Jakob Erbeldinger

Jakob Erbeldinger

Inhalt

Actenmäßige Nachrichten von dem Räubergesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern Besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben Von C.F. Brill, Großherzogl. Hessischem Kriminal-Richter zu Darmstadt. Zweite Abtheilung. Darmstadt 1815

Jakob Erbeldinger, 40 Jahre alt, ist katholischer Religion, aus Dudenhofen bei Thioville gebürtig, der Sohn eines daselbst vor 5 Jahren verstorbenen Taglöhners, verheiratet und Vater von 7 Kindern. Er hat noch vier Brüder, von denen der älteste das väterliche Haus hat, und einige Stiefgeschwister, deren Zahl und Geschlecht er nicht will angeben können. In seiner Jugend wurde er zwar zur Kirche und Schule angehalten, lernte aber nicht so viel, dass er lesen und schreiben konnte. Die Armut seines Vaters zwang ihn schon in früher Jugend, bei Bauern zu dienen. Im Jahr 1792, also in einem Alter von 19 Jahren, ließ er sich unter das damals in Luxemburg in Garnison gelegene Eigentümliche Regiment des Fürsten von Anhalt Zerbst anwerben. Er stand unter diesem Regiment sechs Jahre, bis dasselbe nach dem Tod des Fürsten von Anhalt-Zerbst nach Heidelberg und von da ins Tal Ehrenbreitstein marschieren musste, und hier unter das Kaiserlich Österreichische Militär untergesteckt wurde. Bei dieser Gelegenheit desertierte er und wandte sich in das Großherzogl. Hessische Oberamt Lichtenberg, wo er bis zu seiner Arretierung sich aufgehalten hat.

Er diente hier an verschiedenen Orten und bei verschiedenen Dienstherren als Knecht, wurde währenddem mit seiner jetzigen Frau, einet Tochter des zu Billings im Ober-Amt Lichtenberg verstorbenen Hirten Matthes Frank bekannt, schwängerte sie unter dem Versprechen der Ehe, und wurde unter diesen Verhältnissen, ohne in irgend einer Qualität als Untertan rezipiert gewesen zu sein, vor 13 Jahren von dem Pfarrer zu Gross-Bieberau priesterlich getraut *). Seitdem lebte er zu Billings.

*) Nach einem Schreiben des Großherzogl. Pfarrers Hrn. Frei zu Gross-Bieberau an den Verfasser wurde Erbeldinger von ihm kopuliert, weil er 1) bei dem Ober-Amt Lichtenberg errichtete Ehepakten vorgezeigt hatte / 2) in dem, wegen des antizipierten Beischlafs von dem vormaligen Konsistorium erlassenen Strafdekret ausdrücklich bemerkt war, dass diese Leute kopuliert werden sollten – und es 3) rätlich war, dem aller Sittlichkeit nachteiligen, in dasiger Gegend so häufig gewesenen, und noch häufigen Zusammenleben unverheirateter Personen zu begegnen, und 4) aus eben diesem Grund der damalige Geistl. Inspector die Kopulation des Erbeldingers sehr eindringlich angeraten hatte.

Herr Pfarrer Frey hat nun hierunter zwar bei der Kopulation des Erbeldingers nicht gegen seine Amts-Pflichten gehandelt, allein umso mehr der Beamte, der die Polizei in ihrem ganzen Umfange zu respirieren hatte. Das Zusammenleben unehelicher Personen beider Geschlechter ist der Sitten-Polizei nicht weniger nachteilig, als der Sicherheits-Polizei. Denn der Regel nach haben die Menschen, welche in diesem Konkubinat leben, weder das Vermögen, um als Untertanen rezipiert zu werden, noch Mittel und Fleiß genug, um sich sonst ehrlich zu ernähren. Die natürliche Folge davon ist, dass sie den Unterhalt für sich und ihre Familien auf unerlaubten Wegen zu erhalten suchen, und eben diese Verbindungen eine Haupt-Quelle werden, aus denen Vagabunden und Gauner hervorgehen. Wenn aber die öffentliche Sittlichkeit dadurch auch gewinnt, das dergleichen Verbindungen durch die Hand des Priesters geheiligt werden; so verliert die polizeiliche Sicherheit dadurch umso mehr, da die Verhältnisse zu ihr damit nicht gebessert, sondern vielmehr in sofern noch verschlimmert werden, da durch die Kopulation dergleichen Familien ein gewisses Recht zu ihrer Duldung im Staate erlangen.

Die Sitten-Polizei erfordert, dass das Zusammenleben unverheirateter Personen beider Geschlechter nicht geduldet wird, und es wäre der Staat zu bedauern der hierzu nicht die Mittel hätte; der Sicherheits-Polizei muss aber daran gelegen sein, und sie muss es veranlassen, dass Personen, die aus einem außerehelichen Umgang Kinder gezeugt haben, nur dann durch die Hand des Priesters getraut werden und einen bestimmten Aufenthalt im Staate erhalten, wenn sie beide nicht allein sich als ganz unverdächtig – sondern auch so nachweisen können, dass sie das gesetzliche Inferendum an Vermögen besitzen, dass sie sich auf eine ehrliche Weise zu ernähren im Stand sind, und sonach als wirkliche Untertanen aufgenommen werden können.

Nach seiner Angabe wurde er zu allen herrschaftlichen und Gemeindelasten gezogen, ohne dass er es dahin bringen kennte, als Untertan aufgenommen zu werden, und er schreibt diesem seinem Verhältnis es besonders bei, dass er ich aus Not dem Räuber- und Diebsleben habe ergeben müssen. Er schaffte daneben auf dem Tagelohn, und machte Besen von Birkenruten, die er zum Verkauf herumtrug.

Man hatte schon früher bestimmte Anzeigen, dass unter Einwohnern im Amte Lichtenberg eine förmliche Diebsbande bestehe und dass dazu namentlich die meisten der hier inhaftierten Teilnehmer an einem an dem Rent-Amtmann Hannessse begangen wordenen bedeutenden Diebstahl zu gehören schienen: man verfolgte die immer sich hierüber deutlicher gezeigt habende Spuren und war endlich so glücklich, von dem gegenwärtigen Inquisiten, Jakob Erbeldinger, Bekenntnisse zu erhalten, die die Vermutungen in Gewissheit setzten. Wie gefährlich diese Diebs- und Räuber-Bande unter eingesessenen Landes-Einwohnern, wenn sie nicht noch zeitig genug entdeckt werden wären, insbesondere für die öffentliche Sicherheit hiesiger Provinz: und das benachbarte Ausland würde geworden sein, dies zeigt nicht nur ihr Zusammenhang mit andern Eingesessenen in der Standesherrlichen Grafschaft Erbach und ihre Verbindung mit herumziehenden berüchtigten Räubern von Profession, sondern auch insbesondere dies, dass sie schon anfingen, bei Ausführung ihrer Diebstähle mit ausgezeichneter Verwegenheit nach Art und Weise der vormaligen Niederländer und Neuwieder Banden zu handeln.

