Vogelsberger Bande Seite 57 – 129

Actenmässige Geschichte der Vogelsberger und Wetterauer Räuberbanden und mehrerer mit ihnen in Verbindung gestandener Verbrecher, Nebst Personal-Beschreibung vieler in alle Lande teutscher Mundart dermalen versprengter Diebe und Räuber – Von Friedrich Ludwig Adolf von Grolmann, Giessen 1813

Inhalt

X.) Joh. Leonhard Lang, vulgo Hann-Lehnert, Vagab., gebürtig aus Rixfeld

Signalement

Alter 25 Jahr, (vielleicht auch einige Jahre darüber) Größe 5 Fuß 3 Zoll 3 Strich, untersetzter Statur, ovalrunder Gesichtsform, blonder Haare und Augenbraunen, sehr schwachen Bartes, hoher schmaler Stirne, hellbrauner Augen, ziemlich starker spitzen Nase, kleinen Mundes, runden Kinns, bleicher Farbe. Bekennt sich zur katholischen Religion.

Familien-Verhältnis und Lebens-Weise

Leonhard Lang ist ein uneheliches Kind, und gibt vor, seinen Vater nicht gekannt zu haben. Auch von seiner mitverhafteten Mutter hat man über denselben keine befriedigende Nachricht. Diese, auf dem Vogelsberg bekannt unter dem Namen Zunderdai, nennt sich Dorothea Lahr, oder nach ihrem angeblich gehabten Ehemann, Glüber. Sie ist eine Erz-Gaunerin, Gelegenheits-Macherin und böses Stück. Es lässt sich von ihr auf die Erziehung, die sie ihrem Sohn gegeben hat, schließen. Die ältere Schwester Leonhard Langs ist erzeugt von dem angeblichen Ehemann seiner Mutter. Sie schreibt sich daher Anna Margaretha Glüber, ist mitverhaftet und die Konkubine des Haupt- Spitzbuben Friedrich Adam Thomas oder langen Friedrich. Diesem gibt Lang die Veranlassung und Verführung zu seinen begangenen Verbrechen vorzüglich Schuld. Seine jüngere Schwester, Maria Barbara Lang, ebenfalls mitverhaftet, hatte mit ihm einen Vater. Sie zog zwar mit der Bande umher, hatte aber noch keinen erklärten Beischläfer.

Lang handelte zu Zeiten mit irdenem Geschirr, und schaffte dann und wann als Handlanger bei den Maurern. Seine mitverhaftete Beischläferin heißt Elisabetha Borgener, und hat die hier sitzende Pohlen-Gängers-Michel (XVIII) und Pohlen-Gängers-Hannes (XLII.) zu Brüder.

Charakter

Gleichgültig, phlegmatisch, timid, verschlossen, wahrheitsliebend und einigermaßen religiös.

Verbrechen

1.) Tuch-Diebstahl zu Bernsfelden, Amt Grünberg

Teilnehmer:

  • Friedrich Adam Thomas
  • Jacob. Krämer, vulgo Zunder-Alberts-Jacob

Wert 25fl.

2.) Beraubung einiger Schäferhütten bei Frischborn.

Teilnehmer: Friedrich Adam Thomas.

Wert 32 fl.

3.) Diebstahl des Obergleer Braukessels. (S. III. 1.)

4.) Einbruch und Entwendung eines Sudkessels zu Wettsaasen. (S. V. 1.)

5.) Schaf Diebstahl zu Frischborn

Teilnehmer: Friedrich Adam Thomas.

Diesen Diebstahl hat zwar Leonhard Lang im Spez.-Verhör widerrufen, aber wahrscheinlich um seinem Schwager, dem langen Friedrich, der ihn zum Widerruf induziert, in einigen Stücken gefällig zu sein. Indessen scheint ihm sein Gedächtnis einen Streich gespielt zu haben. Denn Friedrich, der andere offenbar begangene und bereits gestandene Verbrechen leugnet, stellt diesen Diebstahl nicht in Abrede.

6.) Diebstahl zweier Schafe über der Königssaaser Mühle

Teilnehmer: Friedrich Adam Thomas

7.) Diebstahl von drei Schafen zu Obermooß, bei Joh Knoblauch, mit Einbruch

Teilnehmer:

  • Heinrich Euler
  • Michael Borgener

Wert 12 fl.

8.) Diebstähle von 8 Hemden und 8 Säcken in verschiedenen Gärten bei Almenrod

Teilnehmer: Friedrich Adam Thomas. Wert circa 35 fl.

9.) Diebstahl zweier Esel auf der Trüper-Mühle bei Momberg oder Neustadt, im Werra- Departement Königreichs Westphalen

Teilnehmer:

  • Johann Georg Pfeiffer
  • Catharina N. N, (Tochter des Maarhannes)

Wert 35 fl.

10.) Einbruch Und Diebstahl eines Sudkessels und Bettes zu Bernsfelden

Wert 17-18 fl.

Teilnehmer:

  • Friedrich Adam Thomas
  • Johannes Borgener, vulgo Pohlengängers-Hannes

Bei diesem vor 3-6 Jahren geschehenen Diebstahl führte der lange Friedrich seine geladene Pistole und Lang stand damit Schildwache.

11.) Durch Waffen und Einbruch qualifizierter Diebstahl auf der Seipels-Mühle. (S. IV. 2.)

Auf den Müblknecht wurde bekanntlich geschossen.

12.) Tentirte Ausplünderung des Gelderhebers und Bürgermeisters Hofmann zu Selters, Amt Ortenberg, Vergiftung dessen Hofhundes, und Diebstahl zweier Schafe bei Dauernheim, auf dem Heimweg

Vor ungefähr 6 Jahren

Teilnehmer:

  • Friedrich Adam Thomas
  • Schwarzer Jung (XXXIV.)
  • Herrmann Glaser, vulgo der Lange (IX.)
  • Valentin Bröschler, vulgo Hunds-Velten, (erschlagen auf dem Wannhof.)
  • Christoph Bäumler (Schwager des Glaser, tot)
  • Cornelius Köhr, vulgo Nöll, Stiefbruder Heinrich Pfeiffers; hat eine Tochter des Gläserhannes zur Beischläferin

Velten machte den Vorschlag zu Aushebung Hofmanns, bei dem viel Geld und Geldes Wert vermutet wurde. Diesen Diebstahl auszuführen, brach die Bande in zwei Abteilungen auf, aus dem Amt Grünberg nach der Wetterau. Bei Anbruch der folgenden Nacht versammelte sie sich in der Gegend von Dauernheim. Hier wurden aus dem nahegelegenen Pferch zwei Schafe geholt, welche Glaser, der bei der Österreichischen Armee ehemals geschlachtet, zerlegte. Sie taten das Fleisch in Säcke und zogen damit nach Dauernheim. Hier blieben sie über Nacht und den folgenden Tag im Wirtshaus, zehrten von dem gestohlenen Fleisch, und ließen sich von Echzel Schießpulver und Krähaugen kommen. Abends brachen sie gerüstet und zum Teil mit Schießgewehr versehen insgesamt auf und zogen nach Selters. Gegen 11 Uhr Nachts kamen sie an bei diesem Ort und machten Halt auf einer Wiese. Schwarzer Jung wurde zum Spionieren abgeschickt und kam zurück mit der Nachricht: Es werde in der Scheuer des Bauern noch geresst und der Hofhund sei bellend auf ihn losgeschossen. Welten gab ihm nun zur Vergiftung des Hundes einige Kugeln von dem bei Dauernheim gestohlenen Schaffleisch, in welchem Krähaugen waren. Schwarzer Jung machte sich abermals auf, und warf dem Hund die vergifteten Fleischklumpen vor. Er kehrte zurück, und als man vermutete, dass die Krähaugen gewirkt haben müssten, wurde er zum dritten Mal abgeschickt. Er fand den Hund noch am Leben und hinterbrachte die Nachricht der Bande. Diese hielt es nun für zu spät, noch etwas zu unternehmen, und glaubte, der Hund habe die Krähaugen nicht gefressen. Sie ging daher unverrichteter Dinge auseinander. Allein der Hund hatte wirklich gefressen, und starb an der Wirkung des Giftes. Seine gute Leibes-Beschaffenheit, die länger dem Tod, als berechnet war, trotzte, oder der Zufall, dass er die vorgeworfene Kugeln nicht schnell hinter einander verschluckte,- rettete dem Bürgermeister Eigentum und Leben.

13.) Beltershainer Schaf-Diebstahl

Teilnehmer:

  • Friedrich Adam Thomas
  • Cornelius Köhr

Widerrufen, wahrscheinlich aus Gefälligkeit gegen Thomas.

14.) Schnupftuch-Entwendung auf einem Markt zu Krainfeld.

Ohne Teilnehmer.

15.) Einbruch und Kessel-Diebstahl zu Selnrod.

Teilnehmer: Johannes Vielmetter (XXXII.) Wert 10 fl.

16.) Einbruch) und Diebstahl eines Sübdkessels auf der Mühle bei Niederohmen.

Teilnehmer:

  • Heinrich Brandau, vulgo Engelröder D..k
  • Langer Friedrich
  • Joh. Vielmetter.

Wert. 46. fl. Die Diebe wurden verfolgt, und Friedrich deckte den Rückzug mit seiner Pistole.

17.) Noch ein Kessel- Diebstahl mit Einbruch zu Wettsaasen.

Teilnehmer

  • Johann Georg Pfeiffer
  • Balser Pfeiffer (Bruder des Vorigen, auch Weisbrods-Balser genannt.)

Diesen bei der General-Inquisition eingestandenen Diebstahl hat Inquisit zwar in der Folge zurückgenommen. Allein sein Widerruf kann umso weniger berücksichtigt werden, da Johann Georg Pfeiffer, der viel später als er arretiert wurde und nicht mit ihm colludiren konnte, freiwillig eingesteht, dass er diesen Diebstahl mit ihm begangen habe.

Es ist dieser Kessel-Diebstahl ein vorzüglich hässlicher Zug in seiner Geschichte und schwärzet seinen Charakter. Denn der bestohlene J. Weber zu Wettsaasen ist der nämliche Mann, den Lang schon das Jahr vorher mit Vielmetter, Joh. Lehn und Brandau bestohlen. (s. oben sub 4.) Er hatte diesen Kessel, der ihn 35 fl. kostet und noch nicht ganz bezahlt war, kaum für den früher entwendeten angeschafft, so wurde hm auch dieser durch denselben Lang entwendet, der in seinem Hause Zuwandel hatte.

18.) Qualifizierter Diebstahl mit Schießgewehr zu He>ersdorf, bei Andreas Nahn. 16-17ten Sept, 1809

Teilnehmer:

  • Friedrich Adam Thomas (XII.)
  • Druckers- Peter,
  • Weisbrods- Hann-Görg (XVII)
  • Weisbrods-Balser (CXXIII.)
  • Johann Heinrich Volz (XIlI.) vulgo Bik, aus Storndorf

Die Diebe brachen von der Garten-Seite ein. Druckers-Peter und Lang leerten die Oberstube, Weisbrods-Hann-Görg stand hinten, Friedrich aber vorne an der Wohnstube mit geladener Pistole; die Andern steckten das Gestohlene in Säcke. Bald war die Arbeit vollendet; der Bestohlene erwachte und öffnete die Türe. In dem Augenblick schoss der in der Nähe stehende Räuber; es war nah allen Umständen Friedrich. Zwar flog der Schuss größtenteils an dem Bestohlen vorüber; aber einige Schrotkörner trafen ihm das Kinn und die Brust. Die bleiernen Posten fuhren in die Türe.

Dieser Schuss hatte gleiche magische Wirkung auf den Bestohlenen und auf die oben im Haus befindliche Diebe. Der eine wie die Andern zogen sich in größter Betäubung zurück, und Leonhard Lang entfloh mit Zurücklassung seiner ausgezogenen Schuhe. Er hatte solche in seinen Diebssack gesteckt, verlor aber diesen auf der Flucht, und war nun genötigt, den Rückweg auf bloßen Strümpfen zu machen. Auch die andern Diebe beschleunigten ihren Rückzug so sehr, dass sie fast das ganze  gestohlen bereits in Säcke geparkte Gut in der Nähe des Hauses zurückließen. Bei Storndorf versammelten sich die Flüchtlinge wieder. Hier wurde geteilt, was einige der Beherztesten mitgenommen hatten, und Lang erhielt zum voraus 15 Ellen Tuch zur Entschädigung für die verlorenen Schuhe.

Bei diesem Diebstahl soll, außer Friedrich und J. Georg Pfeisser, auch Druckers-Peter eine Pistole geführt haben. Volz, damals in Storndorf bei seinem Schwager Joh. Heimbach wohnhaft, war angeblich von Pfeiffer, der in dessen Haus lag’; verführt, an diesem Diebstahl Teil zu nehmen, und ging damals zum ersten Mal mit. Den Wert der Sachen, welche der Bestohlene nicht wieder zurückerhalten, hat man zu notieren vergessen. Er betrug ungefähr 22 fl. oder ein Mehreres,

19.-21.) Tentierter Kessel-Diebskahl zu Oberbreidenbach, Tentierter Ferkel-Diebstahl auf der Grundmühle bei Oberbreidenbach, Vollzogener Kessel-Diebstahl daselbst. Sommer 1809.

Teilnehmer:

  • Weisbrods-Hann-Görg
  • Gottfried Quenzel
  • Schandnudels- Dorth

Sie waren nach Oberbreidenbach gegangen und wollten einen Kessel holen, den Schandnudels-Dorth ausersehen.

Der Einbruch war vollzogen, und sie arbeiteten an der Losbrechung des Kessels, als sie gewahr wurden, dass er nicht von Kupfer, sondern von Eisen, und mithin zu schwer zum Fortbringen und zu wenig einträglich für ihre Beutel war. Sie wandten sich nun auf Gradewohl nach der bei Oberbreidenbach gelegenen Mühle, und glaubten dort ein Ferkel zu erhaschen. Stattdessen traf Hann-Görg in dem Stall ein großes Schwein, das ihn beinahe umrennte und auf den Boden setzte. Sie trauten dieses große Thier nicht fortzubringen, und machten sich aus dem Stall in die Waschküche. Hierfanden sie endlich einen Waschkessel von Kupfer, wie sie in Oberbreidenbach gesucht hatten. Der Kessel wurde genommen und an einen Juden zu Storndorf angeblich um 4 fl. verkauft. Sein Wert ist eidlich auf 22 fl. erhärtet.

22.) Diebstahl eines Siedkessels und Brandweinhutes zu Schröck.

Angebliche Teilnehmer:

  • Friedrich Adam Thomas
  • Johann Georg Pfeiffer

Diese wollen nichts von dem Diebstahl wissen und Lang wiederrief hier sein zu Burggemünden getanes Geständnis.

23.) Erbrechung und Beraubung einiger Schäferhütten bei Romrod

Teilnehmer: Langer Friedrich, Wert 23 fl.

24.) Esels-Diebstahl auf der Bachmühle bei Fraurombach

Teilnehmer:

  • Langer Friedrich
  • Zunder-Alberts-Jacob

Wert 18 fl. Lang verkief den gestohlnen Esel 1/2 Jahr später für 20 fl.

25.) Stangenröder Kirchenraub. Sommer

Teilnehmer:

  • Friedrich Adam Thomas
  • Zunder-Alberts-Jacob.

