Vogelsberger Bande Seite 8 – 56

Actenmässige Geschichte der Vogelsberger und Wetterauer Räuberbanden und mehrerer mit ihnen in Verbindung gestandener Verbrecher, Nebst Personal-Beschreibung vieler in alle Lande teutscher Mundart dermalen versprengter Diebe und Räuber – Von Friedrich Ludwig Adolf von Grolmann, Giessen 1813

Inhalt

I.) Jonas Hoos von Reptich, Werra- Departements, Königreichs Westfalen

Hingerichtet am 14ten Juli 1818

Signalement

Er ist 28 Jahre alt, 5 Fuß 3 Zoll 3 1/2 Strich groß, reformierter Religion, stark, untersetzt, ziemlich proportioniert. Hat schwarzbraune Haare und Augenbraunen, gleichfarbigen schwachen Bart und Backenbarte, runde gewölbte Stirn, hellgraue in das bläuliche fallende Augen, mittelmäßig große gewöhnliche Nase, Mund von mittelmäßiger Größe mit aufgeworfener herzförmig gezogener Oberlippe, rundes etwas vorstehendes Kinn, ovale Gesichtsform, gewöhnliche Farbe, vollkommenes Gesicht mit etwas starken Backenknochen und einigen Blatternarben, trägt die Haare über die Stirne geschnitten.

Schicksal

Sein Vater, Conrad Hoos, war ehedem ein angesehener Bauer, und sogar Greve (Schultheiß) in dem Geburtsort, wurde aber, (warum? ist unbekannt) abgesetzt. Die Mutter des Inquisiten starb früher, als sie zu seiner Erziehung beitragen konnte. Nach achtjährigem Witwenstand heiratete der Vater aufs Neue. Dies missfiel dem Knaben; er gibt überdies vor, dass ihn die Stiefmutter stiefmütterlich behandelt habe. Schon im 9ten oder 10ten Jahre verließ er die Heimat und begab sich nach Jesberg in eine Wirtschaft. Hier diente er den Fuhrleuten. Alle Woche einmal holte ihn anfänglich der Vater ab. Der Bube tat aber nicht gut, und entlief immer wieder. Weil dieser die Stiefmutter nicht leiden konnte, tat er ihn nun zu Verwandten in ein anderes Haus. Hier hielt der Knabe zwar eine Zeit lang aus, und genoss notdürftig den Unterricht der Schule. Sobald er aber konfirmiert war, entlief er auf immer. Er ging nunmehr mit den Fuhrleuten auf Reisen. So sah er nach und nach beinahe alle Städte Deutschlands. Er kam selbst nach Danzig. Seine Rohheit wurde wohl abgeschliffen, und die Gabe der Verstellung wurde ihm eigen; Ehrfurcht aber für das Eigentum Anderer, Gewohnheit zur Ordnung und häuslichem Leben, diese Eigenschaften waren es nicht, die er bei Fuhrleuten lernte. Mächtig fühlte er dagegen mehr herangewachsen, den Trieb, Independent zu sein. Diesen zu befriedigen, gesellte er sich bald zu einer liederlichen Dirne. Angelica Krämerin, so heißt sie, aus echtem Gauner-Geschlecht, wurde seine erste Beischläferin. Er zog mit ihr auf dem Land umher und sammelte Lumpen. Durch sie, und die ergriffene Lebensart, geriet er bald in nähere Bekanntschaft mit Gaunern. Haarbacher Hannes war es, der ihn vollends in das Kochemer-Leben einführte. Und nun war seine Räuberlaufbahn betreten.

Am 22ten August 1807 wurde er, wegen eines zu Mornshausen, an J. Adam Joachim, seinem Wohltäter, verübten Einbruchs, zum ersten Mal in hiesiges Stockhaus gebracht. Am 23ten Nov. wurde er deshalb zu achtmonatlicher weiteren Zuchthaus-Strafe und demnächstiger Landesverweisung verurteilt, und den 22ten Juli 1808 nach verbüßter Strafe entlassen. Schnell vergaß er alle ihm zum Guten gegebene Ermahnungen. Sein erster Ausflug war der in eine Räuberherberge. Hier, auf der Mardorfer Zügelhütte, traf er gleich Mehrere von seiner Gesellschaft. Auch Angelica Krämerin, die früher als er losgekommen war, fand er hier. Allein er verstieß sie, wahrscheinlich aus Jalousie, oder aus Rachsucht, weil sie durch ihr Geständnis zu seiner Überführung und Bestrafung gewirkt hatte. Sie hing sich nun an Ludwig Funk und Er an Elisabetha Reinung. Diese verstandige Dirne war ehedem die Zuhälterin des berüchtigten Räubers Hunds-Velten (Valentin Bröschler) welcher im Jahr 1807 von seinen Kameraden, im Zwist über die Teilung eines Raubes, auf dem Wannhof, Amt Ulrichstein, ermordet worden.

Am 23ten Dec. 1808 wurde Inquisit zum 2ten mal zum Stockhaus eingeschickt. Er war in den neu akquirierten v. Riedeselischen Gerichten ergriffen, und zuerst mit der Warnung das Land zu meiden entlassen, gleich darauf aber von neuem in Gesellschaft gefährlicher Räuber ertappt worden. Er saß bis zum 9ten April 1810, wo ihm, in Gemäßheit Urteils vom 5ten ejusdem, der bisherige Arrest, wegen gebrochener Urphede und fortgesetzten Vagabunden Lebens zur Strafe angerechnet wurde, und seine abermalige Entlassung, unter nochmaliger Landesverweisung und Androhung noch härterer Strafe im Wiederbetretungs-Fall, erfolgte. Auch diesmal wurden ihm die dringendsten Ermahnungen zu Ergreifung einer andern Lebensart, so wie eine Unterstützung an Geld zu seiner augenblicklichen Forthülfe, mit auf den Weg gegeben. Er versprach Alles, hielt aber Nichts. Von diesem Augenblick an vermehrte sich vielmehr sein Eifer zu Begehung von Verbrechen. Überall gefürchtet und berüchtigt, wurde er endlich am 17ten Sept. 1810 auf Veranlassung des Beamten zu Burggemünden von neuem eingezogen. Er hatte eben auf der Werners-Mühle bei Zeilbach, Großherzogl. Hessischen Patrimonial-Gerichts der Freiherrn von Riedesel zu Oberohmen, einen Diebstahl begangen. Schon einige Wochen früher saß zu Burggemünden Elisabetha Reinung, seine 2te Beischläferin. Durch sie war über seine Vergehen einiges Licht verbreitet worden. Er tat alles Mögliche, um sie mit Gewalt zu befreien. Allein sein Vorsatz scheiterte an der Wachsamkeit des Beamten und der Stärke der Bewachung. Racheschnaubend hatte er gedroht, alle seine Kameraden zu sammeln, um sie auf dem Transport nach Gießen dem sie bewachenden Militär zu entreißen. Sie war aber weggebracht worden, ehe er seine Drohung ausführen konnte. Nun wollte er Erkundigung einziehen über ihre Geständnisse. Er schwur, – dies beweisen Zeugen, – den Beamten zu Burggemünden, und seinen Bruder den Criminalrichter, wegen der scharfen Untersuchung, zu ermorden. Allein eben diese törichte Pläne stürzten ihn in das Verderben. Statt die dortige Gegend zu meiden, wo er überall gekannt war, und wo Land – Dragoner und Spionen stündlich auf ihn lauerten, fesselten sie ihn vielmehr daran. Seine Rachsucht und Leichtsinn ließ ihn alle Sorge für persönliche Sicherheit vergessen. Und doch wäre er vielleicht dem Verrat entgangen, hatte er schonender wenigstens mit denen verfahren, die ihn beherbergten. Allein diesem Menschen war selbst Gastfreundschaft nicht heilig, und ganz gegen die auf Klugheit gegründete Regel der Bande, schonte er selbst diejenige nicht, bei denen er Quartier und Zuwandel hatte. Die erste Gelegenheit sie zu bestehlen war ihm die liebste. Beweise hiervon liefern die Diebstähle zu Storndorf, und die von Mornshausen und auf der Werners-Mühle, welche beide seiner ersten und letzten Arretierung kurz voran gingen. In Burggemünden gestand Inquisit eine Menge Verbrechen, die er früherhin hier wiederrufen hat. Dagegen traten einige andere wichtige Diebstähle, namentlich die zu Friedberg, Bärstadt und Haarbach, denen man hier erst auf die Spur kam, an deren Stelle. Die meiste Arbeit machten seine Denunziationen wegen Diebshehlerei und Abnahme gestohlener Sachen, welche etliche und zwanzig nicht unbedeutende Nebenuntersuchungen veranlassten. Unter grinsendem Lächeln weidete er sich mit innigem Seelen – Vergnügen bei Konfrontationen an der Verlegenheit Anderer, worin er sie brachte. Mit Frechheit sagte Er ihnen Alles in das Gesicht und doch nahm er im Juli v. J., mit den früheren Bekenntnissen seiner meisten Verbrechen, auch den größten Teil jener Denunziationen zurück. Wahrscheinlich machte ihm nun die Vorstellung Freude, seine Richter in Verlegenheit zu bringen. Auch bei der Konfrontation mit den auf der Kuhmark beraubten Juden brach er in wohlgefälliges Lächeln aus, als diese die Drangsal und Misshandlungen erzählten, die sie durch ihn und seine, nun größtenteils in Marburg hingerichtete Kameraden, erlitten hatten.

