z. B. d. S. Jahrgang 1819 No. 4. | (b) v. Grolmau S. 53 und 333.

180. Dietz, Conrad,

ein als Lumpensämmler herumziehender Vagabund, hat Catharine Strack, eine Schwester des Justus Strack (No. 1056), zur Frau oder Zuhälterin (a).

181. Dietz, Margarethe, aus Unteralba,

ist an Johann Melchior Hartmann (No. 556) verheiratet (b).

(a) Anklageakte gegen die 1813 zu Marburg verurteilte Diebesbande S. 18. | (b) v. Grolman S. 489,

185. Discher, Conrad, aus Rühnda.

Er ist 49 Jahr alt und reformirter Religion. Er wurde im April 1808 wegen Einbruchs auf 5 Jahre zu den Eisen verurteilt, und im Januar 1815 aus dem Stockhause zu Cassel nach Heiligenstadt transferiert. Im Jahr 1808 hatte er zwei Kinder.

184. Dittmann, Johannes, ein Schlosser aus Riechelsdorf (Kurhessen)

42 Jahre alt, wurde im August 1811 wegen Verkehrs mit Gaunern zu einer zweijährigen Eisenstrafe condemnirt.

185. Ditmar, Johannes, aus Römersberg (Kurhessen).

Signalelement

* Er ist 22 Jahre alt, 5 Fuß7 – 8 Zoll groß, von starker Statur, hat blonde Haare, hohe Stirn, braune Augenbraunen, eingebogene vorn breite Nase, kleinen Mund, gute Zähne, rundes Kinn, ovales Gesicht, gesunde Gesichtsfarbe. Er gibt sich damit ab, Leinen zu drucken. Im Jahr 1816 verbüßte er wegen Pferdediebstahls eine 4wöchige Zuchthausstrafe, wurde im August 1819 wegen neuer Diebstähle mit Valentin Hill (No. 593), Anne Elisabeth Meyer (No. 665), Emiliane Bindemann (No. 75) und anderen Landstreichern verhaftet, nach Cassel gebracht und daselbst zu einer halbjährigen Eisenstrafe, mit Willkommen, verurteilt. Anne Elisabeth Meyer war damals seine Beischläferin.

186. Dobert,

war ein Raubgenosse der Gebrüder Harting (No. 551), mit denen er namentlich im Oktober 18o1 einen Raub in dem Pfarrhaus zu Seilauf und im Januar 1802 einen Raub zu Burghaun, im Fuldaischen, verübt hat. Sein wahrer Name, so wie sein Signalement, sind unbekannt.

187. Docter, Auscher Leib, von Obergrenzenbach (Kurhessen) gebürtig, ein Jude.

Er befand sich schon im Jahr 1802 zu Ziegenhain in Untersuchung und wurde im Jahr 1812, wegen Verbindung mit Gaunern, zu einjähriger Eisenstrafe verurteilt.

188. Döbber, Johann Heinrich, aus Quedlinburg.

Signalelement

* Ist 58 Jahre alt, 5 Fuß 2 Zoll groß, hat braune Haare und Augenbraunen, graue Augen, lange Nase, großen Mund, breites Kinn, rundes Gesicht, starken Bart. Er entwich im Herbst 1815 mit anderen Sträflingen aus dem Stockhause in Kassel, wohin er im Jahr 1810 zu Magdeburg wegen Kirchenraubes auf 12 Jahre verurteilt worden war.

189. Dönges, Johann Heinrich, vulgo Kätten-Heinrich, von Eichelhain gebürtig.

Signalelement

* Er ist 34 Jahre alt,5 Fuß 7 Zoll groß, schmaler Statur, hat blonde Haare, hohe Stirn, braune Augenbraunen, blaue Augen, längliche Nase, kleinen Mund, rundes Kinn, bleiche Gesichtsfarbe. Eine Schwester von ihm, Anna Barbara Ursula Dönges, war Zuhälterin des Johannes Stahl (No. 1005), eine andere, welche aber verstorben ist, Zuhälterin des Henrich Kurz (No. 571). Er selbst hatte Anne Elisabeth Eva Boß (No. 1 o1) zur Beischläferin. Er gehörte zu der Vogelsberger Bande, saß deshalb im Jahr 1812 mit seiner Zuhälterin zu Giesen, wo ihm im August 1812 eine 20jährige Zuchthausstrafe zuerkannt wurde (a).

(a) von Grolman a. a. O. S. 38 u. 203.

190. Döpke, Heinrich, aus Aarken im Paderbornschen

Signalelement.

* Er ist 32 Jahre alt, 5 Fuß 5 Zoll groß, hat hellblonde Haare und Augenbraunen, hellgraue Augen, lange unten starke Nase, gewöhnlichen Mund, breites Kinn, längliches Gesicht. Er befand sich im Jahr 1813 wegen Diebstahls auf 2 Jahre in dem Stockhause zu Cassel, als er im Herbst des gedachten Jahrs, beim Einmarsch der Russischen Truppen, Gelegenheit erhielt, mit den übrigen Sträflingen zu entweichen.

191. Döring, Johannes.

Signalelement

* Er ist ungefähr 58 Jahr alt, magerer Statur, hat schwarze Haare, ein längliches eingefallenes Gesicht. Bei der im Jahr 1809 zu Heiligenstadt wider Joh. Claus Dippach geführten Untersuchung ist er als ein Gauner-Vertrauter vorgekommen.