Das Fenster linker Hand vom Chor, auswendig 6 1/2 Schuh, inwendig 8 Schuh vom Boden, wurde ausgehoben und einer der eisernen Stäbe losgebrochen. Während Lang Schildwache stand, stiegen die Andern ein, und versuchten zuerst die Glocke zu entwenden. Sie war ihnen aber zu schwer und sie mussten davon abstehen. Nun wurde der im Chor befindliche stark verwahrte Schrank, welcher die hl. Gefäße enthielt, gewaltsam eröffnet. Die Beute entsprach jedoch nicht ihrer Erwartung. Gold und Silber gab es nicht; sie mussten sich daher mit Zinn, Kupfer und übergoldetem Messing begnügen. Sie nahmen auch das Glöckchen von dem Opferbeutel. Ein Jude aus Einartshausen erhielt angeblich die geraubte Sachen, und bezahlte sie mit einer Kleinigkeit.

26.) Vollzogener Einbruch und versuchter Diebstahl eines eingemauerten Kessels zu Niederohmen, Teilnehmer:

  • Johann Adam Frank
  • Johannes Vielmetter

Die Diebe mussten den Kessel im Stich lassen, weil er zu fest eingemauert war; denn sie konnten mit dem bei sich gehabten Meisel nichts ausrichten.

27.) Diebstahl eines Knotentuchs und jungen Schafs zu Mezlos. (S. VII, no. 4.)

28.) Diebstahl von 20 Strängen Garn zu Flensungen

Teilnehmer:

  • Heinrich Pfeiffer
  • Joh. Vielmetter

Das Garn brachten sie der Kindsfrau Erbesin zu Kleineichen, bei der Pfeiffer gewöhnlich logierte. Diese bewirtete dafür die Diebe mit Kaffee. Sie verbüßt bereits ihre Strafe.

29.) Diebstahl eines Beils zu Rudlos. Bei Amt eingestanden und hier widerrufen.

30.) Diebstahl eines Schafs aus dem Pferch Angersbach

Teilnehmer: Friedrich Adam Thomas. Wert 4 fl.

Wiederhohlt eingestanden und nachher widerrufen. (Bei den meisten obiger Diebstähle, wobei Friedrich zugegen war, führte dieser seine Pistole. Spez. V. p. 14.)

31.) Diebstahl eines Schafs aus dem Pferch Ermenrod.

Teilnehmer:

  • Peter Roth, vulgo Weißbrods-Peterchen (Saß hier und hat seine Strafe bereits verbüßet,)
  • Johann Georg Pfeiffer
  • Balser Pfeiffer

Wert 5 fl.

32.) Beraubung von Ackergeschirr im Feld von Maulbach

Teilnehmer: Balser Pfeiffer

Beide in flagranti ertappt, wurden auf Verfügung des J. Amtes zu Homberg a. d. Ohm kurzer Hand mit Schlägen abgestraft.

33.) Esels -Diebstahl auf der Tannen- oder Kamberger-Mühle bei Obergleen, Amt Kirkorf, März 1809

Teilnehmer: Druckers-Peter, Wert 26 fl. 30 kr.

Den 13ten März 1812 wurden die Untersuchungsakten wider Lang, seine Mutter, ledige Schwester, und mehrere Abnehmer, zur Entscheidung an Großherzogl. Hofgericht emgeschickt. Durch Urteil vom 12ten May 1812, eingelangt den 27ten desselben Monats und bekannt gemacht den 30ten, wurde Leonhard Lang mit Rücksicht (wie das Urteil sich ausdrückt) auf sein offenes Geständnis und bezeigte Rette zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe, dessen Beischläferin Elisabetha Borgenern zu 1 ½ jähriger  und dessen Mutter zu 4jähriger Zuchthausstrafe, und beide als Ausländerinnen zu demnächstiger Landessverweisung, verurteilt. Maria Barbara Lang wurde, unter Anrechnung ihres bisherigen Arrestes, von weiterer Strafe freigesprochen. Großherzogl. Regierung setzte sie unter Polizei-Aufsicht des einschlägigen Amtes und unterstützte sie zu ihrem Fortkommen. Leonhard Lang interponierte ein Rechtsmittel.


XI.) Johannes Höhl, vulgo Lieschens Hannes, gebürtig aus Oberseemen

Signalelement

Alter 28 Jahr, Größe 5 Fuß 4 1/2 Zoll, Statur breitschulterig und untersetzt; ovales mageres Gesicht, mit bleicher kränklicher Farbe; hat schwarzbraune Haare, schwachen Bart, hohe schmale Stirne, blaue Augen, starke große spitze Nase, gewöhnlichen Mund und rundes Kinn; bekennt sich zur lutherischen Religion.

Familien- Verhältnis und sonstige Notizen

Sein Vater war angeblich Kiefer zu Oberseemen, und starb zuletzt als Landstreicher. Inquisit, nirgends ansässig, trieb bisweilen die Maurer-Profession, strich dann wieder auf dem Land umher, diente kurze Zeit unter K. Österreichischem Militär, und kam nach der Übergabe von Ulm in die hiesige Provinz zurück. Sein Haupt-Aufenthalt war das Gericht Engelrod und Amt Ulrichstein im Vogelsberg. Wegen seiner Maurer-Profession nennen ihn Einige auch Maurer-Hannes. Seine Beischläferin oder angebliche Frau heißt Elisabetha Rothin, valso Weisbrods-Lieschen, und ist die Tochter des gleichfalls hier gesessenen Peter Roth, genannt Weisbrods-Peterchen. Von ihr wurde ihm der Beiname Lieschens-Hannes.

Charakter

Falsch, zweizüngig, versteckt, heuchlerisch, schadenfroh, vorsichtig, wankend.

Verbrechen

Von ihm gilt fast das Nämliche, was von Herrmann Glaser (IX.) bemerkt worden. Dreizehn zum Teil sehr schwere, großenteils mit Glaser und den Haupträubern langen Friedrich (XIIl.) und schwarzen Jung (XXXIV.) begangene Verbrechen, hatte er in der bei Amt geführten General-Inquisition summarisch eingestanden. Ein großer Teil hiervon konnte auch hinlänglich, und mit der Angabe übereinstimmend, konstatiert werden. Allein nur von folgenden vier war er in der Special-Inquisition, und dieses nicht ohne viele Mühe und moralische Nötigung, nach, langem Ableugnen, zum auf die letzt mehrfach wiederholten Geständnis zu bringen.

1.) Diebstahl des sehr großen fest eingemauerten Gräfl. Stollbergischen Braukessels zu Hirzenhain, mit Einbruch und Waffen. Oktober 1808.

Teilnehmer:

  • Adolph Diederich (Zinngießer)
  • Hildebrands-Heinrich
  • Kaisers-Konrad (tot.)
  • Kannengießers Hann-Bast (Joh. Sebastian Hartmann.)

Dieser Diebstahl wurde, den eingezogenen amtlichen Nachrichten zu Folge, mit seltener Kühnheit verrichtet. Aus dem mitten im Ort stehenden wohlverwahrten und von einer zahlreichen Familie bewohnten Brauhaus wurde der große 11 Ohm haltende, mit Quatersteinen und eisernen Klammern fest eingemauerte Braukessel mit Gewalt entwendet, und der gefundenen Spur und Schwere des Kessels nach zu urteilen, auf einem-zweispännigen Wagen fortgebracht. Höhl leugnet indessen diesen letzteren Umstand und behauptet, dass der Kessel auf eine Holzleiter gebunden, in den Wald getragen, dort mit einer Holzart zerhauen, und dann an den Juden Aaron Goldschmidt vulgo Arnchen zu Einartshausen, gebracht worden. Soviel ist ausgemacht: die Diebe zogen in der folgenden Mitternacht mit dem Kessel-Kupfer in der Wohnung des gedachten Juden ein. Die Nachtwächter sahen Licht auf seinem Boden, wo das Kupfer gewogen wurde. Der Jude, längst wegen Diebshehlerei und Ankaufs gestohlener Sachen verdächtig, war ihnen vom Amt zur besonderen Aufsicht empfohlen. Sie stürmten daher, durch die Beiwache verstärkt, dessen Haustüre. Er blies das Licht aus, öffnete die Hintertüre, und die Räuber sämtlich entflohen. Die Wache gab mehrmals Feuer auf sie, aber vergeblich. Das bei dem Juden vorgefundene von der Behörde recognoscirte Kupfer betrug 222 Pfund. Wo das Übrige hingekommen, konnte nicht erforscht werden. Der Wert des Kessels ist zwar nicht genau bestimmt. Erwägt man aber, dass der Gemeinde Obergleen für einen neuen Kessel von 4 Ohm von einem Kupferschmidt 460 fl. gefordert werden (III, 1.), so kann, auch bei einiger Übertreibung dieser Forderung, der Wert dieses sehr großen 23 Ohm gehaltenen Kessels vielleicht nahe an 2000 fl. bestimmt werden. Kaisers-Konrad, (wahrscheinlich auch die andern Diebe, denn wie hätten sie sonst einen so gefährlichen Diebstahl begehen können?) war, nach Höhls Angabe, bei der Entwendung des Kessels mit einer Pistole versehen.

2.) Diebstahl eines kleinen Kessels zu Kestrich, Juni 1806, Wert 8 fl.

Teilnehmer: Cornelius Köhr

Die – übrigens schlecht verwahrte – Küchentüre des Bestohlenen wurde erbrochen.

3.) Einbruch und Kessel-Diebstahl zu Weitershain auf der Rabenau, ungefähr 1806

Theilnehmer:

  • Johann Georg Pfeiffer
  • Balser Pfeiffer

Wert circa 15 fl. Erst durch die Einfangung Pfeiffers und die Konfrontation mit demselben wurde Höhl zum wiederholten Geständnis dieses und des folgenden Diebstahls gebracht.

4.) Kessel-Diebstahl zu Kleineichen mit Einbruch um dieselbe Zeit, oder etwas später. Wert ungefähr 30 fl.

Teilnehmer:

  • Johann Georg Pfeiffer,
  • Balser Pfeiffer
  • Cornelius Köhr

Dieser und der vorhergenannte Kessel sind angeblich nach Kestrich an den Juden S** verkauft worden.

Die Untersuchungs-Akten gegen Joh. Höhl wurden den 9ten Marz 1812 zur Entscheidung eingeschickt. Die Protokolle über die später erfolgte Geständnisse der beiden letzten Diebstähle wurden den 14ten März 1812 nachgesandt. Das Urteil ist noch nicht eingelangt.


XII.) Friedrich Adam Thomas, angeblich von Sturzhausen im Sachsen-Gothaischen gebürtig, genannt langer Friedrich; ohne bleibenden Wohnort, Haupt-Spitzbub

Signalement

Alter 23 Jahre (wohl auch 2-6 Jahre darüber,) Größe 5 Fuß 6 Zoll, schlanker hagerer Statur, ovaler Gesichtsform, dunkelbrauner Haare, schmaler Stirn, hellgrauer Augen, langer schmaler ziemlich spitzer Nase, gewöhnlich großen Mundes mit aufgeworfener Oberlippe, runden Kinns, weißer Haut und Gesichtsfarbe. Knopfmacher und irden Geschirrs-Krämer; bekennt sich zur lutherischen Religion. Seine Beischläferin ist die sub X. erwähnte ältere Tochter der s. g. Zunderdai, führt den Namen Anna Margaretha Glüber, und ist eine Stiefschwester Leonhard Langs (No.X.)

Charakter

Verständig, überlegsam, vorsichtig, unternehmend, furchtlos, ehrsüchtig, rachsüchtig, viel Verstellungsgabe und Gelassenheit, Heuchler

Schicksal und Familien- Verhältnis

(Nach seiner eignen Angabe)

Inquisit ist ein Kind der Liebe, und verdankt seinem Vater nichts als das Leben. Dieser, mit Namen Johann Adam Thomas, war ein Schäfer; er diente, als er ihn zeugte, zu Oberseemen, und ist vor ungefähr 20 Jahren verstorben. Seine Mutter, Anna Elisabetha Suchertin, aus Cell im Sachsen-Gothaischen gebürtig, diente zu Volkertshain (in der Nähe von Oberseemen, Prov. Oberhessen) angeblich 16 Jahre. Als sich ihre Niederkunft nahte, zog sie in ihr Vaterland nach Sachsen. Dort kam sie nieder; fand aber wenig Unterstützung. Sie kehrte daher mit ihrem Kind nach Volkertshain zurück, und diente von neuem. Zuletzt wurde sie von der Gicht geplagt und konnte nicht mehr arbeiten. Sie zog daher in der Nachbarschaft umher und sammelte Almosen. Vor ungefähr 4 Jahren starb sie zu Lanzenhain, Patrimonial- Gerichts Engelrod. Hier hatte sie sich vor ihrem Ende niedergelassen und wurde auf Kosten des Gerichtes unterhalten.

An Inquisitens Bildung ist nichts versäumt worden. In Ilbshausen genoss er 1 Jahr, in Frischborn 2 Jahr, in Dirlamm 1 Jahr, in Eichelhain ebenfalls 1 Jahr den Unterricht der Schule. In Hopfmannsfeld erhielt er zum Schluss die Konfirmation-Lehre von dem Prediger. In allen angeführten Orten, wo er zur Schule ging, diente er, von seinem 9ten Jahre an, bei den Bauern. Wie er konfirmiert war, und seine Mutter ihn hinlänglich zur Arbeit gewöhnt glaubte, tat sie ihn aus dem Bauerndienst. Sie verlangte nun, er solle bei ihr bleiben, und ihr in ihrer Krankheit Hilfe leisten. Bald aber wurde er dieser- Kindespflicht müde- Kaum war er etwas herangewachsen; so verließ er seine Mutter, und wurde Gauner. Vor elf Jahren verband er sich mit Anna Margaretha Glüber. Von 5 Kindern, die er mit ihr zeugte, sind noch 5 am Leben. Sein Haupt-Aufenthalt war der Vogelsberg; besonders, wie er sagt, das sogenannte Junckern-Land. Unter diesem Ausdruck wird von dem Landvolk der hiesigen Gegend das ehemals großenteils immediate Gebiet der Freiherrn von Riedesel verstanden.

Stets affektierte er den Schein, sich ehrlich zu nähren. Meistens führte er daher steinernes und irdenes Geschirr oder Fayence. Er verfertigte auch für die Bauern zuweilen Kötzen, Körbe und beinerne Knöpfe.

Bemerkt zu werden verdient: Der sonst keiner Rührung fähige Inquisit wurde erweicht, als man beim Erforschen seiner früheren Verhältnisse auf seine Mutter zu sprechen kam. Er vergoss Tränen -vielleicht wider Willen, und heftig brach er in die Worte aus: „, Ja sie war eine brave Frau, sie meinte es wohl mit mir, und führte mich stets zum Guten an. Wenn ich ihrem Beispiel und Lehren gefolgt wäre, wüsste ich nichts von diesem Unglück. Moralische Imputation der verübten Verbrechen findet nach dem bisher Gefragten bei dem Inquisiten ohne Zweifel in einem bei Gaunern selten hohen Grade statt.

Verbrechen

Die in den weitläufigen Akten gegen den Inquisiten vorliegende Verbrechen zerfallen in drei Klassen: a) solche, deren er bei der Special-Inquisition geständig war:

b) solche, die er zwar bei der amtlichen General-Inquisition gestanden, nachher aber hartnäckig widerrufen hat:

c) solche, deren er bloß durch die Geständnisse und Aussagen Anderer mehr oder weniger verdächtig ist.