Erbeldinger wurde durch den Tascher mit dem Johann Adam Heusner und Grasmann zuerst bekannt, und zwar nach jenes Angabe bei Gelegenheit, dass Tascher ihn mit zu solchen auf’s Feld nahm, um von ihnen Kuchen zu kaufen, die sie gestohlen hatten. Heusner machte in dem Lauf der gegen ihn geführten Untersuchung die erste Angabe gegen jene beide, indem er sie der Teilnahme an einem Straßen-Raub beschuldigte. Sie wurden darauf als Menschen von ohnehin üblem Ruf verhaftet und in das Stockhaus hierher zur Special-Inquisition eingeliefert.

Es war, wie Erbeldinger im Stockhaus ankam, gerade damals der dicke Bub von dem Amt Breuberg hier zur Konfrontation und man nahm Gelegenheit, ihn im Allgemeinen nach seiner Bekanntschaft mit dem Erbeldinger zu fragen, und da er solche bejahte, ihm dessen Verhaftung im Stockhaus zu eröffnen. Als man nun in der Folge den dicken Buben über den unter sub No. 3. vorkommenden Straßenraub bei Reichelsheim fragte, nannte er auch den Erbeidinger als Teilnehmer daran, was weder von Stephan Heusner, noch dem Peter Petry zu Heidelberg geschehen war. Man ließ den Erbeldinger sogleich vorführen. Dieser wollte anfänglich den dicken Buben gar nicht kennen; da ihm aber solcher selbst sagte, er sei der dicke Bub; so machte Erbeldinger auch keine weiteren Umstände mehr, seine Bekanntschaft mit ihm – und seine Teilnahme an dem bemerkten Straßenraub einzugestehen, und damit war die Bahn zu weiteren Bekenntnissen gebrochen.

Die Verbrechen, an denen Erbeldinger nach seinem Bekenntnis teilgenommen hat, sind folgende:

A.) Gewaltsame Einbrüche und Raub

1.) Versuchter gewaltsamer Einbruch und Raub auf einer zu Nieder-Ramstadt gehörigen Mühle und in der nämlichen Nacht wirklich verübter gewaltsamer Einbruch und Raub auf der sogenannten Fuchsenhütte bei Roßdorf.

Es war in der Nacht vom 23ten auf den 24ten Oktober 1809, als

  • Jakob Erbeldinger
  • Georg Tascher von Steinau
  • Christian Gumpel von Billings, damals von den Großherzogl. Truppen desertiert und nachher unter das Regiment Groß- und Erbprinz nach Spanien gekommen,
  • Sebastian Werner
  • Leonhard Handschuh
  • Marzebull
  • Nikolaus Jungbluth
  • Lorenz Müller, sämmtlich von Ober: und Niedernhausen bei Lichtenberg
  • Kaspar Kopp, und
  • Franz Schröck von Roßdorf, sodann
  • der Salpetersieder Philipp Bauer von Jugenheim, damals in Roßdorf wohnhaft

das Verbrechen verübten. Franz Schröck, Beisaß in Roßdorf und Gevatter Mann von Kaspar Kopp, hatte ein paar Schweine auf eine zu Nieder-Ramstadt gehörige Mühle, deren Besitzer er so wenig wie Kopp, Erbeldinger und Tascher mit Namen will nennen können, verkauft, und bei Gelegenheit, dass er die Bezahlung dafür empfing, den Ort wahrgenommen, wo der Müller sein Geld aufbewahrt hatte. Der Schneider Kopp, in dessen Wohnung überhaupt die Diebe ihre Zusammenkünfte gehalten zu haben scheinen, was durch die weitere Untersuchung gegen ihn noch ausgemittelt werden wird, erfuhr dies von ihm, gab davon dem Georg Tascher Nachricht und es wurde sofort der Anschlag gemacht, den Müller zu berauben. Um das Nähere wegen der Ausführung zu verabreden, kam Tascher zu dem Erbeldinger, eröffnete ihm den vorhabenden Raub und beide kamen dann mit dem Leonhard Handschuh und Sebastian Werner in des ersteren Haus zusammen. Einige Tage vorher, ehe die Tat ausgeführt werden sollte, begaben sich sodann Tascher und Erbeldinger nach Roßdorf zu dem Schneider Kopp, wo auch Franz Schröck sich einfand. Hier wurde nun über die Gelegenheit, wie der Raub am besten auszufuhren sei, das nähere besprochen, und übereingekommen, dass auf den Fall der Not Stricke zum Binden der Bewohner der Mühle und von jedem, der Gewehr besitze, solches mitgenommen werden solle. Tascher bestellte sofort die oben genannten Einwohner von Ober – und Niederhausen, Kopp aber warb den Salpetersieder Philipp Bauer an. Inder oben bemerkten Nacht kamen die Räuber in dem sogenannten Lehgen an dem Dippelshof bei Traisa im Wald zusammen. Tascher und Erbeldinger hatten zufolge ihres Einbekenntnisses Stricke zum Binden nach der Verabredung bei sich: Werner, der den Tag in Darmstadt war, um die Zinsen von einem dahin schuldig gewesenen Kapital zu zahlen, kam von hier aus auf den bestimmten Sammelplatz, und hatte eine Pistole bei sich. Von dem Sammelplatz aus zogen sie durch den Wald und über das Feld nach der Mühle. An diese führte aber ein steiler Berg-Abhang; die Hunde wurden laut, und die Bewohner der Mühle waren noch munter, außerdem zog auch Franz Schröck, der zeigen sollte, wie am besten in die Mühle zu kommen sei, wie sich Erbeldinger ausdrückt, Wasser, das heißt, er wurde bedenklich und wollte nicht angehen. Diese Umstände bestimmten die Räuber, von der Ausführung der vorgehabten Tat abzustehen. Mehrere von ihnen gaben dem Schneider Kopp ihren Unwillen zu erkennen und dieser machte nun den Vorschlag, dass, wenn sie nicht an die Mühle wollten, er noch einen Platz, indem er die sogenannte Fuchsenhütte nannte, wisse, wo 3 – 400 fl. lägen. Einige der Räuber, namentlich Tascher, erklärten zwar, dass hier kein Geld zu holen sein könne, (der Besitzer der Fuchsenhütte ist der herrschaftliche Holzmacher Daniel Rosignol), allein Kopp wiederholte seine Versicherung, dass das angegebene Geld dort liege.

