Wetterauer Bande Seite 205 – 257

Wetterauer Bande

Actenmässige Geschichte der Vogelsberger und Wetterauer Räuberbanden und mehrerer mit ihnen in Verbindung gestandener Verbrecher, Nebst Personal-Beschreibung vieler in alle Lande teutscher Mundart dermalen versprengter Diebe und Räuber – Von Friedrich Ludwig Adolf von Grolmann, Giessen 1813

XXIX.) Johann Valentin Christian Oberländer, bekannt unter dem Namen schwarzer Christel, auch Löffelhannes

Inhalt

Wurde im Februar 283213 auf die hier Orts erlassene Steck-Briefe, aus der Wetterau eingeschickt,

Signalement

Alt 63 Jahre, 5 Fuß 1 Zoll groß, stark, untersetzt, breitschulterig und wohlgenährt; hat ein länglich breites Gesicht mit vollkommen, besonders nach den Ohren zu strotzenden Backen; frische, doch von der Sonne gebrannte Farbe, pechschwarzes glänzendes Haar und Augenbraunen, überaus starken schwarzen Bart, untermengt mit vielen greisen Haaren, eben solche Backenbärte; hohe, gewölbte, doch im Verhältnis zum übrigen Teil des Gesichts etwas schmale Stirne; hellgraue Augen, römische, längliche, mit einem kleinen Höcker versehene Nase; ziemlich kleinen Mund mit etwas vorstehender Unterlippe, und breites, starkes, doppeltes Kinn. Auf der linken Seite der Unterlippe befindet sich eine kleine Narbe. Er ist angeblich zu Orbach im Sachsen-Gothaischen geboren, ohne bleibenden Wohnort, und bekennt sich zur katholischen Religion. Sein Geschäft war Betteln, Stehlen, und der Handel mit hölzernen Waren. Zuweilen besuchte er den Vogelsberg und die angrenzende Gegend, allein sein Haupt -Aufenthalt war die Wetterau, und die Gegend, welche an Hanau grenzt. Er ist für sein Alter noch äußerst stark und gerüstet.

Familien- Verhältnis

Der Vater des Inquisiten, Nicolaus Oberländer, stand unter Luckner-Husaren. Nachher soll er auf der Tannen Mühle zwischen Rodheim und Köppern gewohnt haben. Zuletzt wurde er ein Landstreicher, handelte zum Schein mit hölzernen Waren, und starb zu Poppenhausen im Fuldischen. Des Inquisiten hier sitzende Beischläferin, oder vielmehr, (wie er nicht unwahrscheinlich behauptet) angetraute Frau, nennt sich Anna Maria Christina, eine geborene Schmidtin, und ist angeblich zu Oberbreidenbach, Amts Alsfeld, modo Romrod, geboren. Mit ihr zeugte er 25 Kinder, wovon noch folgende am Leben:

  1. Maria Elisabetha
  2. Catharina, (beide angeblich ledigen Standes
  3. Johann Heinrich Oberländer. (S. XXX.)
  4. Marianne, ehemals Frau oder Zuhälterin des kleinen Johann
  5. Johann Georg, 29 Jahr alt, (Dieb.)

Noch ein anderer Sohn, der älteste von jenen Geschwistern, Namens

f) Conrad, ist von etwa 18 Jahren unter das Österreichische Militär abgegeben worden, und hat seitdem angeblich nichts von sich hören lassen. Inquisit hatte 2 Brüder, Namens Paul und Johann Adam, beide ehedem berüchtigte Diebe. Jener ist angeblich in Amerika verstorben, und dieser schon vor langer Zeit unter Holländisches Militär gekommen. Ob letzterer noch lebt, und wo er sich aufhält, ist unbekannt.

Charakter und Betragen

Inquisit war, als er eingebracht wurde, mit einem richtigen, obgleich) etwas veralteten Pass, auf den Namen Johann Peter Weber lautend, versehen. Er gab sich erst diesen, und als die Unrichtigkeit dieses Vorgebens bewiesen wurde, hintereinander mehrere andere Namen, und es hielt äußerst schwer ihn zum Geständnis seines wahren Namens und der Identität seiner Person mit dem s. g. Löffelhannes oder schwarzen Christel zu bringen. Nicht weniger Mühe kostete es anfangs, ihn zum Bekenntnis einiger bedeutenden von ihm begangenen Verbrechen zu bewegen, schwerlich wäre solches jemals an einem andern Ort gelungen, wo man weniger unterrichtet war, und weniger Mittel zu seiner Überführung gehabt hätte. Allein nach einmal erfolgtem Geständnis blieb er nicht nur anscheinend gleichgültig und aufrichtig, bei dem, was er einmal gestanden hatte, sondern machte auch wenig Schwierigkeit, Verbrechen, die man wusste und nicht wusste, einzubekennen. Anfänglich machte er Versuche zum Durchbrechen welche misslangen, späterhin schien er darauf Verzicht zu leisten. Seine Absicht ging nun wahrscheinlich dahin, das Zutrauen seiner Vorgesetzten zu gewinnen, und eine Gelegenheit abzuwarten, wo er mit Andern, und durch deren Veranstaltung, glücklich durchkommen könne. Sein Character ist fest, überlegt und entschlossen; kaltblütig und mit Resignation scheint er sich seinem unvermeidlichen Schicksal zu überlassen. Unterstützt durch die Stärke und Festigkeit seines Körperbaus, brachte er es durch obige Eigenschaften, bei seinem Hang zum guten Leben, weit in der Gabe, sich auf importune Art von dem Schmalz des Landmanns zu mästen. Bei seinem Einbringen war sein alter Körper vielleiht Fingers dick mit Feist bedeckt. Viele Jahre war er überall gekannt in der Wetterau, und doch traute ihn niemand zu verraten; niemand ihm etwas abzuschlagen. Aber nachdem die Wetterauer Charte das Hanswursten-Kleid verloren hatte, und viele vereinzelte Herrschaften unter Hessischer Ägide vereinigt, auch die Wohltat der Sicherheits-Anstalten empfanden, die nur von einer kräftigen Regierung ausgehen können, – und als endlich sogar Militär beinahe alle Orte besetzte, wo das Diebsgesindel gehegt wurde; da war auch für den Rubricaten keine Sicherheit mehr. Er wurde verraten und eingezogen, und die Bauern zu Florstadt, einem neu akquirierten Ort, zur Ganerbschaft Staaden gehörig, rächten sich für die früher erlittene Bedrückungen dadurch, dass sie bei und nach der Arretierung den ehemals lästigen und gefürchteten Gast mit Schlägen misshandelten, ja so misshandelten, dass er einige Tage nicht weiter gebracht werden konnte.

Verbrechen

1.) Einbruch und Braukessel- Diebstahl zu Langenbach, Herzogl. Nassauischen Amts Weilburg. Sept. 1790. Wert 135 fl.

Teilnehmer:

  • Peter Anschütz, vulgo Leyer-Peter (gehängt zu Wiesbaden 1793)
  • Johannes Immel, genannt Oehlehannes (gehängt zu Wiesbaden 1793)
  • Crux
  • Conrad Oberländer, Sohn des Inquisiten  (beide unter Österreichisches Militär abgegeben)
  • Mahnen-Hann-Görg, aneblich mit dem Zunamen Gottschalk (lebt noch und ist in Freiheit)

2.) Qualifizierter Diebstahl zu Mehrenberg bei Weilburg, Febr. 1791.

Teilnehmer: Die Vorigen. Wert 558 fl. 19 kr.

3.) Qualifizierter Diebstahl bei Johannes Herborn zu Lindenholzhausen, Amts Limburg. Febr. 1792. Teilnehmerr: Die Vorigen, Wert 61 fl. 20 kr

Ende 1793 wurde Inquisit, der damals den Namen Jacob Bernhard führte, in der Wetterau verhaftet, und nachdem er obiger 3 Diebstählen zu Gießen geständig war, nach Weilburg ausgeliefert. Fünf seiner Kameraden, nämlich Leyer-Peter, Oehlehannes, Georg Friederich Später, vulgo Benjamin, Johannes Steinbach und Heinrich Steinbach, waren bereits das Frühjahr zuvor in Wiesbaden zum Strang verurteilt, und bis auf Heinrich Steinbach der wegen seiner Jugend Begnadigung erhielt, gehängt worden. Wahrscheinlich hätte er zu Weilburg in damaliger Zeit, wo man noch gegen Diebe einigermaßen mit altdeutscher Strenge verfuhr, ein ähnliches Schicksal gehabt; allein im Jahr 1795 entwich er aus dem Arrest, ehe sein Urteil gefällt war.

4.) Einbruch zu Oberrod, Amts Dieburg, bei Mathes Fischer. Vor 5-6 Jahren

Teilnehmer:

  • Überrheiner (scheeler) Wilhelm
  • Kleiner Johann
  • Wurzel Görg

Dem Bestohlenen wurde in den Kramladen eingebrochen, und daraus nach seiner Angabe für 500 fl. Ware entwendet. Als die eidliche Bestärkung des Wertes erfolgen sollte, war derselbe bereits verstorben, und seine hinterlassene Witwe hat, (um, wie sie sagt, ihr Gewissen auf keine Art zu verletzen) den Wert nur auf wenigstens 200  fl. eidlich erhärtet. Die Art, wie dieser Diebstahl ausgeführt wurde, bewies, dass die Diebe in ihrer Kunst weder Anfänger noch Stümper waren. Denn der Einbruch geschah durch ein Fenster, das der Bestohlene, auf Veranlassung eines schon 3 Jahre zuvor erlittenen Diebstahls, nicht nur auswendig mit eisernem Gitter, sondern auch von innen mit einem Laden und eisernen Queerstangen, hatte versehen lassen. Um das eiserne Gitter vor dem Fenster abzuzwängen, bedienten sie sich angeblich einer Wagen-Deichsel.

5.) Einbruch und Zinn-Diebstahl in einem Dorf an dem Meerholzer Steinbruch unweit Somborn gelegen. Vor etwa 5 Jahren.

Teilnehmer: Kleiner Johann.

Nach den eingegangenen offiziellen Nachrichten soll dieser Diebstahl in Meerholz selbst, bei dem Hofbüchsenmacher Zeller geschehen sein. Wert 134 fl. 568 kr.