Während seines Arrestes im hiesigen Stockhause machte er mehrere Versuche zum Durchbrechen, die aber immer am Ende der Ausführung misslangen. Das Eine mal deckte er im Angesicht zweier Schildwachen das mit Schiefern gedeckte Dach seines Abtrittes ab, um daraus zu entfliehen. Das Andere mal hatte er die Mauer durchbrochen. Nach dem Misslingen dieser verschiedenen Versuche, welche ihm geschärfte Züchtigungen zuzogen, machte er mit anderen Verbrechern ein Komplott, um sicherer seinen Zweck zu erreichen. Wirklich fehlte nur wenig an der völligen Ausführung, und wahrscheinlich hat man das Misslingen bloß einem Zufall zu verdanken. Fast alle Gefangene von den Räuberbanden waren mit in das Komplott gezogen. Zwei der neuen Gefängnisse waren unter dem Schlafzimmer der Arbeiter angelegt. Von diesen waren einige einverstanden. Sie machten sich eine Communication mit den Inquisiten der unteren Gefängnisse, und reichten ihnen durch ein in dem Fußboden und dessen Decke angebrachtes Loch Diedrichs und andere Instrumente, so sie von Kammzinken, Fenstereisen usw. geschmiedet hatten. Nun brach einer von ihnen durch den Ofen aus, auf den unteren Gang des Stockhauses. Hier öffnete er eine Türe nach der andern. Schon waren die meisten Gefängnisse offen, und die Halbbefreite warteten auf den Augenblick, wo die grade vor der Wachtstube befindliche verschlossene Gangtüre durch den Verwalter geöffnet wurde. Jonas Hoos hatte die Rolle übernommen, mit einer aus einem Ofenloch gezogenen Holzspalte hinter dem Türpfosten auf den Verwalter zu lauern, und ihn beim Eintritt unversehens niederzuschmettern. Dann sollten alle Übrige nachstürmen, die Wache sollte überwältigt und nötigenfalls mit Messern, die sie aus Tür- und Fensterblechen geschliffen und mit hölzernen Stielen versehen, ermordet werden. Hierauf hatten sie sich des geladenen Gewehres bemächtigt, und so mit bewaffneter Hand die Tore oder Stadt- Gräben forciert.

Noch war aber der Augenblick nicht gekommen, wo der Verwalter visitieren ging; noch war eines der am festest verwahrtesten Gefängnisse zu öffnen. Zu diesem saß, neben Mitgliedern der Bande, ein erst vor kurzem eingebrachter Bauer, der noch an demselben Tage in eine Gefangenstube gesetzt werden sollte. Diesem Manne, der durchaus kein Interesse hatte, an dem Komplott Anteil zu nehmen, in das man ihn ziehen wollte, wurde es, als die Andern von außen an der Eröffnung seines Gefängnisses arbeiteten, bange. Er machte daher Lärmen, rief der Schildwache zu und wurde glücklich vernommen, ob ihn gleich diejenige, so bei ihn gesperrt waren, durch die Drehung, ihn zu morden, bald zum Stillschweigen brachten. Mit Vorsicht öffnete nun der Verwalter die Gangtüre des Stockhauses. Die alarmierte Stockhaus-Wache drang sogleich mit aufgepflanztem Bajonett hinein, und gescheucht durch diesen Überfall, krochen die Räuber, die größtenteils sich ihrer Ketten entledigt hatten, zurück in ihre Löcher.

Nach Publikation des Todes-Urteils setzte man den Inquisiten allein in ein Loch und ließ ihn aufschließen. Vorher war er genau visitiert worden. Dennoch fand man nach einigen Tagen ein scharfes Messer bei ihm, wodurch er sich wahrscheinlich abermals einen Ausbruch bereiten wollte. Er gab vor, solches von der Schildwache, die seit dem vorigen Komplott auf Veranlassung Großherzoglicher Regierung in den unteren Gang des Stockhauses gestellt worden war, durch die Klappe erhalten zu haben. Dies aber konnte bis jetzt nicht erwiesen werden.

Charakter

Dieser Mensch ist im höchsten Grad leichtsinnig, aufgeblasen, stolz, feig, grausam und schadenfroh; dabei besitzt er eine gewisse Biegsamkeit und äußere Politur, wodurch er das Schändliche seines Charakters vor denjenigen, die ihn nicht genau kennen, täuschend zu verbergen weiß. Oft sah man ihn in demselben Moment vom Weinen zum ausgelassenen Lachen übergehen. Sein höchster Genuss besteht in der Freude über das Unglück Anderer. Die Geschichte seiner Verbrechen und Untersuchung liefert die Beweise. Die fürchterlichsten Drohungen tat er, nach Zeugen -Aussagen, über die Arretierung seiner Konkubine; in demselben Augenblick überließ er sich alles vergessend dem Taumel ausgelassener Freude. Es war auch durchaus nicht Liebe, was ihn für sie portierte; denn während seines Arrestes fragte er nach ihr mit keiner Silbe. Selbst als sie, nach der Verurteilung, in das Zuchthaus nach Rockenberg abgeführt wurde, trug er kein Verlangen, sie zu sprechen. Grausam und prahlend mit seinen Taten gegen Andere, immer die Rolle eines Anführers affektierend, hielte er feig genug keine Züchtigung von 2 Schlägen aus, ohne zu winseln. Verschwenderisch war er, wenn er Geld hatte; in wenigen Wochen war auch der beträchtlichste Raub schon vergeudet. Bei seiner letzten Arretierung waren noch keine 3 Wochen verflossen, dass er mit fünf Kameraden über 30 Carolins allein an barem Geld auf der Kuhmark geraubt hatte. Doch hatte er schon damals nichts mehr davon übrig, und er musste zu erbärmlichen kleinen Diebstahlen seine Zuflucht nehmen.

Neben ihm in dem Stockhaus saß ein Mitgefangener, namens Anschuh. Der untersuchende Richter hatte sein Gewissen gerührt; auch hatte Anschuh eben eine große Reihe schwerer Verbrechen bekannt, und Furcht für der Strafe ängstigte seine Seele. Zurückgeführt in das Stockhaus fieng er laut zu beten an. Hoos, der dies hörte, trieb seinen Spott mit dem geängsteten Verbrecher. Den Freigeist affektierend, verwies er ihm seinen Aberglauben: „Noch nie hab ich gebetet.“ fuhr er fort „und doch hat mich der Teufel nicht geholt. Ich bin zwar zum dritten Mal hier im Stockhaus, ich will aber auch, ohne Gebet, zum dritten Mal meine Freiheit erlangen. Dann soll das Kochemer- Leben erst von vorne angehen. Es ist wahr, ich war ein Kerl wie ein Teufel. An fünfzehn Bauernhäusern habe ich in einer Nacht den Einbruch versucht. Komm ich aber wieder los, will ich die Kunst anders treiben. Die Bauern sollen nichts damit ausrichten, dass sie ihre Hauser zu verbohlen anfangen.“ – Freilich hat man diese Reden nur aus der Anzeige anderer Verbrecher, die neben ihm saßen; er selbst ist solcher nicht geständig. Allein sie sehen ihm, wie wir wissen, ähnlich, und die es anzeigten, gaben uns in jeder andern Hinsicht unzweideutige Proben besonderer Aufrichtigkeit. – Als Inquisit, nach Bekanntmachung seines Todes-Urteils in ein leeres Gefängnis getan worden, bat er anderen Tages dringend, ihm Gesellschaft zu geben „damit ihm die Zeit nicht so lang würde.“ Man riet ihm, seine Gedanken auf Besserung seines Herzens, auf Gott und Ewigkeit zu lenken. Man stellte ihm vor, zu bedenken, es sei doch möglich, dass einem solchen Verbrecher, wie er sei, im Weg der Gnade, den er zu betreten sich entschlossen, nicht geholfen werde, und ihn dann nichts weiter, als eine beruhigende Aussicht jenseits des Grabes trösten könne. Man eröffnete ihm, dass man dieses alles zu seinem eignen Besten wünsche, und dass man ihm den Rat und Trost eines Geistlichen, wenn er ihn verlange, verschaffen werde. – Dergleichen Äußerungen und Ermahnungen schienen aber nicht nach dem Geschmack des Inquisiten zu sein. Er machte zwar große Augen, als man die Idee in ihm weckte, dass er vielleicht nicht begnadigt werden könne, und kleinmütig fiel er auf die Knie, um für sein Leben zu bitten. Alles übrige aber achtete er nicht. Er ließ alles, was man ihm deshalb sagte, unbeantwortet, – und ebenso machte er es folgenden Tages, als man ihm diese Äußerungen wiederholte. Selbst da der Stockhaus-Geistliche aus freien Stücken ihn besuchte, war derselbe nicht im Stand, Reue und Gefühl für Religion und Moralität, oder den Glauben an Gott und ein anderes Leben, in ihm zu wecken. Er war nicht vermögend, den Leichtsinn den dieser Mensch, bei grenzenloser Feigheit besitzt, zu erschüttern.

Verbrechen

Die Summe sämtlicher Verbrechen, die dem Inquisiten zur Last fallen, und alle untersucht worden, beträgt etliche und sechzig. Bei dem Geständnis folgender hat er wiederholt beharret.

1.) Einbruch auf dem Licher Hof und Entwendung zweier großen Brandweins-Geschirre, vor 5-6 Jahren. Werth 233 fl.

Teilnehmer:

  • Haarbacher Hannes (Joh. Reiz von Haarbach)
  • Mühlarzt (Martin Knaus von Diedelsheim. S.XLI.)

2.) Ohngefähr um dieselbe Zeit Entwendung zweyer Brandweinshüthe zu Södel, Werth 31 fl.

