C. Straßen-Räubereien

Actenmäßige Nachrichten von dem Räubergesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern. Besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben Von C.F. Brill, Großherzogl. Hessischem Kriminal-Richter zu Darmstadt. Erste Abtheilung.

Inhalt

20.) Straßen Raub zwischen Altenbach und Schrießheim

Sonntags am 7ten August 1808 wurden die Juden Heyum Marx, dessen Sohn Herz Heyum, desselben Gehilfe Herz Kahn und Michael Samuel, sämtlich von Schriesheim, zwischen diesem Ort und Altenbach angefallen und beraubt.

Die Täter waren:

Johann Adam Heusner,

dessen Bruder Stephan Heusner,

Johann Adam Grasmann,

Zunder-Albert (Albert Krämer) und

Der kleine Johann,

Dieselben waren von Groß-Zimmern aus auf die Tat ausgegangen, indem ihnen bekannt war, dass die Juden den am 8ten August eingetretenen Markt zu Beerfelden besuchten. In Laudenau bei Grumbach kehrten sie am Freitag Abend auf der Freiheit, einer der öffentlichen Sicherheit bisher sehr gefährlich gewesenen Räuberhöhle, ein. Von dem Besitzer Johann Adam (Lautenschläger) liehen sie zu ihrem Unternehmen, von dem sie solchen unterrichteten eine Flinte. Nach Einbruch der Nacht zogen dieselben weiter.

Johann Adam Heusner und der kleine Johann gingen in den Ort Albersbach herein, während die andern ihren Weg um dasselbe herum nahmen.

Heusner klopfte dem dasigen Schuhmacher Johann Adam Rettig um Mitternacht am Fenster und lieh von ihm einen Karabiner. Auf der sogenannten Juchhe bei Bonsweiher verweilten die Räuber den Tag über. Die Gewehre verbargen sie in der Nähe in Gebüsche. Während dem sie hier verweilten, kam auch der Schultheis von Bonsweiher dahin, trank mit ihnen uns sah mit zu, wie sie den Abend beim Weggehen die Gewehre wieder zu sich nahmen. Johann Adam Grasmann lieh von dem Besitzer der

Juchhe Michel Fuhr eine Pistole zu dem vorhabenden Raub. Gegen Abend brachen die Räuber von hier nach Weiher, wo sie in dem dasigen Wirtshause des Michel Eberle. Vulgo Saumichel, einkehrten, Stephan Heusner eine Pistole lieh und sie sodann so lang verweilten, bis es Zeit war, auf den zum Raub bestimmten Platz zu gehen. Die Gewehre wurden ohne Hehl in dem Wirtshause gezeigt. Sämtliche waren mit Schrot geladen, Heusner führte den in Alsbersbach geliehenen Karabiner, der kleine Johann aber die Flinte von der Freiheit. Die Räuber hatten die Frechheit auf den Weg nach Weiher den Grasmann in ihre Mitte zu nehmen, und solchen den ihnen Begegneten für ihren Arrestanten auszugeben, den sie an das Amt bringen wollten.

Es war schon einige Stunden Tag, als sie auf dem Platz in dem Wald zwischen Schriesheim und Altenbach ankamen. Nachdem sie eine Stunde verweilt hatten, kamen die erwarteten Juden. Johann Adam Heusner und der kleine Johann hielten sie an und forderten ihnen mit den Gewehren in der Hand das Geld ab, obgleich kurz vorher mehrere Menschen an ihnen vorbei nach Schriesheim

in die Kirche gegangen und noch nicht weit entfernt waren. Die Angegriffenen retteten sich indes mit der Flucht, bis auf den Herz Kahn, der festgehalten und nach der Angabe Grasmanns zu Boden geschlagen wurde. Johann Adam Heusner nahm ihm die Geldgurte, in der sich 46 fl. befunden haben sollen. Einen der Juden verfolgte der kleine Johann mit dem Gewehre in der Hand bis unter die vorerwähnten Kirchenleute. Heyum Marx hatte, ehe er floh, nach seiner Angabe einen Schlag mit einem Stock oder Flinte auf den Kopf bekommen und auf der Flucht seinen Geldbeutel weggeworfen, den er in der Folge jedoch wieder erhielt. Außer der Gurte wurde dem Beraubten das Werk von einer Taschenuhr und ein blauer Tuchrock abgenommen.

Die Räuber begaben sich nach der Tat in die Gegend von Wilhelmsfeld, wo sie teilten und von da auf die Trumm, wo sie: des Nachts ankamen und bei einem dasigen Einwohner die Flinte und den Karabiner einstellten, dann aber bis am Tag sich in den Wald legten und sofort ihren Weg nach

Hammelbach nahmen. Hier wurden Albert Krämer und der kleine Johann, die durch den Ort gehen wollten, während dem die drei andern ihren Weg um denselben nahmen, unter den falschen Namen Johannes Selzer und Johannes Jahn arretiert, als Vagabunden in das hiesige Stockhaus gebracht, aus dem letzterer kurz nachher durchbrach, ersterer aber nach einem kurzen Arrest wieder entlassen

wurde, da von dem gegenwärtigen Straßenraub hier nichts bekannt war.

Grasmann, Johann Adam und Stephan Heusner wurden zwar von den in damaliger Erntezeit im Felde gewesenen Schnittern verfolgt, flüchteten aber in die nahe Waldung, indem sie ihre Verfolger

durch Vorhaltung der Pistolen von sich zurück zu hatten wussten.

41.) Straßenraub bei Hauswurz

Bei dem folgenden Straßenraub waren Teilnehmer:

Johann Adam Heusner,

Veit Krämer,

Hessen – Henric<h(Henrich Festweber);

Überrheiner Wilhelm (Wilhelm Rhein),

Krämer Matthes, und

Kleiner Johann.

Die Tat geschah am 10ten Mai 1808. Johann Adam Heusner hatte als Krämer auf dem Markt zu

Herchenheim feil, als ihm die aderen Teilnehmer den Vorschlag taten, die den Markt besucht habenden Viehhändler zu berauben.

Sie warteten auf der Straße nach Hauswurz die Gelegenheit dazu ab. An den Gärten vor dem Orte Gunzenau gesellten sie sich zu den, von erwähntem Markt, auf den sie zum Teil Vieh zum Verkauf gebracht hätten, zurückkehrenden Heinrich Weber, einem im Auszug lebenden alten Mann von Romerts; Peter Wehner und Johann Georg Falter, beide Bauern von dem nämlichen Orte und zweien Juden aus Fliedern. Unter dem Vorgeben, dass sie, die Räuber, Viehhändler von Gersfeld seien und Vieh auf den Herchenheimer Markt getrieben gehabt, ließen sie sich mit diesen Leuten im ein Gespräch ein, bei dem sich Johann Adam Heusner und Überrheiner Wilhelm insbesondere mit dem – den andern hinten nachgegangenen alten Heinrich Weber unterhielten, und von ihm zu erforschen suchten, was er mit den andern für Geld bei sich haben mögte. So kamen sie zusammen bis ohnfern des Dorfes Hauswurz an eine Stelle im Wald, wo zwei vorher sich getrennt gehabte Wege wieder zusammenstießen.

Hessen-Heinrich setzte sich hier plötzlich nieder, als wenn ihm einte Unpässlichkeit zugestoßen sei, und die nichts Arges ahndenden bisherigen Gesellschafter der Räuber stellten sich um ihn herum. Im Augenblick sprang nun Hessen-Henrich auf, zog unter dem Kittel, den er anhatte, eine Pistole hervor und donnerte den Unbefangenen entgegen: „ Gebt das Geld her oder das Leben! Plötzlich fielen nun

jetzt sämtliche Räuber über die Menschen her: Henrich Weber wurde von dem Überrheiner Wilhelm angepackt, heftig geschlagen, aber dem ohngeachtet nicht bezwungen: Heusner kam daher jenem noch zur Hilfe und nun erhielt Weber nicht nur wiederholte Schläge, sondern wurde auch gebunden und ihm seine Gurte mit 16 1/2 Carolins vom Leibe gerissen. Die beiden Bauern Peter Wehner und Georg Falter wurden von den andern Räubern ebenfalls mit Schlägen sehr misshandelt, mit Füßen getreten, gebunden und ersterem eine Gurte mit 25 fl., dem letzteren aber eine dergleichen mit 8 Carolins geraubt. Dem Juden Jäkel hatte Heusner seine wenige Barschaft und eine Tabakspfeife

ebenfalls genommen, beides ihm aber wieder gegeben, da er lamentierte, dass er ein armer Mann sei und kleine Kinder habe.

Krämer-Matthes raubte indes dem nämlichen Juden das Geld wieder; Heusner setzte sich zwar dagegen und verlangte, dass er demselben das Geraubte wieder zurückstellen sollte, Matthes stellte sich auch so an, als wenn er dieses tun wolle, allein er behielt das Geld und unterschlug es bei der

Teilung. Jud Mannchen erhielt einen bedeutenden Schlag auf den Kopf, er rettete indes die paar Gulden Geld, die er bei sich hatte, dadurch, dass er es in die Hosen verbarg, wo solches von dem Räuber nicht gesucht wurde.

Auffallend ist die Verwegenheit, mit welcher dieser Straßenraub begangen wurde! es war noch heller Tag und so nahe bei dem Dorf Hauswurz, dass man, nach der Versicherung der Beraubten, in dem Ort ihr Geschrei hätte hören müssen. Als Ursache der durch Schläge erlittenen Misshandlungen gibt daher Heusner besonders den Umstand an, dass die Beraubten so heftig geschrien hätten. Ohne

Scheu kehrten die Räuber nach der Tat auf dem nämlichen Weg, den sie in Gesellschaft der Beraubten gegangen waren, wieder zurück.

Außer dem von den Damnificaten eidlich angegebenen Betrag des geraubten Geldes, wurden denselben noch verschiedene Effekten von unbedeutendem Wert geraubt.

12.) Straßenraub zwischen Höchst und Altenhaßlau

Am 13ten Dezember 1808 wurden zwischen Altenhaßlau und Höchst im Großherzogl. Frankfurtischen Gebiet verschiedene Ochsenhändler angegriffen. Mach dem Einbekenntnis des Johann Adam Heusner und des zu Breuberg hingerichteten Christian Haags vulgo dicken Buben

waren die Täter außer ihnen beiden noch:

Zinngießers Ludwig,

Stephan Heusner, und

ein dem Namen nach unbekannter vormals Mainzischer Soldat

Dem Zinngießers Ludwig war von einem Wirth zu Geislitz verraten, dass auf den bestimmten Tag die Ochsenhändler von Frankfurt kommen würden, und dieser gab davon dem damals in Roth bei Gelnhausen gelegenen Johann Adam Heusner Nachricht. Sie kamen darauf mit ihren obengenannten drei anderen, Spießgesellen in dem Hause des erwähnten Wirts des Abends zusammen und

tranken bis den andern Morgen etwa anderthalb Stunden vor Tag, wo sie an den zum Angriff bestimmten Platz zwischen Altenhaßlau und Höchst abzogen. Johann Adam Heusner führte eine Pistole und Zinngießers Ludwiglehnte bei dem Wirth noch zwei Gewehre, die so wie jene vor dem Aufbruch nach Angabe Heusners von dem Wirt selbst mit Schrot geladen wurden.

Etwa eine halbe Stunde vor Tag kamen die Ochsenhändler, nach der Angabe Johann Adam Heusners

vier an der Zahl, unter ihnen einer zu Pferd, und in ihrer Gesellschaft auch ein Handwerkspursche. Sie wurden von Zinngießers Ludwig, dem dicken Buben und dem ehemalig Mainzischen Soldaten sogleich angegriffen, während Johann Adam Heusner und sein Bruder noch etwas zurück waren, da sie die Ankunft der Reisenden noch nicht so bald vermutet hatten. Der von dem dicken Buben angegriffene Handwerkspursche wehrte sich gegen diesen und den hinzugekommenen Stephan Heusner mit einem Stock-Degen und verwundete jenen an der Hand. Er hatte dadurch nichts gewonnen, denn der dicke Bub packte den Degen, zerbrach ihn auf dem Knie und nun wurde der Angegriffene von ihm und dem Stephan Heusner zur Erde gerissen, mit seinem eigenen Stock mit Schlägen misshandelt, und seiner in einem Päckchen bei sich getragen gehabten Effekten und seines Geldes beraubt.

Der zu Pferd gewesene Ochsenhändler, welcher das Hauptgeld bei sich hatte, eilte nach Altenhaßlau zurück und entkam, obgleich Zinngießers Ludwig-zweimal ihm nachschoss. Auch zwei von den Fußgängern entsprangen, einer aber wurde festgehalten und des bei sich gehabten Geldes beraubt, welches in 120 fl. bestanden haben soll.

Die Räuber nahmen nach der Tat ihren Weg nach Erbstadt, wo der die Bub und Stephan Heusner

noch an ihren Händen die erhaltenen Wunden trugen, und Zinngießers Ludwig den Stock des Handwerkspurschen führte, in welchem der Degen sich befunden hatte.

Nach den Aussagen des Schultheißen zu Altenhaßlau, die in den hierher mitgeteilten Akten vorkommen, (eine förmliche Untersuchung konnte wegen des Verbrechens nicht vorgenommen werden), sind es außer dem Handwerkspurschen sechs Mann gewesen, die angegriffen worden. Unter ihnen war ein sicherer Michael Martin von Bischofsheim, der für die übrigen 100 Carolins in einer über die Schulter gehangenen Gurte getragen hatte, und ein Jude, namens Meier von Schondern, der zu Pferd war und 1300 fl. Bei sich hatte. Die Gesellschaft war Morgens früh um 4 Uhr

von Altenhaßlau weggegangen.

Der erste Angriff geschah auf den Michael Martin mit dem Anrufen: „Spitzbube, gib das Geld her!“ Derselbe gab indes einem der Räuber über das Gesicht einen Schlag mit dem Stock, dass er zusammen stürzte und seine Pistole fallen ließ: Die übrigen Räuber sprangen nun herbei, es geschahen vier Schuss, wodurch Michael Martin jedoch unbedeutend verwundet wurde.

Durch das Schießen scheu, warf das Pferd, worauf der Jude saß, seinen Reiter mit dem Geld herunter und sprengte leer nach Altenhaßlau zurück, und der Jude ihm nach und machte die Anzeige. Das Geld wurde wieder gefunden.

Einer der andern Ochsenhändler hatte zwei Hiebe an den Kopf und an den Beinen. Der  Handwerkspursche war ein Zimmermann und von Frankfurt; die ihm geraubte Barschaft bestand in 5 fl. Außer ihm kamen die übrigen der Angegriffenen sämtlich nach Altenhaßlau zurück.

13.) Straßenraub in dem Altkronauer Wald

Nach Pfingsten 1803 (dahin bestimmt sich die Zeit nach einem von Martin Rupprecht einige Tage vorher zu Münzenberg begangenen Diebstahl) waren Heusner und der kleine Johann zu Steinau unweit Schlüchtern in dem Haus des dasigen Zinngießers, einem Schwager des großen Johann. Dieser machte ihnen den Vorschlag, Juden bei ihrer Rückkehr von dem Markt zu Zeitlofs zu berauben.

Während dem sie zusammen noch hiervon sprachen, kamen Jochem und dessen Bruder Hannfried (Joachim und Johann Friedrich Koh, letzterer zu Meinungen verhaftet), die damals mit irdenem Geschirr handelten, an dem Hause vorbei. Der kleine Johann rief sie herein, es wurde ihnen der Vorschlag zum Raube gemacht, und er von ihnen sogleich angenommen. Jochem und Hannfried führten die Beischläferin von Albert Krämer bei sich, die wurde abgeschickt, noch drei tüchtige Spießgesellen zu der Sache aufzusuchen. Sie traf zu Diedelsheim den Krummen Hannjost, Martin Rupprecht und Heiden-Peter, die wenige Tage vorher zusammen einen Diebstahl zu Münzenberg begangen hatten, gab ihnen von dem vorseienden Raub Nachricht mit dem Bedeuten, dass sie nur zu dem Zinngießer nach Steinau gehen sollten, wo sie die andern antreffen oder hingebracht werden würden, wo dieselben seien. Noch ehe Hannjost und die beiden andern nach Steinau kamen, waren inzwischen Heusner und die oben bei ihm weiter Genannten bereits auf den zur Ausführung des Raubs bestimmten Platz in dem Altkronauer Wald von dem Zinngießer geführt worden, da sie sämtlich der Gegend unkundig waren. Jenen wurde deshalb von dem Zinngießer die Gegend in dem Waldbezeichnet, wo sie die andern antreffen würden. Hannjost, und die beiden andern gaben bei ihrer Ankunft in der Gegend zwar durch Pfeifen das Zeichen von sich, aber ohne Antwort zu erhalten.

Sie lagerten sich deshalb in den Wald, schliefen eine Zeit lang und wiederholten nach ihrem Erwachen das Zeichen durch Pfeifen, aber ebenso vergebens. Endlich nahm Martin Rupprecht den Heusner mit seinen Gesellen wahr, diese wiederholten das Zeichen, worauf sie sich denn zusammen vereinigten und Heusner jedem seinen Platz anwies, den er bei dem Raubangriff einnehmen sollte.