6.) Diebstahl mit Einsteigen in einem Dorf bei König gelegen. Vor 4-5 Jahren

Teilnehmer:

  • Barthel (Liebstückel)
  • Wurzel Görg
  • Anna Maria N. Hat angeblich mit einem Zigeuner ehemals zugehalten.

Die gestohlenen Sachen sollen in gebleichtem und ungebleichtem Tuch, in Kleidungsstücken und Bettwerk bestanden haben. Den gemachten gerichtlichen Nachforschungen zu Folge heißt der beschriebene Ort Fürstengrund. Es sind daselbst kurz hintereinander zwei ähnliche Diebstähle geschehen. Der Wert des einen beträgt 50fl. und der des andern ungefähr 40 fl.

7.) Diebstahl mit Einsteigen durch das Bodenloch in einem unbenannten Ort, etwa 1 Stunde von Schafheim gelegen. Vor 5-6 Jahren

Teilnehmer:

  • Barthel
  • Wurzel -Görg
  • Ludwig N. (angeblich aus dem Würzburgischen)

Nach des Inquisiten Angabe war der Bestohlene ein Schneider. Und die gestohlenen Sachen bestanden in Kleidungsstücken und Hemden. Der Tatbestand konnte nicht ausgemittelt werden.

8.) Geisen-Diebstahl zu Lindheim

Teilnehmer: Jacob Heinrich Vielmetter (XXXI.)

9.) Diebstahl zweier Schafe zu Södel

Teilnehmer: Der Vorige.

10.) Diebstahl eines Hammels zwischen Ilbenstadt und Niederwöllstadt.

Teilnehmer: Derselbe.

11.) Versuchter, aber mißlungener Diebstahl eines B.. es zu Kaichen

Teilnehmer: Derselbe.

12.) Einbruch und Wollen-Tuch-Diebstahl zu Schotten, bei Tuchbereiter Heinrich Korell. 9/10. März 1799

Teilnehmer:

  • Jacob Heinrich Vielmetter
  • Heinrich Fischer, Schweinhirt von Sichenhausen ( bereits bestraft)
  • Nicolaus Vierheller, ehemals Wirt zu Kaulstos ist ausgetreten und wahrscheinlich nach Amerika gegangen.

Wert ungefähr 60 fl.

13.) Diebstahl mittelst Einsteigen auf einer Leiter in der Gegend von Schwarzenfels. Vor etwa 5 Jahren

Teilnehmer:

  • Kleiner Johann
  • Andreas Edelmann (tot)

Das Gestohlene bestand angeblich in Kleidungsstücken, Hemden, und einigen Laib Brot. Der Tatbestand ließ sich nicht ausmitteln.

14.) Kleider -Diebstahl mit Einsteigen zu Mittelkalbach,  8/9. Mai 1804

Teilnehmer: Die Vorigen.

Die Diebe stiegen auf einer Leiter zur Bodenschalte ein, welche sie mit einem Pflugeisen öffneten. Der Bestohlene Nicolaus Kaib hat seinen Verlust auf 150 fl. eidlich gewürdigt, und ist durch diesen Diebstahl fast ganz verarmt. Die Tochter des Edelmann, Gertraud, saß ehemals in Fulda. Von ihr erlangte man vor ihrer Entweichung ein ähnliches Bekenntnis.

15.) Einbruch und Diebstahl von 3 Stücken flächsenem Tuch auf der Haide bei Wallenrod, im Fuldischen

Teilnehmer: Valentin Bröschler (erschlagen) Wert 56fl.

16.) Diebstahl von eingeweichter Wäsche und etwas Tuch zu Niederseemen. Vor etwa 7 Jahren. Teilnehmer: Kannengießers Hann-Bast (Joh. Sebastian Hartmann, ein Zinngießer) Wert 36 fl.

17.) Diebstahl zu Ockstadt von 4 fetten Hammeln

Teilnehmer:

  • Kannengießers Heinrich (ist im Gießer Stockhaus gestorben. Sein Vater wurde bei Lindheim von der Streifung erschossen.)
  • Ludwig N. (Stiefsohn des im Gieser Stockhaus verstorbenen Bernhard aus Weitershain)

Wert 28 fl.

18 a u. b.) Diebstähle von 4 Geisen zu Blofelden aus verschiedenen Ställen.

Teilnehmer: Die Vorigen.

Diese Diebstähle, so wie der oben No. 8. berührte Geisen Diebstahl zu Lindheim, geschahen vor ungefähr 13 Jahren, als eine außerordentliche Viehseuche gewütet hatte, und der Preis des Milchviehes daher zu ungewöhnlicher Höhe gestiegen war. Über 3 der entwendeten Geisen sind die Eigentümer eidlich abgehört, und sie haben beschworen – der Eine: dass ihm für seine entwendete Geise kurz zuvor 22 fl. geboten gewesen; – der Andere: dass ihm für die Eine von den ihm gestohlenen zwei Geisen 16 fl. geboten worden – und Beide: dass ihre Geisen ahnen um diesen Preis damals nicht feil gewesen. Der Wert der 3 Geisen, welche den abgehörten Eigentümern entwendet worden, ist nach obiger-Angabe von ihnen auf 54 Gulden eidlich erhärtet. Und hat Inquisit damals, wie er angibt, wirklich 4 Geisen gestohlen; so kann man den Verlust auf 70-75 fl. rechnen.

19.) Diebstahl von 2 Schafen zu Nösberts, Patrim. Gerichts Altenschlirf.

Ohne Teilnehmer, Wert 9 fl.

20.) Einbruch und Dörrfleisch-Diebstahl auf der Wallenröder Heide im Fuldischen, 1 /2. April 1797

Teilnehmer: Langer Joachim. (Soll Bär heißen, ist in Walddüren handfest gemacht worden, und sitzt wahrscheinlich in Aschaffenburg oder ist daselbst gestorben.)

Das Gestohlene bestand in 7 Stück Speck, 10 St. Fleisch, 1 messingenen Suppenkessel, 1 Topf voll Käse und 6 Eiern. Der Bestohlene Adam Nüchter beschwor seinen Verlust auf 25 fl.

21.) Diebstahl einiger Mannshemden und Bettzügen von der Bleiche im Hahn-Grund 1/2x Stunde von Bores. Geschah angeblich vor ungefähr 20 Jahren

Teilnehmerin: Marielies (Maria Elisabetha, Conrad Schmidts Ehefrau,) Schwägerin des Inquisiten

22.) Geisen-Diebstahl zu Usenborn, vor etwa 32 Jahren. Ohne Teilnehmer

23.) Diebstahl zweier Pferde bei Johannes Rullmann zu Rodheim in der Wetterau. vor ungefähr 16 Jahren

Teilnehmer: Schwarzer Jonas (in Mainz hingerichtet.)

Friedrich N. vulgo Maulwurfsfängers Friedrich (soll unter den Österreichern sein und in Beiernheim noch Frau und Kinder haben)

Wert 253fl.

24.) Diebstahl mit Einsteigen in einem Dorf über Gelnhausen, etwa 1/2 Stunde von Grosenhausen gelegen. vor circa 5 Jahren

Teilnehmer: Kleiner Johann

Dieser stieg mit einer Leiter zum Bodenloch hinein. Die Beute bestand angeblich in einem kupfernen Kessel, den ein Jude zu Gelnhausen um 4-5 fl. soll gekauft haben. Der Tatbestand ließ sich nicht ausmitteln.

25.) Diebstahl von 2 Stückchen Tuch und einigen Strängen Garn, zu Sterkels im Huhngrund

Ohne Teilnehmer

Soll vor länger als 20 Jahren geschehen sein, und ist deswegen nicht constatirt worden.

26.) Großer Diebstahl mit Einbruch und Einsteigen zu Mannsbach, bei dem Handelsmann Friedrich Wilhelm Müller. 26/27. August 1797

Teilnehmer:

  • Dicker Justus (erschlagen)
  • Kleiner Justus (Sohn des in Marburg hingerichteten Stumpfhannes)
  • Johann Heinrich Oberländer (Sohn des Rubricaten, S. XXX.)
  • 1 oder 2 Zigeuner N.-N. (aus dem Werra-Departement, Königr. Westphalen, angeblich gebürtig wahrscheinlich Freitag und Lorenz)

Der Wert der gestohlenen Sachen ist eidlich angegeben zu 368 fl. 6 kr.; ungerechnet eine gute Jagdflinte und eine Pistole. Auch bei diesem Diebstahl bewiesen die Diebe die Taktik nicht gemeiner Schränker. (*) Sie stiegen auf einer Wagenleiter zu einem Fenster ein, das mit Laden und Eisen bestens verwahrt war. Ohne Geräusch wurde mit einem Reißbohrer eine Öffnung in den Laden gemacht, und eine Fensterscheibe mit einem Diamant herausgeschnitten.

(*) Schränker sind Diebe, die bei Nacht einbrechen.

27.) Diebstahl von 7 Stück flächsen Tuch, von der Bleiche zu Niederstoll, geschah um Pfingsten vor etwa 7 Jahren

Teilnehmer:

  • Johann Heinrich Oberländer
  • Johann Georg Oberländer (Söhne des Inquisiten)
  • Kleiner Johann

Der Wert beträgt, nach Angabe der 4 verschiedenen Eigentümer, 83 fl. 20 kr.

28.). Diebstahl von 2 Stücken Bildzeug, auf einer Bleiche zwischen Niederstoll und Utzhausen

Teilnehmer: Johann Paul Oberländer (Bruder des Inquisiten)

Geschah angeblich schon vor 29-30 Jahren, und wurde daher nicht constatirt.

29.) Einbruch zu Haiz bei Gelnhausen in das Brennhaus des Wirts Joh. Stibel, und Entwendung eines Brandwein-Kessel-Hutes. Vor 5-6 Jahren

Teilnehmer: Johann Heinrich Oberländer (XXX)

Ein Jude in Usenborn kaufte angeblich das Kupfer um 5-6 Gulden. Ein Stück von 2 Pfund fand sich noch an der Stelle, wo das Geschirr zerschlagen worden.

30.) Diebstahl eines Brandwein-Kessel-Hutes Klein-Umstadt. 8/9 Jenner 1806

Teilnehmer: Der Vorige.