Teilnehmer:

  • Heiden- Peter (Peter Görzel. S. XXIX.)
  • Birklarer Schneider (Joh. Müller aus Birklar, in Marburg bereits hingerichtet.)
  • Mühlarzt
  • Haarbacher Hannes.

Hoos und Heiden -Peter waren, nach ihrer Angabe, eigentlich auf einen Fleisch – Diebstahl in einem Keller vor Södel, mit Haarbacher Hannes ausgegangen. Sie kamen bereits aus dem Keller, hatten aber nichts darin gefunden. Jetzt begegneten ihnen Burklarer Schneider und Mühlarzt, die in Södel Brandweinhüte stehlen wollten. Sie machten nun gemeinschaftliche Sache.

3.) Beraubung eines Frachtwagens bei Friedberg. 1807, Werth circa 550 fl.

Teilnehmer:

Haarbacher Hannes

Hoos war mit Haarbacher Hannes bei einem Schlosser in Friedberg. Sie wollten sich Pistolen kaufen und reparieren lassen. Abends sahen sie einen Frachtwagen bei dem Wirtshaus vor dem Mainzer Tor anfahren. Während der Fuhrmann die eben ausgespannte Pferde in den Stall führt, schneiden sie dessen Kober und ein Paar Stiefel von dem Wagen ab. In dem Kober (einem geflochtenen verschlossenen Kästchen mit Leder überzogen) fanden sie 140 schwere Thaler in preußischer Münze, 2 Fuhrmanns- Kittel, ein Hemd und sonstige Kleinigkeiten.

4.) Weitere Beraubung von Frachtwagen zu Wolfshausen. Werth unbestimmt.

Theilnehmer:

  • Haarbacher Hannes
  • Mühlarzt

Nach obigem Diebstahl zogen die Diebe auf einen Strauß in die Gegend von Marburg aus. In Wolfshausen fanden sie mehrere Güterwagen auf der Landstraße. Es war Wache dabei, und von den geladenen Effekten ließ sich nichts, was sie brauchen konnten, in der Geschwindigkeit hinwegbringen. Sie begnügten sich daher mit den aufgebundenen Habseligkeiten der Fuhrleute. Nach dem Geständnis Hoosen’s nahmen sie 3 Fuhrmanns – Röcke und 8 Säcke. Der Wirt, vor dessen Haus die Wagen hielten, und den Schaden mit tragen musste, gibt an, dass auch noch Stiefel und einige sonstige Kleidungsstüe entwendet worden.

5.) Qualifizierter großer Diebstahl zu Haarbach Unterförster Müllers Witwe. Frühjahr 1807

Teilnehmer:

  • Haarbacher Hannes
  • Heiden – Peter
  • Johann Georg Wehrt vulgo Speckbart. (S. II.)

Die Diebe hatten die seltene Kühnheit, diesen Einbruch früh Abends zu verüben, als noch alle Leute im Dorf munter waren. Die Hausfrau und ihr Sohn waren zu Andern spinnen gegangen – und hatten das Haus verschlossen. Die Diebe hatten sich aber auf den Fall des Angriffs mit Degen und Pistolen vorgesehen. Das Haus wurde ausgeleert, und selbst das Bett mitgenommen. Einen verschlossenen Koffer trugen sie in den Garten und schlugen ihn mit Steinen auf. Porzellan und was sie nicht mitnehmen mochten, wurde zertrümmert. Der Wert des Entwendeten, ohne den sonstigen Schaden, ist eidlich erhärtet auf 104 fl. 2 kr.

6.) Einbruch zu Bärstadt in der Urhahnischen Burg, bei Rath Ehrlicher

Theilnehmer: Die Vorigen

Dieser Diebstahl folgte kurz auf den vorher erwähnten. Mittelst einer Leiter passierten die Diebe den Wassergraben, den die alte Burg umzog, und legten Schild ein (brachen ein) in die Küche. Hoos hielt Wache mit geladener Pistole. Kupfer und Zinn, das nach Münzenberg an den Juden H** A* * verkauft wurde, war die Ausbeute. Der Wert war nicht unbedeutend, genau aber nicht mehr auszumitteln, weil Rath Ehrlicher und seine Frau verstorben sind, und der Schultheiß, der sich übrigens desselben wohl erinnert, davon bei Amt keine Anzeige machte.

7.) Beraubung einer Schäferhütte bei Heblos und Entwendung eines Bettes, Sommer oder Herbst 1808. Werth unbestimmt.

Teilnehmer: Hildebrands-Heinrich (Heinrich Euler von Freiensteina, sitzt dermalen in Würzburg.)

8.) Diebstahl mit Einsteigen bei dem Schuhmacher Joh. Heinrich Post zu Salzschlirf. Sept, 2808, Werth 50 fl. 8 kr.

Teilnehmer:

  • Hildebrands-Heinrich
  • Joseph Schmitt aus dem Hanauischen. (hingerichtet zu Marburg im Oktober 1813.)

9.) Kleider- Diebstahl zu Burgholz, im Werra-Departement Königreichs Westphalen. Sommer 1810, Werth 122 fl. 11 kr.

Teilnehmer:

  • Johann Melchior Balthasar Barthel von der Velte, vulgo Barthel, auch Müller-Barthel. (Zu Marburg hingerichtet im Frühjahr 1812.)
  • Johann Philipp Vogt, sich auch Thielemann nennend, gewöhnlich Bruchschneiders Hannes genannt. (Mit jenem am 31ten Jenner 1812 zum Tod verurteilt.)

10.) Einbruch und Diebstahl zu Storndorf, bei Butterführer Joh. Heinrich Heimbach. Sommer 1810. Werth etliche und 70 fl.

Theilnemer: Die Vorigen

11.) Kessel – Diebstahl zu Niedercleen, im Werra-Departement. Sommer 1810. Werth 9 fl.

Teilnehmer: Die Vorigen.

12.) Kessel-Diebstahl zu Hassenhausen, mit Einbruch, Sommer 1810. Werth 35 fl.

Teilnehmer: Die Vorigen

13. – 15.) Drei Kessel- Diebstähle in Einer Nacht, jeder mit Einbruch, zu Belnhausen. Sommer 1810, Werth 52 fl.

Teilnehmer: Die Vorigen

16.) Tentierter Uhr- Diebstahl zu Meiches, Großherzogl. Hess. Amt Ulrichstein. Sommer 1810

Teilnehmer: Die Vorigen

Die Diebe wollten eine Uhr entwenden, die Barthel vorher ausgesehen hatte. Sie stiegen einer Leiter hinauf, und hatten die Verwegenheit, das Fenster in derselben Stube zu öffnen, worin die Hausleute zu schlafen pflegten. Es entstand aber Lärm und die Diebe entflohen.

17.) Straßenraub unter lebensgefährlichen Misshandlungen auf der Kuhmark, zwischen Sichertshausen und Allensdorf, einige Stunden von Gießen, 28. August 1810

Teilnehmer:

  • Barthel
  • Bruchschneiders Hannes
  • Birklarer Schneider  (sämtlich deshalb zu Marburg zum Tod versurteilt den 31. Jan. 1812)
  • Caspar Huthmann
  • Heinrich Fritz, des vorigen Schwager (noch in Freiheit)

Der Israelit Assor Stern von Ebsdorf, Werra – Departements Königreichs Westphalen, und dessen jüngste Söhne, wollten in Gesellschaft des jüdischen Handelsmanns Michel Drucker von Ockershausen, bei Marburg, den Gießer Jahrmarkt besuchen, als sie bei Tagesanbruch, am genannten Platz, unterwegs von den Räubern angegriffen wurden. Drucker wehrte sich mit Vorteil und entsprang, Die andern wurden sämtlich zu Boden geschlagen, und unter grausamen Misshandlungen beraubt. Das entwendete bare Geld bestand, laut eidlicher Würdigung, in mehr denn 36 Carolins. Ausserdem nahmen die Räuber dem älteren Sohn eine silberne Uhr. Er hatte ein Paar neue Stiefel an; auch diese zogen ihm die Räuber aus. Weil diese noch nicht ausgetreten waren und deswegen nicht gleich, wie die Räuber zogen, ausgingen, drohte ihm Einer, mit gezucktem Messer, die Füße abzuschneiden. Einige der Räuber knieten oder standen ihm auf der Brust, andere schlugen ihn unaufhörlich. Ein Viertel Jahr lang musste er, wegen des erlittenen Schadens an seiner Gesundheit, den Arzt gebrauchen, und noch immer ist er, seit dem Vorfall, mit Engbrüstigkeit behaftet. Sogar des alten Sterns baumwollene Kappe verschmähten die Räuber nicht. Hoos verkief sie einige Stunden darauf in einer Mühle für 3 Batzen. Zur Zeit dieses Raubes war Hoosens Beischläferin bereits in Burggemünden verhaftet.

18.) Diebstahl auf der Werners- Mühle bei Zeilbach. Herbst 1803. Werth 9 fl. 54kr.

Ohne Teilnehmer


Den 7ten Febr. 1812 wurde die Untersuchung geschlossen. Tags darauf wurden die Akten an Großherzogl. Hofgericht eingeschickt, und mit diesen die gegen seine Beischläferinnen Angelica Krämer und Elisabetha Reinung, sowie gegen Kunigunde Kreisin von Odenhausen und 16 angegebene Abnehmer.