Die Räuber lagen an einer Stelle, wo der Weg eine Krümme macht, wodurch die erwarteten Juden verhindert waren, sie eher wahrzunehmen, als bis sie bei ihnen angekommen waren. Sie hatten sich noch nicht lange vereinigt, als die Juden, achtzehn an der Zahl und in ihrer Gesellschaft noch zwei Bauern, die ein Paar Ochsen trieben, und zwei Weibsleute, ankamen. Sie wurden sogleich angehalten und aufgefordert, ihr Geld herzugeben. Es geschah dies von dem kleinen Johann und Heusner mit der Pistole in der Hand. Die Juden, wahrscheinlich sich auf ihre Anzahl verlassend, versuchten es, sich zur Wehre zu setzen, wurden daher mit Schlägen misshandelt und ihres Geldes nebst einer kleinen silbernen Pfeife und zweier silbernen Uhren beraubt.

Die Bauern und die Weibsleute ließen die Räuber unangetastet ihres Wegs ziehen. Der mit einer Pistole bewaffnet gewesene Hannjost wurde bei dem Angriff nicht gebraucht, sondern musste in den Hecken bleiben, weil die Räuber fürchteten, durch dessen krumme Hände verraten zu werden.

Hannfried hatte einem der Juden die Gurte abgerissen, dass der Riemen zersprang und das Geld heraus auf die Erde fiel. Er wollte solches mit der Gurte aufheben, bekam aber von dem Juden einen Schlag auf den Kopf und dieser nahm die Gurte wieder zu sich. Nun erhielt aber derselbe von

jenem Schläge und die Gurte wurde wieder abgenommen. Hannfried ließ indes die Gurte wieder auf die Erde fallen und jetzt nahm sie Heusner zu sich. Eine zweite Gurte soll ebenfalls Hannfried einem andern der Juden abgenommen haben. Martin Rupprecht misshandelte einen der Juden mit Schlägen, weil er sich gewehrt hatte : er nahm ihm ein Beutelchen mit zwei Kronenthalern ab.

Die Beute wurde nicht weit von dem Platz geteilt, wo der Raub geschehen war. Ohngefähr vier Schritte davon war die Hütte eines Kohlenbrenners, dem Martin Rupprecht bei dem  Vorübergehen zwei Sechsbätzner auf Anweisung des Heusners hinlegen und ihm zurufen musste: „Da, nimm das für einen Schnaps.“

Es ertrug jedem der Räuber zu seinem Anteil an der Beute 120 fl. Der Zinngießer in Steinau erhielt für seine Dienste zwei Carolin, die ihm Heusner durch die Beischläferin des Albert Krämers zusandte.

14.) Straßen-Raub zwischen Usenborn und dem Neuhof

An dem folgenden Straßenraub waren Teilnehmer:

Johann Adam Heusner

Usenborner Lips (Philipp Wiederspann von Usenborn)

Kleiner Johann

Scheeler Peter

Stephan Heusner

Der Usenborner Lips wollte auch den Veit Krämer und dessen Vater, Albert Krämer, angeben, allein ersterer widersprach dieses nicht nur, sondern Johann Adam Heusner und der in Gießen verhaftete Heiden-Peter stellen solches auch in Abrede. Es waren die Juden Lekisch Oppenheimer und dessen

Tochter, David und des Juden Judas Knecht, sämtlich von Usenborn, sodann die dasigen christlichen Einwohner, Johannes Severin, Johannes Gerhard und Johannes Beller, die am 31ten August 1808 in dem Wald zwischen Usenborn und dem Neuhof auf ihrer Rückkehr von dem Markt zu Gedern angegriffen und beraubt wurden.

Johann Adam Heusner hatte schon auf dem, dem Gederner Markt vorhergegangenen Markt zu Ortenberg mit dem Überrheiner Wilhelm und einem vor zwei Jahren als Vagabund indem hiesigen Stockhaus gesessenen sichern Johannes Stelz von Stammheim den Plan, die letzteren Markt besuchenden Juden anzugreifen und zu berauben Stelz war auch auf den Markt gegangen, um abzuwarten, bis die Juden die Waren einpackten und sollte dann diesen voraus auf den zum Raub bestimmt gewesenen Platz eilen und den beiden anderen, die sich daselbst schon angestellt hatten, die Botschaft davon bringen. Die Ausführung des Raubs unterblieb aber, weit Stelz, der, nach der Angabe Heusners, zu dem vorgehabten Raub nur durch Beredung sich bestimmt hatte, Reue empfand und auf dem bestimmten Platz sich nicht eingefunden hatte, und es neben dem noch zu früh am Tag war, wie die Juden bei dem Platz vorbei kamen, wo Heusner und Überrheiner Wilhelm auf sie warteten, als dass der Raub ohne große Gefahr hätte unternommen werden können.

Johann Adam Heusner erfuhr indes von dem Usenborner Lips, dass der nächste Markt, den die Juden aus seinem Ort besuchten, zu Gedern sei, dass er den Weg, den sie nähmen, gut wisse, und da  hierbei Lips zugleich den Vorschlag machte, die Juden zu berauben ; so wurde dies auch alsbald beschlossen und die nähere Verabredung mit den andern Teilnehmern getroffen. Die Räuber kamen

in der Gegend von Diedelsheim zusammen und gingen in zwei Parthien auf den zum Raub bestimmten Platz in den Wald zwischen dem Neuhof und Usenborn.

Johann Adam Heusner und Usenborner Lips trugen Pistolen bei sich, die übrigen waren mit Stöcken oder vielmehr Prügeln bewaffnet.

Die oben bemerkte Gesellschaft, von der „die drei Christen zum Tragen der Waren der Juden gedungen waren und von denen Severin sein 13jähriges Mädchen bei sich hatte, war Abends um halb sieben oder sieben Uhr von Gedern weggegangen, auf dem Neuhof eingekehrt und nach einem kurzen Verweilen um die Zeit, dass man Licht ansteckt, von da wieder aufgebrochen. Sie kam an den Wald da es bei dem damaligen regnerischen Wetter schon ziemlich finster war.

Ein paar Büchsenschuss davon entfernt liegt eine Ziegelhütte, in dieser befanden sich Johann Adam Heusner und Heiden Peter noch und tranken Wasser, als die Gesellschaft an solchen vorbei ging. Beide folgten derselben sogleich nach.

In dem Augenblick, wo die Gesellschaft hinter einander gehend, an dem Platz angekommen war, wo die drei andern Räuber, kleiner Johann, Stephan Heusßner und Usenborner Lips auf sie warteten, stürzten diese aus den Hecken mit dem Anruf: „Halt, die Waren ab!“ hervor.

Der Jude Lekisch Oppenheimer und dessen 26jährige Tochter wurden zu Boden geschlagen, und ersterem sein bei sich gehabtes Geld, angeblich in 30 – 40 fl. bestehend, geraubt ; Letztere wurde insbesondere von dem Usenborner Lips, den sie nach ihrer Versicherung bestimmt erkannte, mit auf die Brust gesetzer Pistole angepackt und mit einem Prügel auf den Kopf geschlagen, dass sie zu Boden stürzte, und hier hingestreckt und fortwährend mit Schlägen misshandelt, ihre Weiblichkeit von dem nämlichen Räuber mit infamer Brutalität beleidigt.

Johannes Gerhard, der die Waren des Juden Juda trug, wurde von Stephan Heußner mit einem Prügel auf den Kopf geschlagen, dass er zusammen stürzte : derselbe raffte sich sogleich wieder auf und rettete sich von weiteren Misshandlungen mit der Flucht, ohne etwas von den getragenen Waren zu verlieren.

Johann Boller, der die Waren des Juden Lekisch zu tragen hatte, machte sich sogleich bei dem ersten Anruf der Räuber auf die Flucht, indem er das Reff, worin er die Waren trug von sich abwarf.  Usenborner Lips versuchte nach ihm zu schießen, das Pulver brannte aber ab.

Der von der Gesellschaft mit seinem Mädchen zuletzt gegangene Johannes Severin wurde von Johann Adam Heusner und dem Heiden-Peter angegriffen. Jener gab ihm zuerst mit seinem Stock einen Schlag auf den Kopf, den letzterer wiederholte und ihm sodann einen Stoß auf die Brust versetzte, von dem er mit dem auf den Rücken getragenen Reff, oder, wie Johann Adam Heusner

sagt Kasten mit Waren, rücklings zusammen stürzte. Das Mädchen des Severins fiel auf ihren Vater, und schrie sehr heftig: es wurde ihr von Johann Adam Heusner in einem rauhen Ton und der Drohung Stillschweigen geboten, dass ihr sonst der Hals abgeschnitten werden wurde.

Heusner nahm dem zu Boden Gestürzten nunmehro den Kasten, von welchem der eine Tragriemen bei dem Zusammenstürzen zerplatzt war, ab und hängte ihn dem Heiden- Peter auf; – das andere Reff mit Waren nahm der kleine Johann auf den Rücken und so zogen die Räuber ab und nahmen den Weg nach Diedelsheim.

Noch während die Räuber mit den Beraubten beschäftigt waren, hatte sich der Usenborner Lips mit einem Pack Waren entfernt und wurde deshalb bei der Teilung der übrigen Beute ausgeschlossen.

Diese Beute bestand in einer bedeutenden Quantität verschiedener Ellenwaren, als wollen Tuch, Flanell, Kattun, Halstücher, Band usw., welche Waren den Juden Lekisch Oppenheimer und David Dotterus zugehörten.

Einen Teil der Beute hatte Heiden-Peter auf dem Rückweg verloren oder weggeworfen, weshalb er bei der Teilung keinen Anteil an dem Band erhielt. Die Teilung geschah zu Diedelsheim in dem Hause eines dortigen mit den Räubern vertrauten Einwohners Namens Ochsenhirts.

15.) Straßenraub zwischen Butzbach und Wetzlar

Am 21ten August 1809 wurden die Gebrüder und Tuchmacher Ludwig und Philipp Eisenhard und des ersteren Sohn Johannes Eisenhard von Niederkleen im Nassau-Weilburgischen Amte Atzbach, bei ihrer Rückkehr von dem Markte zu Wetzlar, den sie mit ihren Fabrikaten besucht hatten, Abends

gegen 9 Uhr eine Viertelstunde von dem Ort Klein Rechtenbach in der sogenannten Hochelheimer Wald-Ecke auf der Chaussee von Räubern angegriffen, schrecklich misshandelt und der bei sich geführten Waren und ihres Geldes beraubt.

Die Teilnehmer an diesem durch die gefährliche Misshandlung der Beraubten sich auszeichnenden

Raub waren:

Johann Adam Heusner

Hessen- Henrich (Heinrich Festweber),

Überrheiner Wilhelm (Wilhelm Rhein)

Martin Rupprecht

Selnröder Ludwig (Ludwig Funk)

Conrad Anschuh

Heiden-Peter (Peter Görzel)

Krummer Hannjost (Justus Holzapfel)

Ein zweiter Hannjost vulgo Lumpen: Jost genannt,

Schwarzer Jung *)

*) Die in Gießen einsitzenden Teilnehmer: Heiden-Petry, Conrad Anschuh, Schwarzer Jung, Lumpenjost und Ludwig Funk nennen auch den sogenannten Schoden-Henrich als Komplizen; Johann Adam Heusner widerspricht aber dieser Angabe beharrlich eben so wie Martin Rupprecht.

Der Kriminal-Richter Hofgerichts-Rath von Grolmann findet kein Bedenken, in seiner Aktenmäßigen Geschichte usw. da, wo er das gegenwärtige Verbrechen aufführt, die Angabe des Heusners, dass Schoden- Henrich an demselben keinen Theil genommen, mit einer Note zu beehren; der Wert dieser Anmerkung bestimmt sich inzwischen von selbst, wenn man die Zahl der Teilnehmer, wie sie Heusner angibt, mit dem zur Unterstützung seiner Behauptung, dass Schoden-Henrich nicht dabei gewesen, angegebenen Grund, dass er von daher, dass sie aus dem in dem Wirtshaus zu Münzenberg von dem Raub verkauften Tuch 10 Carolins erlöst und jeder eine Carolin erhalten, bestimmt wisse, dass es ihrer nur zehn gewesen, vergleicht. Übel wird es Herr Hofgerichts-Rat von Grolmann nicht nehmen, dass man den Heusner nicht durch physische Mittel dazu gezwungen hat, auch den Schoden-Henrich als Teilnehmer zu nennen.

Die Räuber kamen in dem Hofhaus zu Münzenberg zusammen. Hessen- Henrich hatte die Gelegenheit zu dem Raub gewusst und unter andern den Heusner mit dem krummen Hannjost und Heiden-Peter zu Aich bei Ostheim, so wie den gleichfalls in der Gegend gelegenen Überrheiner Wilhelm dazu angeworben. In dem Hofhaus zu Münzenberg verweilten die Räuber, bis in die Nacht, wo sie dann auf die Straße von Wetzlar nach Butzbach zogen; und ungefähr, drei Viertelstunden von diesem Ort in dem Wald sich lagerten. Morgens ungefähr um 10 Uhr machten sich Johann Adam Heusner und Heiden-Peter nach Wetzlar, um näher auszuforschen, ob die von letzterem gekannt gewesenen Personen, auf die es abgesehen war, auf dem Markt sich befänden und bezeichneten deren Warenkasten mit Kreide, um daran sie auf der Straße zu erkennen. Bei ihrer Zurückkunft wurde sich nun an die Stelle gelagert, die zur Ausführung des Raubes bestimmt war. Hessen-Heinrich führte einen in Münzenberg geliehenen Karabiner bei sich, Johann Adam Heusner, Martin Rupprecht, Heiden-Peter und,  was Heusner jedoch nicht gewiss wissen will, der krumme Hannjost Pistolen. Die anderen führten, wie gewöhnlich, Prügel.

Als die Gebrüder Ludwig und Philipp Eisenhard und des Ersteren Sohn mit dem Karn, worauf sie ihre und sodann die Waren eines gewissen Schneider Dallinger‘s von Niederkleen bei sich führten, an dem Platz, wo die Räuber lagen, anlangten, sprangen sämtliche aus dem Gebüsch. Mit vorgehaltenem Karabiner rief ihnen Hessen-Henrich „Halt !“ zu. Der den Karren geführt habende Ludwig Eisenhard erhielt von dem frommen Hannjost einige Schläge auf den Kopf, dass er zusammen stürzte. Mit Hilfe des Johann Adam Heusners würde von dem Überrheiner Wilhelm der Karren gewendet und eine Strecke in den Wald geführt, hier die Kasten aufgeschlagen,und die darin vorgefundenen Waren, bestehend in mehreren Sorten Tuch, seidnem Band, Spitzen, Kattun, leinenem Tuch, Sammet und wollenem Band und etwas Kaffee und Zucker herausgenommen.

Ludwig Eisenhard, der sich von den ersten Schlägen wieder ermannt hatte, suchte sich zwar zu wehren, allein er wurde überwältigt, dem Karren in den Wald nachgeführt, und hier unter fortwährenden Schlägen und Stößen gebunden. Ohnmächtig zu weiterem Widerstand lamentierte und schrie er zu den Räubern, ob sie denn keinen Gott hätten? erhielt aber von einem mit der Antwort:,,wart, ich will dir den Gott geben“ einen Faustschlag ins Gesicht, ein anderer aber schlug einen Karabiner auf ihn an. Da er immerfort lamentierte, schrie ein dritter Räuber dem mit dem Karabiner zu: „ Schieß den Hund tot!“ und dieser drückte auf ihn los, das Pulver brannte aber auf der Pfanne ab. Gebunden auf der Erde liegend, durfte er sich nach seiner Aussage nicht umsehen; so sehr er dieses versuchte, erhielt er von einem der bei ihm gestandenen Räuber einen Schlag ins Gesicht mit den Worten: „, Hund, siehst du dich auch noch um?“ Nach Johann Adam Heusners Angabe war es Hessen- Heinrich, welcher gegen den Ludwig Eisenhard den Karabiner anschlug und losdrückte; er behauptet aber, dass dieses gleich anfänglich und ehe derselbe noch in den Wald gebracht worden, geschehen sei : von dem drohenden Zuruf: „schieß den Hund tot!“ will derselbe nichts wissen. Martin Rupprecht und Ludwig Funk waren nach jenes Eingeständnis diejenigen, welche den Ludwig Eisenhard, da er sich wehrte, mit Schlägen misshandelten und in den Wald brachten. Ersterer nahm ihm hier den nach dessen Angabe in 150 fl. bestandenen Markt- Erlös aus dem Büchsensack.

Johannes Eisenhard suchte gleich in dem ersten Augenblick nach Klein-Rechtenbach durch die Frucht zu entspringen, er wurde aber von dem Hessen-Henrich, dem Johann Adam Heusner zuletzt noch zu Hilfe kam, eingeholt, an Händen und Füßen gebunden, auf das Gesicht gelegt und seines Markt – Erlöses, nach seiner Angabe in 50 fl. bestehend, und einer silbernen Uhr beraubt. Umsehen durfte sich der Beraubte hierbei nicht; so oft er dies versuchte, erhielt er von Hessen-Henrich einen Schlag ins Gesicht. Sonst erlitt er keine Misshandlung, da er ruhig war und sich weiter nicht zur Wehre setzte. Ein Räuber soll nach seiner Angabe zuletzt noch mit einem Karabiner immer auf ihn angeschlagen, auch losgedrückt haben, ohne dass jedoch der Schuß losgegangen ist. Am grausamsten und gefährlichsten wurde Philipp Eisenhard misshandelt.