Der entwendete Hut hatte gekostet 19 fl. 48 kr. Die Diebe stiegen über die Gartenplanke, um zu dem, übrigens nicht verschlossenen, Brennhaus zu gelangen. Hier beabsichtigten sie, auch den fest eingemauerten Brandwein-Kessel zu entwenden. Schon hatten sie den 3ten Teil der Backsteine, worin der Kessel saß, losgebrochen, und sie zu Vermeidung des Geräusches auf Stroh gelegt, das sie aus der Scheuer herbeigetragen. Allein als sie die kupferne Röhren, welche in das Kühl-Fass gingen, losgezwängt hatten; so war das Kalender-Papier, womit sie die Öffnung verstopft, nicht im Stand, der Gewalt des Wassers zu widerstehen. Dieses strömte vielmehr heraus, und das Geräusch, welches dadurch entstand, machte die Hofhunde munter, sie wurden laut, und nötigten die Diebe zum schleunigen Rückzug. Indessen hatte der Kessel, durch die zu seiner Loszwängung gebrauchte Gewalt, besonders am Rand, großen Nachteil erlitten.

31.) Diebstahl eines Brandwein- Kessel-Hutes zu Spitzaltheim, mit Einbruch

Teilnehmer: Der Vorige.

Dieser Diebstahl geschah ungefähr 24 Tage vor dem vorhergehenden, in der Christnacht 1805. Der Bestohlene, Adam Funmb, ist, bereits gestorben. Amtlicher Erkundigung nach war der Brandweins-Hut 39-40 fl. Wert. Mit demselben wurden auch noch einige zinnerne Teller, 1 Fässchen und 7 Laib Brot aus der Küche entwendet.

32.) Großer Diebstahl mit Einbruch und Einsteigen in der Vorstadt zu Fulda bei dem Fürstl. Heiduck Schwarz, welcher mit Waren gehandelt. 18/19 Juli 1797

Teilnehmer:

  • Johann Heinrich Oberländer, (Sohn)
  • Schwammjost
  • Kleiner Justus
  • Stumpfhannes, ( Vater der Vorigen, in Marburg enthauptet.)
  • Heinrich, (Schwager des Schwammjost)

Dieser Diebstahl geschah mit eben so viel Gewandtheit, als Kühnheit und Gewalt. Sogar vor der Wohnstube des Bestohlenen wurde ein Schrank mit Waren gewaltsam eröffnet, und ausgeleert. Die gestohlenen Sachen, worunter, sich, nach Inquisiten eignem Geständnis, 20 verschiedene Stücke baumwollen und anderes Zeug befanden, sind von dem Bestohlenen spezifiziert, und auf 334 fl. 50 kr. eidlich gewürdigt.

33.) Diebstahl dreier Esel, auf der 2ten Mühle bei Lisberg vor etwa 12 Jahren

Teilnehmer:

  • Mahnen-Hann-Görg und
  • ein Junge Namens Hann-Adam

Die Esel sind auf. 60 Gulden zusammen eidlich gewürdigt.

34.) Diebstahl dreier Schafe zu Seulberg, bei Homburg a. d. Höhe. Vor etwa 20 Jahren

Teilnehmer: Leyer-Peter (gehängt)

35. – 50.) Sechzehn Marktdiebstähle, zu Gießen, Hochheim, Ortenberg, Ulrichstein, Herchenhain, Gedern, Oberseemen, Homburg a. d. Höhe, Büdingen und Gelnhausen.

Geschähen größtenteils mit Beihilfe seiner Frau, seines Sohnes Johann Heinrich, seines Schwagers, Conrad Schmidt, dessen Ehefrau, Marie-Lies – und seiner Tochter Mariane, des kleinen Johannes Frau. Wert zusammen etwa 100 fl.

51.) Flachs-Diebstahl zu Rimbach. War angeblich sein erster Diebstahl, und ist unbedeutend.

52.) Butter- und Käse-Diebstahl, mittelst Erbrechung eines Kellers zu Traiß-Münzenberg. Vor etwa 20 Jahren

Teilnehmer:

  • Jacob Heinrich Vielmetter, und nach dessen Angabe
  • Conrad Schmidt, vulgo Löffel-Konrad, (Schwager des Rubricaten)

53.) Schaf- Diebstahl zu Rendels, vor etwa 20 Jahren

Teilnehmer: Leyer-Peter

54.) Diebstahl ven einigen Halstüchern zu Frankfurt

Teilnehmerin: Seine Frau

Am 4ten Mai 1812 wurden die Untersuchungs-Akten gegen den Schwarzen Christel in III. Fasciculn, und die gegen seine Frau in I. Fascicul zur Entscheidung an Großherzogl. Hofgericht eingeschickt. Mitgeschickt wurde ein Verschlag connerer Untersuchungs-Akten von Wiesbaden, die dort justifizierte Diebsbande, Georg Friedrich Später und Consorten betreffend. Das Urteil wird erwartet.

XXX.) Johann Heinrich Oberländer, vulgo Löffelhannessen- oder Christels-Heinrich

Wurde im Oktober 1810 als verdächtiger Vagabund von Burggemünden eingeschickt. Es lagen damals bloß einige vage Anzeigen begangener Verbrechen gegen ihn vor, und es war noch nicht bekannt, dass er Löffelhannessen- oder Christels-Heinrich, Sohn des berüchtigten Löffelhannes oder schwarzen Christels, sei.

Signalement

Er ist 36 Jahre alt, 5 Fuß 2 Zoll groß, untersetzt, doch wenig stark gebaut, etwas beengt in der Brust, hat ein längliches gelbbleiches Gesicht, dunkelbraune, schwärzliche Haare, gleichfarbigen, jedoch nicht starken Bart, etwas hellere Augenbraunen, hohe schmale Stirne, dunkelgraue kleine Augen, große, etwas gebogene, vorn spitze, oben hinaus dicke Nase, kleinen Mund, rundliches Kinn. Seine Backen- und Kaufteern-Knochen sind stark; sein linker Daum ist beinahe steif; auf der linken Seite des Hinterhaupts sind mehrere Stellen mit weißen Haaren bewachsen. An dem rechten Auge hat er eine Warze, und auf dem entblößten Rucken ist eine Stichnarbe sichtbar. Sein angeblicher Geburtsort ist Wippershain, in der Gegend von Hersfeld. Übrigens ist er, wie sein Vater (XXIX.), ohne bleibende Wohnstätte. Er bekennt sich zur katholischen Religion, und trieb bei seinem Gaunerleben zum Schein den Handel mit Porzellan und kurzen Waren.

Seine ehemalige, Zuhälterin oder angebliche Frau war Anna Dorotea Strackin, vulgo Lumpen-Dort; ein großes, starkes, dem Trunk ergebenes Weibsbild. Sie stammt aus einer Räuber-Familie in der Gegend von Marburg, und war unter andern auch eine Zeitlang Zuhälterin des hier sitzenden Ludwig Funk, vulgo Sellnröder-Ludwig. Sie saß mehrmals hier, wurde aber unter Landesverweisung wieder entlassen.

Character

heimtückisch, unzufrieden, verdorben

Verbrechen

1.) Diebstahl zu Spitzaltheim (S. XXIX. no. 31.)

2.) Diebstahl zu Haiz (S. XXIX; no. 29.)

3.) Diebstahl zu Klein-Umstadt (S. XXIX, no. 30.)

4.) Diebstahl zu Niederstoll (S. XXIX. no. 27.)

5.) Diebstahl zu Fulda (S. XXIX. no. 32.)

6.) Noch ein Diebstahl zu Fulda

Teilnehmer:

  • Johann Georg Oberländer, Bruder des Inquisiten
  • Kleinert Johann
  • Kleiner Justus
  • Ein Ungenannter

Dieser Diebstahl geschah, (wie mühsam ausgemittelt wurde,) in der Nacht vom 1ten auf den 2ten Juni 1805 bei dem Krämer Johann Georg Heß zu Fulda, in der Vorstadt, die Hinterburg genannt, und zwar mit Einbruch. Der “Wert des Entwendeten beträgt nach eidlicher Würdigung 398 fl. 17 kr. Wahrscheinlich hätte der Bestohlene noch größeren Verlust erlitten, hätte er nicht, durch ein während des Ausleerens seiner Kammer entstandenes Geräusch ermuntert, eiligst das Bett verlassen, und dadurch die Diebe zum schleunigen Rückzug veranlasst. Sie ließen 3 ihrer Stiefel zurück, die sie, um leiser aufzutreten, ausgezogen hatten.

7.) Diebstahl zu Mannsbach. (S. XXIX. n. 26.)

8.) Diebstahl von 4 Schafen auf einem unbenannten Hof, ungefähr 3 Stunden von Hanau, nach Gelnhausen zu gelegen

Teilnehmer: Kleiner Johann, Zwei Ungenannte.

9.) Schaf- Diebstahl auf dem Isenburgischen Entenfang, (S. XX. no. 31.)

10.) Diebstahl zu Bannerod. (S. XX. no. 29 und 30.)

Ferner: Einige oben berührte Marktdiebstähle.

Inquisit saß wegen eines zu Eppertshausen begangenen Diebstahls einige Jahre in dem Darmstädter Zuchthaus, und war, als seine letzte Arretierung erfolgte, noch nicht lange daraus entlassen. Er ist noch mehreren Verbrechen, und namentlich durch die Aussage des zu Heidelberg und Mannheim gesessenen, jetzt enthaupteten, Mahnen-Friedrichs, eines Straßenraubs an einem Fuhrmann, und des Diebstahls einer Kiste mit Seiden-Waren von einem Güterwagen in Vilbel – bezichtigt. Inquisit leugnete aber, und es ermangelt an hinreichendem Beweise.

Am 12ten Mai 1812 wurden die Akten in II. Fascikeln dem Großherzogl. Hofgericht zur Entscheidung eingeschickt.

XXXI). Jacob Heinrich Vielmetter, vulgo alter Jacob Heinrich

Den 2ten März 1811. von Bergen nach Gießen ausgeliefert.