Durch Urteil Großherzoglichen Hofgerichts vom 1ten May 1812, eingelangt den 5ten und öffentlich bekannt gemacht den 9ten ejusdem, wurde Jonas Hoos zur Hinrichtung mit dem Schwert, Krämerin zu 4jähriger Zuchthausstrafe und demnächstigen Landesverweisung, Reinungin zu 1 1/2 jähriger Zuchthausstrafe und demnächstiger weiterer Beibehaltung im Korrektions-Haus auf unbestimmte Zeit, und Kunigunde Kreis, unter Anrechnung ihres bisherigen Arrestes als eigentliche Strafe, zu weiterer unbestimmten Beibehaltung im Korrektions-Haus – verurteilt; Das um Weg der Gnade angebrachte Gesuch des Jonas Hoos um Verwandlung der Todesstrafe in Zuchthausstrafe wurde von Hessens ebenso gerechten als milden Beherrscher unterm 20ten Juli 1812 abgeschlagen.

Am 14ten July 1822 wurde das Urteil vollzogen. Nie starb ein Mensch kleinmütiger, als der vorbeschriebene Verbrecher. Schwebend musste er zum Schafott hinaufgetragen werden, und seine letzten vernehmlichen Worte waren das Flehen um Gnade und Brandwein. Drei Tage vor der Hinrichtung wurde ihm die Bestätigung des Urteils und der Tag der Vollziehung bekannt gemacht. Zitternd hörte er zu; aber ein Anflug von Lächeln zeigte sich in seinen Mienen, als man ihn auf höhere Verordnung aufforderte, sich zu erklären: Ob er einen Geistlichen seiner Religion beigegeben zu haben wünsche? Lange verweigerte er hierauf die Antwort. Endlich sagte er: „Es ist mir einerlei, wenn ich einen Geistlichen haben muss, so geben Sie mir, welchen Sie wollen.“ Da kein reformierter Geistlicher in der Stadt war, sondern erst verschrieben werden musste, so wurde er einstweilen von dem lutherischen Stockhaus -Prediger besucht.

Tags nach der Bekanntmachung verlangte er katholisch zu werden, und brauchte zum Vorwand, dass ihm der lutherische Geistliche zu scharf zurede, und die katholische Religion, die er bei seinen Weibsleuten kennen gelernt, ihm weit besser gefalle. Man ließ ihm hierauf einen katholischen Geistlichen zukommen. Dieser erklärte aber: „er könne binnen der kurzen Frist ihn nicht in der katholischen Religion unterrichten.“ Hierauf war es eigentlich abgesehen. Hoos hoffte dadurch die Hinrichtung zu verschieben, denn er dachte, dass ihm nun Zeit zum Unterricht verstattet würde.

Wie er sah, dass nicht darauf reflektiert, und ihm ein reformierter Geistlicher von Amtswegen zugeschickt wurde, äußerte er das Verlangen, seine Frau (oder vielmehr Beischläferin) zu sprechen. Er wusste, dass solche zu Marienschloß saß, und dass sie binnen der kurzen Frist, die ihm noch zu leben vergönnt war, nicht herkommen konnte. Man eröffnete ihm daher geradezu, dass seinem so spät geäußerten Verlangen nicht willfahrt werden könne, dass aber, wenn er etwas an sie zu bestellen habe, solches besorgt werden solle. Nun fing er an laut zu heulen, und verbarg sein Gesicht mit den Händen. Ein Anwesender rief ihm zu: „Pfui, du alte Hure! Ist das auch ein Betragen für einen Spitzbuben wie du bist?“ Plötzlich tat er die Hände von dem Gesicht, und lachte laut auf. „O er weint auch nicht“ sagte er, „Weinen und Lachen muss man in einem Sack haben.“

Dreißig Stunden vor seinem Ende besuchte ihn der untersuchende Richter, weil man ihm gemeldet hatte, dass es dem Stockhaus – Geistlichen zum ersten Mal gelungen sei, sein Gewissen zu erschüttern, und dass er nunmehr äußerst betrübt scheine, und seine durch Zittern usw. schon mehr bewiesene Todesfurcht auf das höchste gestiegen sei. Wie er hinkam, fand er denselben beim Abendessen; er hatte einen Schoppen guten Wein zu 24 kr. vor sich. Er fragte ihn, ob ihm der Wein schmecke, der ihm zu seiner Stärkung gereicht worden? „Der Wein ist gut”, sagte er, „ich habe ihn aber doch schon besser getrunken.“ Eine solche Antwort von einem Vagabunden befremdete einen der Anwesenden. Er fragte: „Wo hast du denn den herbekommen? den wirst du gestohlen haben“, –  „Nein, gestohlen habe ich ihn nicht, aber genommen“, erwiderte Hoos. Und nun führte er an, wie zu der Zeit, als er noch bei den Fuhrleuten gedient, manchmal von ihm Fässer angebohrt, und sehr guter Wein herausgezogen, dafür aber Wasser hineingeschüttet worden. Der Richter fragte ihn; Ob er denn diese Handlung für erlaubt halte? ,,O warum nicht?“ sagte er, „könnte ich es nur noch einmal tun, das Gut, das man fährt, darf man auch genießen.“

Diese wenige Züge werden die Richtigkeit der obigen Schilderung beweisen.

II.) Johann Georg Wehrt, von Wenholthausen, Herzogtums Westfalen, mit dem Beinahmen Speckbart

Signalement

Alter 67 Jahr. Größe 5 Schuh, 7 Zoll. Statur lang und schmahl. Gesichtsform länglich. Haare schwarz und grau. Augenbraunen desgleichen. Stirn gewölbt, hoch und schmal, Augen dunkelbraun. Nase mehr klein als groß, unten breit. Mund klein. Kinn rund und breit; unter demselben legt sich die Haut etwas in Falten. Bart graulich; ganz graue Backenbärte, Religion katholisch.

Er hat eine Frau, Namens Anna Maria, geboren Baumannin; sie hat ihren Aufenthalt im Herzogtum Westphalen. Sein Sohn, Johann Peter, ist zu Minkhausen, Gerichts Oberkirchen, Herzogtums Westphalen, verheiratet. Von zwei Töchtern halt sich die eine bei der Mutter auf, die andere versieht Magddienste.

Gestandene Verbrechen

Außer einigen unbedeutenden Diebereien:

1.) Straßenraub zwischen Wohnertshausen und Hallenberg, am Stadtschreiber Mause. Den 7ten April 1798

Teilnehmer: Henricus Schmitt, aus dem Herzogtum Westphalen gebürtig.

Der Raub geschah ohne besondere Misshandlungen oder merkwürdige Umstände. Die geraubten Sachen bestanden in einer goldenen Uhr und 5 Rthlr. an Geld.

2.) Straßenraub bei Rinthe, im Wittgenstein-Berlenburgischen, dermalen zu der Provinz Oberhessen gehörig, an Johannes Weber von Bermershausen.

Teilnehmer: Henricus Schmidt

Dieser Straßenraub geschah kurz nach dem vorigen, ebenfalls ohne besondere Misshandlungen. Die Räuber nötigten den gedachten Mann auf der Straße seine Kleider auszuziehen und sie ihnen zu überlassen. Sie gaben ihm dafür einige ihrer Lumpen. Wehrt gibt an, dass der Raub nicht sowohl aus Gewinnsucht geschah, als um sich durch die Kleider unkenntlich zu machen.

3.) Großer, durch Waffen und Einbruch qualifizierter Diebstahl zu Haarbach

4.) Ähnlicher Diebstahl zu Bärstadt

Das Nähere über beide genannte Diebstähle ist bereits unter Jonas Hoos (I. sub 5 et 6.) erörtert. Inquisit war kurz vor Begehung jener Diebstähle (1807) mit Heiden-Peter und Hessen-Hannes zu Ziegenhain, wo er bereits 9 Jahr gesessen, ausgebrochen, und hatte sich nun in die Wetterau geflüchtet.

Kurze Lebensgeschichte des Inquisiten

Schon in seiner frühesten Jugend zeichnete er sich als gefährlicher Landstreicher aus. Verschiedene Male verhaftet, wurde er ohne gründliche Untersuchung von den adligen Gerichten, gegen Bezahlung der Kosten, an Österreichische Werbung abgegeben. Wegen mehrmaliger Desertion wurde er nach abermaliger Verhaftung von der Werbung nicht mehr angenommen. Nun bestand seine Strafe in Landesverweisung. Noch etlichemal kam er bei den Westfälischen Gerichten in Arrest und entging der Untersuchung durch Ausbruch. Er wurde endlich auf Veranlassung der obigen Räubereien im Wittgensteinischen gefänglich eingezogen, und auf unbestimmte Zeit zu Ziegenhain eingesperrt. Nach 9 jährigem Arrest brach er hier aus, und erneuerte die Laufbahn seiner Verbrechen.

Character

Dieser scheint sich während des letzten Arrestes zum Vorteil des Inquisiten verändert zu haben. Er ist dermaßen ordnungsliebend, nachgebend und gelassen.

Die Akten wurden mit denen contra Jonas Hoos zur Entscheidung eingeschickt. Durch Urteil vom 1ten Juni 1812 wurde Johann Georg Wehrt zu lebenslänglicher Zuchthaus-Strafe verdammt. Er beruhigte sich bei dem Urteil.


III.) Andreas Thron, vulgo Neunfingers-Andres

Signalement

Alter 25 Jahr, auch wohl etwas darüber. Geburtsort: Ilbshausen, in der Provinz Oberhessen. Gewerbe: Mahnenmacher und Gauner, ehemals Österreichischer Soldat. Größe: 5 Schuh 2 Zoll 3 Strich. Statur: proportioniert, etwas korpulent. Gesichtsform: oval. Haare: schwarzbraun; vornen kurz, hinten lang geschnitten. Augenbraunen von gleicher Farbe. Bart und Backenbärte: rötlich-braun und ziemlich stark. Stirn gewöhnlich, Augen ziemlich groß und hellgrau, Nase klein und spitz. Mund klein, mit vollen Lefzen. Kinn schmal, rund und gespalten. Gesichtsfarbe gut und frisch. Besondere Zeichen: der Augapfel im linken Auge scheint etwas verschoben. Haltung: grad und militärisch.

