27. September 1809

Waldweg
Teilnehmer:

Johann Martin Rupprecht
Andreas Fischer
Matthes Österlein
Veit Krämer
Heinrich Vogt

Nachdem die Beute von dem oben sub No. 4. erzählten Straßenraub bei Langenbergheim von den Räubern geteilt worden war, teilten, wie gewöhnlich, sich dieselben. Rupprecht, sein Schwager, Fischer, und der kleine Johann gingen zusammen, letzterer trennte sich aber noch am nämlichen Tage von ihnen. Auf einem Ort, ungefähr anderthalb Stunden von Heckenbergheim kamen Rupprecht und sein Schwager wieder mit ihren Weibsleuten zusammen. Von hieraus zogen sie mit einander auf ein anderes Ort, bei dem Eisenhämmer sich befinden, wo sie über Nacht blieben. Fischer ließ sich in einem benachbarten Städtchen, welches Rupprecht eben so wenig, wie jene Orte, will nennen können, seinen Pass visieren und als daher m ihrem Nachtquartier Visitation gehalten wurde, legitimierten sich beide durch ihre Pässe, dessen Rupprecht einen guten besaß, und blieben unangefochten. Sie hatten dann die Frechheit, sich gegen Hainchen wieder hinzuwenden und zogen von da auf die Welschen Höfe bei Hanau, wo sie am zweiten oder dritten Tag nach obigem Straßenraub ankamen und mit Veit Krämer, Krämer-Matthes und Schoden-Henrich zusammentrafen. Die ganze Räubergesellschaft machte sich hierauf in die Nähe von Vilbel, wo sie auf dem Berg, über welchen die Straße von diesem Ort nach Frankfurt geht, in einem kleinen, aber dichten Wäldchen in der Nähe der Landstraße auf Butterhändler lauerten, welche Schoden-Henrich ausgemacht hatte. Währenddem sie hier lagen, hörten sie eine Chaise von Vilbel herkommen, auf deren Beck neben dem Kutscher noch eine Mannsperson saß, oder, wie sich Rupprecht ausdrückt, zwei Kutscher saßen. Es wurde von Krämer-Matthes und Schoden-Henrich alsbald der Vorschlag gemacht, diese Chaise anzugreifen, mit dem die übrigen bald einverstanden waren. Krämer-Matthes fiel den Pferden sogleich in die Zügel, während die anderen Räuber auf den Chaisen-Kasten und die auf dem Bock Gesessenen mit ihren Prügeln dreinschlugen. Krämer-Matthes versuchte, um die Chaise in Sicherheit zu bringen, die Pferde von der Straße ab in einen Graben umzulenken; die Pferde wurden inzwischen wild, und der mit dem Fahren gut umzugehen gewusst habende Kutscher wandte dieselben wieder um, und fuhr mit der Chaise schnell nach Vilbel zurück.

Nach dem hierher mitgeteilten Verifikations-Protokoll war es der D. Häberlin mit seiner Familie von Frankfurt, welcher hatte beraubt werden sollen.

Es war am 27ten September 1809 und hiernach gleich den Tag nach dem Straßenraub zwischen Diedelsheim und Hainchen, und nicht, wie Rupprecht standhaft behaupten will, 3 oder 4 Tage nachher, als D. Häberlin, von Niederwöllstadt zurückkehrend, Abends gegen 10 Uhr den Vilbeler Berg heranfuhr. Auf dem Bock befand sich außer dem Kutscher sein Bedienter, und in der Chaise neben ihm, seine Frau, seine beiden Kinder und seine Schwester. Oben auf dem Berg wurde die Chaise von den Räubern, die sämtlich mit tüchtigen Prügeln versehen waren, angefallen, indem sie den Pferden im die Zügel fielen. Der Bediente und Kutscher auf dem Bock, besonders letzterer, wurde heftig geschlagen, so dass der Kutscher zweimal vom Bock zwischen die Pferde fiel, von dem Bedienten aber jedes Mal wieder in die Höhe gerissen wurde, nachher aber acht Tage lang den Arm in einer Binde tragen musste. Die Schwester des D. Häberlin’s bekam einen so heftigen Schlag auf den Arm, als sie den an der offenen Seite der sonst zugemacht gewesenen Chaise gesessenen Knaben des D. Häberlin’s einem ihm bestimmt bestimmten Streich zu entziehen suchte, dass, sie an der dadurch erhaltenen Kontusion vier Wochen lang zu Bette liegen musste. Die Räuber versuchten, die Chaise in den Wald zu fahren, allein der die Zügel der Pferde stets in der Hand erhalten gehabte Bediente wusste sie immer so zu lenken, dass sie die Chaise mehr zurückdrücken; durch den Lärmen und das

Getöse wurden die Pferde wild, und der Bediente benutzte den Augenblick schnell, die Chaise zu wenden und in vollem Lauf nach Vilbel zurück zu fahren.

BRILL, CARL FRIEDRICH: Actenmässige Nachrichten von dem Raubgesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern, besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben, Teil 2 Seite 337 Nr. 9

PFISTER, LUDWIG: Aktenmäßige Geschichte der Räuberbanden an den beiden Ufern des Mains, im Spessart und im Odenwald : enth. vorzügl. auch d. Geschichte d. Beraubung u. Ermordung d. Handelsmanns Jacob Rieder von Winterthur auf d. Bergstraße, Seite 85 Nr. XXXVI