Wir werden sie der Reihe nach anführen, doch bei der letzten Klasse diejenige übergehen, welche auf allzu vagen Anzeigen beruhen.

a) Bei der Special- Inqusition gestandene

1.) Tuch-Diebstahl-zu Bernsfeld, Wert 23fl. (S. X. 1.)

2.-4.) Drei Diebstähle unfern Rodenkirchen, einem Ort zum Teil Königl. Westphälisch, zum Teil Großherzogl. Frankfurtisch. Nämlich

  • a) Diebstahl zweier Esel auf einer ungefähr 1/4 Stunde von Rodenkirchen entlegenen Mühle
  • b) Einbruch und Diebstahl von Viktualien auf der Glas oder Klebs-Mühle, eine Stunde von Rodenkirchen
  • c) Glocken-Diebstahl in der nahe bei dem Ort gelegen Marcus – oder Toten-Kapelle

24ten und 25ten Juni 1809,

Teilnehmer: Joh. Adam Frantz, Druckers-Peter

Diese drei Diebstähle hatten sowohl Friedrich als Frank bei dem Justiz-Amt zu Burggemünden summarisch eingestanden. Während der Special-Untersuchung widerriefen sie aber das Geständnis beider letzten, und nahmen in Ansehung des ersten (des Esels-Diebstahls) die Angabe zurück, dass Druckers-Peter solchen mir begehen helfen. Um diesen Widerruf einigermaßen wahrscheinlich zu machen, und damit man von einer Vernehmung oder Auslieferung Druckers-Peter abstrahieren möchte, gaben sie übereinstimmend vor: Druckers-Peter sei zwar mit ihnen zu Begehung des Esels -Diebstahls ausgegangen, wie sie aber zusammen in die Nähe von Rodenkirchen gekommen, wären die beiden andere Diebstähle eben vorgefallen, und wie Druckers-Peter hiervon Nachricht erhalten, wäre er umgekehrt, und habe mit dem Esels-Diebstahl nichts zu tun haben wolle, weil er eine Streifung befürchtet habe. Der Verfasser vermutete nun zwar gleich, dass eine Kollusion zu diesem übereinstimmenden Widerruf die Veranlassung gegeben habe. Allein es fehlte am Beweis, und beide

hatten zu gut memoriert, als dass man bedeutende Widersprüche erheben, und Schärfe anwenden konnte. Man ersuchte daher die Großherzoglich Frankfurtiscche Criminal-Commission in Fulda,- deren amtliche Gefälligkeit der Verf. überhaupt mit Dank zu rühmen sich verpflichtet hält, – den dort gesessenen Druckers-Peter sachgemäß abzuhören. Dieser Requisition wurde zum Glück bald, und kurz vor dessen nachher erfolgten Ausbruch (*), entsprochen. Anfänglich wollte er von keinem der drei Diebstähle etwas wissen. Da ihm aber vorgehalten wurde, dass Friedrich und Frank (berüchtigte Namen unter der Vogelsberger Bande! ) diese Diebstähle in Gießen eingestanden, und ihn mit Anführung aller Umstände als Teilnehmer genannt hätten, lenkte er endlich ein und bequemte sich zum Geständnis. Er gab vor, Friedrich habe einen Esel haben wollen, und Frank habe den Vorschlag gemacht, diesen Diebstahl in der Gegend von Rodenkirchen auszuführen. Beide hätten ihn nun zur Ausführung dieses Diebstahls mitgenommen. Aus dem Gericht Engelrod, wo sie gelegen, seien sie nach Rodenkirchen zu aufgebrohen. Sie wären grade nach Rodenkirchen gegangen und in einer Brandweinschenke, wo es nach der Glashütte gehe, eingekehrt.

*) Man muss es innig bedauern, dass die Gefängnisse zu Fulda entweder zu wenig fest; oder die Gefangenen darin unter solcher schlechter Aufsicht sind, dass die Nachbarschaft unaufhörlich durch Nachrichten von Echappaden in dem dortigen Stock- und Zuchthaus verhaftet gewesener Verbrecher beunruhigt wird. In dem Gießer Stock- und Zuchthaus ist es binnen ca. drei zehn Jahren, seitdem der Verfasser die Oberaufsicht führte, nur einem Einzigen gelungen, wirklich durchzubrechen; und das geschah während seiner Abwesenheit, als kurze Zeit ein schlechter Verwalter angestellt war. (Hic nodus!) Dennoch fassen hier in einem engen Raum manchmal 250 Gefangene – und während des Kriegs fehlte es verschiedentlich und geraume Zeit ganz an militärischer Wache. In Fulda sind seit einigen Jahren gegen dreißig durchgegangen, und vielleicht noch Mehrere, von denen, man im Ausland nichts erfahren hat.

Hier hätten sie Brandwein getrunken, wären gegen 4 Uhr Nachmittags weggegangen, und hätten sich in einem Wäldchen unfern der Glashütte niedergelegt, bis die Leute in der Mühle geschlafen. Wie alles still gewesen, wären sie nach der Mühle gegangen und vor eine Türe gekommen, die sie für die Stalltüre gehalten. Diese habe Friedrich mit einem Meisel oder Eisen erbrochen. Statt in einen Stall, wären sie aber in einen Keller gekommen. Hier hätten gefüllte Milchtöpfe, Butter und andere Esswaren sich befunden; auch Wein in Bouteillen wäre auf dem Sand gelagert gewesen. Von diesem Zufall hätten sie profitiert, und es sich wohlschmecken lassen. Einige Milchtöpfe wären umgestoßen worden, und von dem Wein und Übrigen Vorrat hätten sie so viel mitgenommen, als sie tragen können. Nun habe Friedrich den Vorschlag gemacht, eine Pflugschar zu holen, und die bei Rodenkirchen liegende Toten-Kapelle damit zu eröffnen, um die Glocke zu rauben. Friedrich und Frank seien abgegangen, die Pflugschar zu holen; er sei unterdessen bei dem Wein geblieben. Wie sie mit solcher zurückgekommen, wäre er mit bei die Kapelle gegangen. Nach Eröffnung der Türe habe Friedrich Feuer geschlagen, und da sie Licht haben müssen, habe er (Druckers-Peter) sein Halstuch hergegeben, um es anzustecken. Friedrich und Frank seien nun mit dem brennenden Halstuch auf den Turm, und hätten das Glöckchen, (es wog nach dem Verifications-Protocoll ungefähr 50 Pfund und hatte die Gemeinde im Jahr 1775 60 fl. neu gekostet) auf den Kirchhof geworfen. Sie hätten es darauf abwechselnd auf den Platz getragen, wo sie den Wein gehabt. Hier habe Friedrich ein Feuer gemacht, das Glöckchen darauf gelegt, und nachdem es heiß geworden, mit der Pflugschar zerschlagen. (Diese Manier, das Glocken-Metall klein zu bringen, hatte Friedrich den Andreas Thron gelehrt, als er ihn in das Kochemer-Leben einweihte. cf. Acta contra Thron.) Die Glockenstücker hätten sie in ein Judenhaus in einem Dorf einige Stunden von Buttlar (nach Franks Angabe Groslengsfeld) getragen, und dort das Pfund zu 18-19 kr. verkauft.

Nun seien sie über Schwarz wieder zurück nach Rodenkirchen und hatten sich in das Kornfeld gelagert. Von hier aus hätte der lange Friedrich und Hann-Adam sich nah einer Mühle begeben, die 4 Stunden von Rodenkirchen liege, und aus dem Stall zwei Esel, einen alten und einen jungen, entwendet. Darauf seien sie zusammen fort nach Fraurombach; hier sei er (Druckers-Peter) zurückgeblieben. Friedrich habe ihm ein Vierteljahr nachher einen Gulden gegeben, damit er von dem Esels -Diebstahl nicht ganz leer ausgehen möchte.

Als der Verfasser diese Aussage Druckers -Peters erhielt, welche mit Friedrichs und Franks widerrufenen, obgleich nicht so ausführlichen Angaben und mit dem Verifications-Protocoll, (so weit sich vernünftig erwarten ließ,) übereinkam, wurden beide abermals in das Verhör genommen. Man hielt ihnen abgesondert vor, dass Druckers -Peter in Fulda alles eingestanden. Frank fing etwas an zu wanken, Friedrich wankte nicht, und beide blieben beim Leugnen. Man machte gelegentlich noch mehrere Versuche, aber vergebens. Schon waren die Akten gegen Friedrich geschlossen und zur Entscheidung eingeschickt; als man beiden das wiederholte Geständnis dieser Verbrechen auf folgende Art entlockte.

Johann Adam Frank durch die an ihn gestellte Fragen und den Vorhalt mannigfaltiger Beweise in die Enge getrieben, hatte sich bei der Untersuchung über andere Gegenstände in Widersprüche verwickelt, und erhielt wegen mehrfach erprobter selbst gestandener Lügen einige derbe Hiebe mit dem Farrenschwanz. Er bat nun, ihn mit weiterer Züchtigung zu verschonen, und erklärte, dass er dafür in Allem jetzt die Wahrheit sagen wolle. Er gestand, dass alle von ihm hartnäckig widerrufene Diebstähle, wobei er Friedrich als Teilnehmer angegeben, namentlich auch die beiden obigen, allerdings ihre Richtigkeit hätten. Er gab an, dass an seinem Widerruf und hartnäckigen Leugnen bloß der lange Friedrich schuld sei, der ihm (durch Kollusion in den Gefängnissen) so lange angelegen, bis er sich zum, Widerruf und halsstarrigen Leugnen der meisten mit ihm begangenen Verbrechen, (aller nämlich, wo sich nur irgendetwas mit Schein zur Begründung des Widerrufs sagen lasse), verstanden habe.

Frank hatte nun obige Verbrechen zum 2tenmal eingestanden; jetzt wurde Friedrich vorgenommen. Er blieb beim Leugnen. Man hielt ihm vor, dass Frank gestanden habe. Er leugnete. Man konfrontierte ihn mit Frank erst im Allgemeinen. Er leugnete. Man ließ ihm Frank nähere Umstande in das Gesicht sagen. Er leugnete. Kalt war seine ganze Antwort: „Der Mann sagt mir zu viel nach.“ Dabei blinzelte er indessen, wenn er glaubte von dem Richter nicht bemerkt zu sein, unaufhörlich mit den Augen; – ein Zeichen der Gauner- wodurch sie den Konfrontaten in seiner Aussage wankend machen wollen. – Jetzt aber, als Frank ihm in das Gesicht den Vorwurf machte, er Friedrich, allein sei Schuld daran, dass er, Frank, und Andere das Geständnis so vieler Verbrechen, die doch nicht mehr zu leugnen seien, zurückgenommen, und sich dadurch Widerwärtigkeiten zugezogen hatten, jetzt verließ Friedrich auf einmal die so lang affektierte Gleichgültigkeit. Plötzlich veränderte Bosheit seine Farbe; aufbrausend beschuldigte er Frank der Lüge. In diesem Anfall von Heftigkeit warf er ihm vor, dass ja Er, Frank, ihn verleitet, das Geständnis grade dieser Diebstähle zurückzunehmen; weil Druckers-Peter dabei gewesen, und Frank mit Druckers -Peter noch andere wichtige Verbrechen begangen, daher mit Recht befürchtet habe, dass solche verraten würden, wenn der untersuchende Richter von jenen Geständnissen Veranlassung nehme; sich den in Fulda sitzenden Druckers-Peter ausliefern zu lassen welches ohne Zweifel geschehen werde, wenn nicht die gegen Druckers-Peter zeugende Angaben zurückgenommen würden. „Nun soll mich aber auch nichts mehr abhalten” – fuhr er zornig und rachedürstend fort, – „eine zugestehen; dass ich die Rodenkircher Glocke mit dir und Druckers-Peter wirklich gestohlen habe; und dass ich mit dir und Druckers-Peter auf den Rodenkircher Mühlen gewesen bin.“ – Es gab nun von beiden Seiten noch Vorwürfe. Friedrich aber, wie er sah, dass der Verfasser sogleich seine Nachgabe benutzte und weiter gegen ihn inquirierte; wurde kalt. Er beharrte zwar bei den obigen Geständnissen; – denn zurück konnte er nicht; – und erläuterte sie auf die an ihn gerichtete Fragen. Aber er war, nicht dahin zu bringen, dass er den Widerruf anderer Geständnisse zurückgenommen hätte.

Leser, die wie manche Richter und Gesetz entwerfende oder Vorschrift  erteilende Räte glauben, dass bei Gaunern eine summarische Untersuchung (*) anwendbar sei, mögen aus diesem und andern Beispielen abnehmen, welche Schwierigkeit es hat, dergleichen Menschen zum Geständnis zu dringen, und dass bloß unverdrossene Mühe, Ergründung selbst widerrufener Angaben, und Erschöpfung auch des an sich unbedeutendsten Gegenstandes, – endlich zum erwünschten Ziele führen. Freilich winken zu demselben in der Regel weder Kränze noch Verdienst-Orden. Aber der Staatsdiener, der sich dem beschwerlichen Amt eines Kriminal-Richters gewidmet hat, muss in dem Bewusstsein der Erfüllung seiner Pflicht und in dem Dank gesicherter Mitbürger seine Belohnung finden; und beides wird ihm nur dann, wenn er unverdrossen nach dem Ziele strebt.

5.) Diebstahl des Obergleer Gemeinde-Braukessels (S. Ul. no. 1.) .

Friedrich und Frank waren die Urheber. Thron war damals noch nicht lange von den Österreichern zurückgekommen. Er trug noch die Soldaten- Uniform, und wurde durch diesen Diebstahl zuerst kochem gemacht.

6.) Diebstahl eines Esels auf der Pletsch-oder Bach-Mühle bei Fraurombach. (S. X. 22.)

7.) Einbruch und Kessel- Diebstahl auf der Mühle bei Niederohmen. (S. X. 16.)

 (*) Es fallen mir hier die alten Krei…     exempla sunt odivsa.

Friedrich war bei diesem Diebstahl, nach der einstimmigen Angabe der Andern, bewaffnet, und soll, nach Brandau’s Behauptung zur Deckung des Rückzugs geschossen haben; Als einen Beweis der unverschämten Hartnäckigkeit des Inquisiten kann ich mich nicht enthalten, noch folgenden Umstand anzuführen. Nachdem bewiesen und endlich auch von ihm gestanden war, dass er selbst das Loch in die Mühle gemacht ; wodurch die Diebe eingekrochen, wurde er gefragt: Was für eines Instrumentes er sich hierzu bedienet? Ex antwortete: „Ich brauchte dazu meinen gewöhnlichen Stachelstecken.“ Man obmovierte ihm: „Aber nach dem Augenscheins-Protocoll ist der Einbruch durch eine zwei Schuh dicke Mauer geschehen; und eine solche lässt sich doch nicht, wie etwa ein altes Leimen-Gefach; mit einem Stachelstecken zerstören.“ Er blieb, ohne darauf näher zu antworten, bei seiner Behauptung. Man hielt ihm weiter vor aus dem Verifications-Protocoll dass bei dem gerichtlichen Augenschein noch überall die Spuren eines gebrauchten Meisels oder Brecheisens deutlich zu sehen gewesen. Alle seine Komplizen sägten ihm in das Gesicht, dass er sich zur Durchbrechung der Mauer eines besonderen eisernen Instrumentes bedient habe, – dennoch blieb er bei seiner Behauptung. Er hatte einmal den Kopf aufgesetzt, nichts weiter zu gestehen, und glaubte durch sein Leugnen die Gefährlichkeit des Diebstahls und seine Strafbarkeit zu vermindern.