Seine Beischläferin heißt Anna Barbara Sippelin. Auch sie ist verhaftet. Ihre Mutter starb vor mehreren Jahren in dem hiesigen Stockhaus, und führte den Namen Maria Anna Müllerin. Ihre Schwester ist die berüchtigte Maria Margaretha Müllerin oder Germerothin, und führt vulgo den Namen Aenches-Grith. Diese saß ehemals auch im hiesigen Stock- und Zuchthaus, zur Zeit der ersten Gefangenschaft ihres Beischläfers Ludwig Hofmann (VI.) Späterhin kam sie in das Fulder Stockhaus, woraus sie zweimal desertierte. Sippelin ist von böser Rasse, und hat selbst einige kleine Diebstähle begangen.

Schicksal

Der Vater des Inquisiten, Namens Johann Andreas Thron, war aus dem ehemaligen Niederhessen gebürtig. Auch er war ohne bleibenden Wohnort, trieb aber in früherer Zeit die Steinhauer-Profession. Bei dem Bau der Keltersbacher Kirche verlor er einen Daumen und wurde daher Neunfinger genannt. Wegen dieses bei der Arbeit erlittenen Unfalls bekam er, nach unverbürgter Angabe des Inquisiten, einen Pass für das Inland, und nährte sich teils von Almosen, teils von Leinweberarbeit und Knopfmachen.

Verbrechen sind von des Inquisiten Eltern keine bekannt. Er gesteht vielmehr, dass er von ihnen zum Guten unterrichtet worden. Doch behauptet er keine Schule besucht zu haben. Nach dem Willen seiner Eltern, – die Mutter ist katholisch, – nahm er die katholische Religion an. Frühzeitig ließ er sich unter das Österreichische Militär anwerben, und stand sieben Jahre unter dem Infanterie-Regiment Graf Bellegarde. Seine erste Garnison war Venedig. Späterhin wurde er bei Ulm gefangen, und ranzionierte sich selber. Er ging wieder zu dem Regiment, und wurde bei Regensburg abermals gefangen. Auf dem Transport desertierte er aus einer Scheune, und begab sich zurück in sein Vaterland. Hier lernte er auf dem Vogelsberg seine Beischläferin kennen. Bald geriet er durch sie in nähere Bekanntschaft der Gauner. Der lange Friedrich (Friedr. Adam Thomas) und Schrubger (Joh. Adam Frank) engagierten ihn auf der Zeilbacher Mühle zuerst unter ihre Bande. Von ihnen wurde er in der Räuber Sprache und Manieren unterrichtet. Auf ihr Anstiften debütierte er mit dem Braukessel-Diebstahl zu Obergleen. Bei  den zunehmenden Sicherheits-Anstalten hier im Land, sah er bald die Gefahr ein, worein er sich stürzte.

Vielleicht trug Friedrichs tyrannisches Benehmen dazu bei, vielleicht verspürte er, wie er behauptet, Reue; kurz, er fasste, wenn wir ihm glauben, den Entschluss, sich von der Bande abzubegeben. So viel ist richtig; in den letzten Jahren war er ein fleißiger Arbeiter, und außer den drei von ihm eingestandenen Diebstählen, – sie fallen in eine sehr beschränkte Periode, – sind keine weiter gegen ihn angezeigt.

Charakter

Weichherzig, leichtsinnig, bigott, wahrheitsliebend, furchtsam.

Verbrechen

1.) Diebstahl eines Braukessels zu Obergleen, A. Kir…, Sommer 1809

Teilnehmer:

  • Friedrich Adam Thomas, genannt langer Friedrich (XIL.)
  • Leonhard Lang, vulgo Haun-Lenert, (Schwager des Vorigen.) (X.)
  • Johann Adam Frank, vulgo ältester Feldscheers Jung, auch toller Hann-Adam oder Schwubger (XIX.)

Die Diebe waren mit einer Axt, einem Meisel, Steen und Kissen (Diebssäcken) versehen. Ob sonstiges Gewehr geführt worden ist ungewiss. Der entwendete Braukessel hielt 4 Ohm. Genau lässt sich der damalige Wert nicht bestimmen. Die Gemeinde kaufte einen alten, der nicht so gut war, und bezahlte 180 fl. Für einen neuen von gleicher Größe wurden ihr 400 fl. gefordert.

2.) Diebstahl des Braukessels zu Elpenrod, A. Homburg an der Ohm. Sommer 1809

Teilnehmer:

  • Kannengießers Hannes, vulgo Hessen..nengießer.
  • Johann Adam Frank (XIX.)
  • Heinrich Ritter, vulgo kleiner Heinrich, Heinrich mit der Geige, Hennerle, oder jüngster Feldscheer-Jung, Stiefbruder des Vorigen (XX.)

Von Ilsdorf gingen die Diebe zu diesem Diebstahl aus. Sie waren auf gleiche Weise, wie bei dem vorigen, gerüstet, Thron und kleiner Heinrich standen Wache. Kannengießer und Frank stiegen durch die geöffnete Spalte. Sie zwängten von innen die Türe des Brauhauses mit einem Meisel auf. Als der Kessel losgebrochen und zur Türe hinausgeschafft war, rissen sie Hopfenstangen aus einem nahe gelegenen Garten, banden den Kessel daran und trugen ihn alle vier in den benachbarten Wald. Hier zerhieben sie ihn, trugen das Kupfer dann weiter, und versteckten es zwischen Rülfenrod und Otterbach. Von hier, aus dem Wald, wurde Neunfingers Andres nach R*** zu dem reichen L* M** geschickt, um es zu verkaufen. Dieser ehrliche Mann war der Bande längst als ein Kochemer Kaim (Jude, der gestohle Sachen kauft) bekannt, und hatte ihnen erst jüngst den Obergleer Braukessel versilbert. Auch diesmal wurde er des Handels bald einig. Der Abgesandte wurde mit allen Ehren empfangen, und hatte die Artigkeit, ihm das Pfund zu 24 kr. zu überlassen. Thron kam von seiner Ambassade zurück. Mit einem von dem Juden mitgenommenen Beil, (die Axt der Diebe hatte Schaden gelitten) sollte das Kupfer sobald es Abend geworden, kleiner gehauen, und dann in Trag-Körben dem Juden überbracht werden; – so war es verabredet. Throns Kameraden hatten sich bis dahin im Dorf zerstreut. Schwubger hatte sich auf Abschlag bei dem Juden ein Paketchen guten Tabak genommen. Schon nahte der Abend, und die Diebe zogen in den Wald, ihre Arbeit zu verrichten. Aber zu ihrem großen Schrecken erblickten sie die Streifung an dem Orte des verborgenen Schatzes. Jäger und bewaffnete Bauern hatten sich der Früchte ihrer nächtlichen Arbeit bemächtigt. Zwar nicht der Kessel, aber doch das Kupfer davon, war wieder in der Eigentümer Hände. Für die Diebe war nun kein Bleiben. Erschrocken flohen sie nach allen Seiten. Erst andern Tags sammelten sie sich am bezinkten Emmes, (bezeichneten oder verabredeten Platz) im Weitershainer Wald bei ihren Weibern. Sie alle hatten ihre Kisse (Diebssäcke,) und Heinrich Ritter noch überdies sein Schnupftuch, mit dem gewesenen Kessel verloren. Schon vorher hatte Thron, durch einen wachsamen Hund gejagt, bei Elpenrod seine Ulmer Pfeife eingebüßt. Nun sollte des Jammers noch mehr werden. Langer Friedrich hatte Thron zu seiner Bande angeworben. Es war ihm zu Ohren gekommen, dass subalterne Menschen seiner Rotte, (so wenigstens betrachtete er die Andern) sich erkühnt hatten, den Elpenröder Braukessel, nach dem ihm selbst längst der Sinn gestanden, ohne seine Erlaubnis zu stehlen. Es war ihm ärgerlich, dass er, selbst in der Gegend, nicht den Gewinn, aber die Gefahr der Verfolgung mit den Andern teilen sollte. Mit Pistolen bewaffnet kam er jetzt auf den Feuerplatz. „Wer untersteht sich, ohne mein Wissen und Willen zu stehlen, wo ich zugegen bin?“ fuhr er die Diebe an. Thron erfuhr zuerst seine Misshandlung, und hätte mit dem Leben büßen müssen, wenn nicht Kannengießer, der mehr wie die andern im Respekt stand, den Mittler gemacht hätte. Dieser nahm den Friedrich auf die Seite, sagte, er sei der Mann, der den Diebstahl veranlasst habe, der Kessel liege aber noch in dem Wald verborgen, und er wolle nun mit Friedrich hingehen, ihm den Platz zeigen und das Kupfer ohne Vorwissen der Andern abholen. Friedrich, durch den Gewinn gelockt,- stand ab von weiterer Rache, und ging mit Kannengießer aus, in der Absicht, den versteckten Kessel heimlich abzuholen. Dieser aber fand sich nicht; denn er war, wie wir wissen, stückweise bereits wieder in der Eigentümer Hände.

Der Elpenröder Braukessel hielt übrigens eine Ohm mehr als der Obergleer. Obgleich die Bestohlenen das Kupfer wieder erhielten; so belief sich ihr Schaden dennoch, laut beigebrachter Rechnung, auf 172 fl. 20 kr.