Gleich bei dem ersten Angriff sprangen zwei der Räuber auf ihn zu, einer schlug ihn auf den Kopf, während der andere sich seines Markt- Erlöses, der gegen 100 fl. betrug bemächtigen wollte. Derselbe setzte sich nach seiner Angabe dagegen zur Wehre, so, dass er mit den Räubern zusammen in einen Graben fiel. Sogleich drangen noch andere Räuber auf ihn ein, er wurde in den Wald geschleppt, und hierbei von einem mit einem Prügel auf Kopf und Schultern so heftig geschlagen, dass er besinnungslos liegen blieb. Es waren nach Johann Adam Heusners Angabe die in Gießen einsitzenden Conrad Anschuh und Johann Justus Dietz, vulgo Lumpen- Jost, welche den Philipp Eisenhard so sehr misshandelten. Er wurde hierüber so ergrimmt, dass er den Conrad Anschuh zurückstieß, und da dieser den Prügel nun gegen ihn hob, ihn den Graben stürzte. Anschuh gibt selbst diesen Zug von Menschlichkeit den Heusner auch bei andern Gelegenheiten blicken ließ, an, und will nur nicht einer von denjenigen gewesen sein, welcher die Misshandlung verübt hat, sondern gibt den Lumpen: Jost als denjenigen an, welchen Heusner deshalb in den Graben geworfen hat, dieser bleibt dagegen dabei, dass dies kein anderer, als er, der Anschuh gewesen. Heusner blieb noch zuletzt bei dem schwer verwundet gewesenen Philipp Eisenhard und verband ihm auf sein Bitten den Kopf mit seinem Schnupftuch, das er solchem aus der Tasche zog.

Nach vollzogenem Raube kehrten die Räuber wieder auf den Hof zu Münzenberg zurück. Hier wurde noch in der nämlichen Nacht das Meiste des geraubten Tuches an einen dasigen Juden um 10 Carolins, die seidenen Bänder aber an einen andern Juden um 3 Carolins verkauft. Die übrige Beute wurde geteilt, bis auf das dem Johannes Eisenhard geraubte Geld und silberne Uhr, welche nach Johann Adam Heusners Angabe Hessen – Henrich unterschlug.

Nach dem Abzuge der Räuber hatte sich zuerst Johannes Eisenhard von seinen Banden an den Füßen zu befreien gewusst; mit auf den Rücken gebundenen Händen eilte er nach Klein-Rechtenbach und von da nach Gross-Rechtenbach um Hilfe ; in der Meinung, dass sein Vater und Onkel totgeschlagen worden sei. Auf dem Weg dahin schnitt ihm der Schäfer von Klein-Rechtenbach die Stricke entzwei, mit denen seine Hände auf den Rücken gebunden waren.

Auch Ludwig Eisenhard wusste sich nach Entfernung der Räuber aufzurichten. Mit noch auf den Rücken gebundenen Händen eilte auch er nach Klein-Rechtenbach, wo inzwischen schon durch die Ankunft seines Sohnes die Einwohner in Alarm gesetzt waren.

Den Philipp Eisenhard fanden die zu Hilfe Gekommenen in seinem Blute und ohne Besinnung auf dem Platz liegend: das Pferd mit dem Karren war im Walde an einen Baum gebunden.

Nach dem viso reperto fanden sich an letzterem elf beträchtliche Kopfwunden 3 die beiden Schulterblätter und Arme waren durch die heftigen Schläge aufgeschwollen und mit Blut unterlaufen. Das linke Schulterblatt war zersprengt, und die Röhre des Ober-Arms zerschlagen. Ludwig Eisenhard hatte gleich über dem Stirnbein eine drei und einen halben Zoll lange bis auf’s Cranium tiefe Wunde, am Hinterhaupt eine Wunde von zwei und einen halben Zoll Länge; beide Hände aber waren durch das Zusammenbinden und Schläge geschwollen.

Nach der eidlichen Angabe der Beraubten betrug der Wert des Geraubten einschließlich des Geldes und ausschließlich einer auf dem Karren gelegenen Flinte 2332 fl. 35 kr. Philipp Eisenhard und Schneider Dallinger wurden durch den Verlust in ihrem Nahrungsstand ganz zurückgesetzt, und bei ersterem hatten die erlittenen Misshandlungen die noch jetzt fühlbaren traurigsten Folgen auf seine Gesundheit. Bei Ludwig Eisenhard ist dieses der Fall weniger, allein er leidet noch jetzt an öfteren Schwindel. Nach der Angabe Heusners, mit der auch die des Martin Rupprechts übereinstimmt, waren die Beraubten inzwischen diejenigen nicht, auf welche es die Räuber eigentlich abgesehen hatten.

Heusner hat dieses Verbrechen zuerst und ehe noch einer der in Gießen einsitzenden Teilnehmer etwas davon angegeben hatte, freiwillig angegeben; dessen Aussagen wurden alsbald dem dortigen Kriminalgericht mitgeteilt.

16.) Versuchter Straßen- Raub auf der Höhe bei Neunkirchenund am nämlichen Tag wirklich vollzogener Raub bei Schannenbach

Johann Adam Heusner

Johann Adam Grasmann

Georg Tascher von Steinau und

Jakob Erbeldinger von Billings

hatten sich im September 1805 auf einen Sonntag Morgen bei Neunkirchen im Oberamt Lichtenberg auf die sogenannte Germannshöhe in den Wald gelegt, und hier den auf den Beerfelder Markt gehenden Handelsjuden aufgelauert. Die desfallsige Verabredung war schon früher getroffen, und dem zufolge beide erstere Räuber schon den Samstagabend vorher auf dem Platz eingetroffen, zu denen sich die beiden andern Sonntags früh gesellten. Sie hatten zusammen bis nach der Kirche zu Neunkirchen vergeblich auf die ausersehenen Juden gewartet, und da damit die Zeit herum war, um welche diese gewöhnlich den Weg zu kommen pflegten, auch nach der Kirche die mit ihrem Vieh in die Gegend kommenden Weidbuben zu fürchten waren; so wurde auf Antrag Johann Adam Heusners beschlossen, auf einen andern Platz zu gehen und da auf Bündel- Juden zu lauern, die von den Fürther oder Rimbacher Märkten, welche auf den nämlichen Sonntag fielen, rückkehren würden. Die Räuber brachen daher auf und lagerten sich unfern dem Ort Schannenbach, nicht weit von einem Walde, der Seidenbuch genannt; an den Heppenheimer Weg.

Noch vor Sonnenuntergang kam der Jude Salomon Joseph von Reichenbach, von dem Rimbacher Markt zurückkehrend, und seine Waren in einem Sack tragend, auf der andern Seite des Ackers, an dem die Räuber an dem Weg gelagert waren, den Fußpfad her.

Wegen des Gesträuchs und der Felsen nahm derselbe diese nicht wahr. Er war eine kleine Strecke fortgegangen, als die Räuber beschlossen, ihn anzugreifen und zu berauben. Erbeldinger und Heusner sprangen durch den Wald demselben vor, Grasmann und Tascher folgten ihnen. Der Erbeldinger war der vordere und Heusner ungefähr noch 60 Schritte entfernt, als solcher mit dem Juden an einer einzeln stehenden dien Buche, unvermutet zusammenstieß. Er wurde sogleich von Erbeldinger mit „Halt !“ angerufen und ihm sein Warensack von der Schulter gerissen. Der Angegriffene suchte zwar das Herz des Räubers zu erweichen, indem er ihm vorstellte, dass er ein armer Mann sei, allein das schlug bei diesem nicht an, der ihm vielmehr erwiderte, dass er auch ein armer Mann sei und Kinder habe. Der Jude suchte darauf zu entfliehen, allein Erbeldinger holte ihn ein, führte ihn zu dem Warensack zurück und gab ihm zwei Schläge auf den Kopf, dass er sinnlos zu Boden fiel. Er kniete sich darauf auf denselben und nahm ihm seine Waren und sein Geld bis auf 36 kr. aus der Tasche und kehrte darauf mit dem Raub zu seinen, in einiger Entfernung zurückgebliebenen, Spießgesellen zurück, indem er den Beraubten auf der Straße liegen ließ.

Die geraubten Waren bestanden nach Angabe des Beraubten in baumwollenen und seidenen Halstüchern, Herrnhuter Zeug usw. und hatten den Wert von 300 fl., das geraubte Geld aber betrug 25 fl. Die Räuber teilten noch in der nämlichen Nacht bei Kirschhausen. Nach ihrer Angabe betrug das Geld nicht so viel, als wie der Beraubte angibt, indem jeder nur 23-24 Batzen zu seinem Anteil erhalten haben soll; auch den Wert der Waren erklären sie für weit zu hoch angegeben. Der Beraubte hatte nach seiner Angabe zwei Löcher im Kopf und brachte an 8 Wochen mit seiner Wiederherstellung zu.

17.) Straßen-Raub zwischen Reinheim und Spachbrücken

Johann Adam Heusner hatte auf dem Hundert-Morgen, einem Hof bei Ueberau in dem Amt Reinheim, von dem dasigen Beständer Ludwig Schanz, einen ausgezeichneten Hehler und Begünstiger der Räuber, verraten erhalten, dass ein Jude von Spachbrücken den Markt zu Brensbach besuche, der schöne Waren führe, und dabei den Anschlag erhalten, solchen zu berauben. Heusner gab hiervon dem Überrheiner Wilhelm Nachricht und beide, zu denen sich noch Hannfried (Johann Friedrich Koch) und der kleine Hann-Adam, (Johann Adam Weis), gesellten, kamen den nächstfolgenden Markt zu Brensbach, am 31ten März 1809 von Erbstadt über den Main herüber in der Absicht, den Juden zu berauben. Bei dem erwähnten Schanz auf dem Hundert-Morgen, an dessen Haus die Straße von Brensbach nach Spachbrücken vorbei führt, kehrten sie ein und warteten hier ungefähr drei Stunden, als der Jude Simon Jakob von Spachbrücken mit dem dasigen Taglöhner Johann Georg Stromberger, der dessen Waren auf einem Schubkarren fuhr, und seinem Dienstmädchen, Fromet, von dem Markt zu Brensbach zurück vorbei kam. Während dem Simon Jakob mit dieser seiner Begleitung seinen Weg durch Überau und Reinheim fortsetzte und an ersterem Ort eine Erfrischung zu sich nahm, gewannen ihm die Räuber den Vorsprung auf dem Weg nach Spachbrücken ab. Es war Abends zwischen 7 und 8 Uhr nach eben aufgegangenem Monde, als jene schon ganz in der Nähe von Spachbrücken vier Männer, anfänglich unter einem Apfelbaum stehend und dann auf sich zukommen sahen. Guten Mutes über seinen Markt-Erlös und in der Meinung, dass diese Menschen von dem gerade auch zu Darmstadt gewesenen Markt zurückkämen, machte Simon Jakob seinem Begleiter die Bemerkung, dass sie da jetzt erfahren könnten, wo der beste Markt gewesen sei; er hatte indes dies kaum gesprochen, als einer von den vier Männern (es waren die eben genannten Räuber) und zwar der Überrheiner Wilhelm an dem Taglöhner Stromberger vorbei auf ihn zuschoss, ihn an-der Brust fasste und zu Boden warf; die drei andern umringten den Stromberger, der den Schubkarren, auf welchem die Waren geladen waren, alsbald fallen ließ und zu entfliehen suchte, aber sogleich auch wieder eingeholt wurde. Der kleine  Hann-Adam schlug mit einem Prügel nach ihm, er wehrte indes die Schläge mit dem vorgehaltenen Arm ab, fasste den Prügel, worauf aber auf jenes Rufen um Hilfe der Hannfried herbei kam und ihm mehrere Schläge auf den Kopf gab, dass er. dreimal zu Boden sank; der kleine Hann-Adam setzte ihm sodann einen Fuß auf den Hals, dass er das Gesicht nicht umwenden könnte. Das Dienstmädchen des Simon Jakob suchte auch zu entfliehen, wurde aber von einem der Räuber eingeholt und musste sich neben den Stromberger, das Gesicht auf die Erde gewandt, nieder legen.

Simon Jakob, der nach seiner Aussage gleich anfänglich einige Schläge auf den Kopf erhalten hatte, sträubte sich gegen den Überrheiner Wilhelm, der hm in den Taschen nach dem Geld suchte, und schrie. Heusner, der damit beschäftigt war, die Stricke an dem Schubkarren, mit welchen die Waren befestiget waren, entzwei zu schneiden, rief deshalb dem Wilhelm zu: „wenn er nicht still hält, so schneid ihm den Hals ab!“ oder, wie die Beraubten sagen „schneid ihm das Eingeweid‘ aus dem Leibe!“ indem er, Heusner, zugleich mit dem Messer in der Hand herbei kam, und den Juden festhielt, während ihm Wilhelm das Geld aus der Tasche nahm. Die auf dem Schubkarren gepackten Waren, so wie die, welche Simon Jakob selbst trug, wurden gleichfalls aufgepackt, und die Räuber nahmen dann ihren Weg nach einem Wald, dem sogenannten Dörnbach. Da die Beraubten und Misshandelten fortdauernd sehr schrien, so verfolgten die Räuber indes den Weg, den sie zu nehmen willens waren, nicht, sondern nahmen vielmehr einen andern in entgegengesetzter Richtung an Rohrbach vorbei – über Ober-Ramstadt und Darmstadt, nach Langen, indem sie, um ihre allenfallsige Verfolger irre zu führen, ein Stück Satin von den geraubten Waren absichtlich in anderer Richtung auf dem Weg zurückließen.

Von Langen aus, wo sie mit Tagesanbruch ankamen, nahmen sie ihren weiteren Weg nach Sprendlingen, lenkten hier von der Chaussee rechts ab nach Offenbach hin, verbargen die Waren in einen dasigen Wald, frühstückten sodann noch zu Neu-Isenburg, worauf sie nach Frankfurt gingen, den Abend aber von da zurückkehrten, die Waren abholten und sofort bei Rumpelheim über den Main fuhren. So waren dieselben bereits am folgenden Morgen über 20 Stunden von dem Ort der Tat entfernt, während in der Nähe Streifzüge zu ihrer Habhaftwerdung angestellt wurden. Es lag überhaupt in der Taktik der gegenwärtigen Räuber und ihrer Gesellen, dass sie sich bei Hauptunternehmungen nicht in der Nähe des Orts, wo solche ausgeführt werden sollten, aufhielten, sondern 30 und mehrere Stunden weit her kamen, und nach der Tat eben soweit sich eiligst wieder entfernten, und so gewöhnlich alle Anstalten zu ihrer Verfolgung fruchtlos machten. Die geraubten Waren bestanden in wollenem Tuch verschiedener Gattung, Bieber, Bieber Satin, Flanell und anderen Ellen-Waren verschiedener Gattung: den Wert derselben gibt der beraubte Simon Jakob auf 1100 bis 1200 fl. den Betrag des Geldes aber auf 70 – 80 fl. an.

Nach dem chirurgischen Fundschein hatte Simon Jakob eine Wunde auf dem linken Seitenbein von 2 Zoll Länge, welche die äußere Bedeckung getrennt hatte und mit einer starken Kontusion umgeben; Johann Georg Stromberger aber hatte eine drei Zoll lange Wunde auf der linken Seite des Stirnbeins, welche bis auf das epicranium eingedrungen war, sodann eine starke Kontusion und Sugillation an dem rechten Vorderarm.

18.) Straßen- Raub zwischen Oberrad und Heusenstamm

Am 20ten September 1809 wurde der Fuhrmann Dieter Gans von Groß-Zimmern auf der Feldgrenze von den Ortschaften Dietzenbach und Ober-Roden von mehreren Räubern angegriffen und die auf seinem Karren geladenen Krämer-Waren geraubt.