Wirklich hatte auch Rosignol um die Zeit Geld für eine Kuh und ein Paar Schweine, die er zu Bezahlung eines erkauften Ackers nach Darmstadt verkauft hatte, erwartet, was Kopp in Erfahrung gebracht haben musste. Die Räuber zogen darauf durch den Wald nach der Fuchsenhütte. Daniel Rosignol war die Nacht auf dem nicht weit entfernten Forsthaus bei dem Großherzogl. Oberförster Heyer zur Wache und dessen Frau mit ihren Kindern allein zu Haus. Aus Furcht konnte jene nicht schlafen; sie saß nach ihrer Erzählung eben im Bett, den Kopf auf die Hand gestützt, als sie bei dem Mondschein (es war Abends etwa 11 Uhr) einen Trupp Kerl den Weg von Gundernhausen herkommen durch das Fenster wahrnahm, von denen sie glaubte, dass geschlossene Soldaten transportiert würden, indem sie ein Geklirr wie von Ketten herrührend, wahrzunehmen meinte. Plötzlich wurde indes die Haustüre und in dem nämlichen Augenblick die Stabentüre gewaltsam aufgesprengt, so dass die Schließkloben aus der ersteren Türe herausfuhren. Die Rosignolische Ehefrau hatte in dem ersten Schreck kaum die Worte ausgerufen: „Ach, Herr Jesus! Ach, Herr Jesus!“

als auch die Kerls schon in die Stube gedrungen waren und vor ihrem Bette standen. Der, welcher zuerst in die Stube gekommen war, schrie sie an: „Gib das Geld her, oder ich schneide dir den Hals ab!“ Die übrigen Räuber riefen, so wie sie in die Stube traten “Geld her! Geld her!“ sie wetzten dabei, wie auf einem Stahl, und einige unter ihnen schrien: , Das Gebind her! Schneid‘ dem den Hals ab!“

Die Rosignolische Ehfrau versicherte zwar unter den flehentlichsten Worten, dass sie als arme Holzmacher kein Geld hätten, und fiel dem ersten Räuber in der Angst mit beiden Händen auf die Achseln und bat ihn um Gotteswillen, sie gehen zu lassen. Mit den Fußen stampfend forderten aber die Räuber unter wiederholten Drohungen, dass sie angeben solle, wo sie ihr Geld habe. Endlich musste die Rosignolishe Ehefrau den in der Stube gestandenen Schrank und dann auch eine Kiste aufschliessen. Einige der Räuber durchsuchten beide Behälter, nahmen die darin befindlich gewesenen Kleidungsstücke, welche Andere der Stube hinaus trugen. Nach der Aussage des damals neunzehn Jahre alten Rosignolischen ältesten Sohns drohten die Räuber seinen Geschwistern, da sie zusammen schrien, sie zu binden, wenn sie nicht stille seien; sein jüngerer Bruder, welcher zur Türe hinaus und seinen Vater rufen wollte, erhielt von einem der Räuber ein Paar Maulschellen, dass er einige Schritte weit zurückfuhr. Die Räuber sollen armslange Messer bei sich geführt und diese gegen einander gewetzt haben, ihm aber einer die Hände über die Brust mit Stricken zusammengebunden und ihn so hinter den Ofen geworfen haben; vor dem Weggehen der Räuber wurden ihm aber die Hände wieder losgebunden.

Als die Räuber die Kleidungsstücke dem Haus hinaus gebracht hatten, beratschlagten sie sich, dass das Geld oben auf dem Boden sein müsse. Sie drangen deshalb wieder in das Haus auf den Boden, von dem sie aber gleich wieder zurückkehrten, indem sie hier nichts als Heu und Stroh fanden, sodann abermals in die Stube kamen und unter Stampfen und Drohungen wiederholt von der Rosignolischen Ehefrau verlangten, dass sie angebe, wo das Geld sei; dabei fassten die Räuber ihren Sohn, und schleppten ihn in die Kammer, um ihn zu binden. Darüber stürzte die Rosignolische Ehefrau ohnmächtig zusammen. Die Räuber zogen sich immittelst wieder aus dem Haus zurück, und beschlossen hier, die auf dem Boden befindliche Kammer zu durchsuchen, in der Meinung, dass hier das Geld sein müsse. Wehklagend gaben die, diesen Entschlus gehört habenden, Kinder ihr davon Nachricht, und sie machte sich deshalb sogleich auf, und verschloss die Kammer. Die Räuber waren unmmittelst wieder in die Stube gekommen, und einer von ihnen rief sie bei Namen; „ Catharine, komm nur herbei, es geschieht dir nichts!“  Die Rosignolische Ehefrau ging sofort auch herbei; küsste dem Kerl die Hand und wurde von ihm bis an die Stubentüre geführt. Die Räuber zogen sich darauf zurück, warfen aber vorher die geraubten Sachen als zu unbedeutend, wieder in den Hof, indem sie der Rosignolischen Ehefrau erklärten: „Da habt ihr eure Sach‘ wieder.“

Ein Weibsbild, Namens Maria Bauerin von Walddürn, welches sich zur Zeit der Tat in der Behausung der Rosignolischen Eheleute aufgehalten hatte, war gleich anfänglich dem Kammerfenster hinaus gesprungen, um den Daniel Rosignol auf dem Forsthause zu holen: sie war indes kaum eine kleine Strecke fort, als ihr einer der Räuber nachkam, ihr still zu stehen befahl, und sie dann unter Androhung von Schlägen auf den Fall der Widersetzlichkeit, mit einem andern sich noch zu ihm gesellt gehabten Räuber auf die Fuchsenhütte zurück brachte; einer dieser Räuber hatte eine Pistole, zwei andere sah sie nicht weit von erwähnter Hütte stehen.

Nach dem über das gleich am Morgen nach der Tat erhobene corpus delicti geführten Protokoll fand sich in der Stube eine Pflugsegge vor. Die Haustüre war, ohne dass man daran eine besondere Verletzung wahrnahm, dergestalt eingeschlagen, dass der innere Kloben herausgedrängt war, an der Stubentüre war der untere Teil eingeschlagen; eine starke eichene Diele, welche vor der Haustüre zu einer Bank diente, fand sich an das Haus angelehnt. Nah den Bekenntnissen, welche Erbeldinger über diesen letzteren gewaltsamen Einbruch und Raub abgelegt hat, war es Lorenz Müller, welcher mit der vorbemerkten eichenen Diele die Stuben- und Haustüre eingestoßen hatte.