8.) Beraubung der Schäferhütten bei Frischborn; (S. X. 2.)

Auch hier behauptete Inquisit hartnäckig, er habe die Schlösser an den Hütten mit seinem gewöhnlichen Stachelstecken geöffnet. Allein nach dem Verifications-Protocoll waren sie mit einem scharfen Meisel gewaltsam aufgesprengt, und dieser war bei den Hütten gefunden, gerichtlich eingeliefert, und anhero geschickt worden. Friedrich hatte sich nicht vorgestellt, dass dieses Instrument von solchen Leuten gefunden worden, die es der Mühe wert halten könnten, es gerichtlich auszuliefern. Am wenigsten dachte er daran, dass man darüber ein Protokoll geführt, den Meisel Jahre und Tag lang aufgehoben – und jetzt beides in Gießen zur Hand haben würde. Er stellte sich dieses umso weniger vor, da der Inquirant bei der bisherigen Vernehmung sich nicht das mindeste davon hatte merken lassen. Als man ihm daher den vorher unter Papieren verdeckten Meisel plötzlich mit dem Protokoll vorzeigte, war seine Überraschung so groß, dass er durchaus verlegen und (zum ersten Mal in seinen Verhören) über und über rot wurde. Einige peinigende Fragen, die man sogleich an ihn richtete, vollendeten seine Niederlage und er bekannte – gelogen zu haben. Der vorgezeigte Meisel, – er ist schmal und scharf – wurde hierauf für den seinigen erkannt. Er gestand, dass er die Hütten damit erbrochen, und ihn dabei verloren habe. Man glaubte diese Stimmung benutzen zu können, um ihn über das Instrument, dessen er sich bei dem Einbruch auf der Niederohmer Mühle bedient (s. no. 7.), zum Geständnis der Wahrheit zu bringen. Allein bei diesem Inquisiten war keine hervorgebrachte Wehmutsbewegung von Dauer. Der Versuch war vergebens, und kalt berief er sich auf seine vorige Angabe.

9.) Großer Kleider- Diebstahl zu Ehringshausen, mittelst Einsteigen auf einer Leiter, 1806 oder 1807

Teilnehmer:

  • Hunds- Velten (Valentin Bröschler, Wannhof erschlagen)
  • Heinrich Pfeiffer (im Main ertrunken)
  • Cornelius Köhr, vulgo Nöll, des Vorigen Stiefbruder, noch in Freiheit
  • Herrmann Glaser, vulgo der Lange (IX.)

Der eidlich angegebene Wert der entwendeten Sachen beträgt 254 fl. 7 kr. Sie waren in einem verschlossenen Schrank, der wahrscheinlich mit Dietrichen geöffnet wurde. Die Diebe bedienten sich bei diesem Diebstahl angezündeter Wachskerzen, wovon sie einige bei der Flucht zurückließen. Die Veranlassung zu letzteren erzählte Friedrich zu Burggemünden selbst außergerichtlich den Bestohlen. Diese hatten nämlich in Erfahrung gebracht, dass er den erwähnten Diebstahl bei Amt eingestanden. Sie fanden Gelegenheit, zu ihm zu kommen und erkundigten sich bei ihm um die näheren Umstände, namentlich fragten sie ihn; woher es komme, dass zwei gefüllte Kisten mit Sachen, welche in der nämlichen Stube gestanden, worin der Kleiderschrank geplündert worden, unberührt geblieben?

„Das will ich Euch sagen“, versetzte Friedrich, ,,Euer Glück war, dass sich einige Personen auf dem Homberger Markt verspätet hatten, und Nachts durch Ehringshausen kamen. Ich stand unten Schildwache, und benutzte diesen Umstand, die Diebe, zum Rückzug zu bewegen. Denn, – glaubt mir’s sicher! – ich hatte an dem Diebstahl keine Freude, und bin von den andern verführt worden, mitzugehen. Diese aber waren böse Kerls. Sie hätten Euch Alles genommen, wenn ich nicht gewesen wäre“.

Die Leser werden ohne meine Erinnerung die Scheinheiligkeit des Inquisiten aus dieser Äußerung ersehen. Gewiss hat er indessen in Gießen bereut, dass er sich mit den Bestohlenen in dieses Gespräch eingelassen. Ohne Zweifel härte er sonst das Geständnis dieses beträchtlichen qualifizierten Diebstahls, wie das so vieler anderen, bei der Special-Inquisition zurückgenommen. Allein der Vorwurf des Zwangs, den er dem Beamten zu Burggemünden gemacht hatte, konnte, wie er selbst einsah, ihm bei diesem Geständnis von keinem Nutzen sein, weil er es außergerichtlich, und mit Umständen, wiederholt hatte. Übrigens hatten die Weibsleute, wie er wahrscheinlich wusste, von seiner eignen früheren Angabe bereits Veranlassung genommen, zu viel von diesem Diebstahl zu verplündern. Dem ungeachtet nahm er in Gießen doch etwas von seinem früheren Geständnis zurück. Er widerrief ziemlich die zu Burggemünden geschehene Angabe, dass Herrmann Glaser (IX.) an diesem Diebstahl teilgenommen. Auch hierin handelte er konsequent. Zu mehrerer Bescheinigung seiner Zurücknahme der mancherlei gegen Hermann Glaser von ihm geschehenen Denunziationen hatte er nämlich, (ohne Zweifel nach mit diesem getroffener Abrede) übereinstimmend mit demselben erklärt: „er habe solche sämtlich aus Feindschaft erdacht, “ – “und um dieses glaublich zu machen, hatte er (ebenfalls im Einklange mit Glase) die Geschichte eines alten Streites erzählt, der vor mehreren Jahren zwischen ihnen beiden angeblich darüber vorgefallen ist, dass er, Friedrich, in einem von Glaser gepachteten Distrikt sich Weiden-Gerten geschnitten habe. Friedrich hatte allerdings Ursache, den Glaser zu schonen. Denn mit ihm hatte er, wie sich moralisch kaum bezweifeln lässt, ehedem seine schwersten Verbrechen begangen.

10.) Tentirter Diebstahl des großen bereits von Ander… gestohlenen Elpenröder Braukessels.

Man erinnert sich dieser sonderbaren Geschichte aus III. 2. Sie beweist, welches Ansehen Friedrich unter der Bande zu behaupten suchte, und ist nur eine Probe von andern ähnlichen Fällen ausgeübter Oberherrschaft, die wir hier anzuführen unterlassen. Selbst Johann Adam Frank, ein angesehenes Glied der Bande, wurde subaltern von ihm behandelt, und einst, nach dem Diebstahl zu Felda, förmlich von ihm ausgeprügelt, dass er solchen ohne sein Vorwissen, und mit einem Fremden, begangen hatte. Dergleichen Vorfälle zeugen wenigstens von der Gefährlichkeit des Inquisiten, und haben in Verbindung mit andern Umständen den Glauben in uns befestigt, dass Friedrich wirklich darauf ausging, sich zum anerkannten Oberhaupt der Bande, (in der Tat war er es schon in vielen Stücken) aufzuwerfen. Wehe dann den Bewohnern des platten Landes! wehe dann selbst den Bewohnern der Städte? Wenn dieser kalte, verständige, heuchlerische, furchtlose Mann den Vogelsberger Gaunern eine auf Subordination gegründete Organisation gegeben, und ihre sämtliche Unternehmungen nach seinem Plan geleitet hätte.

11.) Diebstahl eines Esels auf der Lepper -Mühle mit Einbruch. 1809

Teilnehmer: Johann Georg Pfeiffer

Friedrich behielt den Esel, und fand den Pfeiffer mit 3 fl.  Darauf verkief er den Esel an den Herrnmüller in Storndorf um 13 fl. 12 kr. Müller Lepper vindizierte ihn in der Folge.

12.-13.) Diebstähle von Hemden und Säcken aus verschiedenen Garten zu Almenrod. (S. X. 8.)

b) Bei der amtlichen General- Untersuchung eingestandene, nachher aber hartnäckig geleugnete Verbrechen

Wir können die nähere Aufzählung dieser Verbrechen nicht umgehen. Der Widerruf gerichtlicher Geständnisse verdient ohnehin nur unter besonderen Umständen Berücksichtigung. Über .. diese widerrufene Verbrechen des Inquisiten sind von vorzüglicher Wichtigkeit, um ihn und seine Komplizen richtig zu beurteilen. Überdies ist bei einigen ihre wirkliches Begehung durch ihn, in der Special-Inquisition wohl so außer Zweifel gesetzt, dass auch abgesehen von dem früheren Geständnis, wo nicht gesetzliche, doch gewiss moralische Überführung vorhanden ist. Wir betrachten sie daher als interessanten Stoff der Geschichte, und glauben durch ihre Erörterung Veranlassung zu geben zu mancherlei nicht unwichtigen Reflexionen selbst für Gesetzgeber und Richter.

14.) Hosenfelder Kirchenraub

Teilnehmer:

  • Johann Adam Frank
  • Heinrich Ritter
  • Jacob Kramer, genannt Zunder-Alberts-Jacob

In der Mitte Juli 1809 war die katholische Kirche zu Hosenfeld, Fuldischen modo Großherzoglich Frankfurtischen Amts Großenlüder, beraubt worden. Die verschlossene Kirch-Türe und ebenso die Sakristei-Türe waren mit großer Gewalt aufgesprengt. An vier verschlossenen Schränken befanden sich die Schlösser ab gezwängt. Gelb tuchene Talare, Messgewande, Chor-Röcke und dgl., zusammen laut eidlicher Würdigung an Wert 54 fl. 7 kr. waren aus den erbrochenen Behältern entwendet. Friedrich. hatte zu Burggemünden die Begehung der Tat nicht bloß einmal, sondern wiederholt eingestanden. Die oben Genannte waren von ihm als Teilnehmer angegeben. Auch Frank und Ritter, (ersterer in Burggemünden und letzterer hier, – während der Burggemünder Beamte für den abwesenden Krimmalrichter vicarierte) hatten konform mit Friedrich die Teilnahme, und zwar ziemlich umständlich, mit dem Protokoll über den Tatbestand übereinstimmend, gebeichtet. Doch auch sie nahmen in der Folge, (vermöge gepflogener, bei der zu beengten Einrichtung des Stockhauses, in einem beträchtlichen Zeitraum unvermeidlicher Kollusionen, ) ihre Geständnisse zurück. Indessen hatte man bei gefanglicher Einziehung der Weibsleute und Kinder der Komplizen noch von den aus der Kirche geraubten Sachen gefunden. Friedrichs Bübchen war gekleidet in ein gelbes Kamisol, und dieses Kamisol war nach dem Geständnis der Teilnehmer und ihrer Vertrauten aus einem gelben Talar der Messjungen gemacht, der in der Hosenfelder Kirche gestohlen war. Dieses Bübchen hatte überdies eine silberne Borte um die Kappe. Diese Borte war nach dem eignen Geständnis der Weiber abgetrennt von einem Messgewand, das in der Kirche zu Hosenfeld geraubt worden. Noch trägt Friedrichs Schwiegermutter, die alte Zunderdai, einen Mutzen auf dem Leibe, dessen Tuch, ihrem eigenen Geständnis nach, von jenem Kirchen-Diebstahl herrührt. Sie hatte es zu Grünberg grün färben lassen; allein mit jedem Tage kam immer mehr die ehemalige Farbe zum Vorschein. Einen dergleichen Mutzen hatte sie, nach allerseitigem Geständnis, von demselben gefärbten Tuch ihrer Tochter Marie-Barb gemacht, die ihn nachher verkaufte. Friedrichs Beischläferin gab dieser ihrer Schwester, einstimmig gestandener maßen, eine Spitze von einem Chor-Hemd, um sie zu ihrer Kleidung zu verwenden. Bei Franks und Friedrichs Beischläferinnen fanden sich noch sonstige Überreste der gestohlenen Sachen. Auch hei Throns Beischläferin der Schwester der berüchtigten Germerothin (Anna Margretha Müllerin, Aenches- Grith genannt) welche letztere um jene Zeit mit Ritter und Zunder-Alberts-Jacob zuhielt, – fand sich ein scharlachenes Mieder, das nach allerseitigem Geständnis von den scharlachenen Klappen der zu Hosenfeld gestohlenen gelben Talare war.

Frank und Ritter mussten zuletzt der Übermacht se vieler Beweise, und den Konfrontationen der gegen sie zeugenden eignen Angehörigen weichen. Sie gestanden am Ende der Untersuchung, nach vieler vergeblichen Mühe, von neuem, dass sie diesen Kirchenraub mit Friedrich und Zunder-Alberts-Jacob wirklich verübt hätten. Sie mussten einzeln die speziellsten Umstände angeben, und alle stimmten unter sich und mit dem Tatbestand überein. Sie erkannten die noch vorhandene Sachen als aus der Kirche wirklich gestohlen. Sie mussten den Grund angehen, woran sie das ihnen vorgezeigte scharlachene Mieder als dasjenige, was von dem geraubten Tuch gemacht worden, bestimmt wieder erkennten? Sie führten, abgesondert und doch übereinstimmend, zum Grund an, dass sie die Identität desselben hauptsächlich an den darauf gesetzten zinnernen Knöpfchen erkennten. Diese, von dreierlei Muster, seien von ihnen, den Räubern, zusammengetragen und von Germerothin in ihrer Gegenwart darauf gesetzt worden. Friedrich war nah ihrer Aussage derjenige, der mit geraubtem Pflugeisen, und mit geladener Pistole versehen Türen und Behälter forcierte. Dies Alles sagten sie demselben in das Gesicht, sie forderten ihn auf, nun nicht mehr zu leugnen, was durch die Untersuchung sonnenklar gemacht worden. Friedrich setzte ein kaltes: „Es ist nicht wahr“ entgegen. Alle bis zur Erschöpfung des Inquirenten angewandte Mittel waren vergebens, ihn zum wiederholten Geständnis zu bringen. Aber diesmal verließ ihn seine fromme heuchlerische Miene. Sein Gesicht wurde der Ausdruck erboster Verzweiflung. Es strafte ihn augenscheinlich der Lüge; aber den Verrat der Zunge wusste er zu zügeln. – Seine Schwiegermutter trat gegen ihn auf. Sie sagte ihm unter die Augen, dass nicht nur die vorgefundene Sachen größtenteils von ihm herrührten, sondern dass er selbst sich der bei diesem Diebstahl bewiesenen Herzhaftigkeit gerühmt, und sich über die Feigheit Zunder-Alberts-Jacobs, welcher davon laufen wollen, aufgehalten habe. Auch der wahrheitsliebende Thron sagte ihm in das Gesicht, dass er das Nämliche bei ihm getan. Friedrich gab sein Rühmen für Windbeutelei aus, und half sich mit der kahlen Ausflucht, dass Zunder-Alberts-Jacob, welcher flüchtig geworden, – die Hosenfelder Sachen bei ihm zurückgelassen.