Die Täter dieses Straßenraubes waren:

Johann Adam Heusner

Johann Adam Grasmann

Kleiner Johann

Hannfried (Johann Friedrich Koch)

Der, krumme Hannjost und

dessen Schwager Hannes (Johannes Sippel)

Diese Gesellschaft war von der Jenseite des Mains auf gut Glück herübergekommen, um eine Gelegenheit zum Rauben zu suchen. In der ersten Nacht warteten sie in einem Tannenwalde bei Froschhausen, durch welchen die Landstraße zieht, vergeblich darauf. Sie trennten sich den Morgen und kamen an einem bestimmten Platz wieder zusammen. Abends in der Dämmerung begegnete ihnen auf der Straße von Ober-Roden nach Frankfurt verschiedene von letzterer Stadt zurückkehrende Krämer und Schuhmacher von Gross- und Klein-Zimmern die Heusner zum Teil kannte. Bald nach ihnen kam auch der Fuhrmann Dieder Gans mit seinem Karren entgegen, auf dem die von jenen in Frankfurt gekauften Waren geladen waren. Hannjost, der mit Hannfried ungefähr 30 Schritte vor den übrigen Räubern voraus war, redete den Gans an, was er fahre? und bekam die Antwort: „Leder.“ In dem Augenblick wurde aber auch Gans angehalten, Hannjost gab ihm zwei Schläge auf den Kopf, dass ihm, nach seiner Angabe, das Blut dem Gesicht herunter lief; der immittelst mit den Übrigen gleich herangekommen gewesene Heusner fasste das Pferd und führte den Karren ungefähr 70 Schritte in das Feld hinein, dem Dieter Gans aber wurden von Hannes Sippel die Augen mit dem Schnupftuch zu, die Hände aber mit seiner eigenen Peitsche auf den Rücken gebunden und er so von demselben und den Gras8smann dem Karren nachgeführt und ihm das Schreien unter der Drohung, ihm den Hals abzuschneiden, untersagt. Er wurde etwas entfernt von dem Karren auf die Erde mit dein Gesicht gegen dieselbe gekehrt, gelegt und von Johannes Sippel, dann auch vom Grasmann eine Zeitlang bewacht. Die andern packten immittelst den Wagen ab und nahmen von den darauf sich befundenen Krämer-Waren, was ihnen anstand, und sie am besten fortbringen konnten. Nach der Angabe des Fuhrmanns sollen auch auf dem Karren befindlich gewesene Fässer zerschlagen worden sein, was inzwischen Heusner, Grasmann und der kleine Johann in Abrede stellen. Während dem der Karren abgepackt wurde, hatten sich auch Sippel und Grasmann von dem Fuhrmann entfernt, und dieser benutzte diese Gelegenheit zu entfliehen. Jener setzte zwar demselben, da Heusner seine Flucht gewahr worden war, nach, allein er konnte ihn nicht einholen. Den Karren mit dem Pferde ließen die Räuber im Felde stehen. Die geraubten Gegenstände bestanden in verschiedenen Ellen-Waren, Schnupftabak, Kaffee und Zucker, eine Kiste mit Lichtern wurde aufgeschlagen und verdorben. Von einem Pack Leder, der ebenfalls auf dem Karren sich befand, wurden nur von dem kleinen Johann ein Paar Kalbfelle zu einem Paar Stiefel genommen. Die Eigentümer der geraubten Waren, Peter Anton Brand von Klein-Zimmern, Heinrich Gorbel von Groß-Zimmern und Johann Georg Herbert von da, gaben den Wert des Geraubten auf 742 fl. 33 kr. an, worunter jedoch die ruinierte Kiste mir Lichtern, die Kalbfelle und der von dem Fuhrmann Dieter Gans zu 16 fl. angegebene Wert von Kaffee und Zucker, welcher sein Eigentum gewesen, nicht begriffen ist. Der Raub wurde noch in der nämlichen Nacht bei Rennbrücken geteilt. Heusner führte dabei eine Pistole.

19.) Straßen -Raub zwischen Diedelsheim und Hainchen

Nach dem vorigen Straßenraub kehrten die Räuber wieder auf die Jenseite des Mains zurück und sechs Tage nachher wurde ein anderer zwischen Diedelsheim und Hainchen verübt.

Hierbei waren Teilnehmer:

Johann Adam Heusner

Johann Adam Grasmann

Martin Rupprecht

Kleiner Johann

Matthes Österlein, vulgo Krämer – Matthes

Andreas Fischer (Martin Rupprechts Schwager, in Marburg verhaftet)

Veit Krämer, und

dessen Bruder, Jakob.

Es waren die Handelsjuden, Abraham Löw, nebst dessen Knecht, Aron, Löw Löser, Jakob Simon und Abraham Moses von Diedelsheim Moses Löw von Büdingen und Jakob Isaak von Wachenbuchen, sodann ein zehnjähriges Judenmädchen von Frankfurt, welche am 26 September 1809 die   Frankfurter Messe besuchen wollten, und Abends halb elf Uhr in dem Wald zwischen Diedelsheim und Hainchen von den oben bemerkten Räubern angegriffen, mit Schlägen hart misshandelt und beraubt wurden.

Dem Johann Adam Heusner war die Gelegenheit von den Gebrüdern Ochsenhirt zu Diedelsheim, deren Haus vertraut war, und in welchem die  Beute von dem oben sub No. 14. vorgetragenen Raub geteilt wurde, verraten. Er und der kleine Johann gingen zusammen von den übrigen Räubern ab nach Diedelsheim und erkundigten sich daselbst bei den Baldoveren noch näher nach der Abfahrt der Juden und dem Weg, den sie nehmen würden, während dem die andern zu Hainchen in dem Hause des dasigen Schäfers auf ihre Rückkunft warteten. Nach den Nachrichten, welche Heusner und der Kleine Johann zu Diedelsheim einzogen, sollten die Juden den Weg über Lindheim nehmen: der Fuhrmann, den dieselben gedungen hatten, war aus dem Hause der Gebrüder Ochsenhirt, und wusste, nach Heusners Angabe, von dem Anschlage, der auf die Juden gemacht war.

Aus des Schäfers Haus zu Hainchen gingen die Räuber zuerst Abends auf die Straße, welche nach Lindheim führt; sie lagerten sich hier in einem Kartoffelacker und schliefen zum Teil, als Grasmann das Abfahren des Wagens im Dorfe hörte und daraus zugleich wahrnahm, dass die Juden einen andern Weg fuhren. Die Räuber säumten nun nicht, im Laufe denselben auf der Straße nach Hainchen zuvorzukommen. Heusner führte die Flinte bei sich, welche nach seiner Angabe von der Mühle zu Breitenborn mitgenommen worden war und die er einem Einwohner zu Hainchen in Verwahrung gegeben hatte; Grasmann und Martin Rupprecht hatten Pistolen.

Die Gewehre waren mit Schrot geladen. In dem Wald zwischen Diedelsheim und Hainchen wurden die Juden erwartet, wo dieselben, meistens neben dem Wagen hergehend, Abends ungefähr halb elf Uhr eintrafen. Ungewiss, ob sie die, zum Berauben Beabsichtigten, seien, gingen Heusner, Martin Rupprecht und der kleine Johann noch ungefähr acht Schritte in den Hecken denselben gleich an der Straße hin, als einer von solchen sie dadurch verriet, dass er, über das Geräusch aufmerksam gemacht, den andern in dem jüdisch-deutschen Dialekt zurief: „Mosche, hör? einmal, was ist da !“ Plötzlich drangen nun die Räuber, Heusner an ihrer Spitze, aus den Hecken hervor, überfielen die Juden, schlugen sie zu Boden und nahmen ihnen das bei sich gehabte Geld, zwei Uhren und einige Kleidungsstücke, welche den Beraubten vom Leibe ausgezogen wurden, einiges Brandsilber und ein Pfeifenbeschläg ab.

Heusner packte den Juden Abraham Löw von Diedelsheim und bewillkommte ihn, da er ihn schon früher mit andern in seinem Hause hatte berauben wollen, mit den Worten: „Spitzbube, habe im dich einmal! Gib das Geld her!“ Abraham Löw erhielt nach seiner eidlichen Aussage mit einer Pistole zwei Schläge auf den Kopf, dass er zusammenstürzte, worauf er von drei Räubern ausgeplündert wurde. Jakob Isaak von Wachenbuchen erhielt von Heusner mit der Flinte einen Stoß – und Grasmann nahm ihm das Geld, die Uhr und zog ihm ein Paar Stiefeln aus. Dem auf dem Wagen gebliebenen Judenmädchen geschah kein Leid, außer dass ihm einige Kleidungsstücke genommen wurden, welche dasselbe in einem kleinen Körbchen bei sich hatte.

Veit Krämer und dessen Bruder sollen bei den Misshandlungen der Juden, die, wie Heusner übereinstimmend mit ihnen sagt, sämtlich Schläge bekommen haben, besonders tätig gewesen sein, was jener aber ableugnet.

Eine weiße Weste, welche einem der Beraubten abgenommen wurde, war, wie Grasmann angibt, so blutig, dass er sie, wie er sich ausdrückt; nicht zu seinem Teil hätte haben mögen.

Nach der eidlichen Aussage der Beraubten bestand das ihnen zusammen entwendete Geld in 9 Carolins, 2 1/2 Friedrichsd’or, 8 Dukaten, 2 Souverains, 9 doppelte Louisdor in Gold und 525 fl. 30 kr. in Silber-Geld, welche Angabe aber die inhaftierten Teilnehmer widersprechen. Heusner war bei den andern, da sie durch das Gerücht die Summen gehört hatten, welche den Beraubten genommen worden sein sollten, gleich in dem Verdacht, dass er davon unterschlagen haben möchte, allein er leugnet solches bis auf eine Duplone, welche er einräumt, untergemakelt zu haben. Nach seiner Angabe trug es ihm zu seinem Anteil an dem Geld 25 fl. Grasmann, Rupprecht und Veit Krämer geben aber ihren Anteil nur zu 14 – 15 fl. an, und der Kleine Johannn auf noch weniger.

Die Teilung geschah noch in der nämlichen Nacht bei dem, ungefähr zwei Stunden von dem Platz, wo der Raub geschehen, entfernten Orte Heckenbergen : Heusner und Grasmann kauften hierbei die silbernen Uhren heraus.

Wegen des gegenwärtigen Straßenraubs, dem letzten in seiner Räuberbahn, war Johann Adam Heusner bei dem Kurfürstlich Hessischen Amte Windecken vom 27ten November 1809 bis den 14ten Februar 1810, also bis kurz vor seiner gegenwärtigen Verhaftung, in Arrest und Untersuchung. Er, der damals noch einen nicht unbedeutenden Krämerkasten führte, war unter dem Namen der Krämer- Hann-Adam in dortiger Gegend bekannt, stand aber wegen seines Räuber-Lebens in Verdacht. Kurz vor seiner Arretierung erhielt er in dem Wirtshause zu Ostheim, worin er logierte, von dem mit ihm wohl bekannt gewesenen dasigen Landschöffen Baumanneinen gefährlichen Schuss durch die Hand, von dem er in dem hiesigen Arrest zuerst wieder völlig hergestellt wurde und der ihm einige Finger kostete.

Die beraubten Juden von Diedelsheim kannten ihn, und auf ihre Veranlassung wurde er arretiert. Allein obgleich dieselben ihn bestimmt als einen der Teilnehmer an dem Raub rekognoszierten, so kennte doch bei dem Umstand, dass er die Tat den Beraubten beharrlich in das Gesicht leugnete, und die Recognition, wie das Amt mit Recht bemerkte, nach den sonst eingetretenen Verhältnissen, mehrerlei Bedenklichkeiten gegen sich hatte, kein anderes Resultat liefern, als seine Absolution von der Instanz und Verweisung aus dem Fürstentum Hanau.

20.) Straßen- Raub zwischen Büchenberg, Kalbach und Mittelkalbach im Fuldischen Amt Neuhof

Johann Adam Heusner lag mit den

Wurzel Jörg (Georg Horn)

dem Zunder-Albert (Albert Krämer) und einem

Korbmacher, vulgo Jochem

im Sommer 1805 in dem Ort Nassig bei Werteim, wo Zunder- Albert den Vorschlag machte, in die Gegend von Schlüchtern zu gehen und da den nach Frankfurt zurückkehrenden Ochsenhändlern von Gersfeld das Geld abzunehmen. Der Vorschlag wurde angenommen, blieb aber damals unausgeführt, weil Zunder- Albert und Wurzel-Jörg sich so stark betrunken hatten, dass sie nicht marschieren konnten und die Kameradschaft daher nicht um die Zeit in der Gegend eintreffen konnten, zu welcher die Ochsenhändler solche gewöhnlich passieren.

Inzwischen traf Johann Adam Heusner mit dem kleinen Johann auf dem Geisenhof bei Miltenberg zusammen und er machte nun diesem den Vorschlag zur Beraubung der Ochsenhändler. Zu ihnen gesellten sich noch im Baulande der Hütten-Hannes (Johannes Müller von Robern, in Musdach verhaftet), und ein anderer Räuber Friedel.

Unter Anführung des Heusners wurde von Werteim aus aufgebrochen, um den Raub auszuführen. Auf dem Weg nach der dazu bestimmten Gegend kamen sie bei Lohr im Großherzoglich Frankfurtischen vorbei, wo Friedel und Hütten-Hannes am hellen Tag drei Stücke auf der dasigen Bleiche gelegenes Tuch mitnahmen.

Heusner wusste von Zunder – Albert, dass die Ochsenhändler bei ihrer Rückkehr von Frankfurt in dem Wirtshause zu Mittelkalbach bei Schlüchtern einkehrten. Da er in der Gegend nicht bekannt war, und sich des Wegs nicht mehr zu erinnern wusste, welchen die Ochsenhändler von Mittelkalbach nach dem, was er von Zunder- Albert gehört hatte, nahmen; so ging er mit dem Hütten- Hannes selbst in das Wirtshaus, gab sich für den Sohn eines Ochsenhändlers aus, dessen Knecht mit dem Geld desertiert sei, erkundigte sich unter dieser Maske um die Rückkehr der Ochsenhändler von Frankfurt und um den Weg, den sie nähmen, und erfuhr denn nicht nur von dem Wirt, dass selbige an dem Tag zurückkämen, sondern auch den Weg, den sie nahmen. Es war dies am 23ten Juli 1805. Der Ochsenhändler, Jude Meier von Gersdorf, kam an diesem Tage mit seinem Ochsentreiber von Frankfurt zurück und kehrte, wie gewöhnlich, in erwähntem Wirtshaus ein. Der Ochsentreiber trug das Geld, 120 Carolin in ganzen und halben Kronen, in einer Gurte. Um solchem die Last zu erleichtern, mietete Meier zu Mittelkalbach einen Boten, um demselben „das Geld bis nach Büchenberg tragen zu helfen. Heusner war inzwischen auf die von dem Wirth eingezogenen Nachrichten mit seinen Gesellen vorangegangen und hatte sich mit solchen in einem Wald an den Weg hinter einen Busch gelagert. Er war mit einer Pistole und Friedel mit einer doppelten Pistole, beide auch, wie die andern zwei, mit Stöcken, oder vielmehr Prügeln, versehen. Nachmittags halb fünf Uhr ging der Ochsentreiber mit dem Boten von Mittelkalbach weg, während der Ochsenhändler Meier sich noch daselbst verweilte. Eine kleine Stunde von dem Ort kamen dieselben an den Platz, wo Heusner mit seinen Gesellen im Hinterhalt lag. Der Bote hatte die Geldgurte über beide Achseln gelegt. An dem Platz angekommen, sprangen Heusner und Friedel mit den gespannten Pistolen in der Hand aus dem Busch hervor und riefen ihnen zu: „Halt! abgelegt!“ oder wie die Beraubten sagen „das Leben!“ Der kleine Johann und Hütten-Hannes sprangen zugleich auf der anderen Seite des Busches hervor, und jener nahm dem sich weiter nicht widersetzenden Boten die Geldgurte von den Schultern ab. Den Ochsentreiber visitierte Friedel, – Hütten-Hannes nahm ihm den Rock und durchsuchte solchen, warf ihm diesen aber wieder hin, da er die Räuber darum mit der Erklärung bat, dass er ein armer Mann sei.

Beide Beraubten wurden nun aufgefordert, zu laufen und weil, wie Heusner sagt, der Bote sich nicht dazu verstehen, sondern immer das Geld wieder haben wollte, so erhielt er von Friedel einen Schlag auf den Kopf, von welchem er, nach seiner Angabe, betäubt zu Boden stürzte, einen zweiten Schlag erhielt er auf die linke Schulter. Die Räuber entfernten sich in die Hecken und teilten den Raub bei dem Spaarhof.

Gegenwärtiges Verbrechen gibt übrigens einen sehr lebhaften Beweis, wie vorsichtig Richter und Inquirent bei Prüfung der Indicien sein müssen und wie sorgfältig sie insbesondere alle Verhältnisse in dem Fall prüfen müssen, wenn der Beschädigte ein bestimmtes Individuum als den Urheber eines Verbrechens recognosciren will, ehe er dieser Recognition Glauben beimisst, und wie notwendig es zu gleicher Zeit bei jeder Untersuchung ist, dass auch alles, was für den Angeschuldigten zu sprechen scheint, untersucht wird.

Bei dem vorliegenden Fall wollten die Beraubten anfänglich einen Juden von Uttrichshausen in einem der Räuber gekannt haben; ihr Irrtum wurde aber zum Glück gleich entdeckt, so dass es für den Juden keine weitere unangenehme Folgen hatte. Zwei andere ansässige Einwohner von Matten in dem Frankfurtischen Amt Brikenau [Birkenau], des einen Sohn und Knecht, wurden aber als verdächtig wirklich verhaftet und zur Untersuchung gezogen. Es war heller Tag, wie der Straßenraub geschah, und doch waren die Beraubten von einem der Verhafteten so fest überzeugt, dass er der Räuber sei, welcher mit doppelter Pistole den Boten angehalten hatte, was, wie wir wissen, Friedel gewesen ist, dass sie sogar durch einen feierlichen Eid beschworen, dass dieser und kein anderer es gewesen sei. So sehr kann bei einem solchen Vorfall Überraschung und Bestürzung die Sinne des Menschen täuschen. Zum Glück für den, auch sonst in keinem guten Ruf gestandenen Rekognoszierten, konnte er sein Alibi notdürftig erweisen, und fand in der Großherzoglich Frankfurtischen Regierung zu Fulda einen einsichtsvollen Richter; ohne diesen würde er wohl nicht ganz freigesprochen worden sein.