Nachdem dieses geschehen war, drangen die Räuber bis auf die Roßdorfer Einwohner Kopp und Schröck, welche aus Besorgnis, erkannt zu werden, eine Strecke von dem Haus zurückblieben, und sodann den Nikolaus Jungblut, Christian Gunkel und Lorenz Müller, welche Wache standen, in die Stube. Erbeldinger war bei der Rosignolischen Ehefrau am Bette, die sehr jammerte und die Räuber anredete: „ihr liebe Herrn, was sucht ihr dann, ich will euch ja alles aufschließen.“ Er forderte ihr die Schlüssel ab, sie stieg aber aus dem Bett und schloss den Schrank und den Kasten auf, welche dann durchsucht, und die darin gefundene Kleidungsstücke und andere Effekten herausgenommen und zur Stube hinaus gebracht wurden. Den Schrank durchsuchte Erbeldinger mit, kam aber außerdem nicht von demselben weg. Dass der Frau oder überhaupt mit Halsabschneiden gedroht worden, stellt er ebenso in Abrede, als dass der Rosignolische Sohn gebunden worden, ob er gleich eingesteht, dass derselbe möge angepackt worden sein; er will nichts davon wissen, dass einer der Räuber eine Pistole oder sonst ein Gewehr gehabt habe, wogegen aber Nikolaus Jungblut angibt, dass Werner wirklich eine Pistole bei sich gehabt habe. Auch von einer Drohung, die der Rosignolischen Familie bei dem Abzug der Räuber gemacht worden, will er eben so wenig wissen, als von der nach der Tat aufgefundenen Pflugsegge und leugnet, dass er während dem Raub ein Messer in der Hand gehabt oder ihm bekannt sei, dass es bei einem seiner Gesellen der Fall gewesen wäre. Er gibt an, dass der Schneider Kopp sie versichert, dass Rossignol meistens des Nachts nicht zu Haus sei, und wenn dies auch der Fall wäre, von ihm kein Widerstand zu fürchten sei. Das durch das Fenster entkommene Weibsbild soll der auf der Wache gestandene Nikolaus Jungblut wieder zurück gebracht haben, dahingegen dieser den Lorenz Müller und Sebastian Werner nennt, die es gewesen seien.

Nachdem sich die Räuber aus dem Hause zurückgezogen hatten, wurde von ihnen sogleich beschlossen, der Rosignolischen Ehefrau das Geraubte, das, wie Erbeldiunger sagt, in nichts als Lumpen und Armut bestand, wieder zuzustellen. Es wurde daher auch alles, bis auf einen Weiberrock und eine Bouteille, welche beide Stücke Marzebull zurückgehalten hatte, in das Haus zurückgebracht. Den Rock versteigerten die Räuber auf ihrem Rückweg in dem Rohrbacher Wald unter sich: Werner kaufte ihn an sich, und es trug jedem zu seinen Anteil daran 8 kr.

2.) Attentierter gewaltsamer Raub und Einbruch auf der Krugs-Mühle bei Roßdorf

Es war zur Erntezeit des Jahrs 1809, als

  • Jakob Erbeldinger
  • Georg Tascher
  • Lorenz Müller
  • Sebastian Werner
  • Nikolaus Jungbluth
  • Marzebull
  • Leonhard Handschuh, und
  • der Schneider Kaspar Kopp

dieses Verbrechen unternahmen. Die Gelegenheit zu dessen Ausführung soll der damals zu Roßdorf in Arbeit gestandene Schwager des Leonhard Handschuh, der Schuhmacherzgeselle M… von Lichtenberg, ausgekundschaftet und davon dem Schneider Kopp die erste Anleitung gegeben haben. Dieser gab sofort dem Tascher Nachricht, der denn in Gesellschaft des Erbeldingers nach Haußen zu dem Leonhard Handschuh ging, um das Weitere zu besprechen.

Sie trafen bei dem Handschuh dessen vorhin bemerkten Schwager und von beiden wurde denn der Antrag zu dem Raub gemacht. Tascher und Erbeldinger stimmten gleich dazu, es wurde verabredet, wer weiter zur Ausführung genommen werden solle und Leonhard Handschuh nannte nun die andern Einwohner von Haußen, wie sie eben aufgezählt sind, was den Erbeldinger bewog, scherzweise zu fragen  ob denn der Schultheiß von Haußen auch mitgehe? sie sollten ihm ein Paar Schuhe dazu verschaffen. Es wurde da schon ausgemacht, dass Stricke mitgenommen werden sollten, um den Bewohner der Mühle, Müller Michael Reitz mit den Seinigen, zu binden, zugleich aber sich besprachen, dass einer hinüber nach Roßdorf gehen solle, um dort mit dem Schneider Kopp das Weitere zu verabreden, was auch von Erbeldinger und Tascher geschah.

Bei einer darauf noch in dem Haus des Leonhard Handschuh Statt gefundenen Zusammenkunft wurden auch Werner, Müller und Jungbluth zugezogen. Es war Geld, welches der Müller Reiß von der Erbschaft seiner Frau eingenommen hatte, das geraubt werden sollte Kopp versicherte, dass Reitz kein Schießgewehr und kein Pulver im Haus habe und seine Person nicht zu fürchten sei: er gab die weitere Anleitung, dass, wenn Reitz mahle, dessen Stubentüre die Nacht durch unverschlossen sei, aber verschlossen werde, wenn er nicht mahle. In der zur Ausführung bestimmten Nacht gingen Erbeldinger und Tascher nach Roßdorf zu dem Schneider Kopp in seine Wohnung; nach ihnen kamen auch Leonhard Handschuh – dessen Bruder Matthes Handschuh und Nikolaus Jungbluth in den Hof. Diese gaben an, dass die andern, zur Tat bestellten, nicht kämen, und es wurde deshalb auseinander gegangen, ohne dass etwas Weiteres unternommen wurde. Drei bis vier Wochen nacher kamen hierauf auf einen Sonntagabend Erbeldinger und Tascher mit den ebengenannten Einwohnern von Haußen an dem Weg nach Zeilhard verabredungsgemäß wieder zusammen. Kopp stiess an dem Roßdorfer Schindanger zu ihnen. Die Räuber zogen sofort nach der von allen Seiten offenen Krugsmühle. Erbeldinger und Tascher hatten nach ihrem Geständnisse Stricke bei sich. Der mit den Hunden bekannte Schneider Kopp musste den kleineren Hund an sich locken und bei sich behalten, der größere nahm die Flucht. Es wurde darauf mit einer Wagenrunge von dem Tascher an der Stalltüre eine Leiste abgebrochen, zwischen die beiden Teile der Türe die Runge ein und die Türe aufgezwängt. In dem Stall schlug Erbeldinger Feuer und versuchte Stroh in Flamme zu bringen, um sich dessen als Licht zu bedienen. Das Stroh, welches nass war, brannte aber nicht, sondern glimmte nur. Eine zweite Türe, welche aus dem Stall in die Mühle führte und die mit einem hölzernen Schloss versehen war, sprengte Jungbluth mit der vorbemerkten Wagenrunge auf, nachdem Tascher vorher sie zu öffnen versucht gehabt hatte. Nach Aufsprengung dieser Türe drangen Erbeldinger und Jungbluth in die Mühle, wobei jener mit dem glimmenden Stroh leuchtete. Sie kamen neben dem Mühlwerk vorbei in den Hausgang, wo sofort den übrigen die Haustüre von innen geöffnet wurde. Erbeldinger drückte das Falleisen an der Stubentüre nieder, um zu versuchen, ob diese unverschlossen sei. Er glaubte das Gegenteil und eröffnete solches seinen Gesellen, weshalb sogleich beschlossen wurde, die Tür mit dem Rennbaum einzustoßen. Lorenz Müller hatte auch bereits einen solchen herbei gesucht, als die Räuber verjagt wurden, und unverrichteter Sache abziehen mussten.