Signalement

Er ist nach seinem Angeben 65 Jahre alt, dem Ansehen nach scheint er älter. Seine Größe beträgt 5 Fuß 3 Zoll 1 Strich. Er ist hagerer Statur und hat ein schmales, längliches, im Verhältnis zu seinem Alter hellweißes Gesicht. Die Kopf-Haare sind braun, die Augenbraunen dünn und blond; der Bart ist braun, jedoch stark meliert mit weißen, greisen Haaren. Seine Stirne ist schmal und lang, übrigens gewölbt und nach oben hin spitz. Die Augen sind klein, grau, tiefliegend; die Nase hat etwas mehr als mittelmäßige Größe, ist vorne breit, nach den Augen hin aber verhältnismäßig schmal, und hat ziemlich weite Löcher. Seine Backen-Knochen sind etwas vorstehend; die Wangen selbst stark eingefallen. Der Mund ist klein; er hat darin überhaupt nur noch zwei Zähne, – den einen in der oberen Kinnlade, und den andern in der unteren. Die obere steht etwas vor, den Mund zieht er gewöhnlich fest zusammen, seine Oberlippe ragt dann etwas vor über die fest angeschlossene Unterlippe. Er hat ein großes, rundes, starkes, etwas wenig gespaltenes und nach der Unterlippe zu merklich eingebogenes Kinn. Sein rechter Ohrlappen ist doppelt geschlitzt oder aufgerissen, in dem linken trägt er einen bleiernen Ohrring. Zwischen den Augen befinden sich einige Runzeln; auf dem rechten Schulterblatt hat er eine runde, tiefe Narbe, und unter demselben einen länglichen weißen Striemen.

Er diente ehemals mehrere Jahre unter Kaiserl. Österreichischem, auch nachher eine Zeitlang unter Königl. Preußischem Militär; davon besitzt er noch eine grade, militärische Haltung. Seine Sprache ist etwas stotternd, schnell, heischer, und wegen Mangel der Zähne läppisch. Für seinen Geburtsort gibt er Oberhain, bei Usingen, an; übrigens hatte er nie eine bleibende Wohnstätte. Er bekennt sich zur katholischen Religion. Bei seinem Gauner-Leben trieb er den Handel mit steinernen Waren und verfertigte Körbe.

Seine Frau heißt Anna Catharina, eine geborene Dreherin sie soll zu Dauernheim, A. Bingenheim geboren sein. Ihr Alter beträgt 57 Jahre, ihre Größe 4 Schuh 7 Zoll 3 Strich. Sie ist hager von Statur, hat bräunliche Haare, gelbe Augenbraunen, breite hohe Stirne, grauliche Augen, etwas eingebogene, schmale spitze Nase. Ihr Mund ist mehr groß als klein; sie hat eine längliche Gesichtsform, für ihr Alter eine frische Gesichtsfarbe  und etwas vorstehende Zahnladen. Auch sie war hier in Untersuchung; ist aber wieder entlassen.

Familien- Verhältnis

Der Vater des Inquisiten hieß Johannes Vielmetter und war gebürtig aus Oberursel; er wohnte nachher auf Zins zu Wertheim bei Gelnhausen, und zuletzt in Kaltenborn im Isenburg-Meerholzischen. Sein Tod erfolgte vor vielen Jahren, Inquisitors Mutter hieß Anna Margretha, geborene Jungblut, und war von Dudenhofen, jenseits des Mains, gebürtig. Ihr erster Mann hieß N. Werner. Inquisit hatte noch drei rechte Brüder, 1.) Peter, 2) Conrad und 3) Hann -Philipp, Sie sind sämtlich tot und hinterließen folgende Kinder:

1) Der Peter, vulgo Mahnen- Peter

A. Söhne

  • a) Hannes – Maulwurfsfänger, hält sich hauptsächlich in Eckardtshausen auf
  • b) Heinrich – desgleichen, hält sich hauptsächlich in Dirfelden auf
  • c) Conrad, desgleichen, desgleichen, hält sich hauptsächlich in Kilianstädten auf

B. Töchter

  • a) Christine
  • b) Lisbeth, hat einen Maulwurfsfänger, namens Adolf Fritz, Aufenthalt: Ostheim bei Windecken
  • c) Cathrine
  • d) Mariane, hat den Joh. Adam Fritz, Maulurfsfänger in Selbold

2.) Conrad, vulgo Mahnen- Conrad

A. Söhne

  • a) Ludwig, vulgo Mahnen-Konrads-Ludwig, Ein Erz-Taugenichts. Er diente bei verschiedenen Hirten, begab sich dann auf das Gauner-Leben, und zog sogar mit Zigeunern umher. Sein Haupt- Aufenthalt ist angeblich Niedererlenbach, um Frankfurt
  • b) Johann Georg. Noch nicht völlig erwachsen

B. Töchter

a) Anna Margretha, Erz-Gaunerin und Diebin. War ebenfalls eine Zeitlang bei den Zigeunern Freitag und Lorenz. Diese gefährlichen Kerle, wovon ersterer einen Sohn, Matrose genannt (ohne Nase) – und letzterer einen Sohn, namens Mitanger, hat, stammen aus dem ehemaligen Chur-Hessischen, und halten sich dem Vernehmen nach dermalen in der Gegend von Hanau auf.

3) Hann Philip – starb ohne Kinder,

Inquisit hat weiter zwei rechte Schwestern:

1) Elisabetha und 2) Cathrina Margretha. Beide sind noch am Leben, und haben folgende Kinder:

1) die Elisabetha, verheirathete Großin, zu Nieder-Issigheim wohnhaft

A. Söhne – keinen

B. Töchter

  • a) Cathrine Margretha Großin
  • b) Christine Großin, hat zum Beischkäfer den hier sitzenden Johannes Borgener vulgo Pohlengängers-Hannes S. XLII.
  • c) Cathrine, hat mit Johann Georg Fritz zugehalten und von ihm einen Bub
  • d) Mariane, Beischläferin des Conrad Werner, vulgo Krüg-Conrad,  welcher in Selbold wegen Raubmordes verhaftet war und am 25ten September 1812 zu Offenbach hingerichtet wurde

2) Cathrina Margretha. Ist unverheirathet, hat aber zwei uneheliche Kinder

  • a) Johann Georg Schaab, dient bei dem Schultheiß zu Roßdorf
  • b) ein kleines Mädchen

Ferner hatte Inquisit einen Stief- Bruder, Namens Georg Werner, Dieser starb und hinterließ folgende Kinder:

A. Söhne

  • a) Ludwig Werner, zu Niederissigheim wohnhaft.
  • b) Johannes Werner, vulgo Wutwutwut, oder Krüghannes. Dieser Räuber und Mörder starb im vorigen Jahr zu Offenbach im Gefängnis, und wurde mit einem Strick um den Hals unter den Galgen begraben. Er hinterließ 3 Kinder, a) Hannes von 6 Jahren b) Franz von 3 Jahren c) Tochter Bärbel von 18 Jahren
  • c) Nicolaus Wilhelm Werner, Hält sich über dem Rhein auf.
  • d) Conrad Werner, vulgo schwarzer Conrad, oder Krüg-Conrad, auch Gräu-Conrad; ist ein Schwager des Pohlengängers-Hannes (XLII.) und dessen Raubgefährte; saß in Langenselbold, und wurde, wie oben bemerkt, am 25ten Sept. 1812 enthauptet.

B. Töchter

  • a) Margretha Werner. Hhat einen Krugmann, Namens Peter, vulgo den langen oder großen Peter (wahrscheinlich Peter Specht. Hält sich mit demselben über dem Rhein auf.
  • b) Elisabetha Werner. Ist verheiratet an einen Krugmann, namens Jacob N., welcher sich ebenfalls über dem Rhein aufhält, und, weil er die große Zehe erfroren, etwas schnappet.
  • c) Christine Werner. Hat ebenfalls einen Krugmann, der sich meistens über dem Rhein aufhält. Sein Name ist unbekannt.

Unser Inquisit, Jacob Heinrich Vielmetter, der zweit- älteste unter seinen rechten Brüdern, hat folgende Kinder:

1) rechte Kinder von seiner angetrauten Frau wenigstens anerkannten Beischläferin.

A. Söhne

  • Johannes Vielmetter, Siehe XXXII. Starb im hiesigen Stockhaus.

B. Töchter

  • a) Marie Lies. Verheiratet an Heinrich Brandau, nachher Beischläferin Heinrich Volks, dermalen Beischläferin des des Johannes Heiland, vulgo Wetteraner Hannes. Erz-Gaunerin
  • b) Cathrine, Ehemals Beischläferin des hier sitzenden Joh. Lehn 1ten, Franzen Sohn, von der Lohmüllers-Bande
  • c) Barbara oder Bärbel, hat einen gewissen Berthes, welcher unter dem Militär stehen soll.
  • d) Anna Mar, noch ledig.

2) einen unehelichen Sehn, Namens Joh. Peter

Manche Leser finden vielleicht diese Familien-Nachricht langweilig. Allein Polizei-Behörden werden mir sie verdanken. Auch andere Leser werden sich mit mir aussöhnen; denn sie werden späterhin sehen, dass manches schwere Verbrechen, grade in der durch dieses Familien-Verhältnis erzeugten Zusammenrottung, seine Veranlassung hat.

Charakter

Einschmeichelnd; aber boshaft und hinterlistig.

Als dem Inquisiten einst einige Diebstähle vorgehalten wurden, die er, nach Aussage Heidelberger Inquisiten begangen haben soll, bekräftigte er sein Leugnen durch folgende Äußerung: „Mein Herr Hofgerichts-Rath! was sollte ich leugnen, wenn es wahr wäre, was Sie mir vorhalten? Ich habe schon so vieles gestanden, dass ich doch nicht wieder loskommen werde. Weiter, das weiß ich (*), wird mir doch nichts geschehen. (**)

 (*) Schlimm genug, dass die Nichtbeobachtung der Gesetze, Di..  von Profession häufig diese Überzeugung beigebracht hat!

