Einleitung

Der Post-Raub in der Subach begangen von acht Straßenräubern von denen fünf am siebenten October 1824 zu Gießen durch das Schwerdt vom Leben zum Tode gebracht worden sind – Carl Franz, 1825

Es gibt wenige Verbrechen, die den Keim so vieler andern in sich tragen und in ihren Folgen schrecklicher und gefährlicher für die menschliche Gesellschaft werden können als das Verbrechen der Wilddieberei. Nimmt man Trägheit und Müßiggang, diese beiden Laster, als die Quellen der meisten Verbrechen an, so wird man bei der Wilddieberei, der nächsten Gefährtin des Müßiggangs, zu einer gleichen Annahme sich berechtigt halten. Der Wilddieb, statt in einem ehrlichen, bürgerlichen Gewerbe den Unterhalt zu suchen, der ihn und die Seinigen gegen Mangel und Not sichern soll, bringt, nachdem Lust und Liebe zu seinen häuslichen Arbeiten in ihm nach und nach erloschen, seiner unerlaubten Neigung die völlig Zerrüttung seines Vermögenszustandes zum Opfer dar. Sodann mit der drückendsten Armut und Dürftigkeit kämpfend, nimmt er, schon gewöhnt an Verbrechen und vertraut mit den Gefahren, die sie begleiten, zu den verzweifelten Mitteln, zu Diebstahl und Raub, seine Zuflucht, die ihn immer tiefer in den Pfuhl alles Verderbens ziehen und endlich an einen entsetzlichen Abgrund führen. Auf diese Art wird der Wilddieb ein Räuber, und er wird es umso leichter, da Wilddieberei und Raub – die in ihren Straffolgen so verschiedene Verbrechen – in sich selbst aber miteinander so verschwistert, ihre Grenzlinien so fein gezogen sind, dass er die Überschreitung kaum wahrnimmt. Denn schon vertraut mit dem Gedanken, sich mit Gewalt zuzueignen, was er nicht sein Eigen nennen darf, übt der Wilddieb, gleich dem Räuber, sein Handwerk mit der größten Dreistigkeit und Verwegenheit aus. Allen Gefahren, die seinem eignen Leben drohen, Trotz bietend, sieht er das Leben seiner Mitmenschen ebenso nichts achtend an und setzt an die Rettung seines Lebens den Verlust andrer Menschenleben aufs Spiel. So wird der Wilddieb Räuber und Mörder. Vor mehreren Jahren hielten sich im Hinterlande in der Provinz Oberhessen mehrere bedeutende Banden von Wilddieben auf. Die großen gebirgigen Waldungen dieser Gegend gaben ihnen die beste Gelegenheit, ihr Handwerk eine lange Reihe von Jahren fortsetzen zu können. Allen Nachforschungen und Nachstellungen immer glücklich entronnen, wurden diese Rotten so frech und verwegen, dass die herrschaftlichen Forstbeamten selbst in ihren Wohnungen für ihr Leben zittern mussten und waren in den letztverflossenen Jahren, in welche nachstehende Erzählung fällt, so die Geißel und Schrecken der ganzen Umgegend geworden.