Der Müller Reitz hatte nämlich schon früher einen seiner Hunde bellen gehört und war darüber aufmerksam geworden, jedoch wieder eingeschlafen. Er hörte indes, wie Erbeldinger das Falleisen an der Stubentüre niederdrückte, weckte seine Frau, stand sogleich auf, lud eine erst kurz vorher gekauft gehabte Pistole und schoss damit mehrmalen dem Fenster hinaus. Er war, wie richtig ausgekundschaftet war, so schlecht mit Feuergewehr versehen, dass er in Ermangelung eines Ladstocks sich eines Stocks bedienen musste, und nicht einmal Blei im Hause hatte, und daher die Pistole nur mit Pulver und Papierpfropfen laden konnte.

Einige der Räuber hatten indes teils durch ein in der Stubentüre angebrachtes Fenster, teils durch die Stubenfenster den Müller Reitz, der, da er die Nacht mahlte, Licht in der Stube brannte, aufstehen und die Pistole laden sehen. Besorgt, dass durch das Schießen die Einwohner aus dem ganz nahe bei der Mühle gelegenen Ort Roßdorf aufmerksam gemacht werden und zu Hilfe kommen möchten, zogen sie sich von der Mühle zurück. Nur Werner blieb noch eine Zeitlang bei derselben und die Reitzischen Eheleute hörten ihn noch an dem Fenster vorbeigehen; er kam indes den andern Gesellen auch bald nach, indem er noch ein an dem Haus gehangenes Aschentuch mitnahm.

Den andern Morgen fanden sich die Stall- und die aus solchem in die Mühle führende Türe erbrochen, vor der Stalltüre aber eine Handvoll angebranntes Stroh. Eine Anzeige wurde von dem Müller Reitz über diesen versuchten Raub bei Amt nicht gemacht.

B.) Straßen- Räubereien

3.) Straßenraub bei Reichelsheim

Es war am 27ten Februar 1807, als dieser Straßenraub von

  • Jakob Erbeldinger
  • dem dicken Buben
  • Stephan Heusner
  • Überrheiner Hann-Adam (Johann Adam Steininger)
  • Peter Petri, vulgo schwarzer Peter, und
  • Peter Eichler, vulgo Hainstädter Peter

verübt wurde. Die Räuber hatten es eigentlich darauf abgesehen, von dem Michelstädter Markt zurückkehrende Kaufleute zu berauben. Erbeldinger war von Stephan Heusner zu dem Raub bestellt worden. Sie zogen in die Gegend von Michelstadt, wo Erbeldinger, der dicke Bub, Stephan Heusner und Überrheiner Hann-Adam in die Stadt hinein gingen und Bier tranken, dabei aber fanden, dass kein Markt zu Michelstadt war. Von hier nahmen die Räuber ihren Rückweg über Ober-Mossau, wo sie zusammen einkehrten und Bier tranken, dann aber den Weg nach Unter-Ostern nahmen. Am Ende dieses Orts gingen die von dem Markt zu Gadernheim zurückehrenden Tuchmayer, Carl Gottfried Kiefer, Johannes Wenden, Andreas Lautenbach, Nikolaus Schöffler, Reinhard Menker und Johann Peter Urich von resp. Stadt und Dorf Erbach bei ihnen vorüber. Die Räuber erkannten sie gleich für Tuchmacher und beschlossen, sie anzupacken und zu berauben. Diese waren eine Strecke gegangen, als sie wahrnahmen, dass die Räuber ihnen nachkamen. Deren Absicht ahnend, suchten die Tuchmacher sich durch die Flucht zu retten, was ihnen auch bis auf den Johann Peter Urich von Dorf-Erbach gelang. Diesen holte der Überrheiner Hann-Adam, und, wie Stephan Heusner und Peter Petri weiter angibt, der Hainstädter Peter, ein, packten ihn unter den Worten: „Halt, Spitzbub!“ zu gleicher Zeit am Kopf und einem Fuß, warfen ihn zu Boden, drohten ihm nach seiner Angabe mit einem Messer zu erstehen, wenn er nicht stille sei und raubten ihm sein bei sich gehabtes Geld

und Tuch: noch nach der Beraubung wurde er mit Schlägen misshandelt. Der Raub wurde noch in der nämlichen Nacht in einem vertrauten Haus zu Rimbach geteilt. Erbeldinger erhielt von dem Geld zu seinem Anteil 6 fl. Nach der Aussage des Beraubten betrug das ihm geraubte Geld 60 fl. und seinen ganzen Schaden einschließlich des geraubten Tuches  schlug er zu 75 – 80 fl. an.

Peter Eichler wurde den Tag nah der verübten Tat bei dem Amt Reichenberg verhaftet, konnte aber zu irgendeinem Geständnis nicht gebracht werden.

4.) Versuchter Straßenraub auf der Höhe bei Neunkirchen und am nämlichen Tag wirklich verübter bei Schannenbach. vid. No. 16. bei J. A. Heusner

5.) Straßenraub auf der Höhe bei Neunkirchen

Die Beraubten sind die Juden Meier Moses von Trebur und Anschel Meyer von Griesheim. Nach deren eidlichen Aussagen und den Bekenntnissen Erbeldingers ist der Verhalt folgender gewesen: Beide Beraubte nebst dem Juden Löw, sodann Moses Feist und Feist Moses von Trebur waren Sonntags am 18ten August 1805 auf der Reise nach Beerfelden auf den dasigen Markt begriffen. Es war Morgens 9 Uhr, als sie auf der gewöhnlichen Straße zwischen Neunkirchen und Laudenau sich befanden: die drei letztere Juden gingen den beiden ersteren, welche zu Pferde saßen, etwa 300 Schritte voraus. Die Fußgänger hatten die Reitenden in einer Tiefe, durch welche die Straße führt, aus dem Gesicht verloren, als diese an einer Waldecke von den drei Räubern, welche mit großen Messern in der Hand an dem Weg postiert waren, angefallen und von den Pferden herunter gerissen wurden. Von dem Pferd des Anschel Meiers schnitt Tascher zwei in einem Achselsäckchen dermßen aufgebundenen gewesene Gurten, dass auf jeder Seite eine derselben hing, los. Meier Moses wurde von dem Überrheiner Hann-Adam auf die Erde gelegt, ihm ein Messer an den Hals gesetzt und eine um den Leib getragene Gurte von Tascher losgeschnitten. Er wurde sodann visitiert, ihm die Hosen heruntergezogen und da die Räuber hierbei die aus dem Sack getragene Uhrkette wahrnahmen, so fasste der Überrheiner Hann-Adam solche; Meier Moses hielt aber die Uhr in der Hand fest, der Räuber schlug ihm indes auf die Hand, dass er dieselbe fahren lassen musste, worauf jener die Uhr zu sich steckte, die losgerissen gewesene Kette aber auf dem Platz zurücklies.