192. Döring, Joh. Gottfried, aus Mühlhausen bei Heiligenstadt.

Signalelement

* Er ist 55 Jahre alt, 5 Fuß 9 Zoll groß, hat dunkelblonde Haare und Augenbraunen, hellbraune Augen, gewöhnliche Nase und, Mund, spitzes Kinn, längliches Gesicht. Er ist im Herbst 1815 aus dem Stockhause zu Cassel entwichen, wohin er im Jahr 1819 zu Heiligenstadt wegen gewaltsamer Diebstähle auf 20 Jahre verurteilt worden war.

195. Dorothea N. N. vulgo Schandnudels Dort.

Signalelement

Sie ist etwa 60 Jahre alt, großer schlanker Statur, hat schwarzgraue gemischte Haare. Sie hat, nach der in Giesen geführten Untersuchung, in Gemeinschaft mit anderen Gaunern verschiedene Diebstähle verübt (a).

(a) v. Grolman a. a. O. S. 474,

194a. Dreher, Anne Catharine, aus Dauernheim gebürtig.

Signalelement

* Sie ist einige und 60 Jahre alt, 4 Fuß 7 Zoll 5 Strich groß, hager von Statur, hat bräunliche Haare, breite hohe Stirn, gelbe Augenbraunen, grauliche Augen, schmale spitze etwas eingebogene Nase, mehr großen als kleinen Mund, längliches Gesicht. Sie war Zuhälterin des Jacob Heinrich Vielmetter (No. 1079), mit welchem sie in Giesen saß, dort aber wieder entlassen wurde (b).

 (b) Daselbt S. 227.

194b. Drewes, Heinrich, aus Helmeren (Paderborn) gebürtig.

Signalelement

* Er ist 31 bis 34 Jahre alt, 5 Fuß 4 Zoll groß, ziemlich starker Statur, hat hellbraune Haare, hohe Stirn, braune Augenbraunen, hellblaue kleine Augen, mittelmäßige Nase, kleinen Mund, rundes Kinn und Blatternarben im Gesicht. Nachdem er schon zweimal wegen Diebstahls bestraft worden war, (im May 1817 zu Hofgeismar mit 8tägigem Gefängnis und im September desselben Jahrs in Paderborn, mit 6o Peitschenhieben und 1 jährigem Zuchthaus) wurde er im Dezember 1820 wegen gleichen Verbrechens abermals verhaftet und nach Cassel abgeliefert, entwich aber aus der dortigen Charité, wohin er seiner erfrorenen Füße halber abgegeben war, wurde aber, nachdem er eine Zeitlang heimatlos umhergestrichen, auch mehrere neue Diebstähle verübt hatte, wieder eingefangen und nach Cassel zurückgebracht, wo ihn nunmehr die verdiente Strafe erwartet.

195. Drewes, Johann Joachim, aus Seehausen.

Signalelement

* Er ist 50 Jahre alt , 5 Fuß 3 Zoll groß, hat blonde Haare und Augenbraunen, blaue Augen, breite Nase, großen Mund, dicke Lippen, kleines spitzes Kinn, rundes Gesicht, rötlichen Bart und Blatternarben. Er wurde wegen Diebstahls zu einer 5jährigen Eisenstrafe verurteilt, und entwich im Herbst 1815 aus dem Stockhause in Cassel.

196. Drößler, Gottfried, angeblich von Mollwitz gebürtig.

Signalelement

* Er ist 47 Jahre alt, 5 Fuß 4 Zoll groß, hat schwarze Haare, hohe Stirn, graue tiefliegende Augen, große Nase, mittelmäßigen Mund mit dicken Lippen, rundes Kinn, längliches Gesicht, starken schwarzen Bart, braune Gesichtsfarbe. Er saß 1811 mit einer Anzahl anderer Vagabunden in Mannheim.

197. Dube, Heinrich, aus Quedlinburg.

Signalelement

Er ist 35 bis 40 Jahre alt, mittlerer Statur, hat blonde Haare, spitzes Kinn, langes mageres Gesicht. Er führte sonst eine Müller-Kundschaft, hatte Christiane Schoppauer (No. 940) als Beischläferin bei sich und gehörte zu den Diebesgenossen des Theodor Unger (No. 84 d. V.).

198a. Dubenheim, Dorothea, vulgo Franzosen-Dortchen, aus Wehrden im Corveyschen.

Signalelement

* Sie ist 58–60 Jahre alt, mittlerer Größe, hat dunkelbraune, graumelierte Haare, hohe Stirn, braune Augen, sehr große Nase, gewöhnlichen Mund, spitzes Kinn, längliches Gesicht, blasse Gesichtsfarbe. Sie stand einst mit der Bande des Liborius Pollmann (No. 784) in Verbindung, und hat derselben mehrere Diebstähle angebracht. Sie saß im Jahr 1810 in Arensberg und wurde späterhin von Cassel aus verfolgt.

198b. Dungel, Heinrich, angeblich aus Berlin.

Signalelement

Er ist 44 Jahre alt, 5 Fuß 6 Zoll groß, hat blonde Haare, braune Augen und Blatternarben im Gesicht. Er wird in der Fulder Liste als gefährlicher Vagabund bezeichnet.