(**) Als dem Räuber Jonas Hoos (I.) schon der Hals auf dem Richtstuhl entblößt war, fragte er noch dringend den Geistlichen: „Ob er denn keine Gnade bekomme?“ (Vergl. oben Seite 24.) Wie Christian Haag vulgo der die Bub, den Todesstreich vernahm, der seinem vor ihm am 17ten Juli 1812 zu Breuberg hingerichteten Kameraden Caspar Mindörfer, vulgo Bürsten- Caspar, den Kopf vom Rumpf trennte, sank er in die Knie und rief aus: „Ach Gott, der Caspar ist gerichtet; ich habe den Streich gehört. Man hat mir doch immer gesagt: der Großherzog habe sich verschworen, keinen Menschen hinrichten zu lassen; – O Weh! O Weh!” S. Pfister’s Aktenm. Geschichte II, Thl. p. 312.

Dank sei es dem edlen Großherzog! Er hat bereits einige Beispiele geben lassen, welche geeignet sind, die Gauner Welt auf andere Gedanken zu bringen. Ohne Bedenken würde ich also noch mehr sagen, wenn ich es gethan hätte. Und, glauben Sie mir, ich habe keine Furcht vor dem Schicksal, das mir bevorsteht! Im Gegenteil, ich bin sehr wohl damit zufrieden, und es wäre mir leid, wann ich je wieder loskäme. In Bergen, wo ich saß, ehe ich hierher kam, konnte ich durchgehen, wie mein Sohn auch durchging: Allein ich wollte nicht. Sagen Sie selbst, was soll ich noch in der Freiheit anfangen? Ich bin ein alter Mann, der nicht mehr recht fortkommen, und auf keine Weise sich mehr gut ernähren kann. Wo soll ich mich aufhalten, da ich überall ausgeschrieben bin, da mich jedes Kind beinah kennet, und da man keinen armen Menschen mehr mit Pässen versieht? Die jetzige Unsicherheit für das Gauner-Leben hat mir solches zum Eckel gemacht. Hier und in dem Zuchthaus habe ich mein Obdach, meine Kleidung, meine Lagerstätte, und ziemlich gutes Essen. In der Freiheit würde ich um alle diese Bedürfnisse in steter Verlegenheit sein müssen.“

Diesem unerachtet schlug Inquisit in der Folge nicht aus, mit von der Partie zu sein, als der größte Teil der hier sitzenden Gauner durchzubrechen beschlossen und versucht hatte. Er nahm aber keinen tätigen Anteil, sondern ließ sich bloß von den Andern bereden, mitzugehen.

Verbrechen

1.) Wollen- Tuch-Diebstahl zu Schotten, (S. XXIX, 12.)

2.) Kleider- Diebstahl zu Sichenhausen, mittelst Einsteigen. 1799

Teilnehmer:

  • Nicolaus Vierheller aus Kaulstoß, (entwichen)
  • Joh. Klein, Stiefsohn des Vorigen
  • Joh. Heinrich Fischer, Schweinhirt zu Sichenhaus (haben ihre Strafe verbüßt)

Wert circa 30 fl.

3.) Concurrenz zu dem Diebstahl dreier eisernen Öfen aus dem Faktor Ulrich zu Hirzenhain, 1799. Teilnehmer:

  • Nicolaus Vierheller
  • Fotmer Guthermuth

Wert circa 66 fl.

4.) Diebstahl zweier Pferde zu Ilsdorf. (S. XIII, und XIV.) Der Wert und Schaden belauft sich gegen 30 Carolins

5.) Diebstahl zweier Pferde zu Weitershain. (S. ebendas. und XV. n. 2.) Wert und Schaden ungefähr 30 Carolins

6.) Ankauf eines Gestohlenen Pferdes und Marquetender-Wagens um 3 Carolins

7.) Markt-Diebstahl zu Homberg a. d. Ohm

Teilnehmerin: Seine Frau, Wert ungefähr 2 fl.

8.) Diebstahl von 2 Stücken Tuch im Würzburgischen unweit Hamelburg

Teilnehmer:

  • Johannes Vielmetter, Sohn,
  • Hunds-Velten
  • Andreas Edelmann          (alle drei tot)

Der Diebstahl geschah vor 6-8 Jahren, mittelst Einsteigen in das Küchenfenster. Des Orts Name konnte nicht erforscht werden.

9.) Fleisch-Diebstahl zu Roßbach oder Roßdorf

Dieser Ort soll ehemals ritterschaftlich gewesen sein, und in Franken liegen.

Teilnehmer:

  • Johannes Heiland, vulgo Wetterauer Hannes, Eidam des Inquisiten.
  • Kannengießers Hann Bast; (Joh. Sebastian Hartmann.)
  • Kannengießers Hannes; auch vulgo langer Hannes genannt. Bruder des Vorigen, (Joh. Ferdinand Hartmann.)

Der Diebstahl geschah durch Einbruch und Ausbleiung einer Scheibe. Nach Inquisitens Angabe bestand das Gestohlene in 8 Stücken Fleisch und mehreren Würsten.

10.) Einbruch und Kleider-Diebstahl zu Ürzel im Fuldischen. Dieser Diebstahl geschah in der Nacht vom 17ten auf den 18ten Febr. 1809. Der Wert des Gestohlenen ist auf 70 fl. eidlich gewürdigt.

Teilnehmer:

  • Johannes Vielmetter,
  • Wetterauer Hannes,
  • Lohmüllers Heinrich, (Heinrich Lehn.)
  • Heinrich Pfeiffer, vulgo Pfeifferchen, (im Main ertrunken,)
  • Kannengießers Hann- Bast,
  • Kannengießers oder langer Hannes.

Beide letztere hatten Pistolen. Mit einem Meisel wurde neben der Türe ein Loch gemacht, und durch dieses solche geöffnet.

11.) Kirchen-Raub und Glocken-Diebstahl in der Kapelle auf dem Mariä-Ehrenberg, nächst Motten, im Fuldischen. Febr. 1809

Die Diebe erbrachen mit äußerster Gewalt die wohlverwahrte Türe der Sakristei, nebst den darin befindlichen Schränken. Sie entwendeten ein Messgewand, ein Humeral, eine Albe, ein Korporal und 1 Kommunicanten-Tuch, – auch schnitten sie dem s.g. Mutter- Gottes- Bild den Rock ab. – Diese Sachen sind indessen unbegreiflich gering, nur zu 3 fl. 50 kr. taxiert worden.

Darauf stiegen die Räuber auf einer Leiter in den Turm, und stahlen daraus die 3 Zentner schwere, zu 200 fl. taxierte Glocke. Einen Teil des Glocken-Metalls erhielt der mehrerwähnte Jude Victor zu Schlüchtern, das Pfd. zu 20 kr., der andere wurde an einen Kannengießer zu Steinau verkauft.

Teilnehmer:

  • Johannes Vielmetter
  • Johannes Heiland, vulgo Wetterauer Hannes, auch Jacob Heinrichs Eidam,
  • Heinrich Lehn, vulgo Lohmüllers Heinrich, Sohn des Michel Lehm,
  • Druckers-Peter (Peter Wendelin Labersweiler)
  • Joh. Knaut, vulgo Eselskinnbacken (sitzt in Würzburg.)

Dieser letzte soll  nach Johannes Vielmetters Angabe, Anschlag zu dem Diebstahl gemacht haben.

12.) Ehebruch, grausame Misshandlung seiner neuen Beischläferin und Beraubung derselben.

Inquisit verließ auf eine Zeitlang seine Frau und paarte sich mit einem andern Mensch, namens Liesel. Diese, aus der Gegend von Bayreuth gebürtig, brachte ihm einen Krämerkasten mit kurzen Waren und eine Orgel zu, und ging mit beiden abwechselnd hausieren. Auf einmal fand sich Frau Vielmetter ein, Zufall oder nicht ! sie hatte das Pärchen gesucht und gefunden. Die Alte vindizierte ihre Rechte, Jacob Heinrich Vielmetter selbst war bereit; sie zu rächen. Liesel wurde erbärmlich von ihnen geschlagen und misshandelt. Sie musste sich flüchten, und ihre Orgel im Stich lassen. Nun gingen Vielmetter und seine Frau nach Burgjoß, wo der Liesel Krämerkasten stand, und holten sich auch diesen. So wurde Liesel, zum Lohn ihrer Begünstigung, auf einmal ihrer ganzen Habseligkeit beraubt, womit sie sich und den Undankbaren bisher ernährt hatte.

13.) Versuchter Kleider -Diebstahl zu Pfassenhausen

Teilnehmer:

  • Johannes Vielmetter
  • Johannes Heiland
  • Druckers-Peter
  • Eselskinnbacken

Die Diebe wurden durch Hunde verjagt,

14.) Diebstahl eines Bienenstocks zu Oberndorf

Teilnehmer: Die Vorigen

Als die Diebe unverrichteter Sache von Pfaffenhausen abziehen mussten, holte Knaut auf dem Rückweg einen Bienenstock aus einem Gatten bei Oberndorf. Sie schlachteten ihn, und verteilten ihn unter die Gesellschaft.

15.) Diebstahl zweier Schafe zwischen Kaichen und Burggräfenrod.

Teilnehmer: Ludwig N. und Heinrich N.

16.) Versuchter Esels-Diebstahl bei Homberg a. d. Ohm

Teilnehmer:

  • Heinrich Brandau
  • Hunds-Hannes oder Hessen- Heinrich

Wegen Wachsamkeit der Müllersleute konnten die Diebe nicht ankommen.

17.) Versuchter Diebstahl eines Brandweinkessels in Maulbach

Teilnehmer:

  • Brandau
  • Hunds-Velten

Hunds – Velten war schon in dem Häuschen, wo der Kessel stand. Die andern bemerkten aber, dass der Eigentümer munter war, und an das Fenster kam. Dies bewog sie abzuziehen.

18.) Ein anderer Diebstahl zu Maulbach von geringer Bedeutung.

Teilnehmer: Hunds-Hannes

Sie wollten ein Geback Brot holen. Hunds-Hannes wusste die Gelegenheit, und war einer Scheuerleiter hinaufgestiegen konnte aber nicht mehr als 2 Laib Brot und eine halbe Meste Dörr-Obst bekommen.

19.) Diebstahl einer Geise in einem Dorf bei Appenborn

Teilnehmer:

  • Brandau
  • N. der Schäfer zu Appenborn

20.) Versuchter Diebstahl auf oder bei dem adelichen Hof Weltershausen, unweit Homberg a. d. O. Teilnehmer:

  • Hermann Glaser, vulgo Langer (IX.)
  • Christoph Bäumler, des Vorigen Schwager
  • Schwarzer Hannes

Nach Inquisitens Angabe ist auf die Diebe geschossen worden.