Die Beraubten nahmen während ihrer Beraubung Menschen in der Nähe war, die Vieh hüteten, und schrien deshalb, obgleich die Räuber ihnen den Mund zuhielten, um Hülfe, allein vergeblich. Erbeldinger drohte ihnen mit Hals-Abschneiden, wenn sie fortschrien. Die Beraubten setzten indeß das Geschrei dennoch fort und die Räuber wurden dadurch bestimmt, sich fort zu machen, indem sie noch von dem Geld, welches bei dem Zerschneiden der Gurte, welche Meier Moses um den Leib trug, auf die Erde gefallen war, 22 fl. liegen ließen. Ein Säckchen mit 45 Carolin, welches dieser Jude noch bei sich trug, fanden die Räuber nicht. Außer dem in den Gurten befindlich gewesenen Geld wurde dem Anschel Meier ein mit Messing beschlagener hölzerner sogenannter Ulmer Pfeifenkopf samt Pfeifenrohr von Horn abgenommen. Jeder von den Räubern trug eine der Gurten vom Platz. Sie zogen sich in die Waldungen und teilten den Raub ungefähr eine Stunde von dem Ort des verübten Verbrechens. Nach Erbeldingers Angabe trug es ihm zu seinem Antheil etwa 216 fl. Er fing damit einen Handel mit kurzen Waren an und kaufte dazu von dem Johann Adam Heusner ein Pferd und Karren.

Von dem Tascher war auch einer von den Conrads-Buben zu dem Straßenraub bestellt gewesen; da solcher inzwischen nicht dazu genommen wurde, so rächte er sich dadurch, dass er dem Überrheiner Hann-Adam seinen Krämerkasten in seiner Herberge zu Rimbach holte.

Nach der eidlichen Aussage der Beraubten betrug das geraubte Geld, welches sich in den beiden Gurten befand, welche vom Pferd abgeschnitten wurden, 600 fl; in der Gurte des Meier Moses aber befanden sich 25 Carolin. Der Wert der Uhr, welche eine silberne war, ist zu drei Kronenthaler, und der des Pfeifenkopfs zu 45 kr. angegeben.

Das Gerücht nannte gleich nach der Tat den Tascher und Erbeldinger als Teilnehmer an diesem Raub; es geschah indes gegen solche gar nichts, auch nicht einmal, nachdem sie wieder nach Steinau und Billings zurückgekehrt waren, von wo sie zur Zeit des Raubes wegen Diebstahls sub No. 15 flüchtig gingen.

6.) Straßen – Raub zwischen Weinheim und GroßSachsen, vid. No, 27. bei J. A. Heusner

Nach Erbeldingers Angabe führte Heusner bei diesem Straßenraub eine Pistole bei sich.

C.) Attentirte Straßenräubereien

7.) Attentierter Straßenraub bei Schrießheim vid. No. 13. bei J. A. Heusner

D.) Diebstähle durch Einbruch und Einsteigen

8.) Diebstahl zu Groß-Bieberau

Er wurde vor 7 Jahren im Vorsommer zur Nachtzeit an dem Einwohner und Branntweinbrenner Johann Georg Tarrier zu Groß-Bieberau von Jakob Erbeldinger, und Georg Tascher verübt. Es wurde

mittelst eines Schaberers eingebrochen, und aus der Küche zwei Stücke Leinwand gestohlen.

9.) Diebstahl durch Einsteigen auf der Hippelsbach im Amte Lichtenberg

Teilnehmer daran sind:

  • Jakob Erbeldinger
  • Georg Tascher
  • Sebastian Werner, und
  • Lorenz Müller

Der Diebstahl wurde im Sommer 1809 des Nachts verübt, und Werner, der damals bei dem Nachbar des Bestohlenen des nun verstorbenen Henrich Nikolaus Vogels, Georg Hartmann, als Maurer gearbeitet hatte, soll ihn verraten haben, Nach den übereinstimmenden Bekenntnissen Erbeldingers und Taschers hatten sich die Diebe in der Nacht der Ausführung an einen, eine gute Strecke von der Hippelsbach entlegenen Brunnen gelagert, von wo aus Werner an das zum Diebstahl ausersehen gewesene Haus von ihnen abging, um, wie Tascher sagt, zu sehen, ob die Leute schliefen. Derselbe kam sodann wieder zu den übrigen an den Brunnen zurück, worauf sie sämtlich nach der Hippelsbach zogen. Werner stieg hier auf einer von ihm herbei geholt und angestellt wordenen Leiter an dem Hause in die Hohe, brach eben an dem Giebel desselben (Tascher und Erbeldinger wollen nicht wissen, mit welchem Instrument) ein Gefach aus, durch welches er und nach ihm auch Taschner auf den Boden des Hauses einstiegen und Dörrfleisch, Weißmehl und Gesäms entwendeten, während Erbeldinger und Müller unten auf der Erde blieben, wo sie zur Vermeidung alles Geräusches den vom Ausbrechen des Gefachs herabgefallenen Schutt in einem Sack aufgefangen hatten. Den Wert des Gestohlenen gibt die Vogelsche Witwe auf ungefähr 100 fl. eidlich an.

30.) Diebstahl zu Herchenrode. vid, No. 132. bei J. A. Grasmann

Erbeldinger will behaupten, dass Grasmann und der dicke Bub die Gelegenheit zum Diebstahl gewusst haben.

11.) Diebstahl durch Einbruch zu Wersau. vid. No. 120. bei J. A. Heusner

Nach Erbeldingeers Angabe war er angeblich von Heusner genötigt, zuerst einzusteigen und dieser stieg ihm dann nach: beide holten zusammen das Gestohlene aus dem Haus. Heusner und dessen Frau waren den Abend in der Dämmerung zu Erbeldinger in seine Wohnung gekommen, hatten sich einen Kaffee machen lassen und dabei den Anschlag zur Teilnahme an dem Diebstahl gegeben.