Wer, frage ich, ist nicht versucht, bei solchen Umständen vollkommenen Beweis anzunehmen? Und: Ist ein Kerl, der bei so evidentem Beweise gegen eignes früheres Geständnis leugnet, nicht zehnmal gefährlicher, als der, welcher von Beweiskraft überwunden, sein Verbrechen eingesteht? Dennoch zweifeln unsere Richter Autoritäten, Praxis, und Unbestimmtheit der Gesetze sind Schuld daran. Mir gefällt Frankreichs Verfügung, nachgeahmt von Frankfurts erhabenem Großherzog: „Innere Überzeugung des Richters muss den Beweis bestimmen, nicht bloß Geständnis und zweier klassischen Zeugen Aussage.“ Man zeige mir, wie ist der ausgelernte Verbrecher, zumal wo keine physische Zwangsmittel gelten, immer zum Geständnis zu bringen? und wo ist unter tausend Fällen ein einziger, dass zwei unbeteiligte Zeugen den nächtlichen Dieb und Räuber zu erkennen im Stande sind? Und sind sie wirklich da; so wird unter zehen kaum einer  sprechen, aus Furcht vor dem Räuber oder seinen Genossen geplündert oder gemordet zu werden.  Geständnis und Zeugenbeweis sind auch wahrlich nicht untrüglicher. Sehen wir nicht vor Augen die Beispiele zurückgenommener Geständnisse? Wissen wir nicht, wie oft Zeugen-Aussagen aus Irrtum, Verblendung, Unverstand (*), aus Feindschaft und mannichfaltiger Leidenschaft geschehen? Nennt man, mir irgend eine Provinz, wo nicht in jedem Jahr falsche Zeugen am Schand-Pfahl stehen, dann bin ich im Zweifel, ob ich der Wahl der Regierung huldigen soll, welche lauter solche Beamte bestellte, die den unwürdigen Zeugen vor dem Eidschwur zu erkennen wissen, und bei der Abhörung jede Vorsicht gebrauchen, die Irrtum vermeiden und Bosheit zeitig enthüllen kann, – oder ob ich die Kriminal-Justiz bedauern muss, die nach meiner Erfahrung sonst so häufige Verbrechen ununtersucht und ungeahndet lässt.

(*) Das Manuskript dieses Buchs war schon zum Teil in die Druckerei abgeliefert, als ich durch die freundschaftliche Güte des verdienstvollen Herrn Stadt-Direktors Pfister zu Heidelberg den 2ten Teil seiner Räuber-Geschichte noch früher erhielt – als er auswärts im Buchhandel zu haben war. Ich kann

mich nicht enthalten, auf zwei darin vorkommende merkwürdige Fälle hinzuweisen, welche dem Unerfahrenen zum Beleg dienen können, wie oft durch die bestimmteste Zeugen-Aussagen die Wahrheit verfehlt wird. Bei dem einen Fall S. 142. sagt der Herr Verfasser: „So weit kann Menschensinn sich täuschen; so weit kann Schrecken und präokkupierte Meinung die Menschen verleiten; – so wenig ist also auf Recognition der Damnifikaten und Zeugen zu bauen; so wenig Sicherheit haben wir also in jure auch bei eidlichen Angaben. „Caute et prudenter“ sei daher auch künftig das Symbolum jeder Kriminal-Behörde!

Bei dem andern Falle S. 199. sagt derselbe: „Man sieht hier einen wiederholten Beweis, wie leicht sogar das auf Selbstwahrnehmung durch eigene Sinns gestützte Zeugnis bestochen wird, wenn eine vorgefasste Meinung oder ein nachfolgendes Ereignis, wie dies so oft geschieht, darauf einwirkt und der Zeuge nicht von dem Untersuchungs-Richter stets ermahnt wird, nur seine selbsteigene nackte Wahrnehmung, getrennt von allen Vermutungen, Konjekturen, Folgerungen, Erzählungen Anderer usw. genau anzugeben.“ Ganz aus meiner Seele geschrieben sind diese Worte, und ich möchte ihnen nur noch zusetzen, dass es der Richter nicht bei dieser Ermahnung soll bewenden lassen, sondern dass er, wenn der Zeuge ohne sein Zutun seine Wahrnehmung erzählt hat; und diese Erzählung protokolliert, alsdann erst die Wahrheit derselben durch zweckmäßige Fragen läutern und probieren muss. Nachahmungswürdig ist daher die Großherzogl. Hessische Verordnung, dass der Zeuge nicht vor der Aussage, sondern erst nach gehöriger Prüfung derselben und allenfallsigen Konfrontation zu beeidigen ist.

15.) Beraubung der Schlingen-Kapelle bei Joß im Fuldischen

Teilnehmer:

  • Johann Adam Frank,
  • Heinrich Ritter
  • Zunder-Alberts- Jost

In der nämlichen Nacht, wo der Kirchen-Diebstahl zu Hosenfeld geschah, wurde auch die Kapelle bei Joß beraubt. Es war ein Fenster eingeschlagen und durch dieses eingestiegen. Der Wert des Geraubten ist eidlich erhärtet auf 44 fl. Mit Geständnis und Widerruf verhält es sich ungefähr wie bei der vorhergehenden Nummer.

16.) Kirchenraub zu Stangenrod, Großherzogl. Hessischen Amts Grünberg. (S. X. no. 25.)

Auch dieses Verbrechen hatte Friedrich zu Burggemünden eingestanden, widerrief aber das Geständnis bei der Special-Inquisition. Leonhard Lang, sein Schwager, der dabei gewesen, und mehrere Weibsleute von der Bande, die darum wussten, sagten ihm die Begehung der Tat in das Gesicht. Aber er blieb halsstarrig beim Leugnen.

17.) Brau-und Wasch-Kessel-Diebstahl zu Kestrich

Teilnehmer:

  • Schwarzer Jung,
  • Herrmann Glaser
  • Valentin Bröschler
  • Cornelius Köhr

Im Sept. 1806 wurde dem Einwohner Johann Heinrich Diez zu Kestrich, mittelst Einbruch, ein eingemauerter Brau-und Wasch-Kessel entwendet. Den Wert hat der Bestohlene auf 215 fl. eidlich erhärtet. Friedrich, schwarzer Jung und Gläser hatten bei Amt gestanden, diesen Diebstahl mit Valentin Bröschler und Cornelius Köhr begangen zu haben. Sie sämtlich widerriefen aber bei der Special-Untersuchung, und beharrten bei ihrem Widerruf.

18.) Qualifizierter Diebstahl zu Heckersdorf, und Verwundung des Bestohlenen, Andreas Rahn, durch einen Schuss  16/17ten Sept. 1809. (S. X. 18.)

Dass Inquisit dieses Verbrechen begehen helfen, leidet gar keinen Zweifel. Nicht allein seine eigne zu Burggemünden getane Aussage, sondern auch die von fünf andern verhafteten Komplizen sind darin übereinstimmend. Besonders wichtig ist in dieser Hinsicht die Aussage Druckers-Peters, weil dieser in Fulda saß, dort auf hiesige Requisition abgehört wurde, und keine Gelegenheit zu kolludieren hatte. Nach Druckers-Peters höchst wahrscheinlicher Behauptung ist Friedrich derjenige, der dem Bestohlenen den Schuss auf Brust und Kinn versetzte (*). Friedrich hatte zu Burggemünden angegeben, der damals noch nicht verhaftete Weisbrods-HannGörg habe den Schuss getan. Allein letzterer stand, wie er sagt und der wahrheitsliebende Leonhard Lang (Friedrichs Schwager) bekräftiget, an der Hintertüre, und der Schuss geschah im Vorderteil des Hauses, wo Friedrich, nach seinem eignen Geständnis und nach Angabe der übrigen Teilnehmer, mit seiner Pistole stand.

Weisbrods-Hann-Görg führt noch an, er habe das Geständnis der Tat aus Friedrichs eignem Mund gehört.

 (*) Der nach der Verurteilung Friedrichs eingebrachte Weisbrods-Balser gestand diesen Diebstahl ein, noch ehe er in das Stockhaus gebracht wurde, und sagte ebenfalls ausdrücklich dass Friedrich den Mann geschossen habe. (S. CXXIII.)

19.) Versuchter gewaltsamer Diebstahl und Raub im Würzburgischen, auf einem unbenannten Dorf, über dem Rhöngebirge

Dieses Verbrechen hat sich nicht konstatieren lassen. Das Geständnis des Inquisiten ist hierüber in dem General-Untersuchungs-Protokoll p. 21. u. f. umständlich enthalten. Es war angeblich auf einen reichen Pfarrer oder Schulmeister abgesehen, von dem gesagt worden, dass er eine halbe Meste Geld vorrätig hätte. Einer, Namens Marte (wahrscheinlich Martin Rupprecht) hat die Gelegenheit gewusst. Es befanden sich 4 Leute in dem Haus; nämlich 2 Mannsleute, – der Hausherr und dessen Knecht, – und 2 Weibsleute. Diese vier sollten auf einmal überfallen und geknebelt werden. Unterdessen ward von den Andern der Koffer aufgebrochen und das Geld herausgenommen worden. Schon war die Bande, 18 Mann stark, vor dem Haus des Mannes angekommen. Die Posten waren ausgestellt und ein Teil der Räuber hatte bereits den Rennbaum gefasst, um die Türe des Hauses damit zu stürmen. Auf einmal kam die Nachtwache. Ein Komplize Namens Hann-Görg gab Feuer auf sie; das ganze Dorf geriet in Aufruhr und die Einwohner eilten zur Hilfe. Die Räuber schossen unter sie. Sie mussten aber ihr Vorhaben aufgeben.

Als Teilnehmer dieses sträflichen Conats werden außer oben erwähnten noch genannt:

  • Herrmann Glaser (IX)
  • Grünbecks Hann Adam
  • Johannes Hofmann (*)
  • Kannengießers Hann-Bast und
  • Grabfelder Leonhard (Leonhard Geishard)

(*) Diesen Namen gab sich auch der Zinngießer Adolph Dietz

Auch Herrmann Glaser (IX.) hatte bei der General-Inquisition ein ähnliches Bekenntnis abgelegt und hatte weiter den schwarzen Jung (XXXIV.) als Teilnehmer angegeben. Aber auch Glaser hat seine Aussage zurückgenommen, und schwarzer Jung war nie zum Geständnis zu bringen. Dieses Verbrechen bleibt ungewiss, hauptsächlich um deswillen, weil es nicht gehörig konstatiert werden konnte; und man nicht mehrere völlig übereinstimmende Aussagen besitzet.

19.) Diebstahl eines Brandwein-Kessel-Hutes in einem Dorf in der Gegend von Seemen,

Teilnehmer:

  • Kaisers Konrad,
  • Christels Heinrich,

Dieser Diebstahl ist angeblich vor 8-=6 Jahren geschehen. Wegen Unbestimmtheit der nachher zurückgenommenen Angabe konnte er nicht hinreichend konstatiert werden.

21.) Einbruch auf der Mühle bei Zahmen.

Teilnehmer: Johann Adam Frank,

Der Einbruch geschah mit großer Gewalt durch die verbohlte Wand der Mühle, Friedrich kroch zur Öffnung hinein, fand im Stall den Knecht schlafend, und entwendete vor dessen Bett seine Montur und ein Pferde-Geschirr. Von beiden Sachen fand sich Einiges bei den Inquisiten, Demunerachtet revocirten sie ihr Geständnis unter dem Vorwand, dass sie die Sachen von andern Unbekannten teils geschenkt erhalten, teils gekauft hätten. Am Ende der Special-Untersuchung kam Frank auf sein früheres Bekenntnis zurück. Friedrich hingegen beharrte beim Leugnen.

Noch einige bei der General-Inquisition eingestandene weniger bedeutende oder bloß tentierte Diebstähle werden übergangen.

c) Verbrechen, deren Inquisit bloß beteiligt oder auf andere Art verdächtig ist

22.) Speck- und Mehl-Diebstahl zu Willofs

Teilnehmer:

  • Grabfelder Leonhard
  • Kannengießers Hannes,

Friedrichs Schwiegermutter, die alte Zunderdai, und zum Teil selbst seine Beischläferin, bezichtigen ihn dieses Diebstahls. Beide Weibsleute waren von den Streifern bei einem Teil der gestohlenen Viktualien im Walde ertappt und nach Lauterbach gebracht worden. Friedrich und die obengenannte Teilnehmer waren bei ihrer Arretierung entsprungen. Zunderdai sagt weiter, dass sie nach der Loslassung zu Lauterbach von der Frau des Grabfelder Leonhards noch einen Sack voll gestohlenes Mehl erhalten habe. – Friedrich leugnet, ob ihm gleich diese und andere Umstände in das Gesicht behauptet wurden.

23.) Beraubung der Romroder Schäferhütten. Wert 21 fl. (S- X.23.)

Sein Schwager und intimer Kamerad Leonhard Lang und dessen Zuhälterin sagten ihm in das Gesicht, dass er diesen Diebstahl begangen. Seine eigne, sonst sehr hartnäckige Beischläferin erzählte in seiner Gegenwart, dass er ihr selbst von dem aus den Romroder Hütten geraubten Bettzeug gegeben habe. Demunerachtet war er nicht zum Geständnis zu bringen.

24.) Diebstahl eines Brandwein-Kessel-Huths zu Altenschlirf

Teilnehmer: Johannes Vielmetter

Dieser Diebstahl mit Einbruch geschah ungefähr im Jahr 1807, bei Joh. Georg Östreich zu Altenschlirf. Aus dem Garten wurden noch weiter ein Sack, ein Säe-Tuch und ein Kinder-Hemd entwendet. Der 36 Pfund schwere Brandwein-Blasen-Hut wurde von der Lauterng hinweggenommen, so dass an dem noch nicht abgelaufenen Brandwein wenigstens 10 Maas verloren gingen. Der Schaden ist als im Ganzen beträchtlich. Die Bezichtigung dieses constatirten Diebstahls beruht auf dem eignen Geständnis Johannes Vieltmetters. Dieser starb aber, ehe er konfrontiert werden konnte, und Friedrich war zu keinem Geständnis zu bringen.

25.) Großer Diebstahl von allerlei Waren, Effekten zu Niederohmen.

In der Nacht vom 11ten auf den 12ten März 1809 wurde in dem Haus des Strumpfhändlers und Krämers Joh. Georg Röder zu Niederohmen geplündert. Auch Bettwerk befand sich unter den gestohlenen Effekten. Während des Diebstahls wurde der Eigentümer munter, sprang auf, fand aber die Stubentüre verschlossen. Er ging also an das Fenster und bemerkte unter drei Räubern einen ausgezeichnet großen Kerl, von der Figur des langen Friedrich. Caroline Schmittin von Bobenhausen machte während des Laufs der Untersuchung zuerst die Anzeige; der lange Friedrich solle zu Niederohmen einen Krämer, der oben am Berg wohne; ausgehoben haben, und Friedrichs Kind habe ihr selbst gesagt; sein Väter hätte ein Deckbett mit Federn von Niederohmen mitgebracht, und ihm davon in seinen Bettsack getan.

Diese Anzeige veranlasste, dass man bei dem Justiz-Amt zu Grünberg nähere Erkundigung einzog. Dieses fand die angegebene Umstände passend auf den oben angeführten Diebstahl, und schickte das Protokoll ein. Solches enthält die obige Nachricht über den Tatbestand. Die gestohlenen Effekten, mit Einschluss von 230 – 40 fl. barem Geld, sind von dem Bestohlenen auf 1730 – 40 fl. eidlich gewürdigt.

Inquisit leugnet diesen Diebstahl. Es ruht zwar desfalls viel Verdacht auf ihm; aber es fehlt bis jetzt am hinlänglichen Beweise.

26.) Kessel-und Bett-Diebstahl zu Bernsfeld, Amts Grünberg. (S. X. 10.)