21.) Kleider- Diebstahl zu Heckersdorf. (S. XV. n.3.)

22.- 33.) Zwölf verschiedene Schaf-, Gänse- und Markt- Diebstähle, wovon 7 mit dem Schwarzen Christel begangen, und bereits oben berührt worden

Unter den verschiedenen Markt-Diebstählen scheint der beträchtlichste, die Entwendung von 2 Stücken Tuch zu Bedeckung einer Hütte auf dem Markt zu Gedern, zu sein.

34.) Diebstahl von Zinn und Küchengerät auf einem Hof bei Frankfurt. Vor ungefähr 5 Jahren. Teilnehmer:

  • Johannes Vielmetter, Sohn (XXXII.)
  • Georg Philipp Lang, vulgo Hölzerlips (in Heidelberg hingerichtet.)

In dem Küchenfenster wurde eine Scheibe ausgebleit und dann eingestiegen. Der Wert des Gestohlenen betragt etliche und dreißig Gulden. Ein Jude von Eppertshausen machte den Schärfenspieler.

35.) Einbruch und Diebstahl bei dem Wirt Johannes Jacob zum Grünen Baum in Vilbel, Vor 4-5 Jahren.

Das Gestohlene bestand in Kupfer, Zinn, Butter und Fleischwerk. Wert 49 fl. Ein Jude zu Seulberg war der Abnehmer.

Teilnehmer:

  • Johannes Vielmetter (XXXII.)
  • Hölzerlips,
  • Mahnen-Friedrich, (Phil. Friedr. Süß)

Beide letztere in Heidelberg hingerichtet.

36.) Einbruch und Diebstahl bei dem Ziegler Conrad Zischler, unweit Ostheim, Amt Windecken. Vor etwas 4 Jahren

Teilnehmer: Die Vorigen

Es wurden einige Scheiben am Küchenfenster eingestoßen und ein Gefach eingebrochen. Das Entwendete bestand in Kupfer und Zinn, etwas Brandwein und etwa 8 Pfund Hammelfleisch. Wert 70 fl. Schärfenspieler der Jude zu Seulberg no. 35.

37.) Diebstahl zu Bricken, Amt Kaltenberg, Departements Aschaffenburg. Dezember 1806.

Teilnehmer:

  • Johannes Vielmetter
  • Kleiner Justus
  • 2 Zigeuner, Schwäger des Vorigen

Die Diebe stiegen auf einer Scheuerleiter zum 2ten Stockwerk ein, und entwendeten aus einer Kammer eine beträchtliche Quantität Brandwein, etwa 50 Pfund Hanf, allerlei Weibskleidung usw. Wert 128 fl. 18 kr. Die gestohlenen Sachen sollen auf das neue Wirtshaus bei Hanau gekommen sein.

38.) Diebstahl unweit Vach

Ohne Teilnehmer

Inquisit entwendete ein Knotentuch, das die Frau, welche ihn beherbergte, zum Zudecken gab, und nahm ihre beste Schuhe mit.

39.) Diebstahl zu Breungeshain bei Frankfurt, Bergen.

Teilnehmer:

  • Johannes Vielmetter
  • Hölzerlips

Dieser Diebstahl geschah in der Nacht auf den 1ten August 1809 bei des Wirtschaftsbeständers Daniel Gullmanns Wittwe, mittelst Einsteigen durch ein ausgehobenes Küchenfenster. Die gestohlen Sachen bestanden in Zinn, Kupfer usw. und kamen teils an einen vertrauten Wirt zu Kirdorf, teils an einen Juden zu Homburg v. d. Höhe, Wert 41 fl. 32 kr.

40.) Frucht-Diebstahl zu Ulmbach, im Fuldischen. Vor 4-5 Jahren

Teilnehmer:

  • Johannes Vielmetter
  • Friedrich Diederich, vulgo Grabenschuster zu Kerbersdorf im Fuldischen, wohnhaft
  • Johannes und Christoph Seitenwand, zwei Gebrüder, Zimmerleute zu Kerbersdorf.

Die Diebe stiegen mittelst einer Leiter durch das Strohdach ein. Es wurde so viel Korn eingesackt, als jeder tragen konnte. Die nähere Bestimmung des Wertes wird erwartet. Übrigens sollen die Kerbersdorfer Bauern den Anschlag zu diesem Diebstahl gegeben, auch das den beiden Vielmettern zugefallene Anteil für 3 fl. gekauft haben.

41.) Diebstahl mit Einsteigen zu Salz, Großherzogl. Hess. Patrim. Gerichts der Freih. v. Riedesel zu Freiensteina, Geschah im Jahr 1807 kurz vor Pfingsten.

Die Diebe stiegen auf einer Leiter durch das Strohdach ein. Die gestohlenen Sachen bestanden in Erbsen, Linsen, Dörr -Obst und einem Waschkessel. Wert circa 20 fl.

Teilnehmer:

  • Johannes Borgener, vulgo Pohlengängers Hannes (XLII)
  • Johannes und Christoph Seitenwand, zwei Gebrüder, Zimmerleute zu Kerbersdorf.
  • Ein Schneider aus Kerbersdorf, vulgo Grabenschneiderchen (Johann Adam Hanisch)

Letztgedachter Schneider hatte bei dem Bestohlenen, Namens Sill, gearbeitet, und die Gelegenheit ausgesehen. Die Kerbersdorfer führten bei diesem Diebstahl einen geladenen Karabiner.

42.) Ehebruch mit Dorotea Lahrin, vulgo. Zunderdai, und Diebstahl an derselben.

Inquisit verließ abermals seine Frau, und gab sich mit der s.g. Zunderdai ab; (siehe unter X. und XII.) Als er eine Zeitlang mit ihr herumgezogen war, verließ er sie, und stahl ihr einen Esel und ein Federbett.

43. Großer qualifizierter Diebstahl zu Weisenborn, Werra-Departements, Königreichs Westphalen, Ende Februar oder Anfangs März 1807

Teilnehmer:

  • Kannengießers Hannes
  • Kannengießers Hannbast (Gebrüder Hartmann)
  • Hunds-Velten, (Valentin Bröschler)
  • Heinrich N. (wahrscheinlich Heinrich Euler von Freiensteina, vulgo Hildebrands Heinrich.)

Dieser Diebstahl macht in verschiedener Hinsicht Époque. Mit ihm beschloss Hund-Velten die Laufbahn seiner Verbrechen; über ihn besudelten sich die Kameraden mit seinem Blute. Folgendes ist der Vorgang! Nachts zwischen 11 und 12 Uhr brachen die Räuber in die Behausung des Garnhändlers Jacob Battenberg zu Weisenborn, Kantons Oberaula, Distrikt Hersfeld, im Werra-Departement, Königreichs Westphalen. Zu Reinhards in des Heinrichen Haus (*) war die Verabredung geschehen; Hunds-Velten und der lange Hannes hatten den Vorschlag gemacht. Jener hatte im Haus des zu Bestehlenden gelegen, und letzterer mehrmals Brandwein darin getrunken. Sie glaubten den Wohlstand des Mannes bemerkt zu haben, und versprachen sich eine große Ausbeute an barem Geld und Effekten.

(*) Von Kätten-Heinrich, der in diesem Haus ehemals diente, hat man erfahren, dass diese berüchtigte Räuberherberge auch das Steinmüllers-Haus genannt wird, und der alte Mann darin Andreas Link, der junge. aber Johannes Link, heißet.

Hunds-Velten wusste am meisten Bescheid in dem Haus, und nach ihm der lange Hannes; sie erhielten daher den Auftrag zu plündern. Sie beschäftigten sich deshalb in des Bestohlenen oberen Zimmern mit Aufbrechen und Ausleeren; die andern hielten unten im Haus und vor demselben Wache. Hunds-Velten kam über den Geldvorrat des Mannes. Dieser bestand nach dessen eidlichen Angabe in 40 schweren Talern. Eben war er um Begriff 4 große Taler davon in seinen Uhrsack heimlich auf die Seite zu bringen als langer Hannes hinzukam und es bemerkte. Er gab darauf diesem zwei davon, und machte ihm zur Bedingung, gegen die Andern zu schweigen. Hannes nahm sie und schwieg; In der folgenden Nummer erblicken wir wieder den Faden dieser Geschichte. Unterdessen war der Bestohlene, der noch nicht fest geschlafen hatte, munter geworden. Er hörte Geräusch in seinem Haus, und öffnete die Türe seines Wohnzimmers. Kannengießers Hannbast, der an der Treppe stand, donnerte ihm zwar mit furchtbarer Stimme und aufgehobenem Prügel ein „ Zurück“ entgegen, so dass er sich erschrocken in seine Stube zurückzog, und besorgt für sein Leben, nicht nur die Türe zuschlug, sondern sogar zuhielt, um nicht persönlich überfallen zu werden. Allein der Umstand, dass der Bestohlene unversehens munter geworden, veranlasste die Räuber, sich nicht lange mehr zu säumen. Wie sie abgezogen waren, machte der Bestohlene Lärmen. Es versammelten sich mehrere Leute im Ort, und er verfolgte mit ihnen die im Schnee zurückgelassene Spuren der Räuber bis gegen Lingenbach über die Grenze, ohne jedoch solche zu ertappen.

Kannengießers Hannes hatte bei dem Diebstahl eine Pistole. Der Wert des Gestohlenen betrug laut eidlicher Würdigung, 222 fl. 57 kr.

44.) Grausame Ermordung des Valentin Bröschlers genannt Hunds-Velten, (*) auf dem Wannhof, A. Ulrichstein, veranlasst durch obigen Diebstahl.