12.) Diebstahl durch Einsteigen und Einbruch zu Asbach im Amt Lichtenberg

Er wurde von Jakob Erbeldinger, Georg Tascher, und dessen ältestem Stiefsohn vor fünf Jahren im Sommer zur Nachtzeit an dem Einwohner Johann Philipp Ruths verübt. Georg Tascher hatte die Gelegenheit verraten. Er stieg auf einer Leiter, die nach Angabe des Bestohlenen seinem Nachbar zustand, auf den über dem Viehstall befindlichen Boden, und brach von da aus ein Gefach in das Haus ein. Diese Öffnung führte in eine Kammer. Da aber Tascher wusste, dass nicht hier, sondern auf dem oberen Hausboden das Dörrfleisch, auf welches es abgesehen war, sich aufbewahrt befand, so brach er, wie er jenes merkte, ungefähr 3 Schuhe höher ein zweites Gefach aus, welche Öffnung dann auf den oberen Boden führte und durch die er so nach dahin einstieg. Zum Einbrechen bediente er sich eines oben gespitzten Stück Holzes. Von dem Boden stahl Tascher sofort Dörrfleisch und Wolle, sodann, wie der Bestohlene noch weiter angibt, fünf noch ganz gute Fruchtsäcke, ein paar Zugstränge, sodann etwas Erbsen und Nüsse. Erbeldinger war dem Tascher nachgestiegen und nahm diesem das Gestohlene ab. Der Stiefsohn Taschers musste Schildwache stehen. Nach Aussage des Bestohlenen befand sich in der Kammer, in welche zuerst eingebrochen wurde, ein verschlossener Kasten mit Kleidungsstücken, an welchem Spuren des gemachten Versuchs, ihn zu erbrechen, sich gezeigt haben sollen; allein Erbeldinger und Tascher leugnen es, dass einer in diese Kammer gekommen sei. Der Wert des Ablati betrug 56 fl.

13.) Diebstahl durch Einsteigen zu Herchenrode

Es waren Jakob Erbeldinger, Georg Tascher, und die Gebrüder Matthes und Leonhard Handschuh, welche diesen Diebstahl in der Nacht von 12ten auf den 13ten April 1808 an dem Einwohner Johannes Delp zu Herchenrode verübten. Auch hier stieg Tascher von dem am Haus befindlichen Grasgarten mittelst einer hinter dem Haus vorgefundenen Leiter durch eine offene Ladenöffnung in das zweite Stockwerk. Nach der Aussage des Bestohlenen war die Ladenöffnung, oder, wie er es nennt, das Gefach mit einem hölzernen Gitter versehen, von dem Tascher angibt, dass es ein in der Öffnung gerade in die Höhe gestandenes Stück Holz gewesen sei, wie von einem Fensterkreuz, auf beiden Seiten aber Raum genug gewesen wäre, um ohne dessen Wegräumung einsteigen zu können.

Er entwendete sodann aus einer unverschlossen gewesenen Kammer Dörrfleisch und Mehl. Die drei andern Teilnehmer standen während der Ausführung des Diebstahls an verschiedenen Stellen unten am Haus Wache, Auch zu diesem Diebstahl gab Tascher die Gelegenheit und machte die Bestellung dazu. Der Wert des Ablati ist zu 56 fl. Angegeben.

14.) Diebstahl durch Einbruch zu Hahn im Großherzogl. Hess: Amt Reinheim

Die Täter sind:

  • Jakob Erbeldinger
  • Georg Tascher
  • Matthes und
  • Leonhard Handschub, sodann
  • Nikolaus Jungblut

Er wurde im Jahre 1808 oder 1809 um Pfingsten an dem Einwohner Peter Daniel Bonin zu Hahn verübt. Nah seiner eidlichen Aussage hatte er um die angegebene Zeit auf einen Samstag etwa einen Zentner Dörrfleisch und eine Wurst aus dem Hause des Daniel Bonin, wohin er das Fleisch zum Räuchern gegeben gehabt hatte, in seine Behausung gebracht, und dasselbe in seinem Hinterbau in eine Kammer oben hinauf aufbewahrt. Schon in der Nacht vom nächsten Sonntag auf Montag wurde ihm Dörrfleisch und Wurst nebst 10 Laib Brot und 5 – 6 Kumpf Rübsamen entwendet. Die Diebe waren von einer hinter dem Haus gelegenen Wiese gekommen, hatten an der Treppentüre des Hinterhauses das Schloss aufgebrochen und waren so ohne weitern Widerstand in die Kammer gekommen. Den Wert des Ablati gibt der Bestohlene zu 40 fl. an.

15.) Diebstahl zu Willmshausen

Es waren

  • Jakob Erbeldinger
  • Georg Tascher, und
  • des ersteren Schwager, Henrich Frank

welche diesen Diebstahl zu Willmshausen in dem Standessherrlichen Amt Schönberg an dem Einwohner Conrad Hahnewald in der Nacht vom 16ten auf den 17ten Juny 1805 verübten.

Henrich Frank arbeitete bei seinem zu Willmshausen ansässigen Bruder auf seiner Profession als Leinenweber. Er kam hierbei öfters in des Bestohlenen Haus, welcher der Nachbar seines Bruders ist, und sah die Gelegenheit aus. Er gab davon seinem Schwager dem Erbeldinger und dieser dem Tascher Nachricht, worauf die Ausführung des Diebstahls beschlossen wurde. In der bestimmten Nacht trafen jene beiden mit Henrich Frank bei Willmshausen zusammen. Sie zogen nun von dem Feld her an das Haus des Bestohlenen. Tascher brach mit einem Meisel neben der hintern Küchentüre eine Öffnung, durch welches er dann eingriff, den einen Riegel zurückschob und so die Türe öffnete. Eine Bütte, in welcher Leinwand und etwa 6 Pfund leinen Garn in der Lauge eingeweicht lag, stand gleich zunächst der Türe, Tascher nahm beides, reichte es dem Erbeldinger dar, der solches dem vor der Türe gestandenen Henrich Frank weiter gab, welcher es sodann in zwei mitgebrachte Säcke einpackte. Die Diebe zogen sofort mit dem Bestohlenen nach Billings, wo das Tuch in der Wohnung des Erbeldingers aufbewahrt, von ihm und seiner Frau in dem Garten getrocknet und dann geteilt wurde. Nach der eidlichen Angabe des Bestohlenen betrug die gestohlene Leinwand 186 Ellen und das leinene Garn 5 – 6 Pfund. Er hat den Wert des Tuchs auf 72 fl. eidlich gewürdigt.

Es war gegenwärtiger Diebstahl, wegen dessen Erbeldinger sich ein Paar Jahre von Billings entfernt hatte und ohne festen Wohnsitz herumzog. Sein Schwager Henrich Frank war wegendesselben bei dem Amt Schönberg in Untersuchung gekommen und Erbeldinger hatte Besorgnis, als Teilnehmer entdeckt zu werden. Jener leugnete indes alles kurz weg und die übel geleitete Untersuchung blieb zuletzt ganz auf sich erliegen. Im vorigen Jahr wurde Frank inzwischen hier wegen dieses Diebstahls zur Untersuchung gezogen, zum Geständnis gebracht und ist nun zu zweijähriges Zuchthausstrafe verurteilt.