21.) Straßen-Raub zwischen Walddüren und Hainstadt

Zu den früheren Straßen-Räubereien, welche Johann Adam Heusner mit seinem Lehrmeister Peter Eichler, vulgo Hainstädter oder Drehers Peter beging, gehört folgender: Er wurde von den eben genannten beiden Räubern zwischen Hainstadt und Walddüren in dem Walddürner Wald am dem sogenannten Hainstädter Brücklein an zwei Judenpurschen, Memle Liehmann und Isaak Berges von Hainstadt, am 25ten April 1804 begangen.

Dem Peter Eichler war von einem Einwohner zu Hainstadt verraten, dass ein Judenknecht von einem dortigen Einwohner eine Hypothek-Schuld von 7 Carolins eingenommen habe, dass der Jude den andern Morgen von Hainstadt abgehe, und sie ihm das Geld abnehmen könnten. Eichler machte sich daher mit dem in seiner Gesellschaft gewesenen Johann Adam Heusner den andern Morgen vor Tages Anbruch auf in den Walddürner Wald, wo sie auf den Juden warteten. Beide Räuber führten Flinten bei sich, die mit Schrot geladen waren. Ungefähr um 10 Uhr kam der Jude mit einem Paar Ochsen und in Gesellschaft eines andern Judenpurschen, der einen Pack Waren trug, an. Eichler und Heusner gingen ihnen entgegen und forderten sie auf, ihr Geld herzugeben, nach der Beraubten Angabe mit den Worten: „wollt ihr euer Geld hergeben, oder das Leben?“ Jener, der Eichler, packte den Juden an, der das Geld eingenommen hatte, es war Memle Liebman, nahm ihm das, wie Heusner sagt, in sieben Carolins bestandene Geld, eine silberne Uhr und eine mit Silber beschlagene Tabakspfeife ab und gab ihm mehrere Stöße auf den Arm, in das Gesicht und auf den Mund mit dem Flintenkolben.

Heusner nahm dem andern Juden sein Geld, das in einem Beutelchen war und nach der Angabe des Beraubten in 3 oder 5 fl. bestand. Die Waren ließ er ihm. Von dem geraubten Geld erhielt der Einwohner zu Hainstadt, welcher die Gelegenheit verraten gehabt, 5 fl. 39 kr.

22.) Straßen-Raub im Baulande bei Königshofen

Vier Wochen nach vorstehendem Straßenraub, den 22. Mai 1804, nahm Johann Adam Heusner an einem andern bei Königshofen im Bauland Teil. Außer ihm waren Teilnehmer:

Johann Adam Karr, vulgo strobelicher Adel

Albert Krämer, und

einer Namens Jörg, vulgo Überklug

Diese Gesellschaft war zusammen auf dem Markt zu Mergentheim und hatte daselbst den Anschlag gemacht, den diesen Markt besucht habenden Viehhändlern auf der Straße aufzulauern und sie zu berauben.  Sie hatten sich zu dem Ende des Abends von Mergentheim weg gemacht und in einen Wald zwei und eine halbe Stunde von Mergentheim an die Straße gelagert. Die Zeit, wo die Viehhändler zurückzukehren pflegten, ging indes vorüber, ohne dass einer derselben kam. Heusner war deshalb schon Willens, weg zu gehen, als er angeblich von den andern beredet wurde, noch zu bleiben, in der Erwartung, dass sich Gelegenheit geben werde, andere von dem Markt zurückkehrende Personen zu berauben. Es kam denn auch der Weißgerber Christian Sommer von Künzelsau, der den Mergentheimer Markt ebenfalls besucht, und auf dem Rückweg sich von seiner Gesellschaft getrennt hatte. Heusner, der von dem Platz aus in ein benachbartes Dorf gegangen gewesen war, zu Mittag gegessen und etwas zu viel getrunken hatte, schlief, als Sommer gegen den Platz kam, wo die Räuber sich gelagert hatten. Er wurde von den andern aufgeweckt und sprang sogleich ohne Hut bloß in den Hemdsärmeln mit seinem frisch geschnittenen Prügel aus den Hecken hervor auf den Weißgerber Sommer zu, den er zugleich anrief, zu halten und das Geld herzugeben. Dieser schlug indes dem Heusner, wie er mit seinem Prügel auf ihn zuschlagen wollte, solchen aus der Hand und suchte sich auf das freie Feld durch die Flucht zu retten. Heusner holte ihn indes ein, schlug ihn mit seinem Prügel durch einen Schlag auf den Kopf zu Boden, forderte ihm die Geldgurte mit der Drohung ab, ihm sie sonst los und in den Leib zuschneiden, nach Angabe des Beraubten aber, unter der Drohung, ihm den Hals abzuschneiden. Während dem kamen ungefähr 100 Schritte entfernt an 30 Personen, die ebenfalls von dem Markt zurückkehrten. Dies und obgleich Sommer bei der Nähe dieser Leute beständig um Hilfe schrie, schreckte den Heusner jedoch nicht ab, den vorgehabten Raub auszuführen, und jenem die Gurte vom Leibe zu schneiden und sich damit in den Wald zurückzuziehen. Von den andern Räubern war nur der strobeliche Adel anfänglich dem Heusner eine kleine Strecke aus dem Wald gefolgt, hatte sich aber alsbald wieder dahin zurückgezogen, wie er sah, dass jener des Beraubten mächtig war. Heusner gibt selbst an, dass die andern wegen der Nähe der gekommenen Menschen sich nicht getraut hätten, aus dem Wald hervorzugehen. Nach seiner Aussage bestand das in der Gurte geraubte Geld in etwa elf Carolins – nach der eidlichen Angabe des Beraubten aber in 140 – 150 fl.  Eine silberne Uhr und noch einiges Geld, welches er in der Tasche hatte, wurde ihm nicht genommen, wahrscheinlich weil Heusner wegen der Nähe der Menschen keine Zeit dazu hatte. Er, der Beraubte, erhielt nach seiner weiteren eidlichen Aussage, nicht, wie Heusner behaupten will, einen Schlag, sondern drei, Streiche auf den Kopf, von denen er ganz ohnmächtig und bewusstlos wurde und an 5 – 6 Wochen mit seiner Wiederherstellung zubrachte.

23.) Straßen-Raub zwischen Haingründau und Gelnhausen

Am 4ten Mai 1807 wurden die Juden Löw Michel Lorsch von Gelnhausen, seine Schwester, und seine Schwäge rin Gottschalk Lorsch’s Ehefrau Jud Hirsch von Meerholz, und dessen Schwester, Wolf Nathan von Gelnhausen, der Knecht des dasigen Handelsjuden Abraham Liebmann, sodann der dortige Burg-Insasse Schleidt, welcher dem Löw Michel Lorsch seine Waren auf einem Schubkarren fuhr, auf ihrer Rückkehr von dem Markt zu Büdingen, den sie besucht hatten, an einer Wald-Ecke zwischen Haingründau – gewöhnlich hohen Gründ genannt – und Gelnhausen, auf dem Weg nach Roth von Räubern angegriffen, mit Schlägen misshandelt und beraubt.

Die Täter waren :

Johann Adam Heusner

Der kleine Hann: Adam (Johann Adam Weis) und

Peter Henrichs Hann-Adam (Johann Adam Hoffmann)

Heusner hielt ebenso wie der kleine Jörg auf dem Markt zu Gedern feil. Zu ihnen gesellte sich daselbst der kleine Hann – Adam und Peter Henrichs Hann-Adam. Beide erstere waren mit dem Juden Löw Michel Lorsch und seinen Verhältnissen gut bekannt, da sie öfters Waren bei demselben kauften. Der kleine Jörg machte den Vorschlag, diesen Juden bei seiner Rückkehr von dem Markt zu berauben, indem er zugleich, als in der Gegend bekannt, den Platz angab, wo dies am besten geschehen könnte. Der Vorschlag wurde angenommen, Jörg lieh dem Heusner seine Pistolen, er selbst blieb aber zurück, weil er besorgte, von dem Lorsch erkannt zu werden. Heusner packte seine Waren früher ein, wie die andern Krämer, übergab sie dem kleinen Jörg, der solche mit nach Diedelsheim nahm, und machte sich sofort mit den beiden andern auf den Weg nach dem Platz, wo der Jude angegriffen und beraubt werden sollte. Dieser kam mit der übrigen eben bemerkten Gesellschaft Abends bei eintretender Dämmerung daselbst an, Heusner rief mit vorgehaltenen Pistolen das ,,Halt!“ zu. Die meisten von der Gesellschaft entsprangen, Löw-Michel Lorsch, Wolf Nathan, so wie der Burg-Insasse Schleidt wurden aber, wie Heusner angibt, von dem kleinen Hann- Adam und Peter Hennrichs Hann-Adam mit harten Schlägen misshandelt, dem Wolf Nathan sein Achselsack mit Waren und wie er angibt, das bei sich gehabte Geld, dem Schleidt aber der Schubkarren mit Waren, den er über die von Peter Hennrichs Hann-Adam empfangene Schläge hatte sinken lassen, abgenommen. Die Räuber zogen sich nach vollbrachtem Raub in den Wald zurück, wo am andern Tag der Schubkarren und das Kamisol des Insassen Schleidt gefunden wurde; die Beraubten und Misshandelten aber suchten sich mit Zurücklassung ihres Eigentums zu flüchten so gut jeder konnte.

Wolf Nathan gibt an, dass er durch die Schläge so misshandelt gewesen dass er auf Händen und Füßen nach dem nahen Ort Roth gekrochen sei. Die Teilung des Geraubten geschah zu Hainchen in des dortigen Schäfers Haus. Nach der Angabe der Beraubten betrug der Wert des in Ellen-Waren bestandenen Raubs einschließlich des baren Geldes 1576 fl. 21 kr.

Heusner wurde übrigens wegen dieses Straßenraubs nicht lange nachher zu Gelnhausen in dem Hause des Juden Löw Michel Lorsch, wie er eben bei demselben Waren gekauft hatte, durch französische Gendarmerie arretiert, nach Hanau, von da nach Frankfurt und endlich nach Mainz gebracht, von wo er indes, nach einem Arrest von sieben Wochen, wieder nach Frankfurt zurück gebracht – und nachdem er auch hier noch 14 Tage gesessen, wieder auf freien Fuß gestellt wurde. Der kleine Jörg selbst hatte dem erwähnten Juden verraten gehabt, dass Heusner einer von denjenigen gewesen war, die ihn beraubt hatten und deshalb seine Arretierung veranlasst.

24.) Straßenraub zwischen Hanau und Wilhelmsbad

Zur Zeit der Frankfurter Frühjahrs – Messe 1809 trafen sich

Johann Adam Heusner

der krumme Hannjost,

Heiden-Peter, und

Hessen-Henrich

zu Hainchen. Um zu sehen, ob sich eine Gelegenheit zum Rauben finden möchte, gingen sie zusammen auf die von Frankfurt nach Hanau führende Straße. Hessen- Henrich und Heusner waren mit Pistolen bewaffnet. Zwischen Hanau und Berkenheim begegnete ihnen Abends, als es etwa vier Stunden Nacht gewesen sein mochte, eine Chaise, welche bereits etwa 50 Schritte bei ihnen vorüber gefahren war, als Hessen-Henrich den Anschlag machte, sie anzugreifen. Derselbe sprang nach und hielt den Fuhrmann mit vorgehaltener Pistole an. Dieser musste ab und der in der Chaise sitzende Reisende aussteigen. Hann-Jost bewachte ersteren, dem er dabei einige Stöße mit dem Stock gab. Den Reisenden visitierte Hessen-Henrich, während Heiden- Peter daneben stand, und nahm ihm eine goldene Uhr und, wie Heusner angibt, 3 fl. an Geld. Dieser stieg sofort noch in die Chaise und suchte hier nach, fand aber weiter nichts mehr als ein Frauenzimmer-Halstuch. Die goldene Uhr und das Halstuch kaufte Heusner von den übrigen um 21 fl. heraus, dass an ersterer befindlich gewesene Petschaft aber Hessen- Henrich um 1 fl.

Die Uhr verkaufte nachher Heusner an den Pächter Schmitt auf dem Gräflich Isenburg Meerholzischen sogenannten Weyerhof. Durch die an die Justiz-Canzlei zu Meerholz geschehenen diesseitigen Mitteilungen ist die Uhr wirklich aufgefunden und der Eigentümer, damals unbekannt, öffentlich zu deren Empfangnehmung aufgefordert worden. Nach Herrn Criminal-Richter Hofgerichts-Rath v. Grolman’s Aktenmäßiger Geschichte usw. – war der Beraubte Esaias Christ von Oppenheim und das geraubte Geld bestand nicht in 3 fl. sondern 3 1/2 Carolins, und es war außerdem ein meerschaumner Pfeifenkopf dabei. So unwichtig übrigens auch der Umstand ist, ob der in Gießen einsitzende Heiden-Peter oder Johann Adam Heusner das Verbrechen zuerst einbekannt hat, so glaubt man doch bemerken zu müssen, dass, wie die diesseitigen Akten ausweisen, Heiden-Peter kein einziges Verbrechen, woran Heusner mit ihm Teil genommen, früher einbekannt hat, als wie dieser, dass vielmehr, umgekehrt aber, Heusner es war, der das erste Bekenntnis ablegte. Man hat sein Eingeständnis jedes mal dem Kriminal-Gericht zu Gießen mitgeteilt, und es müsste sonderbar zugegangen sein, wenn es nicht früher, als die Bekenntnisse Heiden-Peters erfolgten, dort angelangt wäre, da solches bei andern entfernteren Behörden, wohin ebenfalls Kommunikationen erfolgten, eingekommen ist.

25.) Straßen-Raub zwischen Kloppenheim und Niederwöllstadt

Johann Adam Heusner war zu Ende Februars oder Anfangs März 1809 mit dem Schoden-Henrich (Heinrich Vogt) nach Vilbel gegangen, um mit einem dasigen nun verstorbenen Einwohner Namens Müller einen zu Dordelweil vorgehabten Diebstahl näher zu verabreden. Schoden-Henrich ging nur durch das Ort durch und wartete auf dem – an der Straße nach Kloppenheim liegenden –  Chausseehause auf die Rückkehr Heusners. Es war schon Abend und die Nacht eingebrochen, als beide hier wieder zusammen trafen und einen Branntwein tranken.

Während sie bei dem Glas Branntwein saßen, kam der Fuhrmann Hartmann Kost von Niederwöllstadt mit seinem Karren, auf welchem er in Frankfurt geladene Waren führte, bei dem Chausseehause an und löste Chaussee. Die Räuber fragten den Chausseegeld-Erheber, was Kost geladen haben möge und erfuhren, dass er Kaffee und Zucker geladen habe. Sie gingen sofort demselben nach und holten ihn zwischen Kloppenheim und Niederwöllstadt, unfern der sogenannten Herberge, ein, als er eben still gehalten und bei der Dunkelheit nach seinem Karren gesehen und visitiert hatte, ob sich die Waren noch unversehrt auf demselben befinden. In dem Augenblick, wo, er im Begriff war, weiter zu fahren, packte ihn Schoden-Henrich von hinten, unter den Worten: „Haben wir dich einmal“ und suchte ihn zu Boden zu werfen, er wurde aber seiner nicht mächtig und beide, der Fuhrmann und Schoden-Henrich, fielen zusammen in den Chausseegraben. Jetzt sprang auch Heusner hinzu; der Fuhrmann wurde mit dessen Beihilfe überwältigt und mit einem Strick an den Händen gebunden. Heusner suchte den Karren von der Chaussee ab ins Feld zu führen, auf Vorstellen und Bitten des Kost’s, dass sein Pferd wegen des Grabens verunglücken könne, unterblieb jedoch solches. Unter der Drohung, dass er sonst Schläge bekommen würde, nach der Angabe des Fuhrmanns Kost aber, indem ihm von einem der Räuber ein armlanges Messer an die Kehle gesetzt wurde, wurde demselben Stillschweigen geboten und er an seinem Karren nachgeführt. Die Waren wurden sofort ab: gepackt und der unter denselben befindlich gewesene Kaffee und Zucker, außerdem auch ein paar tausend Näh- und ein paar Packe Stecknadeln genommen.

Mit Schlägen wurde der Fuhrmann nicht misshandelt, allein, ob aus Mutwillen oder Bosheit, gezwungen, Rosinen zu essen, die sich auf seinem Karren gefunden hatten. Ein Maltersack mit Gerst (Graupen) wurde aufgeschnitten und auf die Erde ausgeleert, und in solchen der auf dem Wagen in Kasten verpackt gewesene Zucker getan.

Die Räuber zogen sich nach ausgeführtem Raube auf der Straße nach Friedberg zurück, indem sie den beraubten Fuhrmann gebunden auf der Straße liegen ließen.