3.) Einbruch und Wäschediebstahl bei Adolph Rahn, zu Stockhausen, Amt Grünberg. Sommer 1809, vier bis fünf Tage nach dem vorigen Diebstahl

Teilnehmer:

  • Heinrich Ritter
  • Andreas Frank, vulgo Clare-Andres, auch langer Andres oder Husaren-Jung, Stiefbruder des Vorigen
  • Heinrich Zapf, vulgo Sing-Michels-Heinrich

Kannengießer und Schwubger waren von Thron getrennt; er zog nun mit Heinrich Ritter nach Lautern. Hier trafen sie Sing» Michels-Heinrich und Clare-Andres. Diese waren eben von Stockhausen zurückgekommen. Dort hatten sie gefechtet (gebettelt) und erzählten, dass sie ein Stück Brod (eine Gelegenheit zu stehlen) dabei ausersehen. Ritter und Thron ließen sich zureden und gemeinschaftlich zogen sie aus, dieses Stück Brod zu verdienen. Gerüstet mit Stecken, Meisel und Diebssacken erschienen sie um Mitternacht vor dem Haus des Mooren-Kaffees, (des zu Bestehlenden ). Es hatte ringsum eine über Manns-hohe steinerne Grundmauer; ohne Leiter war nicht gut anzukommen. Allein die Anstiebeler (Anstifter) dieses Diebstahls hatten vorher ausgemacht, dass an der hintern Seite des Hauses, im Garten, ein Waschtisch stand. Er war hoch genug, um sie über die Mauer zu erheben. Sie bedienten sich seiner statt der Leiter. Auf ihm stehend, durchbrachen Einige mit dem Meisel, grade über der Grundmauer, ein Gefach, und gelangten so in die untere Stube. Hier befand sich die Wäsche, und auf diese war es abgesehen. Sie stahlen achtzehn Hemder und einige Tisch- und Hand-Tücher, welche sämtlich noch in dem Waschzuber eingeweicht waren; dann weiter 90 Ellen teils flächsen, teils wirken Tuch, so erst Tags vorher von der Bleiche gekommen 3; einige Weibsröcke, Strümpfe usw. – Die Weibsleute wurden nach der Teilung von ihren Beischläfern nicht vergessen. Der Wert des Entwendeten beträgt, laut eidlicher Würdigung, gegen 60-70 Gulden.

Den 10ten Febr. 1812 gingen die Untersuchungs-Akten gegen Andreas Thron, dessen Beischläferin Anna Barbara Sippelin, und einen dritten Verdächtigen, an Großherzogl. Hofgericht zur Entscheidung ab. Am 20ten Mai 1812 wurden Thron zu sechsjähriger und Sippelin zu vierjähriger Zuchthausstrafe, und letztere noch obendrein zu weiterer Beibehaltung im Korrektions-Haus auf unbestimmte Zeit und bis zu abgelegtem Beweis einer wahrhaften Besserung, -verurteilt. Thron beruhigte sich bei dem Urteil, Sippelin aber machte Gebrauch von einem Rechtsmittel.


IV.) Johann Heinrich Dönges, genannt Kätten- Heinrich

Signalement

Er ist 25 Jahr alt, Landstreicher, geboren zu Eichelhain, Patrimonial-Gerichts Engelrod, katholischer Religion, 5 Fuß 7 Zoll groß, länglicher Gesichtsform, schmahler Statur, blonder Haare, brauner Augenbraunen, ohne Bart, hoher Stirne, blauer Augen, länglicher Nase, kleinen Mundes, runden Kinns, bleicher Farbe.

Schicksal und Familie

Sein Schicksal ist, so viel wir wissen, ohne besonderes Interesse, – das eines gemeinen Landstreichers. Wir begnügen uns daher, sein Familien-Verhältnis kürzlich zu berühren. Sein Vater hieß Jacob Dönges, war ein Mauerer von Profession, und zuletzt Kuhhirte. Seine Mutter, Catharina Bauerin, lebt noch, und zieht auf dem Land umher. Seine Schwester Anna Barbara Ursula Dönges ist Beischläferin des Kalkhannes (No. VII.)

Des Inquisiten ebenfalls in Gießen verhaftete Beischläferin heißt Anna Elisabetha Eva Boß. Ihr Vater, aus Maar gebürtig, war lange holländischer Soldat, und starb als Landstreicher auf dem Vogelsberg« Sie ist lutherischer Religion, war ehemals Zuhälterin des berüchtigten Gauners und Dieb Kaisers-Konrad, und hat von diesem 2 Kinder,

Charakter

Unbesonnen, beschränkten Verstandes, gleichgültig, verdorben.

Verbrechen

Zwölf zu Burggemünden eingestandene Diebstähle hat er hier widerrufen. Bei dem Geständnis folgender Verbrechen, wovon einige erst durch die hiesige Untersuchung auf ihn gebracht worden, hat er wiederholt beharret.

1.) Großer durch Waffen und Einbruch qualifizierter Diebstahl zu Reinhards, im Großherzogtum Frankfurt. May 1808

Der Bestohlene, Johannes Berthold, hat seinen Verlust an Kleidern, Weißzeug, Tuch, Garn usw. auf 456 fl. 7 ½ kr. eidlich erhärtet.

Teilnehmer:

  • Druckers-Peter (Peter Lc
  • Johann Adam Frank,
  • Heinrich Ritter,
  • Johannes Lehn 2ter (in Fulda verhaftet)
  • Singmichels-Jung (Joh. Michael Schmitt)

2.) Durch Waffen und Einbruch qualifizierter Diebstahl auf der Seipels- Mühle bei Lisberg.

Teilnehmer:

  • Leonhard Lang
  • Druckers-Peter
  • Johannes Lehn 2te
  • Andreas Lehn (Bruder des Vorigen, sitzt in Fuld)
  • Johann Heinrich Ritter

Die ganze Beute bestand in einem kupfernen Waschkessel a 33 fl. und einem Dutzend zinnernen Löffeln. Auf den Schlagknecht welcher Nachts gegen 2 Uhr aus der Mühle ging, um Wasser zu holen, wurde von Einem der Diebe, angeblich Druckers-Peter, Feuer gegeben, doch ohne zu treffen.

3.) Durch Waffen und Einbruch qualifizierter Diebstahl auf dem Richthof, einem Gräfl. Görzischen Guth und Schloss. Sommer 1809.

Teilnehmer:

  • Heinrich Pfeiffer (um Main ertrunken)
  • Druckers-Peter
  • Johannes Lehn 2te
  • Ludwig Hofmann aus Fuld (VI.)
  • Johann Adam Frank (XIX.)
  • Johannes Stahl, genannt Kalkhannes (VII.)

Bei diesem Diebstahl waren mehrere von den Dieben mit geladenen Pistolen bewaffnet. Der Einbruch wurde an drei Stellen versucht, und zum Teil mit großer Gewalt vollführt. Durch das Klingeln eingeschlagener Türfenster geweckt, kam endlich der Nachtwächter hinzu. Einer von den Dieben gab Feuer, doch ohne zu treffen, und sie alle retirierten. Die Beute, welche sie davon brachten, war unbedeutend, größer aber der angerichtete Schaden. Dieser ist, ohne das, was im Treibhaus und Garten an Gewächsen aus Mutwillen ruiniert worden, zu 25 fl. 45 kr. berechnet. Merkwürdig ist dieser Einbruch besonders um deswillen, weil er die ganze Gegend in Aufruhr brachte, und zwei der Täter, Hofmann und Stahl; schon damals den Händen der Justiz überlieferte.

Auch das Jahr zuvor (1807) war ein Einbruch auf diesem Schloss geschehen, und Bettwerk usw., daraus entwendet worden. Pfeiffer soll jenen Angriff geleitet haben; die übrige aber, welche hier sitzen, leugnen, dass sie dabei gewesen.

4.) Diebstahl von 4 Tauben und einem Wagenrad zu Westwellenrod.

Teilnehmer:

  • Druckers-Peter
  • Joh. Lehn 2te.
  • Joh. Adam Frank

Wert circa 5 fl. Der Diebstahl geschah in dem Stall des Jacob Lein vor ungefähr 3 Jahren

5.) Diebstahl von 3 Schafen ebendaselbst

Teilnehmer:

Druckers-Peter, Wert ungefähr 12 fl. Dieser Diebstahl geschah 24 Tage nach Obigem, bei Balser Hofmann

6.) Diebstahl von 3 Schafen zu Bannerod

Geschah im Herbst vor 3-4 Jahren, bei Joh. Heinrich Schwalbach, ebenfalls aus einem Stall, Teilnehmer:

Michael Borgener, genannt Pohlengängers Michel (XVIII.)

  • Druckers-Peter
  • Job. Lehn 2te
  • Andreas Lehn

Wert circa 22 fl.

7.) Schafdiebstahl bei Joh. Heinrich Eurich zu Rademühl

Teilnehmer:

  • Joh. Lehn 2te
  • Heinrich Euler von Freiensteina, vulgo Hildebrands-Heinrich (in Würzburg verhaftet)

Die aus einem unverschlossenen Schafstall vor etwa 4 Jahren gestohlene 4 Schafe sind auf 20 Gulden gewürdigt.

8.) Diebstahl eines Futtermessers auf der Hecken-Mühle

Teilnehmer:

  • Druckers-Peter
  • Joh. Lehn 2te

Wert 2–3 fl. Es wurde angeblich für 40 kr. nach Reinhards verkauft.

9.) Diebstahl von 4 Schafen zu Holzmühl, Patrimonial- Gerichts Freiensteina, 16./17. Juni 1806

Der Schafstall war verschlossen, und der Bestohlene, Joh. Georg Firnges, hat den Wert auf 20 fl. eidlich erhärtet.