Die Diebe zogen sich mit ihrer Beute auf den Wannhof, A. Ulrichstein, auch der Vöckelsberger Hof genannt. Hier teilten sie den Raub; allein das bare Geld entsprach der Erwartung der Gesellschaft nicht. Es entstand Verdacht gegen Hunds-Velten, dass er untergemakelt (d. h. betrogen) habe. Bei dem Abendessen, als die Köpfe erhitzt waren von Brandwein, gerieten Velten und Langer Hannes auf einmal in Wortwechsel. Hannes warf ihm nun öffentlich vor, dass er betrogen habe, und um die Anderen, besonders seinen Bruder, recht in das Interesse zu ziehen, erzählte er die Geschichte mit den 4 großen Thalern. Darauf packte er Velten an der Brust mit den Worten: „Betrügst du meinen Bruder, so betrügst du auch mich!“ warf ihn zur Erde, und schlug ihm mit umgewandter Pistole aus allen Kräften auf den Kopf. Jetzt griff er ihm in die Uhrtasche, holte 2 große Taler heraus, die Velten untergemakelt hatte, und steckte sie bei sich.

 (*) Mit diesem Hunds-Velten, auch Hunds-Mutter-Velten genannt, scheint Pfister 2. Thl. p. 159. no. CCXII. ebend. P+ 176.no. CCLVI. ebend. p. 117. CCXLIX. und p. 266. No. 78. der s. g. Hühner-Velten oder Koffee-Velten, auch Blechschläger Valentin genannt, verwechselt zu sein, welcher nach den zu Marburg herausgekommenen Zeichnungen interessanter Gauner, die sich in dem Königreich Westphalen usw. furchtbar gemacht haben, – offenbar eine andere Person ist. Vergleiche Allgem. Justiz- und Polizei-Blätter de 1811, p. 465.

[Originaltitel: Interessante Zeichnungen berüchtigter Gauner- und Spitzbuben, die im Königreich Westfalen und den benachbarten Gegenden sich furchtbar gemacht haben, Marburg 1811]

Hierdurch stieg besonders die Erbitterung seines Bruders Hann-Bast auf das Höchste. Er zog seinen zum Einbruch bestimmten Schnitzer aus der Tasche, und stach damit 5 bis 6mal, dem niedergeworfenen Velten in die dicken Beine und Waden. Es quetschte fürchterlich, m.d stromweise quoll das Blut in die Stube. Jetzt legte sich der Hauswirt, – er ist nunmehr verstorben, – in das Spiel, und bat dringend die Mörder, mit ihrem Opfer- seine Stube zu verlassen. Sie folgten; der Verwundete wurde auf den Hof geschleift, und auf den Trog gelegt, der bei dem darin befindlichen, Brunnen stand. Hier wurde ihm eine Sehne oder Flechse nach der andern aufgelöst; die dicken Beine und Waden wurden durchaus zerfleischt und zerschnitten. Jetzt zogen sie ihn aus, und sämtliche Räuber, mit ihnen auch Vielmetter, entfernten sich mit ihrer Beute. Unter den fürchterlichsten Schmerzen und Zuckungen starb der Verwundete ein bis zwei Stunden nach der Misshandlung. Vielmetter kann nicht leugnen, Zeuge dieses Mordes gewesen zu sein, und gibt die Veranlassung an, wie wir sie erzählt haben. Allein er leugnet, dass er selbst an den Ermordeten Hand gelegt, und wirft die Schuld der Ermordung allein auf die Gebrüder Hartmann. Dass an dieser scheußlichen Tat die beiden Kannengießer Haupt-Urheber sind, scheint den Umständen nach nicht zu bezweifeln, Dass aber Vielmetter und Hildebrands-Heinrich gar nicht geholfen haben sollten, ist eben so unwahrscheinlich. Auch haben wir Aussagen Anderer, wonach Vielmetter sich selbst dieses Mordes gerühmt haben soll. Hinreichender Beweis konnte indessen nicht gegen ihn erbracht werden.

Die Mörder, und mit ihnen Vielmetter, zogen nach jenem Vorfall mit ihrem Raub nach Herbstein. Kannengießers Hannes trug des Ermordeten Überrock auf seinen Schultern. Zu Herbstein kehrten sie in einer Diebsherberge ein, welche gleich vorne am Ort ist, wenn man nach Lanzenhain geht. Vielmetter sagt: der Wirt werde Hannhain genannt. Hier, auf damals Fuldischem Gebiete, hielten sie sich für Streifung und Nachstellung sicher; sie beschlossen daher, einen Tag auszuruhen. Vielmetter gab den Rock, worin sein Anteil der zu Weisenborn gestohlenen Sachen war, dem Wirt zum Aufheben, und ging darauf in den Ort. Wahrscheinlich hatte das Amt zu Ulrichstein das Herbsteiner von dem Mord auf dem Vöckelsberger Hof avertiert gehabt. Genug, Vielmetter wurde von dem Unteroffizier der Centmannschaft eingezogen, und vor Amt gebracht. Anderthalb Tage ließ ihn dieses sitzen, und gab ihm dann, nach Vorzeigung seines Passes, die Freiheit wieder. Jetzt eilte er zu seinem Wirt, und verlangte die gestohlenen Sachen, die er ihm aufzuheben gegeben hatte. Allein, so behauptet er, der Wirt verweigerte die Herausgabe, und behielt die Sachen unter dem Vorwand; er sei wegen Beherbergung der Diebe um 5 Rthlr. vom Amt gestraft worden, und müsse sich mit dem Gestohlenen für seine Strafe entschädigen. Vielmetter war also genötigt, wie er sagt, seine ganze Beute dem Kochemer Bayser oder Diebswirt zu Herbstein zu überlassen.

Hätte das Amt bei diesem, da es (wie wir nach Vielmetters Erzählung glauben müssen) die Beherbergung der Vagabunden wusste, genau visitiert, so wäre dem Bestohlenen und der öffentlichen Sicherheit ein reeller Dienst geleistet worden. Nichts helfen die Arretierungen verdächtigen Gesindels, ohne mühsame gründliche Untersuchung, und nichts helfen Haussuchungen, wenn sie nicht unter den Augen des Beamten oder von ihm selbst geschehen. Alle dergleichen oberflächliche Anstalten sind mehr schädlich als nützlich. Sie machen den Dieb und Räuber, der wegen Mangel von Notizen und Beweisen wieder losgelassen wird, nur kühner. Sie veranlassen ihn augenblicklich von Neuem zu stehlen, und machen den Untertanen vergebliche Kosten.

45.) Tentierter Straßenraub in der Gegend des Bastelshofs. Juli 1809.

Teilnehmer:

  • Johann Adam Steininger vulgo Überrheiner Hann-Adam XXXIII.)
  • Georg Horn vulgo Wurzel-Görg
  • Hölzerlips
  • Johannes Vielmetter, Sohn

Auf Anstiften Steiningers zogen die Räuber in den Odenwald, um Juden aufzupassen, welche den Beerfelder Markt besuchen wurden. Mit Prügeln und einer geladenen Pistole bewaffnet, passten sie lange an der von Steininger ausgesuchten Stelle. Allein die Juden kamen nicht zu der Zeit, wo sie erwartet wurden, und ein bewaffneter Jäger, der sich blicken ließ, veranlasste die Räuber nicht länger zu warten.

46.) Diebstahl eines Esels auf der Mühle bei Ockstadt. 8/.9. Juli 1807

Teilnehmer:

  • Hölzerlips  (hingerichtet)
  • Conrad Werner (hingerichtet)
  • Johannes Werner (im Gefängnis gestorben)

Der Müller schoß auf die Diebe. Sie salvierten ihre Beute, und verkauften sie nach Altenhassel. Wert 22fl.

46 b.) Esels-Diebstahl zu Oberwöllstadt. 8/9. Juli 1807

Der Schuss schreckte die Diebe so wenig, dass sie noch zu derselben Nacht auf der Mühle zu Oberwöllstadt einen 2ten Esel stahlen. Hölzerlips verkaufte ihn an den Müller zu Somborn.

47.) Erbrechung der Voliere des Herrn Grafen von Stollberg zu Ortenberg, und Diebstahl mehrerer Vögel

Teilnehmer:

  • Johannes Vielmetter, Sohn (tot)
  • Heinrich Pfeiffer (tot)

In der Nacht vom 4ten auf den 5ten Juli 1809 wurde die Voliere des Herrn Grafen von Ortenberg erbrochen. Von 260 Kanarienvögeln, von Lachtauben und andern Vögeln, wurden mehrere entwendet, die meisten entflogen, und bevölkerten die benachbarten Gärten und Wälder. Der angerichtete Schaden geschah mehr aus Mutwillen als aus Gewinnsucht. Die Diebe hatten lange in dem Garten vergeblich nach besserer Beute gesucht. Ihre Absicht war besonders auf den Einbruch in einen Keller gerichtet, worin sie Wein und Leckerbissen zu erhalten hofften. Aus Verdruss über das Misslingen ihres Vorhabens erbrachen sie das gräfliche Vogelhaus.

48.) Tentierter Gänse- und Geisen-Diebstahl zu Ilbenstadt. 1809

Teilnehmer:

  • Johannes Vielmetter
  • Hölzerlips

Die Diebe fanden die Stallung leer, worin sie suchten.

49.) Einbruch und zum Teil missglückter Diebstahl bei einem Krämer zu Ilbenstadt. 1809

Teilnehmer: Die Vorigen

Hölzerlips war bereits eingestiegen, und hatte eine Schachtel mit irdenen Pfeifen, Feuersteinen und sonstigen Kleinigkeiten herausgereicht, als Lärmen entstand und die Diebe entflohen.

50.) Geisen-Diebstahl zu Burggräfenrod

Auf dem Rückweg stahlen sie zu Burggräfenrod eine Geise. Sie ist nicht höher als 4 fl. eidlich gewürdigt.