Nach der Angabe Heusners betrug der geraubte Zucker ungefähr 50 – 60 Pfund und der Kaffee machte ungefähr ein hiesiges halbes Simmer aus. Der Beraubte hat darüber keine weitere Angabe gemacht. In dem Wirtshaus zu Beimen teilten die Räuber die Beute.

26.) Straßenraub zwischen Werteim und Aufenau

Johann Adam Heusner

dessen Bruder Stephan Heusner und

Christian Haag vulgo dicker Bub

waren acht Tage vor dem oben sub No. 12. vorgetragenen am 13ten Dezember vorgefallenen Straßenraub zwischen Altenhaßlau und Höchst darauf ausgegangen, Juden, die von dem Gelnhäuser Markt zurückkehrten, zu berauben; ihr Vorhaben blieb aber unausgeführt, weil die Juden durch anhaltenden heftigen Regen bestimmt worden waren, zuerst Morgens bei schon vollem Tag von Gelnhausen weg zu reisen

Abends in der Dämmerung traf obige Gesellschaft zwischen Aufenau und Werteim zwei Salzkärcher, die ihnen auf der Chaussee vorausfuhren. Es waren dies die Salzfuhrleute Adam Hohmann von Orb und Philipp Engel von Aschaffenburg, die mit ihren leeren Karren auf dem Rückwege nach Haus waren. Johann Adam Heusner, der das Weibsbild eines ändern Räubers, des sogenannten Tanzstöffel, bei sich hatte befahl den beiden andern, dass sie den Fuhrleuten nacheilen und wenn es die Mühe wert sei, sie angreifen und berauben sollten. Während dem Heusner mit dem Weibsbild eine kurze Strecke hinten nach folgte, machten sich sofort die beiden andern an den Fuhrleute, von denen Hohmann auf seinem Karren saß, Engel aber neben dem seinigen herging, vorbei und ihnen voraus bis an eine Stelle, wo die Chaussee bergab geht. Wie die Fuhrleute hier zu ihnen kamen, wurde auch gleich auf sie zugeschlagen; Hohmann erhielt einen mörderischen Schlag auf den vorderen Teil des Arms und den zweiten auf den Kopf, von welchem er ohnmächtig vom Karren herunter fiel. Philipp Engel fiel von dem ersten Schlag betäubt zu Boden, raffte sich zwar wieder auf, wurde aber von einem der Straßenräuber über die Bank der Chaussee eine Anhöhe herunter geworfen; erhielt dort noch einige Schläge auf den Kopf und sein bei sich gehabtes in 6 fl. 36 kr. bestandenes Geld wurde ihm aus der Tasche genommen. Dem Hohmann wurden 7 – 8 Gulden aus der Tasche genommen. Mittlerweile war auch Johann Adam Heusner mit dem Weibsbild herbeigekommen; auf seine Order wurden die Karren durchsucht und da weiter nichts darauf gefunden wurde, den Beraubten angedeutet, weiter zu fahren. Heusner mit seinen Gesellen ging den Karren hierbei einige Schritte hinten nach, bis an eine Stelle, an der der Weg nach Orb von der Chaussee abführt. Hier wurden die Beraubten, da sie über die erlittenen Misshandlungen sehr schrien und lamentierten, unter der Drohung, dass man sie sonst totschlagen würde, aufgefordert, still zu sein. Die Räuber nahmen sodann ihren Weg ganz unbekümmert auf der Chaussee fort, nach dem nächsten Ort Aufenau.

Hohmann ist nach seiner Aussage durch die Verwundungen außer Stand gesetzt worden, als Fuhrmann seinen Verdienst zu suchen und hat deshalb sein Geschirr abschaffen müssen;  er empfindet bei Veränderung der Witterung die heftigsten Schmerzen im Kopf. Auch Philipp Engel empfindet nach seiner Angabe die nämlichen Folgen und ist seit der erlittenen Misshandlung beinahe unfähig, seinem Haushalt vorzustehen.

27.) Straßen – Raub zwischen Weinheim und Groß-Sachsen

Am 9ten December 1806 wurden auf der Chaussee zwischen Weinheim und Groß-Sachsen im Großherzoglich Badischen der von dem Weinheimer Markt zurückkehrende Sohn des Juden Salomon von Groß-Sachsen und der Einwohner Christian Kaiser von da, welcher die Waren von des ersteren Vater auf einem Schubkarren fuhr, von Straßenräubern angegriffen, mit Schlägen misshandelt und beraubt. Die Teilnehmer an diesem Straßenraub waren:

Johann Adam Heusner

Jakob Erbeldinger

Stephan Heusner

der unter dem falschen Namen Valentin Hiller hier gesessene Joseph Weber, vulgo Krug, Joseph

der ebenfalls hier gesessene Friedrich Kehlinger

Hann- Martin (Joh. Martin Riekert) und

ein sicherer Maurer, Namens Christian, auch der scheppe Preus genannt

Diese Räuber kamen in Albersbach zusammen, gingen von da nach Weinheim, wo einige von ihnen Branntwein tranken; und sofort von da gegen Abend auf die Chaussee nach Groß-Sachsen hin. Sie hatten es auf die von dem Weinheimer Markt zurückkehrenden Handelsjuden und deren Beraubung angesehen, ohne dass es auf ein bestimmtes Individuum abgesehen war. Es war Abends bei eingetretener Dämmerung, als ihnen jenseits der an der Chaussee liegenden Lutzelhäuser Ziegelhütte, bei der sich die Räuber noch vorher Branntwein hatten herausreichen lassen und getrunken hatten, Christian Kaiser mit seinem Schubkarren hinten nach gefahren kam, auf welchen er die Waren des Juden Salomon geladen hatte, welcher den Weinheimer Markt besucht hatte.

Eine Strecke zurück kamen noch andere Leute, welche so nahe waren, dass die Räuber sie sprechen hörten. Dies hielt indessen dieselben nicht ab, den Christian Kaiser, ihm unvermutet, in dem Augenblick zu umringen, als er auf das Rufen des ihm nachgegangenen 17jährigen Sohnes des Juden Salomon seinen Schubkarren niedergestellt und dieser einen Pack Hanf darauf gelegt hatte. Betreten darüber, sich plötzlich von mehreren fremden Menschen umringt zu sehen, fragte Kaiser, nach Erbeldingers Angabe; „Nun, was soll das?“ hatte aber von Heusner kaum die Antwort darauf erhalten  „das wirst du gleich sehen“ als Friedrich Kehlinger mit einem langen Messer die Stricke entzwei zu schneiden anfing, mit welchen die Waren auf den Schubkarren gebunden waren. Kaiser langte hierbei gegen den ebenfalls mit dem Abpacken der Waren beschäftigten Johann Adam Heusner mit der Hand aus und erhielt darüber von Kehlinger einige Schläge auf beide Arme, und da er heftig schrie, einen Schlag auf den Kopf mit der Bedrohung, dass er tot geschlagen würde, wenn er noch einmal schreie; von dem letzten Schlag sank Kaiser zu Boden aber auch diesem Zustand erhielt er noch mehrere Schläge. Der Sohn des Juden Salomon suchte zu den, auf der Chaussee nachgekommenen, Personen sich zu retten, allein Erbeldinger sprang ihm nach, holte ihn ein und nahm ihm unter der Drohung, ihn tot zu schlagen, sein bei sich gehabtes Geld ab, das, wie der Beraubte angibt, in elf – nach Angabe des Erbeldingers aber nur in fünf bis fünf und einen halben Gulden bestand. Nachdem die auf dem Schubkarren gelegenen Packe genommen waren, entfernten sich die Räuber über das Feld und durch die Weinberge. Sie nahmen den Weg nach Albersbach, wo sie bei dem dasigen Einwohner F. einkehrten, und in dessen Stube noch in der nämlichen Nacht teilten. Die sowohl gleich nach dem Raub, als wie den andern Tag veranstaltete Verfolgung der Täter war fruchtlos, obgleich dieselben nur wenige Stunden von dem Ort der Tat sich aufhielten. So wenig können alle polizeiliche Maßregeln von Erfolg sein, wenn nicht die Diebshehler mit aller Strenge des Gesetzes verfolgt und bestraft werden.

Die geraubten Waren bestanden in einer bedeutenden Quantität verschiedener Ellen-Waren und hatten den Wert von 1100 fl.

28.) Straßenraub bei Ober-Roden

Johann Adam Heusner war in der dritten Woche der Frankfurter Herbstmesse 1808 mit

seinem Bruder Stephan,

dem dicken Buben,

krummen Hannjost,

Spielhannes (Johannes Lehn), und

dessen Bruder Heinrich

jenseits des Mains herübergekommen, um den Markt zu Grumbach zu benutzen, und die Handelsjuden, die selbigen besuchen, zu berauben. Sie hatten sich auch zwischen Grumbach und Groß-Bieberau gelagert, ihr Vorhaben konnte aber nicht ausgeführt werden, weil an dem Tag nicht, wie sie geglaubt hatten, Markt zu Grumbach war. Sie waren deshalb im Begriff, wieder über den Main über Dieburg, Ober-Roden auf der Straße nach Frankfurt hin zurück zu kehren, als sie des Abends bei Ober-Roden in einem Tannenwäldchen das auf der einen Seite der Landstraße sich befindet, sich lagerten. Es war schon etwa eine Stunde Nacht – als der Krämer Landelin Sanderbeck und der Jude Löw Meier von Münster, von Frankfurt kommend, in ihrer Nähe anlangten. Es wurde sogleich beschlossen, sie anzugreifen und zu berauben. Die Räuber stürmten aus dem Wäldchen, indem sie die Reisenden anriefen: „Halt, ihr Spitzbuben! legt ab, was ihr habt !“

Auf den Krämer Sanderbeck wurde von Stephan Heusner sogleich losgeschlagen, so dass er zusammenstürzte;  derselbe raffte sich aber wieder auf und entsprang; Stephan Heusner suchte auf ihn zu schießen, allein die Pistole versagte. Ein paar hundert Schritte im Felde wurde er inzwischen von dem Steffen und dem Spielhannes, sodann von dem dien Buben wieder eingeholt, zusammen geschlagen, so dass er bewusstlos liegen blieb. In diesem Zustande wurde ihm nun seine neue blautuchene Jacke ausgezogen und die Waren, die er in Frankfurt eingekauft hatte, genommen. Der Wert des Geraubten betrug nach Sanderbecks Angabe 50 fl. 36 kr. Zuerst nach der Entfernung der Räuber kam Sanderbeck wieder zu sich und schleppte sich nach Ober-Roden. Nach seiner Angabe hatte er drei Löcher im Kopf und seine Arme waren blau und schwarz geschlagen. Neben sich fand er einen jungen Apfelstamm liegen.

Während dem Sanderbeck auf diese Weise misshandelt und beraubt wurde, hatte Johann Adam Heusner und sein Gevatter Mann, der krumme Hannjost, den Juden Löw Meier angepackt. Heusner schlug demselben mit der geballten Hand auf die Brust, dass er rücklings zusammen stürzte. Hannjost bedeckte ihm dann das Gesicht mit feinem Rock und da er diesen zu lüften suchte, so erhielt er von Heusner neue Schläge ins Gesicht und es wurde ihm mit Totstechen gedroht. Nach Angabe des Löw Meier wurde ihm das linke Auge beinahe aus dem Kopfe geschlagen. Er hatte nichts bei sich, als ein Beutelchen mit 5 fl. 40 kr., 2 Pfund Lichter, einige Pfunde Fleisch, zwei Meeräpfel, Feuerzeug und ein Sackmesser. Das wurde ihm bis auf die Lichter und das Fleisch genommen; Heusner gab ihm jedoch nachher den Feuerstahl, das Messer und die Meeräpfel, Hannjost aber das Geldbeutelchen wieder zurück. Nach der Angabe des Löw Meier glaubten die Räuber bei ihrer Rückkehr von dem Sanderbeck, dass sie ihn tot hätten liegen lassen. Sie sollen nach dieser Angabe geäußert haben:  „Der hat die Krenk, der steht nicht mehr auf.“

Johann Adam Heusner will zwar von dieser Äußerung nichts gehört haben, allein er gibt doch so viel nach, dass sein Bruder geäußert, dass er dem Beraubten einen harten Schlag gegeben habe.

29.) Straßenraub bei Buchen

Bei dem nun folgenden Straßenraub waren

Johann Adam Heusner, und

Peter Eichler

die Teilnehmer. Es waren zwei Juden von Willenbuchen, welche den Markt zu Buchen besuchen wollten, die angegriffen und beraubt wurden. Die Tat geschah in dem nämlichen Jahr, in welchem der oben sub No. 22. erzählte Straßenraub vorfiel. Peter Eichler hatte die Gelegenheit zum Raube gewusst. Er und Heusner, ersterer mit einer Flinte und letzterer mit einer nicht lange vorher zu Steinbach bei Michelstadt gestohlenen Büchse bewaffnet, erwarten die Juden etwa eine oder drei viertel Stunden von Buchen in einem an der Straße herziehenden Wald, in welchen sie sich die Nacht durch gelagert hatten; auf der andern Seite der Straße fand sich offenes Feld. Den Morgen kamen die Juden, die Räuber sprangen, die Gewehre in der Hand, aus den Hecken hervor und forderten die Juden auf, zu halten und ihre Waren abzulegen. Einer derselben wollte entspringen, Heusner holte ihn aber ein und nahm ihm die Waren; dem andern aber geschah das nämliche von Eichler. Nach der Aussage Heusners soll keiner der Juden mit Schlägen misshandelt worden sein, weil, wie derselbe weiterangibt, sie, die Räuber, nicht viel Zeit gehabt, da hinter den Beraubten viele Wagen auf der Straße gefahren kamen. Die Räuber zogen sich nach dem Raub schnell in den Wald zurück. Die geraubten Waren bestanden in verschiedenen Ellen-Waren, in seidenen und baumwollenen Tüchern, etwas Mousselin, einem Stück Taffent, baumwollen leinen und seiden Band. Die Beute wurde zum Teil im Wald, zum Theil auf dem Geisenhof geteilt, und nachher eine Parthie davon an einen Wirt zu Rieberg, eine Stunde von eben erwähntem Hof und an einen dasigen Uhrmacher von ihnen verkauft, das übrige aber ersterem in Verwahrung gegeben.

Das Verifikationsprotokoll über dieses Verbrechen konnte nicht erhoben werden, da nach den von der Fürstlich-Leiningischen Justiz-Canzlei eingegangenen Nachrichten in dortigen Registraturen keine Akten über den Tatbestand sich auffinden ließen, und die Beraubten nicht ausfindig zu machen waren.

30.) Straßen – Raub zwischen Albersbach und Wald-Erlenbach

Im Jahr 1805 gegen die Herbstzeit wurde der Einwohner und Wagner Adam Emig von Bonsweiher auf seinem Rückweg von Lindenfels von Straßenräubern angefallen, gefährlich mit Schlägen misshandelt und beraubt. Die Täter waren:

Johann Adam Heusner,

dessen Bruder, Stephan Heusner,

das sogenannte Hann-Martinchen (Martin Riekert), und, wie Johann Adam Heusner angibt,

Johann Adam Grasmann, was aber dieser beharrlich leugnet

Der beraubte Emig war nach Lindenfels gegangen, um sein Meistergeld zu bezahlen; er konnte aber bei dem damaligen Beamten nicht vorkommen. Es war gerade Markt zu Lindenfels; Emig ging in ein Wirtshaus, traf da mehrere Bekannte, bei denen er sich bis Abends nach 9 Uhrverweilte, und dann seinen Rückweg nach Bonsweiher antrat. Vor dem Albersbacher Wald, wo der Pfad von dem Ort Albersbach nach Wald-Erlenbach geht, hatte sich Heusner mit seinen Spießgesellen, die zusammen von ersterem Ort kamen, hinter einem großen Misthaufen verborgen, als Emig, singend den Weg daher kam. Hann-Martinchen bemerkte seinen Spießgesellen: „ich will denn doch einmal zu dem Mann gehen, und ihn fragen, warum er so singt“; und sogleich sprang er auch hinter dem Misthaufen gegen den Wagner Emig hervor, ohne dass jedoch, wie Heusner behaupten will, damals noch die Absicht gewesen sein solle, denselben zu berauben. Auf ihn einspringend, rief Hann-Martinchen dem Wagner Emig zu: „Bist du Spitzbube da, gib das Geld her!“ und gab ihm zugleich einen Schlag mit dem Stock. Emig kam indes dadurch nicht aus der Fassung, er fasste dem Hann-Martinchen den Stock und prügelte ihn ab: unglücklicherweise zersprang dem Emig der Stock bei dem dritten Schlag, er wehrte sich jetzt noch mit den Händen, stieß den ihn Angreifenden zurück und suchte sich mit Laufen zu retten. Nun sprangen indes auch Heusner und sein Bruder hinter dem Misthaufen hervor, und verfolgten in Gemeinschaft mit Hann-Martinchen den sich zu retten suchenden Emig. Einer der Räuber, der beinahe immer gleich mit ihm sprang – es war Stephan Heusner – gab ihm hierbei einen Schlag mit einem Prügel von einer jungen Tanne mit solcher Heftigkeit auf den Kopf, dass der Prügel entzwei brach. Schon war Emig bis in die Nähe von dem Ort Albersbach gekommen, als er beim Herabspringen von einem jähen Berg on ein, durch Schweine gewühltes tiefes Loch sprang, und in dem Augenblick von dem ihm zunächst gewesenen Stephan Heusner einen Schlag oder Wurf an das rechte Hüftbein erhielt, wodurch er außer Stand gesetzt wurde, weiter zu springen. Er wurde nun von den drei Räubern überfallen, mit Schlägen auf den Kopf heftig misshandelt, so dass ihm das Blut gleich über das Gesicht floss. Einer der Räuber zog ihn, als er zur Erde lag, an den Haaren mit dem Gesicht gegen die Erde, während ein anderer immer auf ihn zuschlug und der dritte sich auf ihn kniete und ihm das Geld aus der linken Westentasche und ein Schnupftuch aus der Rocktasche nahm; in der rechten Westentasche hatte er noch 4 Laubthaler, die er dadurch rettete, dass sie nicht visitiert wurde. Das ihm geraubte Geld betrug nach seiner Aussage 17 fl. 30 kr.