E.) Versuchte Diebstähle

26.) Attentierter Diebstahl zu Lützelbach

Teilnehmer sind:

  • Erbeldinger,
  • Georg Tascher, und
  • dessen Bruder Hannes Tascher *)

*) Erbeldinger nahm in der Folge seine Angabem das Hannes Tascher dabei gewesen, zurück.

Eine Schwester des Tascher, Namens Anna Maria, hafte bei dem Einwohner Johannes Beilstein zu Lützelbach, ein paar Wochen in Arbeit gestanden, und ihrem Bruder Georg den Diebstahl verraten.

Georg Tascher, sein Bruder und Erbeldinger, die dazu angeworben wurden, zogen daher nach Lützelbach, um den Diebstahl auszuführen. An dem Haus des Beilsteins wurde eine Leiter angestellt, auf der Georg Tascher an die Ladenöffnung des Bodens stieg, das vor dieser Öffnung angenagelt gewesene hölzerne Geräms zum Teil losbrach und dann selbst einstieg; sein Bruder war ihm nachgestiegen und auf der Leiter stehen, Erbeldinger aber unten zur Wache zurück geblieben. Noch ehe etwas aus dem Haus herausgebracht war, wurden indes die Diebe von einem Einwohner zu Lützelbach, der seinen Kameraden zum Dreschen abholen wollte, entdeckt und dadurch verscheucht, dass derselbe dem hatte bestohlen werden sollenden am Fenster klopfte. Unverrichteter Sache musste daher Erbeldinger mit seinen Gesellen abziehen. Tascher machte ihm bei dem Rückweg den Vorwurf, dass er dem Einwohner von Lützelbach, der sie entdeckt und ihn angerufen hatte, statt Antwort nicht auf den Kopf geschlagen habe.

17. und 18.) Attentierter Diebstahl zu Etzen-Gesäß in der Grafschaft Erbach und Attentierter zu Spachbrücken in dem Großherzogl. Hess, Domanial-Amt Reinheim

Die Teilnehmer an dem ersten Attentat waren:

  • Erbeldinger,
  • Georg Tascher
  • ein gewisser Hilbert, und
  • noch ein Einwohner von Etzen-Gesäß, dessen Name unbekannt ist
  • An dem zweiten Attentat nahmen Teil:
  • Erbeldinger
  • Georg Tascher,
  • Hilbert
  • Glaser
  • Jungbluth
  • Leonhard Handschuh
  • Sebastian Werner, und noch
  • einige nicht namhaft gemachte Einwohner aus der Grafschaft Erbach

Bei dem ersten Diebstahl war es auf das Geld eines ledigen Müllers angesehen. Der Diebstahl unterblieb, weil einige der dazu bestellt gewesenen Gesellen ausblieben, oder weil andere unvorhergesehene Hindernisse sich entgegengestellt hatten, worüber Erbeldinger und Tascher nicht einig sind. Bei dem zweiten Diebstahl war es auf den Juden Jakob Neumann zu Spachbrücken abgesehen, in dessen Wohnung Erbeldinger bei Gelegenheit, dass er Besen zum Verkauf herumtrug, einen stark verschlossenen Koffer unter dem Bett wahrgenommen, und von einem andern Juden erfahren hatte, dass Neumann darin über ein Simmer voll großer Thaler aufbewahre.

Der Sammelplatz zur Ausführung des Diebstahls wurde an der Groß-Bieberauer Brücke bestimmt und ausgemacht, dass von den Erbachern Gewehre mitgenommen werden sollten. Zu zwei verschiedenen malen wurde eine Nacht zur Ausführung bestimmt, diese unterblieb aber, weil beide mal die verschiedenen Parthien der Räuber nicht zusammentrafen.

Außer den vorbemerkten Verbrehen wurde Erbeldinger, nachdem die Akten schon zur Entscheidung eingeschickt waren, noch von Peter Fleck beschuldigt, dass er

a) in Gesellschaft mit seinem, des Fleck‘ Vater und älterem Bruder Ludwig zu Egelsbach, Großherzogl. Amts Hirschhorn, in dem mittelsten Bauernhaus einen Schafdiebstahl

b.) in Gesellschaft der nämlichen zu Hetschbach einem Wagner, der zugleich Wirt ist, Bienenstöcke gestolen, und

c.) ebenfalls mit Peter Fleck’s Vater und seinem genannten älteren Bruder bei Beerfelden einen Straßenraub attentiert habe, der um deswillen nicht ausgeführt worden, weil die Juden, auf deren Beraubung es abgesehen war, die Straße, wo die Tat geschehen sollte, schon vorübergegangen waren.

Erbeldinger stellte indes die Wahrheit dieser Bezichtigungen, als man ihn noch darüber vernahm, mit dem Zusatz in Abrede: er habe ohnehin schon mehr gesagt, als er habe sagen sollen; man fragte ihn um eine nähere Erklärung dieser Worte, und da gab er denn an: dass er darunter meine, wenn er nicht so viel eingestanden hätte, es besser um ihn stehen würde. Eine genügsame Bestätigung der hohen Wahrscheinlichkeit, dass bei diesem Purschen nicht sämtliche Verbrechen entdeckt worden sind, und er mit deren Bekenntnis aus Furcht, sich dadurch größere Strafe zuzuziehen, zurückgehalten hat. Wahrscheinlich aus dem nämlichen Grunde verweigerte er zu österlicher Zeit zu beichten und das heil. Abendmahl zu genießen, als ihm der Verfasser nach geschlossener Untersuchung und eingesandt gewesenen Akten vor Ostern dazu aufforderte. Er antwortet trotzig, dass er schon seit mehreren Jahren nicht gebeichtet und das Abendmahl genossen habe, daher auch jetzt nicht beichten wolle, und blieb dabei, ob man ihm gleich die wiederholte Versicherung gab; dass seine Beichte bei dem Geistlichen keinen Einfluss auf die Untersuchung habe, was er sichtbar fürchtete. Nur den Bemühungen des würdigen Geistlichen Rat und ersten katholischen Pfarrers daher, Herrn Haslachers gelang es endlich ihn auf andere Gesinnungen zu bringen.

Erbeldinger führte übrigens in den Gegenden des Odenwaldes den Nahmen Mordbrenner, weil er die Einwohner gewöhnlich durch die Drohung: dass er ihnen einen roten Hahn auf das Haus stecken wolle (Feuer anlegen), abzuschrecken suchte, gegen ihn als Angeber aufzutreten.