Teilnehmer:

  • Johann Georg Pfeiffer, vulgo Weisb. Hann-Görg (XVII])
  • Michel Borgener,
  • Bambergerchen

10.) Flachs-Diebstahl auf der Mühle bei Heisters

Teilnehmerin: Anna Barbara Ursula Dönges, des Inquisiten Schwester

Wert 3 fl. 30 kr.

11.) Diebstahl von 4 jungen Schweinen bei Eichelhain.

Teilnehmer:

  • Joh. Lehn 2te,
  • Druckers-Peter,
  • Joh, Adam Frank

Wert circa 12 fl.

12.) Bienen-Diebstahl zu Buchenrod, Fuldischen Amt Neuhof

Geschah Michaeli vor 4 Jahren, bei Nicol. Kuhlmann junior.

Teilnehmer: Johannes Stahl.

Eidlich taxierter Wert 20 fl.

13. – 15.) Geisen -Diebstähle zu Buchenrod, Spätherbst 1808

Teilnehmer:

  • Joh. Lehn 2te
  • Druckers-Peter

Die Entwendung geschah aus 5 verschiedenen, zum Teil mit Gewalt erbrochenen Ställen. Von den entwendeten 8 Geisen kamen 2 zurück an die Eigentümer. Der eidlich bestärkte Wert beträgt 44 fl.

16.) Schaf-Diebstahl aus dem Pferch bei Obersorg, Amt Alsfeld.

Geschah vor circa 8 Jahren,

Teilnehmer:

  • Heinrich Kurz aus Stockhausen, (XXVI.)
  • Nicolaus Boß, vulgo Schlitzer Niclas (*),

(*) Späterhin hat sich ergeben, dass der Gemeinte nicht Nicolaus Boß, sondern der s. g. Hessen-Niclas ist, der eine Schwester der Beischläferin des Schlitzer Niclas hat. Jener soll in Cassel ein- oder zweimal durchgegangen sein.

und Ein Dritter, den wir zu nennen Anstand nehmen, weil er seine Strafe verbüßt und sich gebessert hat. Der gestohlenen Schafe waren zwei. Der Wert beträgt ungefähr 10 fl.

17.) Diebstahl von Pferds -Geschirr auf dem Hof Vitmes bei Stockhausen

Geschah mittelst Erhebung der hinteren Scheuertüre vor circa 4 Jahren.

Teilnehmer: Joh. Lehn 2te

Wert circa 14 fl.

18.) Versuchter Keller-Einbruch zu Boppenrod, im Fuldischen.

Teilnehmer:

  • Joh. Georg Pfeiffer
  • Johann Adam (Kirchner)
  • Johann Heiland, vulgo Wetterauer Hannes

Geschah vor 3-6 Jahren. Die Hausleute erwachten durch das beidem Einbruch entstandene Geräusch und die Diebe entliefen.

19.) Einbruch zu Hauswurz im Fuldischen.

Nach dem verunglückten Versuch zu Boppenrod begaben sich die Diebe in das nahe gelegene Dorf Hauswurz, und brachen noch in derselben Nacht in eine Kühe. Kaum hatten sie einen Ölkrug entwendet, als auch hier die Hausleute munter wurden und sie verjagten.

Den 20ten März 1812 wurden die Akten gegen Heinrich Dönges, nebst denen gegen seine Beischläferin, Großherzoglichem Hofgericht zur Entscheidung vorgelegt, Das Urteil ist noch nicht eingelangt.


V.) Johannes Lehn der 1te, Franzens Sohn

Signalement

25 Jahr alt, dem Ansehen nach einige Jahre älter, 5 Schuh 5 Zoll 3 Strich groß / ramassierter Statur, langer Gesichtsform, dunkelbrauner starker Haare und Augenbraunen, bedeckter herzförmig bewachsener Stirne, brauner ziemlich großer Augen, mittelmäßig großer, rundlich dicken Nase, gewöhnlich großen Mundes mit starken Lippen, runden ziemlich starken Kinns, bleicher Farbe; hat hinter dem linken Auge eine große breite halbmondförmige Narbe. Er ist ein Vagabund, geboren zu Breungeshain in der Provinz Oberhessen, der katholischen Religion zugetan, und hat das Zimmermanns» Handwerk und das Knopfmachen erlernt.

Charakter

Er ist verständig, beherzt, einschmeichelnd, und besitzt eine große Verstellungs-Gabe. Unter dem Schein ganz besonderer Ordnungsliebe, Fleiß und Hingabe in sein Schicksal, bereitete er mehrmals die Ausführung seines Lieblingsprojektes, durchzubrechen.

Schicksal

Sein Vater, Franz Lehn, der ebenfalls hier saß, stammt aus dem Würzburgischen. Er hielt sich beständig auf dem Vogelsberg auf, und formierte mit seinen Brüdern, seinen und deren Kindern eine besondere Bande. Sie hieß die Bande der Lohmüller, weil der Großvater des Inquisiten einst im Würzburgischen, bei Wernfeld, eine Lohmühle besaß.

Franz Lehn trieb, besonders in den letzten Zeiten, das Räubergeschäfte sehr vorsichtig. Es war ihm daher schwer mit Beweisen seiner einzelnen Verbrechen anzukommen. Dieses bewirkte seine Loslassung. Er wurde, samt seiner hier gesessenen weiteren Familie, des Landes verwiesen und nach Würzburg zu über die Grenze gebracht. Weniger glücklich in Verbergung ihrer Diebstähle waren seine ältesten Söhne, Inquisit Johannes Lehn der 2te, der bejahrteste von allen, kam schon vor ungefähr 5 Jahren in das hiesige Stockhaus. Er wurde bereits am 23ten Jenner 1810 wegen zweier zu Götzen und Schotten begangener beträchtlicher Einbrüche zu 22 jähriger Zuchthausstrafe verurteilt. Die beide nächstkommende, Johannes Lehn 2te und Andreas Lehn, sind zu Fulda verhaftet. Unser Inquisit hatte eine Tochter des Jacob Heinrich Vielmetters; mit Namen Catharina, zur Beischläferin. Sie wurde am 23ten Jenner 1810 zu 4jähriger Zuchthausstrafe verurteilt, und sitzt jetzt in Marienschloß. Durch die Burggemünder Untersuchung und deren Fortsetzung wurde des Inquisiten ehemaliger Zusammenhang mit der Bande näher an das Licht gebracht. Auch ergaben sich gegen ihn Anzeigen, noch unbestrafter Verbrechen. Folgende hat er gestanden.

Verbrechen

Ausser den oben erwähnten früher bestraften Einbrüchen zu Götzen und Schotten,

1.) Einbruch und Diebstahl eines kupfernen Südkessels zu Wettsaasen,  Amt Grünberg

Teilnehmer:

  • Johannes Vielmetter (XXXII.)
  • Heinrich Brandau (XV.)
  • Leonhard Lang (X.)

Wert 18 fl. 20 kr.

2.) Diebstahl mit Einsteigen auf der Schmitt Mühle zwischen Ulrichstein und Langwasser.

Theilnehmer:

  • Joh. Vielmetter
  • Heinrich Pfeiffer
  • Joh. Lehn der 2te,

Das Entwendete bestand in 8 Maas Öl und 4 Mesten Lein. Um das Fenster zu öffnen, drückten die Diebe eine Scheibe ein. Wert 35 fl. 36 kr.

Den 16ten März 1812 wurden die Akten, nach geschlossener Untersuchung eingeschickt. Das Urteil ist noch nicht eingelangt.


VI. Ludwig Hofmann aus Fulda (Herumziehender Musicant)

Signalement

Alter 27 Jahr, Größe 5 Fuß, 3 Zoll, 3x Strich, gewöhnlicher Statur, hat lange Gesichtsform, lichtbraune Haare, blonde Augenbraunen, braune Augen, trägt die Haare in die Stirne gekämmt, hat eine lange, schmale, spitze Nase, ziemlich kleinen Mund, starkes Kinn,  schwachen blonden Bart, ist blass von Farbe und etwas sommerfleckig, Religion katholisch.

Schicksal und Verbrechen

Inquisit saß schon von 1804 – 1807 ungefähr 5 Jahre im Stockhaus. Er hatte, hauptsächlich verführt durch seine nichtsnutzige Beischläferin, Catharina Mullerin oder Germerotin, eine ziemliche Menge, jedoch weder gefährlicher noch beträchtlicher Diebstahle, begangen. Bei dem Diebstahl mit Einbruch und Waffen auf dem Richtehof, (S. oben IV. No. 3.) sehen wir ihn abermals unter der Bande. Außer diesem von ihm gestandenen Diebstahl wissen wir von ihm keine weitere unbestrafte Verbrechen. Sein Character ist Leichtsinn, Hang zur Wollust und gutem Leben, Nachgiebigkeit und Gelassenheit.

Den 23ten März 1812 wurden die Akten zur Entscheidung eingeschickt. Das Urteil ist noch nicht erfolgt.


VII.) Johannes Stahl, vulgo Kalkhannes

Vagabund, gebürtig von der Tann in Frank..

Signalement

48-49 Jahre alt, lutherisch, von Profession ein Leinweber und Kalkbrenner, 5 Fuß 2 1/2 Zoll groß, schmaler Statur, länglicher Gesichtsform, schwärzlicher Haare und Augenbraunen, starken schwarzen Bartes, hoher eckiger Stirne, brauner kleiner Augen, großer dicker stumpfen Nase, hat mittelmäßigen Mund, starkes rundes Kinn und bleiche gelbe Farbe. Die Lippen, wovon die obere etwas aufgeworfen und senkrecht gespalten ist, drückt er gewöhnlich fest zusammen, und zieht beim Lachen die Haut um den Mund und die Augenwinkel stark in Falten.