51.) Qualifizierter Diebstahl zu Berkersheim, unweit Bergen, 4/5. Aug. 1809

Teilnehmer:

  • Johannes Vielmetter
  • Hölzerlips
  • Johann Georg Kleebach, Müllerpursch, aus dem Usingischen gebürtig

Wert 35 fl. 23 kr. Die Diebe waren bei dem Einbruch mit drei Pistolen bewaffnet, und hatten sich mit ihrer Beute auf den Kronauerhof zurückgezogen. Ihr unmäßiges Leben lieferte sie hier der Justiz in die Hände. Vor diesem Diebstahl hatten sie nämlich auf demselben Hof anderthalb Maas Brandwein gesoffen. In der Küche zu Berckersheim, wo sie das Zinn stahlen, hatten sie einen Krug mit Brandwein gefunden, und solchen geleert. Nun hatten sie auf dem Kronauer Hof von neuem zu saufen angefangen, und damit so lange continuirt, bis sie Hören und Sehen verloren hatten. In diesem Zustand wurden sie von den Streifern überfallen. Man fand bei ihnen den größten Teil der zu Berkersheim in der vorhergehenden Nacht mit Einbruch gestohlenen Sachen. Weiter erhaschte man unter den Habseligkeiten der beiden Vielmetter und des Hölzerlips drei stark geladene Pistolen, 3 Pulverhorn mit Pulver, 4 Patronen mit Schrot und Posten, Schwefelfaden, 1 Wachstöckchen, Zunder, Feuersteine und Stähle in Menge, Messer, lederne Riemen, Klemm- und Brechhacken usw. – kurz alle Gerätschaften einer Räuberbande erster Klasse. Ex ungue leonem! Der Diebstahl von Berkersheim ist an sich betrachtet von keiner besonderen Bedeutung. Aber er ist merkwürdig für unsere Geschichte, Er zeigt die Räuber in ihrer wahren Gestalt, er kann die Behörden aufmerksam machen auf das, was von solchen Menschen zu erwarten ist, er kann sie überzeugen, dass fast alle Diebstahle, die solche Gauner begehen, auch für das Leben des Menschen höchst gefährlich sind. Ein einziger solcher Diebstahle, wo man den Räuber von Profession mit Waffen in der Hand antrifft, sollte  – deucht mich – hinreichen, ihm zum Wohl der Menschheit den Stab zu brechen!

Die Diebe wurden nach Bergen in Arrest gebracht. Hölzerlips und Johannes Vielmetter fanden im Mai 1820 durch Nachlässigkeit des Wächters Gelegenheit zu entfliehen, und bedienten sich solcher. Jacob Heinrich Vielmetter blieb in dem Arrest zurück, und wurde im folgenden Jahr nach Gießen ausgeliefert.

52.) Diebstahl mit Einbruch und Einsteigen mittelst 2 Leitern auf dem Wasemichs-Hof. (S. XVII. n. 3.)

Inquisit nennt als Teilnehmer:

  • Seinen Sohn Johannes Vielmetter
  • Weisbrods-Hann-Görg und
  • 2 Unbekannte

53.) Tuch-Diebstahl zu Rixfeld. (S. XVII. no. 1.)

54.) Diebstahl dreier Geisen zu Radmühl. (S. XVII. no. 2.)

Die Geisen wurden verkauft an einen ehrsamen Ausschuß-Korporal in Steinau, der solche bei Weisbrods Hann-Görg bestellt hatte. Wert 18-19 fl.

55.) Diebstahl zu Brückenau im Fuldischen, May 1805

Teilnehmer:

  • Johannes Vielmetter, Sohn
  • Schwarzer Anton, (erschlagen)
  • Johannes N. Soll aus dem Würzburgischen sein, und einen Kram geführt haben. Wahrscheinlich der s.g. Würzburger Schneider

Die Diebe sprengten mit einem Holz die Schalte im Nebenbaueines Fabrikanten oder Färbers. Sie entwendeten blaugefärbten Beiderwand, Strümpfe usw. Wert 61 fl. Die Sachen wurden angeblich an einen Juden in Ramsthal verkauft. Inquisit will nicht mehr als 8 Kopfstück zu seinem Teil erhalten haben.

56.) Diebstahl eines Pferds- Kummet, im Wirtshaus zu Burggräfenrod mit Einbruch

Teilnehmer:

  • Johannes Vielmetter, Sohn.
  • Johannes N. aus dem Würzburgischen.
  • Schwarzer Anton

Wert 8-9 fl.

57.) Versuchter Esels-Diebstahl hinter Kahl.

Teilnehmer:

  • Johannes Vielmetter, Sohn
  • Pohlengängers Michel
  • Pohlengängers Hannes

58.) Wasch-Diebstahl zu Haiz bei Gelnhausen ..nes Försters Haus

Teilnehmer

  • Johannes Vielmetter, Sohn
  • Daniel Buchenberger, vulgo Spiel-Daniel

Die gestohlene Wäsche, größtenteils in Hemden und Tischtüchern bestehend, war in einer Bütte eingeweicht. Ihr Wert ist eidlich taxiert auf 50 fl. Die Teilung geschah in Hainchen. Dort verkaufte auch Vielmetter. Nach dem Verifikation-Protokoll wurde ein Loch neben der Türe gebrochen. Inquisit behauptet, er habe solche mittelst Durchsteckung eines Messers geöffnet.

59.) Qualifizierter Diebstahl zu Effolderbach. Vor 4-5 Jahren

Teilnehmer:

  • Zinngießers Ludwig, (tot)
  • Andreas Lehn jun. (sitzt zu Fulda)
  • Heinrich Steiber (erfroren.)
  • Johannes Vielmetter

Die Diebe stiegen zum Fenster ein, nachdem sie solches, mittelst Ausstoßung einiger Scheiben, geöffnet hatten. Das Gestohlene bestand in einer hölzernen lasierten Wand-Uhr, etwas Kupferwerk usw., zusammen eidlich gewürdigt auf 11 fl. 10 kr.

60.) Keller-Einbruch zu Michelstadt im Odenwald. Vor etwa 6 Jahren

Teilnehmer:

  • Johannes Vielmetter, Sohn
  • Johann Adam Heusner, genannt der Odenwälder Hann Adam
  • Stephan Heusner, genannt langbeiniger Steffen, Bruder des Vorigen
  • Johannes Lehn, Michels Sohn, genannt Michels Hannes oder Spiel Hannes.

Johannes Vielmetter hatte diesen Diebstahl zuerst eingestanden, den Johannes Lehn aber unter diesen Teilnehmern nicht angeführt. Die Diebe entwendeten gefüllte Bouteillen mit Wein und Brandwein, auch eine Partie Käse, – und ließen sich’s wohl schmecken. Der Wert ist unbestimmt,.

Inquisit ist noch mehrerer Verbrechen, namentlich auch einiger Straßenräubereien und Kirchen-Diebstähle, bezichtigt, aber weder überführt noch geständig.

Am 6ten May 1812 wurden die Akten an Großherzogl. Hofgericht zur Entscheidung eingeschickt. Sie bestanden

  1. in den eigentlichen Untersuchungs-Akten gegen Jacob Heinrich Vielmetter. IV dicke Bände
  2. in denen gegen seinen Sehn Johannes Vielmetter. III dicke Bände,
  3. in denen gegen seine Frau, Anna Cathrina, geborene Dreherin, I Band,
  4. in denen gegen seine Tochter Anna Maria Vielmetter, I Band
  5. in denen gegen seines Sohnes Beischläferin, Cathrina Kariolin. I Band
  6. in einem großen Volumen älterer Untersuchungsakten wegen der Schotter, Sichenhauser und Hirzenhainer Diebstähle.

Am 22ten Sept. 1812 langte das Urteil gegen Jacob Heinrich Vielmetter ein. Wir geben es seinem ganzen Inhalt nach.

Urteil

In Untersuchungs-Sachen gegen Jacob Heinrich Vielmetter aus Oberhain, wegen vieler Diebstähle, unterhaltener Diebsverbindung und geführten Räuber- und Vagabunden-Lebens, wird auf amtspflichtige Untersuchung, erbrachte Verteidigung und erstatteten schriftlichen Vortrag zu Recht erkannt: Dass Jacob Heinrich Vielmetter wegen attentierten Straßenraubs, Kirchen-Diebstahls zu Maria Ehrenberg, vieler großer und kleiner, zum Teil durch Bewaffnung, Einsteigen und Einbrechen qualifizierter Diebstähle, an denen derselbe geständiger- und erwiesenermaßen bald näheren, bald auch nur entfernteren Anteil genommen, wegen lange Jahre unterhaltener förmlicher Diebsverbindung mit andern Räubern von Profession und geführten Gauner- und Vagabunden- Lebens, zur Lebenslänglichen Zuchthausstrafe zu verurteilen sei.

V.R. w. Dessen zu Urkund ist dieser Urteils-Brief nach Verordnung Großherzogl. Hessischen Hofgerichts ausgefertigt und mit dem größeren Gerichts-Insiegel versehen worden. So geschehen Gießen, den 18ten September, 1812.

Bei der am 26ten Sept. 1812 erfolgten öffentlichen Bekanntmachung des Urtheils erklärte Vielmetter, „dass er gegen dessen Inhalt nichts einzuwenden habe,“ und unerachtet ihm gesagt worden, dass er nach den hiesigen Landesgesetzen zehn Tage Zeit habe, ein Rechtsmittel dagegen einzuwenden, so ließ er sich schon folgenden Tages melden, und verlangte augenblicklich in das Zuchthaus abgeführt zu sein.

Wes Geistes Kind Vielmetter . unter andern folgendes Wetterauer Räuberlied, das auch die ganze Wetterauer Bande charakterisieren kann. Er pflegte solches ehedem öfters zu singen, und der Verfasser erhielt es, als er ihm bekannt machte, dass er durch Andere davon unterrichtet sei, aus dessen eignem Munde.

Hopsa Viva insgemein

Wie die Kochemer Künstler sein!

Sie boschen a) die Strahle b) auf und nieder

Sie scheften c) sich auf die Strahle nieder,

Bis ein Freyer d) holcht e) herbei,

Mit einer Blete f), zwei oder drei,

Hopsa Viva insgemein

Wie die Kochemer Künstler sein!

Guter Freund! wo boscht ihr hin?

Boscht ihr zu dem Mokum g) h’nin,

In den Kober h) zu dem Jain i)?

Wir wollen zwei Kameruschen k) sein!

Hopsa Viva insgemein

Wie die Kochemer Künstler sein!

Als der Freyer gedippelt l) drein,

mußt er auch schon gerissen m) sein.

Als der Freyer gerissen war,

Macht? sich der Kochemer aus der Gefahr.

a) gehen, b) Straße c) setzen, lagern. d) Passagier, e) kommt, f) Carolin, g) Stadt, h) Wirtshaus, i) Wein, k) Kameraden, l) gesprochen, geantwortet. M) niedergeschlagen und geplündert