Inquisit leugnet, obgleich Leonhard Lang und Johannes Borgener beide eingestehen, dass sie diesen Diebstahl mit ihm begangen haben, und ihm ihre Bezichtigung in das Gesicht sagten. Johannes Borgener war Zeuge, wie Friedrich seine Pistole, nach dem Diebstahl, bei Merlatt losschoss. Der Tatbestand ist hinlänglich konstatiert, und es lassen sich die Angaben Borgeners und Langs, die sich beide durch Aufrichtigkeit und fermes Geständnis auszeichnen, durchaus nicht bezweifeln.

27.) Diebstahl eines Schafs und Knotentuchs auf der Mühle bei Mezlos. (S. VII. 4. und X.27.)

Inquisit leugnet, obgleich die Komplizen Stahl und Lang ihm solchen mit allen Umständen in das Gesicht behaupten. Lang gibt vor, dass dies sein erster Diebstahl gewesen und Friedrich ihn dazu verführt habe.

28.) Tuch-Diebstahl zu Vitmes.

Teilnehmer:

  • Michael Borgener, vulo Pohlengängers Michel (S. XVII.)
  • Johann Georg Pfeiffer, vulgo WeisbrodsHann-Görg, (S. XVI].)
  • Die Bezichtigung beruht auf dem eignen Geständnis dieser beiden Komplizen. Die Confrontation war vergeblich,

29.) Schaf-Diebstahl bei Merlau

Teilnehmer: Michael Borgener

Friedrich leugnet diesen konstatierten Diebstahl, obgleich Pohlengängers Michel, der ihn gestanden, ihm die Umstände unter die Augen sagte, und ihn ernstlich der Lügen strafte.

30.) Diebstahl zweier Schafe bei Dauernheim, und

31.) Versuchter Einbruch zu Selters, bei dem Bürgermeister und Gelderheber Hofmann, mit Vergiftung dessen Hundes und tötlichen Waffen. (S. X. 12.)

Dieser im Zusammenhang nicht unbedeutender Verbrechen war Friedrich, (so viel wir uns erinnern, ) von drei hier sitzenden Komplizen übereinstimmend beschuldigt. Zwei davon, nämlich Glaser und schwarzer Jung, nahmen ihre Bekenntnisse zurück, Leonhard Lang aber blieb bei dem seinigen. Ers agte seinem Schwager Friedrich die Wahrheit unter die Augen; aber dieser blieb wie gewöhnlich beim Leugnen.

32.) Leder-Diebstahl zu Ilbshausen.

Johannes Höhl hatte bei Amt eingestanden, diesen Diebstahl mit Friedrich begangen zu haben. Er widerrief nachher sein Bekenntnis wie die meisten seiner sonstigen Angaben. Friedrich, ob man ihn gleich den Widerruf Höhls nicht merken ließ, sondern durch Vorhalt aus dem Amts-Protokoll konfrontierte, leugnete hartnäckig.

33.) Qualifizierter großer Diebstahl zu Oberndorf Homberg a. d. O.

Angebliche Teilnehmer:

  • Valentin Bröschler, vulgo Hunds-Velten oder Hunds-Mutter-Velten.
  • Cornelius Köhr

Wert 190 fl. 6 kr.

Caroline Shmittin von Bobenhausen gab Friedrich und die Obengenannte als die Täter an. Sie selbst sah die Diebe mit ihren Bündeln ankommen, und hörte aus Friedrichs eignem Munde, dass er den Vorgang seiner Beischläferin erzählte. Andere Diebstähle und ein angeblicher Straßenraub zwischen Maar und Lauterbach beruhen auf allzu vagen Anzeigen. Übrigens S. CXXIII, 19.

Allgemeine Notizen über Friedrichs Lebenswandel, Betragen und Gefährlichkeit

Den langen Friedrich halten wir für den vollendesten Spitzbuben der Vogelsberger Bande. E besitzt am meisten Verstand, am meisten Körperkraft, am meisten Gewandtheit, am meisten Selbstbeherrschung, am meisten Scharfblick am meisten Taktik, am meisten Vorsicht, am meisten Unerschrockenheit. Bei der Bande vor andern berühmt und gefürchtet war er lange Zeit dem friedlichen Einwohner unter allen Gaunern am wenigsten verdächtig; denn sorgfältig affektierte er bei ihm den Schein eines redlichen, arbeitsamen Mannes. Fast nie war er ohne Ware; fast nie ohne gepackte Esel oder Pferde. Streng sah er darauf, dass, wo er sich öffentlich zeigte, kein Diebstahl in der Nähe begangen wurde. Scharf ahndete er einige mal, selbst an seinen intimsten Kameraden, an renominierten Kochemern, den Mangel an Achtung für ihn und seine Grundsäße. „Ihr Satans, wie leicht hätte ich durch Euch in die Brühe kommen können!“ Dies war dann seine ratio decidendi, die er sogleich handgreiflich demonstrierte. Er hatte auch Ursache, doppelt auf seiner Huth zu sein. Denn in seiner verborgenen Rocktasche, oder unter seinen gepackten Effekten, befand sich (hierin stummen die Aussagen vieler überein) seine treue Gefährtin, die Pistole. Mit besonderer Zufriedenheit zeigte er sie vor dem Einbruch zu Heckersdorf der versammelten Bande. „„Seht einmal das schöne Dingschen!“ Dies waren nach der Angabe Druckers-Peters damals seine Worte. Überdies machte seine ausgezeichnete Figur ihn jedem, der ihn einmal gesehen hatte, kenntlich. Auch darum diktierte ihm Klugheit, seinen Namen wohl in Acht zu nehmen. Deswegen, war seine Maxime, in beträchtlicher Entfernung von dem Ort zu stehlen, wo er oder die Seinige öffentlich verweilten; darum pflegte er nach vollbrachter Tat eiligst mit ihnen weiter zu ziehen. Indessen da zuletzt im Vogelsberg nicht leicht ein bedeutendes Verbrechen geschah, wozu er nicht mit Rat oder Tat gewirkt hätte; so wurde schon um deswillen, weil er beständig von andern Spitzbuben gesucht wurde, sein Name allmählig bei dem Landmanne stinkend. Wahrscheinlich bedurfte es noch kurze Zeit, und genötigt die Maske der Ehrlichkeit abzuwerfen, stand der Ehrgeizige da als Oberhaupt und Anführer der ganzen Vogelsberger Bande. Die Heuchelei dieses Menschen fällt oft in das Übertriebene. Hiervon noch ein Beispiel!

Als man ihn über notorisch geschehene Verbrechen fragte, deren er bezichtigt war, rief er aus!

„Gott, ist denn das wirklich geschehen?“ Nachdem man ihm aus den Akten bewiesen hatte, dass man sie mit allen Umständen wisse, fuhr er fort: „Ja, ich gebe es zu; es fällt mir selbst ein, davon gehört zu haben. Es ist schlimm genug, dass die Welt jetzt so im Argen ist. Oft habe ich mich darüber geärgert, dass heut zu Tag Jedes sich von dem Diebstahl nähren will. Ich bin zwar auch nicht rein. Aber ich habe meine Sünden bereut und gestanden. Alles Andere – das können Sie sicher glauben! – wird mir bloß aus Feindschaft nachgesagt, weil ich nicht so wie die Andern wollte. Sie wissen es ja, dass ich den Frank und Andere im Unwillen über ihre Diebstähle geprügelt habe. Wäre ich selbst ein Dieb von Profession, so würde ich dieses nicht getan haben. Ich habe zwar Strafe verdient, und will sie leiden. Aber von denen Sachen weiß ich nichts, die Sie mir vorhalten. Ich danke Gott, dass ich nicht bin wie die Andern, die mich wollen schlecht machen. Einst wird noch alles an den Tag kommen.“

Den 18ten März 1812 wurden die den Friedrich Adam Thomas betreffende Akten in vier sehr starken Bänden an Großherzogl. Hofgericht zur Entscheidung eingeschickt, und zugleich mit ihnen 1 Fascicul geschlossener Untersuchungs-Akten gegen seine Konkubine, Anna Margaretha Glüber.

Der Inquirent fand sich veranlasst, wegen der nach seiner Überzeugung ganz vorzüglichen Gefährlichkeit dieses Menschen, und Beispielhalber, dass Beweis über hartnäckiges Leugnen sei, auf Anwendung der ganzen Strenge der Gesetze zu bestehen, und auf Erkennung der Todesstrafe anzutragen. Die Majorität Großherzogl. Hofgerichtes war aber gelinderer Meinung. Durch Urteil dieses Colleges vom 17ten Juny 1812 wurden Friedrich Adam Thomas zu lebenslänglicher und seine Beischläferin Anna Margretha Glüber zu zweijähriger Zuchthausstrafe, und letztere zu demnächstiger Deportation verdammt. Friedrich wendete bei Publikation des Urteils, – aus welchem übrigens nicht zu ersehen ist, ob außer den wiederholt gestandenen Verbrechen auch andere für erwiesen angenommen worden, —- stehenden Fußes ein Rechtsmittel ein; und äußerte dabei: lebenslängliche Zuchthausstrafe sei zu hart für ihn; denn er habe ja keinen Menschen ermordet! –

Wir haben eine Menge Äußerungen anderer Diebe, die beweisen, dass kein Gauner heut zu Tag für die größte Menge von Diebstählen mehr Todesstrafe fürchtet, und Andreas Thron z. B. führte schon bei der zu Burggemünden geführten General-Untersuchung an, dass die Diebstähle hauptsächlich um deswillen so überhandnähmen, weil alle Gauner wüssten, dass kein Dieb mehr gehängt werde. Aber diese Äußerung beweist uns, dass die Nichtachtung der Gesetze in Deutschland und das hundertköpfige Ungeheuer, Praxis genannt, das eben so sehr die Untersuchungen erschwert, als es die Urteile erleichtert, sogar bei sehr vernünftigen Räubern die Meinung erzeugt hab, dass die höchste gesetzliche Strafe für Mord in lebenslänglichen Zuchthaus bestehe.

Des Herausgebers Überzeugung ist, dass, so lange man Überhaupt zu Todesstrafen rekurrieren muss, auch handwerksmäßiger Diebstahl nicht ganz damit verschont werden darf. Das Elend von hundert und mehr Familien, die bei Überhandnehmen der Gauner jährlich durch Diebstahl zu Grund gerichtet werden, wiegt in der Waagschale des gemeinen Bestens gewiss das Unglück auf, das ein nur seltener Mord oder Straßenraub über Einzelne verbreitet.

N. S. Als der Vollzug des Todes Urteils gegen Jonas Hoos (1.) im Stockhaus bekannt geworden, verzichtete Friedrich auf das bereits ergriffene Rechtsmittel. Er mochte nun wohl erkennen, dass er kein besseres Schicksal als Hoos verdient hatte.


XIII.) Ludwig Möbus von Bobenhausen. Amt Nidda

Er wurde geboren zu Marburg, ist 55 Jahr alt, verheiratet, 5 Fuß 1 1/2 Zoll groß, von Profession ein Töpfer, lutherischer Religion, als er arretiert wurde, ansässig.


XIV.) Bernhard Bauer, aus Volkertshain gebürtig.

Er war lange Zeit Spießmann oder Tagwächter zu Schwickertshausen, Amts Lisberg. Nachdem er sich dort stinkend gemacht und den Ort verlassen musste, arbeitete er als Taglöhner in der Steinkaute bei Bellmuth. Er ist 36 Jahr alt, 5 Fuß groß, verheiratet, lutherischer Religion; Schwager von No. VIII. Beide (Möbus und Bauter) wurden am 17ten Jenner 1812 verhaftet. Am 11ten März 1812 wurden die Akten zur Entscheidung eingeschickt. Durch Urteil Großherzogzl. Hofgerichtes vom 27ten April wurde No. XIII, zu Einjähriger und No. XIV. zu Vierjähriger Zuchthausstrafe verurteilt.

Das Verbrechen des Möbus besteht in einem vor längerer Zeit mit Jacob Heinrich Vielmetter, Heinrich Brandau und Bauer zu Weitershain begangenen Pferde-Diebstahl. (S,. XV. 9.) Die Verbrechen des Bauer sind, außer dem Vorgenannten, ein weiterer Pferde-Diebstahl zu Ilsdorf mit Jacob Heinrich Vielmetter (XXXI. 4.) – und dann noch einige unbedeutende Diebstähle und Prellereien, die er auf eigne Faust begangen.

Von den kleinen Diebstählen ist nur einer gewissermaßen qualifiziert. Er geschah nämlich mittelst Einsteigens durch ein niedriges offen gestandenes Fenster.


XV.) Johann Heinrich Brandau, genannt Engelröder

Signalement

Er ist 41 Jahr alt, 5 Schuh 5 Zoll groß, schmaler Statur, ovalen etwas eingefallenen Gesichtes, schwarzbrauner Haare und Augenbraunen, desgleichen Bartes, hat eine bedeckte Stirne, graue Augen, lange dicke Nase, großen Mund, rundes Kinn, bleiche Farbe, ist lutherischer Religion, von Profession ein Maurer.

Lebenslauf

Inquisit ist geboren zu Buchenau, Amts Biedenkopf. Sein Vater, Johannes Brandau, stammte aus diesem Ort, saß dort auf Hauszins, und war ein armer Taglöhner. Die Mutter war aus Engelrod im Vogelsberg gebürtig; daher, und weil Inquisit ehemals die gewesen sein soll, erhielt er den Beinahmen Engelröder Dick. Er diente als Knabe bei verschiedenen Hirten im Vogelsberg, erlernte im 12ten Jahr die Maurer- Profession zu Oberbreidenbach, und ließ sich im 15ten oder 16ten Jahr unter K. Österreichisches Militär anwerben. Unter diesem stand er 9 Jahr. Als er mit dem Regiment Fürst Hohenlohe aus den Niederlanden kam, desertierte er bei Würzburg und begab sich auf den Vogelsberg. In Selnrod kam er zu dem berüchtigten Gauner Jacob Heinrich Vielmetter und dessen Leuten. Dieser, der Marburger Geschirr damals auf einem Esel fuhr, beredete ihn bei ihm zu bleiben, und schwätzte ihm seine älteste schlechte Tochter Marie-Lies auf. Von nun an war es um die Ehrlichkeit des Inquisiten geschehen. Denn Vielmetter nahm ihn mit zu einigen Diebstählen.

Drei bis vier Jahre zog er mit seiner Frau auf dem Vogelsberg herum, und handelte mit irdener Ware. Dabei trieb er, – versteht sich – was Gauner zu treiben pflegen. Wegen Diebstahls-Verdacht wurde er von Gießen aus mit Steckbriefen verfolgt. Dies bewog ihn, sich aus dem Staub zu machen. Er ging abermals unter die Österreicher, desertierte nach 2 Jahren und ward Soldat unter den Preußen. Im letzten Preußischen Krieg, als das Regiment Albensleben, worunter er stand, bei Naumburg versprengt wurde, begab er sich von neuem auf den Vogelsberg. Seine Frau, die ihm unter das Militär gefolgt im Preußischen mit einem andern Soldaten durchgegangen, auf 3 Jahr in ein Zuchthaus gesetzt werden, und dann nach Haus entlassen war, – traf er hier wieder. Sie gab ihm gute Worte; er nahm sie von neuem zu sich.