Nach vollzogenem Raub entfernten sich die Räuber, indem sie den Beraubten und Misshandelten auf dem Platz liegen ließen, der, als er wieder zu sich selbst gekommen war, sich in das nahe Ort Albersbach schleppte, wo ihm in des dasigen  Schultheißen Haus die Wunden ausgewaschen wurden, und er die Nacht über zubrachte. Nach seiner Angabe hat Emig neun Wochen lang im Bette liegen müssen und noch längere Zeit mit seiner Genesung zu tun gehabt. Seine Kleidung war von Blut gefärbt; er hatte zwei tiefe Kopfwunden und mehrere Cotitusionen auf demselben und andern Teilen des Körpers, besonders schmerzhaft war für ihn der Schlag oder Wurf am rechten Schenkelbein; noch jetzt will er eine besondere Schwäche daran empfinden.

31.) Versuchter Straßenraub im Merchinger Wald

Nach dem oben sub No. 20. erzählten Straßenraub bei Mittelkalbach blieben Johann Adam Heusner und Friedel, welch letzterer damals eine sichere Caroline (Eckertin) als Beischläferin mit sich führte, zusammen. Sie hielten sich eine Zeitlang zu Altheim im Baulande in einem dasigen vertrauten Hause auf, wo sie von dem geraubten Gelde brav zechten und sich wohl sein ließen. Mit welcher Verschwendung diese Menschen das, was sie durchs Rauben gewonnen, wieder verprassten, davon erzählt Johann Adam Heusner bei dieser Gelegenheit eine Anekdote von Friedel: Dieser war von Altheim aus nach Küstenbach gegangen, um seine dortigen Anverwandten und Bekannten zu besuchen: er hatte von dem Raub bei Mittelkalbach 25 Kronenthaler und außerdem eine silberne Uhr bei  sich. Geld und Uhr verprasset, kam derselbe Nachts betrunken in einer Post-Chaise gefahren nach Altheim zurück und hatte zwei Husaren als Ehrengarde bei sich. Heusner, der im Schlafe lag,  musste aufstehen und nun ging das Saufen mit den Husaren und dem Postillion die Nacht durch bis an den Morgen, wo diese zurückkehrten.

Heusner und Friedel, die nach ihrem Weggang von Altheim im Baulande und Odenwald miteinander herumzogen, erfuhren von einem Handels-Juden, der gewöhnlich den Merchinger Wald passierte und viel Geld bei sich haben sollte. Sie beschlossen, diesem aufzulauern und ihn zu berauben. Hütten-Hannes, von dem jene wussten, dass er sich zu Sindolsheim in dem Hause des Vaters des berüchtigten Krämer-Matthes aufhalte, wurde von ihnen dazu eingeladen; und sie drei gingen dann zusammen von Sindelsheim weg nach Altheim in das dasige vertraute Haus. Hier wurde zu dem Unternehmen eine Flinte geliehen, dieselbe, um sich ihrer Brauchbarkeit zu versichern, auseinander gelegt, sodann mit Schrot geladen und den Abend nach dem Merchinger Wald gezogen. Außer der Flinte hatte Friedel seine doppelte Pistole bei sich. Auf ihrem Weg nach dem Merchinger Wald kamen dieselben an dem Brandackerhof vorbei. Sie hatten Durst und es wurde sonach auf der Stelle beschlossen, ihn aus dem Keller dieses Hofes zu stillen. Heusner und Friedel erbrachen die nach außen zugehende Kellertür und brachten aus dem Keller ein Fäßchen mit Wein. Da dieses ihnen aber zu schwer zum weitern Fortbringen und der Wein, wie sie glaubten, durch das Rütteln ihnen untrinkbar war; so kehrten Heusner und Friedel nochmals in den Keller zurück. Heusner drückte die in den Hausgang gehende Falltür auf, öffnete die Haustüre und ging sodann mit Friedel die Treppe hinauf unter das Dach, wo sie Hemden, zinnerne Teller, ein Bett und etwas Dörrfleisch mitnahmen und dann zuerst wieder in den Keller zurückkehrten und da einige Häfen mit Wein füllten.

Hütten-Hannes hatte immittelst an der Haustüre mit der Flinte Schildwache gestanden. Sie setzten nun ihren Weg nach dem Merchinger Wald fort. Hier lagerten sie sich neben der Straße in die Hecken, die bei ihnen gewesene Beischläferin des Friedels aber wurde an die Straße gesetzt, um ihnen bei der Ankunft des erwarteten Juden das Zeichen zu geben. Die Räuber hatten die Nachricht, dass der Jude zu Fuß komme, es kam inzwischen einer zu Pferd, den sie zwar für jenen hielten, aber doch dessen nicht gewiss waren.

Auf das von des Friedels Beischläferin gegebene Zeichen kamen die Räuber alsbald aus den Hecken heraus; der auf dem Fußpfad, welcher an der entgegengesetzten Seite der Straße herzog, gerittene Reisende hatte sie aber durch die nicht dick gestandenen Hecken wahrgenommen, hatte seinem Pferd die Sporen gegeben und war davon gejagt, ehe die Räuber ihn festhalten konnten. Hüttenhannes, der die Flinte hatte, schoss ihm zwar nach, allein er fehlte und so entkam der Reisende, der nach dem Schuss noch stillhielt, sich umkehrte und den Räubern zurief: „wart ihr Spitzbuben, ich will euch schießen lernen!“ glücklich der Gefahr.

Nah diesem misslungenen Raub kehrten die Räuber wieder nach Altheim zurück. Auf diesem Rückweg gewahrten sie einen französischen Geistlichen, auf einem andern Weg gehend. Friedel machte sogleich den Vorschlag, diesem die Uhr zu nehmen. Er sprang auch sogleich auf den Geistlichen zu, und Heusner ihm nach. Derselbe wurde angehalten und von Friedel aufgefordert, die Uhr herzugeben; er erklärte aber den Räubern: „Meine Herren, was wollen Sie? Ich bin ein französischer Geistlicher und wollte, dass Sie mir hier auf diesem Platz 1000 fl. abnehmen könnten, dann hätte ich noch mehr zu Haus“; dies half ihn inzwischen nichts, er wurde von Friedel durchvisitiert, und zuerst als dieser dadurch sich überzeugt, dass der Geistliche keine Uhr hatte und er nur ungefähr 13 Batzen besaß, unberaubt gehen gelassen.

Der Reitende, welcher in dem Merchinger Wald angegriffen werden sollte, konnte nicht ausfindig gemacht werden. Der Wert des Diebstahls auf dem Brandacker Hof betrug nach der Angabe des Bestohlenen 75 fl. – Die Räuber hatten nach seiner Aussage das Fass, welches sie zuerst aus dem Keller brachten, aus einem andern gefüllt: dasselbe war ungereinigt und der Wein wollte ihnen deshalb nicht schmecken.

32.) Versuchter Straßenraub auf dem nämlichen Platz und dabei erfolgte Tötung des Friedels

Ungefähr 3 oder 4 Wochen nach dem eben vorgetragenen attentierten Straßenraub, es war am 3ten September 1805, machten

Johann Adam Heusner,

dessen Bruder Stephan, und

Friedel

auf dem nämlichen Platz den Versuch, den schon das erste Mal erwarteten Juden zu berauben, wobei Friedel von dem Revierjäger Gambs zu Merchingen tödlich verwundet wurde.

Johann Adam Heusner und Friedel hatten den Stephan Heusner bei Kainsbach im Odenwalde angetroffen, diesem ihr Vorhaben, erwähnten Juden zu berauben, eröffnet und solcher sich zu ihnen gesellt. Während dem sie ungefähr 15 Schritte von der Straße ab in dem Wald lagen und auf den Juden warteten, war Friedel unter der angeblichen Erklärung, einmal Wasser trinken zu wollen, von den andern beiden weggegangen, und an der Straße geblieben. Inzwischen kam der von Berligingische Revierjäger Gambs in Dienstgeschäften von Merchingen her. Friedel bemerkte ihn kaum, als er aufbrach und die Straße fortging. Dem Jäger schien dies verdächtig; sein Verdacht vermehrte sich, da er wahrzunehmen glaubte, dass Friedel ein Gewehr unter dem Rock trage. Er forderte daher solchen auf, stille zu halten, allein Friedel sprang statt dessen, schnell in das Gebüsch. Dadurch noch mehr darin bestärkt dass er einen Spitzbuben oder Wilddieb vor sich habe, schoss Gambs dem Friedel in das Gebüsch nach und verwundete ihn. Friedel starb einige Tage darauf an der Wunde. Die beiden Heußner hörten den Friedel noch jammern, und unser Inquisit Johann Adam stand ungefähr 9 Schritte entfernt in dem Gebüsch, als der Revierjäger Gambs zu dem Friedel kam und darüber klagte, dass er ihn geschossen habe. Heusner sagt: „ich hätte den Jäger schießen können, dass er keine Ader mehr gerührt hätte; allein im dachte, warum sollst du den schießen, da Friedel schon geschossen ist.“

Auf dem Platz, wo der Revierjäger Gambs den Verwundeten antraf, wurde ein Wachsstock, ein dicker eichener Prügel, ein paar Diebsschlüssel, ein Pulverhorn, eine doppelte Pistole und verschiedene Patronen mit Pulver und Schrot gefüllt, gefunden. Die Schlüssel und Pistole wurden in der Erde vergraben gefunden, wohin sie der Gauner nach seiner Verwundung noch begraben hatte.

Außer der doppelten Pistole des Friedels hatten Heusner und sein Bruder zwei Pistolen und die Flinte von Altheim, welche schon das erste Mal mit auf den Platz genommen worden war, bei sich.

33.) Versuchter Straßenraub zwischen Miltenberg und Walldürn

Im Juli 1803 wurden die Ochsenhändler Gebrüder Habold von Geislingen, Johannes Schuster von da, Benedickt Israel Buxbaum von Merchingen, Jakob Heilmann von Walldürn, bei denen noch zwei Ochsentreiber und zwei Weibsleute, sodann der sie gefahren habende Fuhrmann mit seinem Wagen sich befand, auf ihrer Rückkehr von Frankfurt zwischen Miltenberg und Walldürn auf dem Neusasser Berg von Straßenräubern angefallen, entkamen aber glücklich dadurch der Gefahr, dass einer von ihnen das Leitseil der Pferde ergriff, und mit dem Wagen davon rannte, auf dem sich zum wenigsten 12000 fl. befanden.

Die Teilnehmer an diesem attentirten Straßen-Raub waren:

Johann Adam Heusner

Peter Eichler

der dickde Bub

Johann Adam Wohlgemuth

Einer namens Marin,

Der sogenannte Ofenputzers Jörg, und

Ein Siebmacher, Namens Michel, der ehedem unter den österreichischen Soldaten gedient und der Schwager des zu Breuberg hingerichteten Bürsten-Caspers ist.

Der in Mannheim gesessene und daselbst im Arrest verstorbene Peter Eichler gibt die Teilnehmer so an: Johann Adam Heusner, dicker Christian, Wohlgemuth, Martin, der in Würzburg sein soll, Jakob Völlinger und ein östreichischer Soldat.

Unser Inquisit Johann Adam Heusner kam Sonntags von Reinsachsen her auf den Geisenhof, wo er die übrigen Gesellen bis auf den Wohlgemuth antraf, und ihm von Eichler der Antrag zum Angriff und Beraubung der Ochsenhändler geschah, die alle Woche gewöhnlich Vieh nach Frankfurt trieben und Dienstags bei ihrer Rückkehr durch die dortige Gegend kamen. Heusner nahm den Antrag ans die Gesellschaft blieb bis den Dienstag auf dem Geisenhof, wo sie an den zum Angriff bestimmten Platz auf dem Neusasser Berg zogen und hier die Ochsenhändler erwarteten. Heusner und Peter Eichler waren mit Gewehr und zwar ersterer mit einer Doppel-Flinte bewaffnet. Die Ochsenhändler kamen wirklich, währenddem Eichler unter einem Birnbaum lag und schlief, und kamen diesmal unangefochten durch, weil die andern nach Heusners Angabe nicht Mut genug hatten, sie anzugreifen. Eichler tobte nach Heusners Aussage, wie er beim Erwachen erfuhr, dass die Ochsenhändler den Weg passiert seien, und es wurde beschlossen, den nächsten Dienstag dieselben zu berauben. Die Räuber blieben beisammen sind zogen auf der Winterau und dortigen Gegend herum bis auf den bestimmten folgenden Dienstag; zu ihnen gesellte sich noch Johann Adam Wohlgemuth von Weyher. An dem bestimmten Tag lagerten sie sich an den ersten Platz, und erwarteten die Ochsenhändler. Diesmal waren außer dem Heusner und Peter Eichler auch der dicke Christian; der damals, nach jener übereinstimmenden Aussage, noch ein bloßer verlumpter Bube war und der Siebmacher mit Gewehren bewaffnet, und jeder mit Pulver und Schrot gefüllten Patronen, die vorher gefertigt werden waren, versehen. Die Ochsenhändler hatten einen Wagen bei sich, waren aber wie gewöhnlich an dem Neusasser Berg abgestiegen, und dem Wagen mit dem Fuhrmann zu Fuß nachgefolgt, bis auf den Benedikt Jsrael Buxbaum, den Johann Schuster und ein Weibsbild. Es war Morgens zwischen 10 und 11 Uhr, als die Räuber den Wagen über das Feld fahren sahen; sie machten sich alsbald schnell aus dem Fußpfad, neben dem sie den Ochsenhändlern, in der Meinung, dass sie zu Fuß kommen würden, aufgelauert hatten, auf die Höhe in das Gebüsch neben den Fahrweg. Noch waren dieselben zweifelhaft, ob der Wagen zu den Ochsenhändlern gehöre, als sie diese hinten nach kommen sahen. Heusner und Eichler sprangen nun vor, und riefen den Wagen, den sie in ihrer Ungewissheit schon eine kleine Strecke hatten vorbei fahren lassen, an, zu halten. Der auf dem Wagen gesessene Johann Schuster fasste in dem Augenblick das Leitseil und trieb die Pferde mit sei nem Stock zum Laufen an. Heusner schoss nun nach dem Wagen; Eichler tat zwei Schüsse und tötete einen Hund der Ochsenhändler, den sie angehetzt hatten: auch der Siebmacher und der dicke Bub feuerten auf die Angegriffenen. Inzwischen wurde dadurch nicht bewirkt, dass der Wagen stille hielt; Eichler sprang demselben noch eine große Strecke nach und hatte ihn schon eingeholt und bei der Langwied gefasst, kehrte aber wieder um, indem, wie Heusner angibt, er und die übrigen Gesellen nur eine kleine Strecke nachgegangen gewesen waren. Die zu Fuß gewesenen Ochsenhändler retteten sich mit der Flucht, und die Räuber erhielten nichts als einen Manngsrock, der vom Wagen herabgefallen war. Das Geld, in 12 – 14000 fl. bestehend, wurde auf dem Wagen gerettet.

Jakob Heilmann, der bei dem Angriff zunächst hinter dem Wagen hergegangen war, erhielt von einem Schuss einen Schrot in den Arm, das eine Pferd vor dem Wagen aber sechs Schrote in die Brust. Nach Aussage von verschiedenen der Angegriffenen waren die Räuber in den Gesichtern geschwärzt oder mit Larven versehen, und man fand noch auf dem Platz des Angriffes zwei angeschwärzte Masken. Heusner will sich dieses Umstandes nicht mehr erinnern.