Notizen

Seine gleichfalls verhaftete Beischläferin ist die Schwester von J. H. Dönges (IV.) und ihre ältere Schwester, welche nunmehr tot ist, war Zuhälterin des Heinrich Kurz (XXVI.) Er lernte diesen bei dem Kalkbrennen zu Stockhausen, Patrimonial-Gerichts Altenschlirf, kennen. Hier war damals Kurz bei seinem Vater in der Schlagmühle. Er hing sich an die Dirne und wurde Stahls Kamerad und – Gauner. Stahls Vater war Schlosser und wohnte in der Tann.

Verbrechen

1.) Qualifizierter Diebstahl auf dem Richthof. (S. IV3.)

Inquisit wurde auf dem Rückzug von diesem misslungenen Diebstahl, mit einer Pistole versehen, arretiert, behauptet aber, der in Fuld verhaftete Joh. Lehn habe ihm solche zu tragen gegeben.

2.) Großer qualifizierter Diebstahl bei dem Pfachter Beier zu Stokhausen, Patrimonial-Gerichts Altenschlirf

Teilnehmer: Heinrich Kurz (XXVI.)

Der Diebstahl geschah in der Nacht vom 19ten auf den 20ten April 1804. Er ist dreifach qualifiziert,

  • 1) durch Einsteigen über einen hohen an dem Haus gestandenen Birnbaum,
  • 2) durch gewaltsame Eröffnung von Türen und Behältern,
  • 3) durch Waffen.

Obgleich letzteres in Abrede gestellt wird, so ist es doch außer Zweifel, denn ohne Waffen konnte ein so höchst gefährlicher Diebstahl von Zweien nicht begangen werden. Auch fand sich wirklich hinter einer der gewaltsam eröffneten Kisten die von den Dieben verloren Scheide eines langen Messers. Der Wert des Entwendeten an Geld und Effekten ist auf 364 fl. 38 kr. eidlich gewürdigt.

3.) Bienen-Diebstahl zu Buchenrod. (S. IV. no. 12.)

4.) Diebstähl eines Schafs, eines Knotentuchs und eines Bausch Stroh auf der Mühle bei Metzlos. Teilnehmer Leonhard Lang, Friedrich Adam Thomas, vulgo langer Friedrich,

Wert circa 16 fl.

5.) Kessel» Diebstahl zu Schadges

Teilnehmer: Nicolaus Boß, vulgo Schlitzer Niclas (XXIV.)

Der kupferne Kessel hielt 16-17 Eimer. Der Wert ist nicht genau angegeben.

Über den Character des Inquisiten kann nichts besonders gesagt werden. Seine hiesige Aufführung war keine von den schlimmen, Es scheint indessen demselben nicht ganz zu trauen.

Die Akten wurden den 28ten Marz 1812 eingeschickt, und mit ihnen die gegen seine Beischläfern. Das Urteil wird erwartet.


VIII.) Johann Heinrich Becker, aus Eckhardshorn, Vagab,, vulgo Weiskopf

Signalement

28 Jahre alt, 5 Fuß 3 Zoll groß, schmaler Statur, Hellblonder Haare und Augenbraunen, länglichen Gesichts, bräunlichen Bartes, bedeckter Stirne, blauer Augen, gewöhnlicher Nase, kleinen Mundes, runden Kinns, bleicher Gesichtsfarbe, hat etwas eingefallene Backen und blinzelt zu Zeiten mit den Augen.

Notizen aus seinem Leben und Character

Sein Vater ist ein vermögensloser, alter abgelebter Mann, der sich ehemals vom Taglohn nährte und nun von Almosen lebt. Er bekümmerte sich nie um seines Sohnes Erziehung und so blieb denn dieser im eigentlichsten Verstand ein roher Naturmensch. Zwischen ihm und einem Wilden war, wie er hierherkam, wenig Unterschied. Von Religion oder irgendeinem nützlichen Geschäfte hatte er gar keine Begriffe. Im höchsten Grad roh, aufbrausend, unbändig war er nur durch die größte Strenge im Zaum zu halten. Beschränkt an Begriffen dem Trunk und aller Ausschweifung ergeben, erscheint er doch nicht ohne alle Anlagen. Er weiß z.B. den Gesang fast aller Vögel, (seine gewöhnliche Unterhaltung im Kerker) täuschend nachzumachen, und gibt manchmal recht naive Antworten. Man fragte ihn: Welcher Religion er zugetan? Er antwortete flugs: „Gar Keiner.“ Man fragte ihn: Was er gelernt habe? So eine Antwort war: „Gar nichts. Mein Vater ist ein schlechter Kerl, er hat mich weder zur Schule gehalten, noch etwas lernen lassen, da ist aus mir denn auch nichts geworden.“

Die Beischläferin des Inquisiten heiße Catharina Diez. Sie saß hier, wurde aber, da sie sehr aufrichtig war, und keine besondere Verbrechen gegen sie vorlagen, wieder entlassen. Ihr Vater, Heinrich Diez, war Viehhirte, und soll sich noch jetzt zu Oberau und der dortigen Gegend aufhalten. Nach ihrer Aussage bewohnte er ehemals eine Waldhütte und steckte diese an, als ihre Mutter im Kindbett lag, um sie mit ihren Kindern zu verbrennen. Wirklich sollen zwei der Kinder verbrannt sein. Den Vater verließ hierauf die Mutter, mit der er sich entzweit hatte, und diese behielt die Tochter bei sich. Der Sohn, Johann Justus Diez, ist einer der Räuber, welche in der Folge beschrieben werden (XXXVII.)

Verbrechen

Er hat nach seinem Geständnis 9 verschiedene Diebstähle begangen, welche jedoch, die bei einigen gebrauchte Gewalt ausgenommen, bis auf einen von keiner besonderen Bedeutung sind. Dieser letztere ist folgender.

Diebstahl zu Niederweisel mit Einbruch

Teilnehmer:

  • Schwarzer Jung
  • Johann Justus Diez
  • Dicker Hann-Görg (Sohn des Mahn Görg.)
  • Bruchschneiders Hannes
  • Joseph Kling, mit der krummen Hand (zu Wetzlar verhaftet)
  • Wilhelm (Sohn des dicken Justus)
  • Rotköpfige Nette

Er geschah in der Nacht vom 19ten auf den 20ten April 1810 in der Behausung des Philipp Haupt des 4ten. Wert 84 fl. 41 kr.

Inquisit ist noch 13 anderer möglichst konstatierter, zum Teil schwerer Verbrechen bezichtigt, konnte aber nicht überführt worden. Die Akten gegen den Rubricaten wurden den 4ten März 1812 zum Spruch eingeschickt. Am 17ten Juni 1812 wurde Becker zu fünfjähriger Zuchthausstrafe von Großherzoglichem Hofgericht verdammet. Er beruhigte sich bei dem Urteil.


IX.) Hermann Glaser, genannt der Lange, gebürtig von Miesen, Großherzogtums Berg.

Signalement

Alter 33 Jahr, Größe 5 Fuß 5 Zoll, Statur schlank und gut gebaut. Gesichtsform oval. Haare rötlichbraun. Augenbraunen weißlich. Bart von gleicher Farbe. Backenbärte rötlich. Stirn klein und schmahl. Augen hellgrau. Nase spitz. Mund klein. Kinn rund. Gesichtsfarbe bleich. Hat über dem rechten Auge eine kleine Warze; bekennt sich zur lutherischen Religion.

Charakter

Gesetzt, fest, im höchsten Grade standhaft, überlegt und entschlossen.

Notizen aus seinem Leben und Verbrechen

Er ist der Sohn eines Kuhhirten und stand 1 1/2 Jahr in K. Österreichischen Militärdiensten. Ehemals zog er auf dem Lande umher; seit einigen Jahren hütete er das Vieh auf dem adelig v. Schenkischen Hof, die Sorg genannt, bei Burggemünden, und machte dabei Körbe. Seine Beischläferin heißt Anna Catharina Speichin oder Spechtin. Bei dem Amt zu Burggemünden, das ihn einschickte, gestand er 9 größtenteils bedeutende Diebstähle und einen versuchten Raub über den Rhöngebirgen, der aber wegen Unbestimmtheit der Angabe nicht gehörig konstatiert werden konnte. Diese Geständnisse sämtlich nahm er bei der Special-Inquisition zurück, und war aller Bemühungen unerachtet nicht zur Wiederholung zu bringen. Sonderbar, und wahrscheinlich Folge von Kollusionen, die bei dem Mangel einer Hinreichenden Anzahl gehörig separierter Gefängnisse nicht ganz zu verhindern waren, ist es, dass auch alle verhaftete Komplizen grade diejenige Verbrechen zurücknahmen, die sie mit Glaser begangen zu haben eingestanden hatten. Bloß Leonhard Lang (X.), der aber nur bei einer Expedition mit war, macht hiervon eine Ausnahme.

Eines einzigen versuchten Diebstahls auf dem adeligen Hof Weltershausen bei Homberg a. d. O. war Inquisit in der Spez. Untersuchung geständig: Er gab vor, dass sie bloß Bienen stehlen wollen, aber verstört worden.

Es ist wohl keinem Zweifel unterworfen, dass Glaser ehemals unter der Vogelsberger Bande eine bedeutende Rolle spielte. Wahrscheinlich aber ist es, dass er, einen bösen Ausgang scheuend, in den letzten Jahren sich zurückgezogen hatte.

Die Akten wurden den 9ten März 1812 zur Entscheidung eingeschickt. Dem Urteil sieht man entgegen.