Nun ging das alte Gauner-Leben von vorne an. Er handelte mit irdenem Geschirr, stahl nebenher, und sein Mensch bettelte. Jetzt kam er auch in nähere Verbindung mit der Lohmüllers Bande. Hierzu gehörte Heinrich Volk, der jetzt in Marienschloß sitzt, und 1820 zu 12 jähriger Zuchthausstrafe condemnirt worden. Seine Frau hielt mit diesem zu, und wurde ihm abermals untreu. Er selbst war durch sie von neuem in Verdacht des Diebstahls gekommen; er sah sich arretiert, wurde aber wieder losgelassen. Nun trennte er sich von der Bande. Eine gewisse Elisabetha Ortwein (vulgo Annlies) wurde seine Beischläferin. Er arbeitete jetzt bei den Maurern auf dem Vogelsberg. In dieser letzten Epoche von 3-4 Jahren fallen ihm keine Verbrechen zur Last. Er wurde sogar von dem  Großherzoglichen Justiz-Amt Ulrichstein mit einem guten Zeugnis seiner Aufführung versehen.

Benehmen und Charakter

Inquisit bezeigte sich bei der ganzen Untersuchung aufrichtig, weichherzig, reumütig, und schwamm oft in Tränen.

Verbrechen

1.) Geisen-Diebstahl auf der Ziegelhütte bei Grünberg.

Teilnehmer: Jacob Heinvich Vielmetter.

Geschah vor 10-11 Jahren.

2.) Diebstahl zweier französischen Artillerie-Pferde zu Weitershain, mit Einbruch. 1789,

Teilnehmer:

  • Jacob Heinrich Vielmetter
  • Ludwig Möbus
  • Bernhard Bauer (S. XIII. und XIV.)

Vielmetter war der Anstifter; und hatte, nebst Bauer, am meisten Gewinn davon. Der Diebstahl brachte die Gemeinde um 29-30 Carolins.

3.) Kleider-Diebstahl zu Heckersdorf

Teilnehmer:

  • Valentin Bröschler,
  • Jacob Heinrich Vielmetter

Geschah vor 7-8 Jahren. Die Beute war unbeträchtlich.

4.) Einbruch und Kessel « Diebstahl auf der Mühle zu Niederohmen

Geschah vor 5-6 Jahren, (S. X, 26. und XII. 6.)

5.) Einbruch und Kessel-Diebstahl zu Wettsaasen.

Geschah ungefähr um dieselbe Zeit. (S. V. 2. und X, 4.)

6.- 10.) Noch einige unbedeutende Diebstähle, worunter ein bloß tentierter, werden Kürze halber übergangen.

Die Akten gegen Brandau wurden zur Entscheidung eingeschickt den 17ten März 1812.

Durch Urteil Großherzoglichen Hofgerichts vom 15ten Juni 1812, eingelangt den 25ten ejusdem, wurde ihm, „mit Berücksichtigung seiner bezeigten Offenheit und Reue, und seines in den letzten Jahren geführten amtlich attestierten guten Lebenswandels“, eine sechsjährige Zuchthausstrafe zuerkannt. Bei der Publikation bedankte er sich für gnädige Strafe.


XVI.) Johann Heinrich Volz, genannt Bick, von Storndorf

Signalement

Er ist 25 Jahr alt, 5 Fuß 4 Zoll 3 Strich groß, mittlerer etwas gebückter Statur, ovalrunden Gesichts, brauner Haare und Augenbraunen, ohne Bart, bedeckter Stirne, blauer Augen, mittlerer Nase, gewöhnlichen etwas aufgeworfenen: Mundes, runden Kinns, bleicher Farbe, etwas beengt auf der Brust. Er ist unverheiratet, war in Storndorf wohnhaft, lutherischer Religion, und nährte sich angeblich vom Handel mit Asche und irdenem Geschirr.

Lebenswandel und Verbrechen

Inquisit ist außer der Ehe geboren, und angeblich von einem gewissen Bick gezeugt, der ihn aber nicht als sein Kind erkannte. Von seinen zwei Schwestern ist die älteste in das von seiner Mutter herkommende Haus an einen gewissen Joh. H. Heimbach zu Storndorf verheiratet. Bei diesem Heimbach, gewöhnlich Mühlenhannes genannt, weil er mit Butter handelt und Mühlen dazu verfertigt, hielt Inquisit sich seit 2 Jahren auf. Vorher war er mit einem Galanterie-Krämer aus der Schweiz als Knecht umhergezogen. Sein Schwager gab sich mit Beherbergung allerlei Gesindels ab, und in dessen Haus lernte er den Johann Georg Pfeiffer, vulgo Weisbrods-Hann. Görg (XVII.), kennen. Dieser war einst mit ihm tief im Wald; sie schnitten Haselstecken, um Kötzen daraus zu machen.

Im Wald lagen Mehrere von der Bande, Druckers-Peter, langer Friedrich und Weisbrods-Balser gesellten sich zu Johann Georg Pfeiffer. Der Diebstahl zu Heckersdorf (S. X. 18. XII, 15.) wurde verabredet. Die Gauner beschlossen, den Inquisiten in ihr Interesse zu ziehen. Dieser junge Mensch scheint zwar weder von Geist noch von Körper Räuber-Anlage zu besitzen. Allein er hatte Neigung zu dem Gauner-Leben und es galt darum, ihn durchaus kochem zu machen. Sie glaubten wahrscheinlich eines sicheren Aufenthalts in seinem und seines Schwagers Haus dadurch mehr versichert zu sein. Volz, der nicht viel zu verzehren hatte, an Arbeitsamkeit eben nicht gewöhnt war, und schon ein halbes Vagabunden-Leben führte, ließ sich durch die vorgespiegelte Leichtigkeit der Unternehmung, und den versprochenen Anteil an der reichlichen Beute verblenden. Er wurde angeworben; ging mit, und grade dieser erste, und wie er behauptet, einzige Diebstahl, bei dem er war, lief unglücklich ab.

Die Diebe wurden bekanntlich verscheucht z sie mussten fast alle Beute zurücklassen, und der Bestohlene, welcher sie störte, erhielt einen Pistolen-Schuss, der sein Leben gefährdete, und die Nachbarschaft in Aufruhr brachte. Von dem Wenigen, was die Diebe mitgenommen hatten, musste Leonhard Lang zuerst entschädigt werden. Dieser hatte, wie wir wissen, seine Schuhe verloren, und um den Streifern nicht in die Hände zu fallen, musste er unverzüglich neue haben. Was noch übrig blieb, gab nur schmale Teile. Volz behauptet, es habe ihm nicht mehr als ein einziges Hemd davon getragen.

Dem sei nun wie ihm wolle. Genug! er war bei diesem höchst gefährlichen Diebstahl, und musste nach seinem zu Burggemünden abgelegten Bekenntnis eine harte Strafe erwarten. Dies hatte ihm wahrscheinlich Friedrich, dem es hauptsächlich darum galt, diesen Diebstahl von sich selbst abzuwälzen, vorgestellt. Volz widerrief daher, wie Friedrich, hier seine Aussage. Die Konfrontation mit Leonhard Lang, und selbst der Vorhalt aus dem Geständnis Druckers- Peters dessen Abhör zu Fulda bewirkt worden war, vermochten nicht, ihn zur Zurücknahme seines Widerrufs zu bringen. Man gab sich nun alle Mühe, eines weiteren noch nicht verhafteten Teilnehmers habhaft zu werden. Es gelang, den berüchtigten Weisbrods- Hann-Görg einzufangen. Auch dieser scheute anfänglich sehr die Folgen eines offenen Geständnisses. Der Vorhalt aus den Akten, dass der zu Fulda sitzende Druckers-Peter gestanden und ihn als Teilnehmer genannt habe, war nicht hinreichend, ihn zum Bekenntnis zu bringen. Vielleicht war ihm schon zu Ohren gekommen, dass es diesem Bösewicht durchzubrechen gelungen sei, und dass er daher zur Konfrontation nicht gebraucht werden konnte. Der Verfasser sann nun auf ein anderes Mittel. Aus den früheren Aussagen Friedrichs und Volzens ließ er ihn merken, dass auch diese die Tat bekannt, und ihn als Teilnehmer genannt hätten. Sorgfältig verhehlte er ihm ihren Widerruf, und stellte ihm vor, dass er sic als einen hartnäckigen Menschen zeige, der schlimmer als die Andern sei, wenn er es darauf ankommen lasse, dass ihm seine Kameraden die Begehung der Tat in das Gesicht sagen müssten. Dies tat Wirkung.

Pfeiffer war keiner von den Verstockten; vielweniger wollte er gerne als ein. solcher erscheinen. Er ging daher in sich, und mit Tränen in dem Auge gestand er die Tat. Er nannte als Teilnehmer die bereits bekannte Komplizen. Man prüfte sorgfältig sein Geständnis. Seine Antworten ließen keinen Zweifel an der Wahrheit desselben übrig, Man ließ einige Tage verstreichen. Jetzt vernahm man ihn abermals über die Sache. Er wiederholte sein Geständnis. Nun konnte man mit einiger Zuversicht hoffen, dass Pfeiffer, der dem Inquirenten durch erwiesene kleine Wohltaten überdies zugetan und verpflichtet war, mit Erfolg selbst gegen Volz gebraucht werden könne. Man machte Anstalt, beide zu konfrontieren. Vorsichtig sagte man Pfeiffer’n in dem Augenblick vorher, wo er konfrontiert werden sollte: Volz habe, – wahrscheinlich verführt durch Andere, – sich beigehen lassen, sein mehrmals wiederholtes Geständnis zurückzunehmen. Man forderte ihn auf, der Wahrheit ihre Rechte zu verschaffen, und ihm solche frei unter die Augen zu sagen. Dieser Versuch, der wegen der nötigen Täuschung Pfeiffers dem Herzen des Inquirenten vieles kostete, gelang zum Erstaunen. Pfeiffer mochte wohl merken, dass ihm sein Geständnis durch Täuschung entlockt worden war. Allein er hatte solches ohne Anwendung von Zwangsmitteln abgelegt, und mehrmals bekräftigt. Ohne sich zu kompromittieren, konnte er nicht zurückkehren. Auch ließ man ihm keine Zeit, neue Plane zu schmieden. Mit Freimütigkeit sagte er nun Volz in die Augen, was zu sagen war, erinnerte ihn an manche kleine Umstände, besonders was die Zusammenkunft und Verabredung in dem Wald betraf, und ermahnte ihn, nicht zu leugnen, was nicht mehr zu leugnen wäre. Volz, der den berüchtigten Pfeiffer, seinen Meister und Verführer, vor seinen Augen so offen bekennen sah, war von Erstaunen hingerissen. Entweder vermochte er nicht länger dem stürmenden Drang der Wahrheit zu widerstreben, oder er schämte sich, hartnäckiger zu scheinen, als sein Lehrmeister selber. Kurz er gestand und erweiterte noch seine frühere Angabe. Nach Verlauf von einigen Tagen vernahm man ihn wieder. Er bekräftigte sein Geständnis.

Die Akten wurden den 18ten März 1812 zur Entscheidung eingeschickt. Durch Urteil Großherzogl. Hofgerichts vom 27ten May 1812 eingelangt am 12ten und öffentlich bekannt gemacht am 12ten desselben Monates, erhielt Volz eine Zweijährige Zuchthausstrafe. Er erkannte mit öffentlichem Dank die Gelindigkeit dieser Strafe.


XVII.) Johann Georg Pfeiffer, vulgo Weisbrods-Hann-Görg

eingeschickt den 21ten Oktober 1811

Signalement

27 Jahr alt, 5 Fuß 4 Zoll groß, proportionierten Körperbaus, ovaler Gesichtsform, schwarzer Haare, Augenbraunen und Bartes, bedeckter Stirne, brauner Augen, regelmäßiger Nase und Mundes, runden Kinnes frischer Gesichtsfarbe; hat einen Fehler am linken Auge, am rechten Arm über dem Ellenbogen eine 1 1/2 Zoll lange Narbe, und unterderselben eine dergleichen ungefähr x Zoll lang. Er ist der katholischen Religion zugetan, angeblich von Maar gebürtig, übrigens Gauner und ohne bleibenden Wohnort. Trieb neben dem Stehlen das Mahnen-und Knopf-Machen.

Schicksal und Genealogie

Sein Vater hieß Johann Philipp Pfeiffer, war mit dem Hessen-Kasselischen Militär in Amerika, diente dann als Husar bei den Preußen, und lebte zuletzt als Vagabund. Seine noch lebende Mutter heißt Gertraud, und ist eine geborene Brandeck aus Lingelbach. Sie wird von ihrem Stiefvater Weisbrod, vulgo Weisbrods Gertraud genannt, und zieht noch auf dem Land umher. Inquisit hat drei Brüder; Johann Heinrich und Johannes, beide angeblich österreichische Soldaten, und Balser, der unter dem Namen Weisbrods-Balser (CXX1III.) berüchtigte Gauner.

Inquisitens Beischläferin führt den Namen Elisabetha Rübnerin. Sie ist angeblich die Tochter eines Wollspinners in Hersfeld, und befindet sich noch in Freiheit. Mit ihr hat er eine Tochter, Namens Gertraud. Dieses Mädchen ist dermalen 22 Jahr alt, hat blonde Haare und ist gut gewachsen. Seines Bruders Balser Beischläferin ist die älteste Schwester der hier sitzenden beiden Borgener und heißt Anna Maria.

In der Walpurgis-Nacht 1810 brach Inquisit mit mehreren Andern zu Fuld aus dem Zuchthaus aus, wo er, ohne etwas zu gestehen, etliche und 30 Wochen in Untersuchung saß. Im Herbst 2823 wurde er zu Großenlüder von neuem arrestiert und den 21. Oktober 1811 in hiesiges Stockhaus gebracht.

Character

Sein Verstand ist mittelmäßig, doch nicht schlecht, seine Bildung weit unter der Friedrichs. Er hat ein fast immer heiteres Temperament; prädominierend ist sein Hang zum guten Leben. So oft Pfeiffer bei dem Inquirenten war, hatte er das Anliegen, ihm eine Kleinigkeit zu Tabak usw. zu schenken. Sein von Natur weiches, empfindsames Herz war verderbt, doch nicht durchaus verderben, und noch mancher Rührung zum Guten fähig. Anfangs suchte er zu leugnen; bald sah er sich immer weiter und weiter zu Bekenntnissen hingerissen, und nun wich er ohne große Schwierigkeiten dem Vorhalt von Beweisen. Er hat Hang zur Wahrheit; Mühe kostet es ihn, sich zu verstellen. So leichtsinnig er sonst war, perlten nun oft Tränen in seinen Augen; Tränen des Schmerzes, und, wie er versicherte, auch der Reue.

„Als ich klein war,“ sagte Pfeiffer zum Inquirenten, „bettelte ich. Als ich herangewachsen war,  schämte ich mich zu betteln. Die Leute gaben mir nicht mehr reichlich; sie meinten, ich könne arbeiten. Arbeiten aber war meine Sache nicht; ich musste also stehlen. Ich wollte gerne gut leben; und darum musste ich viel stehlen. Dieses viele Stehlen bringt mich nun ins Verderben.“

Verbrechen

1.) Tuch-Diebstahl zu Nixfeld. Geschah vor 9 Jahren

Teilnehmer:

  • Jacob Heinrich Vielmetter
  • Johannes Vielmetter

Das gestohlen wirkene Tuch betrug 80 Ellen. Außerdem wurde etwas linnen und wollen Garn entwendet.

2.) Diebstahl zweier Geisen und eines Bocks zu Radmühl. Geschah ungefähr 8 Tage später

Teilnehmer: Die Vorigen.

Jacob Heinrich Vielmetter sprengte die verschlossene Stalltür auf. Wert 18-19 fl.