34.) Versuchter Straßenraub bei Kerbestadt (Kerbersdorf) im vormals Fuldischen bei Saalmünster

Spielhannes (Johannes Lehn) hatte von einem Juden zu Romsthal, vulgo Runspel, die Nachricht von zwei Juden von Ulmbach vulgo Ulmich erhalten, die von Frankfurt kommen und viel Geld bei sich haben sollten. Spielhannes gab hiervon dem Johann Adam Heusner Nachricht ; beide gingen an dem Tag, wo die Juden kommen sollten, nach Romsthal in das Haus des Baldowerers, wo sie warteten, bis dieselben von da weiter gingen. Es war der Jude Jakob Abraham von Ulmbach, der mit einem Boten von Frankfurt zurückkam, und 900 fl. für daselbst verkauftes Vieh bei sich hatte. In Romsthal, wo derselbe einkehrte, traf er noch zwei Juden von Ulmbach und Saalmünster, indes wurde beschlossen, dass sie zusammen in Gesellschaft den Abend noch nach Ulmbach gehen wollten. Es war schon eine halbe Stunde Nacht, wie sie von Romsthal abgingen. Die alsbald davon unterrichtet wordenen beiden Räuber machten sich auch auf einen andern Weg fort und gewannen der bemerkten Gesellschaft den Vorsprung ab. Eine halbe viertel Stunde von dem Ort Kerbersdorf warteten dieselben auf solche in dem Wald, den sie auf ihrem Weg nach Ulmbach passieren mussten. Spielhannes und Heusner, jeder mit einer Pistole bewaffnet, standen bei der Ankunft der Reisenden unter einem Baumt, von dem sie plötzlich gegen solche hervorsprangen; Heusner forderte sie mit gespannter Pistole auf, stehen zu bleiben und das Geld herzugeben, mit dem tröstlichen Beisatze: dass ihnen dann nichts am Leben geschehen würde. Jakob Abraham antwortete aber dem Rauber herzhaft „wir haben kein Geld.“ Auf diese Antwort erfolgten von den Räubern ein paar Pistolenschüsse durch den einen Schuss wurde der Bote des Juden Jakob Abraham mit fünf Schrot in den einen Arm, und mit zwei in ein Bein verwundet, dieser aber durch  einen Schrot an der Hand gestreift. Abraham Jakob ging hierauf rasch auf einen der Räuber los, es war Johann Adam Heusner, und gab ihm nach seiner Angabe einen Schlag auf den Kopf, worauf solcher mit seinem Spießgesellen in die Hecken sprang, jener aber mit seinem Boten zurück nach einer benachbarten Ziegelhütte eilte. Die Räuber verfolgten sie und holten sie unfern der Ziegelhütte ein, und griffen sie mit ihren Pistolen und Prügeln wieder an. Abraham Jakob erhielt hierbei einen Schlag auf den Kopf – aber auch Heusner ein Loch in den Kopf geschlagen, worauf die Räuber die Flucht ergriffen. Das Geld des Abraham Jakob hatte einer der beiden andern Juden schon in Romsthal bis nach Ulmbach zu tragen übernommen und sich gleich anfänglich mit demselben geflüchtet. Dieses Verbrechen fiel im Jahr 1806 nach Allerheilgen vor.

35.) Versuchter Straßenraub bei Lich

Johann Adam Heußner

Hessen-Henrich

Überrheiner Wilhelm

Heiden Peter

Porzellan-Hannes

Hannjost mit den krummen Händen

Der sogenannte Müller (Martin Knaus)

Schoden-Henrich und

noch drei oder vier dem Inquisiten Heusner nicht mehr bekannte Gesellen

hatten vor jetzt 5 oder 6 Jahren im Sommer jenseits der Lahn in einem Weilburgischen Orte, einen Diebstahl vor, der wegen Uneinigkeiten, die unter ihnen selbst entstanden, unausgeführt blieb. Hessen-Henrich machte auf dem Rückweg den Antrag, Juden oder Krämer, die den auf den nämlichen Tag gefallenen Gieser Markt besucht hatten, bei ihrer Rückkehr aufzupassen und zu berauben. Der Platz hierzu war eine Stunde von Lich an dem Eingang eines Waldes bestimmt. Die Räuber kamen auch hier in einzelnen Parthien zusammen, der Raub blieb aber unausgeführt, da die dazu ausersehen gewesenen Personen nicht kamen. Johann Adam Heusner, Porzellan-Hannes, Überrheiner Wilhelm und Heiden-Peter waren, ehe sie auf den zum vorgehabten Raub bestimmten Platz gingen, noch auf dem Markt zu Gießen, wo beide erstere in dem Hause eines dortigen Kaufmanns die Gelegenheit zu einem nachher wirklich mit vieler Verwegenheit attentiertem Diebstahl aussahen, wie dies weiter unten vorkommen wird.

36.) Versuchter Straßenraub bei Lorbach

Im Jahr 1808 waren

Johann Adam Heusner

Der kleine Johann

Usenborner Lips

Heiden-Peter

Zunder-Albert

ein Zigeuner und, was Heusner nicht mehr bestimmt weiß, der

krumme Hannjost

darauf ausgegangen, die von dem Herchenheiner oder Heddersroder Markt zurückkehrenden Viehhändler zu berauben. Sie kamen in dem Büdinger Wald nicht weit von dem Ort Lorbach den Abend zusammen, und blieben die Nacht auf dem Platz liegen. Gegen Morgen bekam Heusner Kolik, weshalb schon beschlossen war, das Vorhaben aufzugeben. Auf das Andringen des kleinen Johann blieben indes die Räuber beisammen. Gegen Tag kamen die erwarteten Viehhändler wirklich, wurden aber unangegriffen vorüber gelassen, da die Kolik des Heusners immer heftiger wurde, und er deshalb bei dem Angriff nicht hätte mitwirken können. Die Räuber zogen von dem Platz nach Walldorf, wo Heusner sich einen Kaffee kochen ließ, die andern aber Branntwein tranken.

Da es jenem auf den genommenen Kaffee besser wurde; so machte er den Vorschlag, auf dem Fußpfad von Usenborn nach Ortenberg auf die Rückkehr der Juden, die aus dortiger Gegend den Herchenheiner Markt besucht hatten, zu warten und diese zu berauben. An diesem Fußpfade gelagert, nahmen die Räuber plötzlich zwei Landdragoner gewahr. Sie ergriffen sogleich die Flucht und der kleine Johann ließ dabei seinen Wams, in dem er seine Pistole hatte, zurück: so wurde auch dieser intendierte Raub vereitelt. Heusner hatte hierbei, so wie bei dem vorhergegangenen Versuch, gleichfalls eine Pistole bei sich. Übrigens ist hierbei die Maxime der Räuber bemerkenswert, dass sie bei einem vorhabenden Coups die Kräfte, die sie haben müssen, um ihres Unternehmens gewiss zu sein, genau berechnen. Die Viehhändler wurden bei dem ersten Versuch wegen der Kolik des Heusners unangetastet vorüber gelassen, weil, wie er bemerkt, wenn man bei einem Angriff auf 5, 6 oder 7 Mann rechnet und einer davon fortgeschickt werden muss, den man dabei notwendig braucht, schon die Sache nicht ausgeführt werden kann.

37.) Weiter versuchter Straßen-Raub im Büdinger Wald

In dem folgenden Jahre 1809, nicht lange nach dem oben sub No. 15, erzählten Straßenraub zwischen Butzbach und Wetzlar, wurde ein abermaliger Versuch gemacht, die von dem Herchenheiner oder Heddersroder Markt zurückehrenden Viehhändler zu berauben. Der Platz wo es geschehen sollte, war auch diesmal im Büdinger Wald.

Johann Adam Heusner

der kleine Johann, und

der krumme Hannjost

waren dabei die Hauptleute; zu ihnen gesellten sich

Hessen – Henrich

Heiden-Peter

Johann Adam Grasmann

Conrad Anschuh,

der schwarze Peter,

einer Namens Ludwig (Ludwig Funk) und

Schoden-Henrich

Die Räuber hatten, wie Grasmann angibt, einen ganzen Büchsensack voll Gewehre, so dass sie jenen oben mit einem Sacktuch bedecken mussten, damit solche nicht hervorragten. Bei diesen Gewehren hatte auch Hessen-Henrich den Karabiner von Münzenberg, welchen er bei dem Straßenraube zwischen Butzbach und Wetzlar geführt hatte. Es war, wie Heusner angibt, auf die von dem Herchenheiner Markt zurückkehrenden Viehhändler angesehen und der Sammelplatz zu Lorbach bestimmt, wohin der kleine Johann schon vorausgegangen war. Heusner führte seine Pistole besonders bei sich. Inzwischen wurde der kleine Johann, welcher früher als die übrigen Gesellen in Lorbach eingetroffen war, hier im Wirtshaus von dem Gräfl. Isenburgischen Beamten mit Hilfe einiger Jäger arretiert. Einige der übrigen Räuber wurden mit den Gewehren in dem Büdinger Wald von den Jägern ergriffen und eben so wie der kleine Johann nach Büdingen gebracht. Dadurch wurde der vorgehabte Raub vereitelt.

Der kleine Johann, der schon früher in Büdingen arretiert gewesen war, wurde nach einem 2stündigen Arrest, die andern noch am nämlichen Tage mit einer Tracht Schläge wieder entlassen, obgleich nach seiner eigenen Aussage das Amt Büdingen von dem vorgehabten Raub unterrichtet und die Streifung, wobei er und die andern wirklich eingefangen wurden, deshalb veranstaltet war.

Nach Grasmanns Aussage war es nicht auf einen Straßenraub, sondern auf einen gewaltsamen Einbruch und Raub, eine sogenannte Chaßne bei dem Beamten zu Eckardtroth wieder abgesehen gewesen, dem aber Heusner ebenso wie der kleine Johann bestimmt und beharrlich widerspricht.

33.) Versuchter Straßenraub zwischen Orb und Marios an den sogenannten mürben Reißer

Vor sechs und einem halben Jahre waren

Johann Adam Heusner

Johann Adam Grasmann

Stephan Heusner und

Zunder-Albert

von Klein-Zimmern aus auf diesen Straßenraub ausgezogen. Er war auf von Frankfurt zurückkehrende Ochsenhändler abgesehen. Auf der Druckenbich – welcher Ort aus verschiedenen Höfen besieht und hinter Orb bei Rieneck liegt – liehen die Räuber bei dem Hofmann eine Flinte und auf einem einzelnen Wirtshause, die Schanze genannt – einen Säbel. Erstere führte Johann Adam Heusner. So bewaffnet zogen sie auf den zur Ausführung des Raubs bestimmt gewesenen Platz, warteten daselbst auf die dazu ersehenen Ochsenhändler, allein diese blieben aus und die Räuber zogen daher wie der unverrichteter Sache auf die Diesseite des Mains hers über.

39.) Versuchter Straßenraub bei Beerfelden

Vor acht Jahren im Frühjahr oder Herbst versuchten

Johann Adam Heusner

Dessen Bruder Stephan

Johann Adam Grasmann

Conrad, von der Familie des stumpfarmigen Zimmermanns (Philipp Müller von Gräfenhausen)

diesen Straßenraub. Es war auf die von dem Beerfelder Markt zurückkehrenden Juden angesehen. An dem Schnapp-Galgen bei Beerfelden begegneten den obigen Gesellen auch eine Partie Juden und Christen, die von erwähntem Markt kamen. Sie waren aber in zu starker Anzahl und deshalb unterblieb der beabsichtigte Raub.

40.) Versuchter Straßenraub bei Rehbach

Vor etwa 9 Jahren waren

Johann Adam Heusner

Johann Adam Grasmann

das kleine Krämer-Johannchen

der Hingemer Schnallenmacher

der kleine Hann-Martin (Martin Delis, auch Zahn-Franzen Martin genannt) und, wie Grasmann angibt, noch

Peter Henrichs Hann-Adam, und nach Heusners Angabe auch noch

ein im Odenwald herumziehender Rotsteinhandler

auf einen Straßenraub ausgegangen, der den von dem Markt zu Michelstadt zurückkehrenden Kirchbrombacher Juden gelten sollte. Heusner und Grasmann kamen mit vorbemerkten ihren Gesellen, von denen aber ersterer den Peter Hennrichs Hann Adam bestimmt ausschließt, in verschiedenen Abteilungen nach dem auf der Höhe bei Brensbach liegenden Ort Böllstein, wohin sie sich bestellt hatten, zusammen. Sie liehen hier bei den dasigen Einwohnern Keil und Füllhard [heute Vilhard] zu dem vorgehabten Straßenraub Gewehre. Der kleine Hann-Martin und Hingemer Schnallenmacher tranken bei dem Keil stark Branntwein, kehrten daher, als die übrigen schon aufgebrochen waren, wieder in des Keils Haus zurück, hatten wieder zu saufen angefangen, und von dem Wirt noch ein zweites Gewehr verlangt.  

Darüber wurden sie mit dem Keil und vor dem Ort auch mit dem kleinen Johannchen uneinig. Dieser schlug bei dem entstandenen Zwist den Hingemer Schnallenmacher die Nase entzwei, dass man, wie Grasmann sagt, die Luft durchpfeifen hörte. Der Verwundete wurde nach Böllstein zurückgebracht und nur Heusner, Grasmann und das kleine Johannchen gingen in die Tannen bei Rehbach, wo sie die Kirchbrombacher Juden berauben wollten. Heusner und sein Schwager, das kleine Johannchen, führten die in Böllstein geliehenen Gewehre bei sich; Grasmann hatte außerdem einen Karabiner. Die erwarteten Juden kamen indes nicht, die Räuber mussten daher von dem Platz leer abziehen, begingen aber an dem nämlichen Tag noch einen Diebstahl zu Würzberg wie weiter unten vorkommen wird.

Auf dein Rückweg nach Böllstein waren sie nach Heusners Angabe in Gefahr, in Sensbach arretiert zu werden, indem Grasmann, wie Heusner sagt, nach seiner Gewohnheit, nichts stehen können zu lassen, einen Hafen mit Käs gestohlen hatte. Sie entkamen nur dadurch der Verhaftung, dass sich Grasmann mit dem geführten Gewehre, einem Karabiner, zur Wehre gesetzt hatte.

41.) Attentierter Straßenraub in dem Walde bei Münzenberg

Sechs oder acht Wochen vor dem oben sub No. 15. erzählten Straßenraub zwischen Butzbach und Wetzlar waren die nämlichen, die solchen verübt haben, mit Ausnahme des Lumpenjost, außer ihnen aber noch

Schoden-Henrich und

Hanfried, der sogenannte Müller ( Martin Knaus) und

der kleine Hann-Adam

in dem Wald bei Münzenberg beisammen, in der Absicht, die auf den Gießer Markt ziehenden Handelsjuden zu berauben. Sie warteten indes nach Heusners Angabe vergeblich auf dieselben und trugen Bedenken, sich länger aufzuhalten, da viele Menschen in dem Wald waren. Nach Angabe des Hessen-Martins kamen die Juden wirklich, aber in Gesellschaft bewaffneter Bedeckung und deshalb unterblieb der Angriff.

42.) Attentierter Straßenraub zwischen Ettershausen und Habicht bei Steinau im Fuldischen

Johann Adam Heusner

Johann Adam Grasmann

Hessen Martin

Veit Krämer

Krämer-Matthes

Krummer Hannjost

Dessen Schwager, Hannes (Johannes Siepel)

Hannfried (Johann Friedrich Koch)

Kleiner Johann

Christian, ein Kaiserlicher Deserteur, und

ein Handwerspurche (Wilhelm Euler, vulgo Hildebrands Wilhelm)

hatten sich zu einem Straßenraub an Juden verbunden, die den Markt zu Zeitlofs besucht hatten. In dem Wald zwischen Ettershausen und Habicht hatten sie sich zu dem Ende am 6ten September 1809 gelagert und die Juden erwartet. Während die übrigen im Wald gelagert waren, trieb sich Hannjost vor dem Wald auf der Straße herum, und hatte dabei die Unvorsichtigkeit, seine Pistole in der Hand zu halten. Er wurde hierbei von Bauern gesehen, welche ein Paar Ochsen die Straße hertrieben. Aus Besorgnis, durch die bei dem Hannjost in seinen krummen Händen eintretenden Merkmale leicht entdeckt werden zu können, standen die Räuber von ihrem Vorhaben ab. Heusner, der bei diesem Raub das Kommando führen sollte, Martin Rupprecht, der kleine Johann und Hannfried kehrten miteinander zurück, und zwar beide ersteres nach Schlüchtern, die andern lagerten sich aber in den Wald zwischen Steinau und Aal und warteten auf andere Gelegenheit, die sich auch, wie bei Johann Adam Grasmann vorkommen wird, in einem Wagen voll Juden und Christen, die sie noch am nämlichen Tage unter bedeutenden Misshandlungen beraubten, ergab.

Außer Hannjost hatte auch Heusner und mehrere andere Pistolen bei sich, die, wie gewöhnlich, mit Schrot geladen waren.

43.) Attentierter Straßenraub zwischen Rotenberg und Beerfelden

Vor 8 – 9 Jahren versuchten

Johann Adam Heusner

dessen Bruder Stephan

Überrheiner Wilhelm

der kleine Johann, und angeblich

Johann Adam Grasman

diesen Straßenraub. Es war auf Juden abgesehen, die nach dem Beerfelder Markt gingen. Anfänglich hatten die Räuber in dem Höllgrund auf die Juden von Strümpfelbrunn gewartet, da solche aber einen andern Weg eingeschlagen hatten, so zogen sie auf die Straße von Rothenberg nach Beerfelden und erwarteten die Juden, welche auf solchem an letzteren Ort zu gehen pflegen. Diese kamen auch, wurden aber nicht angegriffen, weil, wie Heusner angeben will, dem Überrheiner Wilhelm übel geworden war.