3.) Diebstahl mit Einsteigen und Einbruch auf dem Wasemichshof, bei der Ziegelhütte, im Kahlgrund, unfern der Glashütte gelegen. Geschah vor etwa 5 Jahren.

Teilnehmer:

  • Jacob Heinrich Vielmetter
  • Johannaes Vielmetter
  • Johann Adam (Reih, Schön), soll aus dem Sachsen-Meiningischen gebürtig sein.

Die Diebe stiegen auf 2 Leitern ein, und hatten ein Loch in die Wand gebrochen und ein anderes in das Dach gemacht. Die Beute bestand in 2 kupfernen Waschkesseln, Weibskleidung usw. Eidlich taxierter Wert 47 fl. 54 kr.

4.) Esels-Diebstahl auf der Lepper-Mühle im Busecker Tal, mit Einbruch. (S. XII.9)

5.) Schaf-Diebstahl aus dem Pferch bei Ermenrod. (S. X. 31.)

6.) Qualifizierter Diebstahl bei Heersdorf, Amt Ulrichstein, wobei der Bestohlene geschossen worden. Herbst 1809. (S. X.18. XII. 15. und XVI)

7.) Tuch-Diebstahl auf dem Hof Vitmes. (S. XII. 28.)

8.) Qualifizierter Braukessel-Diebstahl zu Freiensteinau. März 1805.

Teilnehmer:

  • Balser Pfeiffer
  • Adolph Diederich
  • Michael Borgener
  • Johannes Borgener

Der Kessel war eingemauert. Er ist im geringsten Anschlag auf 100 fl. eidlich gewürdigt. Das Kupfer wurde, nach einstimmiger Aussage aller hier verhafteten Komplizen, an den Juden Victor zu Schlüchtern, das Pfund zu 24 kr. verkauft. Die Diebe hatten bei diesem Diebstahl eine geladene Pistole.

9.) Großer Diebstahl mit Einbruch bei dem Krämer Johannes Diehl zu Gedern, 1805

Teilnehmer:

  • Balser Pfeiffer
  • Adolph Diederich
  • Michael Borgener

Nach dem Einbruch zündeten die Diebe Lichter an, und leerten den Kramladen. Sie führten eine geladene Pistole. Der Verlust des Bestohlenen an Geld und allerlei Waren betragt, laut eidlicher Angabe, 200 fl. 24 kr.

10.) Großer und qualifizierter Diebstahl zu Kerbersderf, (Großherzogtums Frankfurt.) Geschah gegen Ostern 1806.

Teilnehmer:

  • Balser Pfeiffer
  • Adolph Diederich
  • Michael Borgener
  • Friedrich Diederich, Nachbar des Bestohlenen vulgo Kerbersdorfer oder Graben-Schuster,

Der zuletzt genannte Schuster verriet die Gelegenheit an Johannes Borgener (XCII.) Dieser verplauderte solche den Andern. Sie aber führten den Diebstahl ohne ihn aus, Denn, wie Johann Georg Pfeiffer sagt, sie gönnten ihm das bare Geld nicht. Von der Barschaft ertrug es jedem Teilnehmer 15 fl. Der ganze Verlust, an barem Geld und Effekten, beläuft sich, nach eidlicher Würdigung des Bestohlenen Franz Noll, auf 201 fl. 24 kr.

Erst nach 5 Jahren wurde, auf diesseitige Requisition, der Tatbestand festgesetzt. Der Bestohlene erklärte: er habe sich nicht getraut, bei dem vorigen Huttischen Beamten (*) von dem Diebstahl Anzeige zu machen. Furcht, dass er noch obendrein alle Kosten bezahlen müsse, habe ihn davon abgehalten. Dieses Schicksal sei ihm in ähnlichen Fällen schon einige Mal widerfahren, weil er keinen vollkommenen Beweis gegen die Täter erbracht habe. Dies ist stark! aber auf eine oder die andere Art werden noch an vielen Orten in Deutschland die Kriminal-Sachen als Odiosa behandelt.

 (*) Man kennt ihn aus der Aktenmäßigen Geschichte der Räuberbanden an den beiden Rheinufern.

Die Diebe stiegen übrigens auf einer Leiter in das obere Kammerfenster. Joh. Georg Pfeiffer stand auf derselben. Er nahm dem Adolph Diederich, (auch Hofmann genannt), welcher sich in der Kammer befand, die gestohlene Sachen ab. Auch bei diesem Diebstahl war Schießgewehr. CXXIII.9.)

11.) Qualifizierter Diebstahl zu Vollmitz, unweit Ramholz und Schlüchtern. Marz 1805

Teilnehmer:

  • Balser Pfeiffer
  • Adolph Diederich
  • Michael Borgener

Die Diebe gingen hierzu von ihrem gewöhnlichen Versammlungsort, dem Krügbau bei Steinau, aus. Joh. Georg Pfeiffer nahm geständiger maßen eine geladene Pistole mit. Borgener schoss sie unterwegs los, und führte sie bei diesem Diebstahl, als er Wache stand. Zinngießer Diederich hatte vorher von neuem geladen. Auf dem Rückweg schoss Borgener diese Pistole abermals los. Diederich hatte sie überladen; ein daran befindlicher Ring von Messing sprang ab, Borgener bekam davon eine Wunde an den Daumen, welche eine Narbe hinterließ, die noch zu sehen ist.

Der Einbruch geschah übrigens auf die am meisten gewöhnliche Weise. Neben der Hintertüre des Hauses wurde ein Loch gebrochen und dann jene durch solches geöffnet. Nun machten die Diebe in der Küche Feuer an, und holten eine Leiter. Auf dieser, (sie stand noch Morgens nach dem Diebstahl auf der Stelle), stiegen Diederich und J. G. Pfeiffer in den Schlot, und entwendeten das darin gehangene Fleisch. Es war von einem Schwein, das kurz vorher geschlachtet worden; ungefähr 140 Pfund schwer. Sie traten mit ihrer Beute den Rückweg nach dem Krügbau an. Allein das bloße Dörrfleisch befriedigte noch nicht ihre Wünsche.

12.) Versuchter Einbruch auf der Gerlachs-Mühle unweit Vollmitz. Vollzogener Gänse-Diebstahl daselbst.

Unterwegs also wurden sie einig, dem Müller Gerlach auf der nahe gelegenen Mühle Besuch abzustatten, und rasch schritten sie zur Ausführung. Schon hatten sie ein Gefach neben der Hintertüre ausgegraben 3; sie glaubten sich ihrem Ziele nahe, Allein der Müller hatte sich auf einen solchen Fall vorgesehen, wie jedem Landmann zu raten wäre; Er hatte die Wände von innen mit dicken Brettern verbohlt. Sie fanden also Schwierigkeiten durchzukommen, und standen ab von ihrem Vorhaben. Um indessen den Müller doch in Etwas zu zehnten, leerten sie seinen Gänse-Stall.

Sie nahmen daraus 5 Gänse mit, und schlachteten sie in einem Tannenwäldhen. Sie hatten nun hinlänglich für Nahrung gesorgt und kehrten beladen mit ihrer Beute wieder auf dem Krügbau bei Steinau ein.

13.) Einbruch zu Ahl, zwischen Steinau und Saalmünster

Teilnehmer:

  • Balser Pfeiffer
  • Adolph Diederich
  • Michael Borgener

Dieser Einbruch geschah vor etwa 5 Jahren bei Johannes Flach zu Ahl. Zinn, Messing, Butter, Käse, Brot usw. zusammen auf 50 fl. eidlich gewürdigt, wurde gestohlen. Auch diesmal gingen die Diebe von dem Krügbau aus. Eben dahin kehrten sie zurück mit dem, was sie entwendet.

14a.) Versuchter Einbruch bei einem Krämer zu Mittelsinn. Diebstahl eines Brandwein-Geschirrs ebendaselbst bei einem andern. Zeit, ungefähr dieselbe.

Teilnehmer:

  • Balser Pfeiffer
  • Adolph Diederich,
  • Michael Borgener

Schon waren die Diebe in den Stall des Krämers eingedrungen; von hieraus wollten sie in die Kram-Kammer einbrechen. Im Stall aber schlief jemand; sie getrauten sich deswegen den Einbruch nicht zu vollziehen. Darauf gingen „sie nach der Wohnung eines andern Kaufmanns. Er wohnt am entgegengesetzten Ende des Ortes. Sie fanden das Haus sehr gut verwahrt, und der Gelegenheit unkundig, standen sie von dem Vorhaben ab, in dasselbe zu brechen. Dafür machten sie sich nun an das Hintergebäude, in welchem eine Branntweinbrennerei war. Diederich stieg zur Schalte ein und öffnete die Türe von Innen. Sie stahlen das Brandweins-Geschirr. Im Wald hieben sie es in Stücke, und verkiefen das Kupfer an den Juden Victor zu Schlüchtern.

14b.) Einbruch zu Obersinn.

Den Rückweg von vorhergehendem Diebstahl machten sie über Obersinn. Pfeiffer sagte: „Was tun wir mit dem Dreck?“ (das Kupfer meinend) „Wir müssen auch etwas zu Fressen haben.“ Es wurde bald Rat geschafft. Sie brachen in eine Küche ein. Sie entwendeten daraus einige Gänse; auch einen Napf mit Butter, einige zinnerne Löffel usw.

14c.) Versuchter Einbruch auf einer Mühle bei Obersinn.

Noch genügte ihnen nicht. In derselben Nacht versuchten sie auf einer Mühle in der Nähe anzukommen. Es wollte ihnen aber nicht gelingen.

15.) Diebstahl dreier Schafe bei Joh. Kaspar Lehmig zu Niederseemen

Teilnehmer: Michael Borgener

Der Diebstahl geschah vor 67 Jahren, Eidlich taxiertet Wert 11 fl.

16.) Einbruch zu Burgjoß, Departements Aschaffenburg

Teilnehmer:

  • Balser Pfeiffer
  • Adolph Diederich
  • Michael Borgener

Auch zu diesem Diebstahl, er geschah vor 6 bis 7 Jahren, gingen sie von dem Steinauer Krügbau aus, Ebendahin brachten sie ihre Beute. Sie bestand in ungefähr 80 Pfund dürrem Rindfleisch, einem messingenen Suppen-Kessel und sonstiger Kleinigkeit. Der Wert ist eidlich angegeben zu 19 fl. 44 kr.

Die Diebe hatten, um das Fleisch aus dem Schornstein zu hohlen, eine Leiter in das Haus gebracht. Allein sie war zu groß, um in dem engen Küchenraum gedreht zu werden. Sie wussten auf andere Art Rath zu schaffen. Borgener ließ sich von beiden Pfeiffern emporheben, und stellte sich auf Diederichs (Hofmanns) Schultern. So holte er das Fleisch herunter. Joh. Georg Pfeiffer erklärt, er glaube, es sei bei diesem Diebstahl Schießgewehr geführt worden. Borgener will nichts davon wissen.

17.) Schaf-Diebstahl zu Marborn mit Einbruch.

Teilnehmer: Die Vorigen.

Ausgang und Retraite: der Krügbau.

18.) Diebstahl zweier Schafe zu Ahl bei Joh. Adam Klug,

Teilnehmer: Michael Borgener.

Ein-und Ausgang : der Krügbau.

19.) Geisen-Diebstahl zu Bermuthshain

Teilnehmer:

  • Michael Borgener.
  • Konrad Kaiser (tot)

20.) Diebstahl zweier Esel auf der Trümper-Mühle bei Neustadt.

Frühjahr 1809  Wert 33 fl. (S. X. 9.) Die Tochter des Maarhannes wurde um den Gewinn geprellt,

21a.) Einbruch und tentierter Kessel-Diebstahl zu Oberbreidenbad)

21b.) Versuchter Ferkel-Diebstahl auf der Grundmühle daselbst

21c.) Vollzogener Diebstahl eines Waschkessels allda Mai 1809« (S. X. 19.)

22.) Versuchter Einbruch zu Boppenrod im Fuldischen. (S. IV. 18.)

23.) Einbruch zu Hauswurz, (S. IV. 19.)

24.) Diebstahl von 4 Schafen zu Holzmühl.

Januar 1806. (S. IV. 9.) Das Schloß von der Stalltüre wurde abgeschlagen.

25.) Diebstahl eines Siedkessels zu Weitershain auf der Rabenau, mit Einbruch. (S. XI. 3.).

26.) Einbruch und Kessel-Diebstahl zu Kleineichen, Gerichts Oberohmen. (S. XI, 4.)

27.) Kessel-Diebstahl mit Einbruch zu Wettsaasen, (S. X. 17.)

28.) Tuch-Diebstahl zu Niedenhausen, Amt Grebenau modo Alsfeld, geschah vor ungefähr 3 Jahren.

Teilnehmer:

  • Druckers-Peter,
  • Andreas Frank, vulgo Clare-Andre

Wert 253 fl. 20 kr.

29.) Diebstahl von Kleidungsstücken zu Schlitz

Geschah vor circa 9 Jahren, ohne Teilnehmer

Wegen dieses Diebstahls saß Inquisit 11 Wochen in Schlitz, und wurde mit Prügeln und Ausstellung an das Halseisen bestraft. Es soll sein erster Diebstahl gewesen sein.

30.) Konkurrenz zur tentierten Aushebung eines Pfarrers 1 1/2 Stunden von Hartmannshain. (Wahrscheinlich Pfarrer Löber zu Breungeshain)

Durch Communication mit der Großherzogl. Criminal-Commission in Würzburg hatte man folgende Nachrichten halten. Nach einer Angabe des dort verhafteten Knaut, vulgo Eselskinnbacken, sei Joh. Georg Pfeiffer gegen 1809 mit einer zahlreichen Bande, worunter jener

  • Knaut
  • großer Johann,
  • Druckers- Peter,
  • Joh. Lehn 2te, vulgo Lohmüllers Hannes
  • Jacob Heinrichs Eidam
  • und Andere

sich befanden, ausgezogen, um einen Pfarrer, der 1 1/2 Stunden von Hartmannshain wohne, zu plündern. Pfeiffer habe sich aber unterwegs von der Bande getrennt, weil er in Erfahrung gebracht, dass seine Beischläferin ihm auf der Spur sei, und ihn aufsuche. Er hatte nämlich wirklich solche damals vernachlässigt, und zog mit dem Menschen des verstorbenen Kaisers Konrad umher, der nachmaligen Beischläferin des H. Dönges (IV.)

Als dem Inquisiten über jene Angabe Vorhalt geschah, gestand er, nach einigen Abweichungen, die Richtigkeit derselben ein. Er behauptete aber, dass der große Johann und Konsorten ihn zu diesem Diebstahl geworben, und ihm den Ort, wo er vollzogen werden sollen, nicht genannt hätten. Auch Knaut stellt sich über den Namen des Ortes unwissend. Doch gibt er an, die Bande sei, nach dem Abgang Pfeiffers, wirklich an Ort und Stelle gekommen, der Einbruch hätte eben vollfuhrt werden sollen und Lohmüllers Hannes sei schon in das Pfarrhaus eingestiegen gewesen; auf einmal sei der Pfarrer munter geworden und habe sie verjagt.

Entfernte Anzeigen wegen begangener Straßenräubereien wurden untersucht. Das Resultat führte aber zu keiner Gewissheit. Den 28ten März 1812 wurden die Akten in IV. Fasciculn dem Großherzogl. Hofgericht zur Entscheidung vorgelegt. Einige andere Akten-Bände gegen Abnehmer wurden bald darauf nachgesandt. Dem Urteil sieht man entgegen. Man vergleiche übrigens CXXIII.