Waldweg
Schloß zu Homburg vor der Höhe

10. September 1810

Teilnehmer:

Johann Martin Rupprecht
Johannes Vogt
Wilhelm Vogt
Heinrich Vogt
Friedrich Schütz
Johann Adam Weis
Heinrich Festweber

verübten diesen Straßenraub am 10ten September 1810 Morgens zwischen zwei und drei Uhr. Nach dem über den Tatbestand aufgenommenen Protokoll waren die Schlacht-Juden Herz Löw Kahn, Isaak Moses llfeld, Feidel David Schwarzschild und Joseph Löw Straus von Homburg, sodann ein Werheimer Judenpursche, Samuel Josel, des Nachts um 1 Uhr von Homburg weggegangen, um vor dem Tor-Aufgang zu Frankfurt zu sein und daselbst das Schlachtvieh in Augenschein zu nehmen. Als sie auf der langen Meile in den Graben, die Daun genannt, gekommen waren, wurden sie von den Räubern von vornen und hinten mit dem Zuruf überfallen: „Geld her !“ Herz Löw Kahn wurde über den Kopf geschlagen, dass er zu Boden stürzte: er wollte sich helfen, erhielt aber darüber noch mehrere Schläge, seine Kleider wurden ihm zerrissen und ihm 70 fl. Geld und etwas altes Silber geraubt. Der Judenpursche Salomon Josel von Werheim wurde ebenfalls zu Boden geschlagen, und ihm seine silberne Uhr, so wie sein zwischen 5 und 6 fl. bestandenes Geld geraubt. Joseph Löw Straus packte einen der Räuber, wie solcher seinen Reisegefährten Schwarzschild angriff, und fiel mit solchem zu Boden. Es machten sich nun drei der Räuber an ihn, die ihm das Geld abforderten und von denen einer ihm zwei Pistolen vorhielt. Zu diesen drei Räubern gesellten sich sofort noch zwei andere, dem Straus wurden die Hände über das Kreuz zusammen gehalten und ihm sein zwischen 28 und 29 fl. betragen habendes Geld abgenommen. Er erhielt mehrere Schläge, ohne jedoch dadurch beschädigt zu werden. Feidel David Schwarzschild erhielt zwar ebenfalls mehrere Schläge, entsprang aber mit dem Moses Isaak Ilfeld, ohne beraubt worden zu sein.

Sämtliche Juden, mit Ausnahme des am härtesten misshandelt worden zu sein scheinenden Juden -Purschen von Werheim, gingen noch, nachdem sich die Räuber entfernt und sie sich wieder vereingt hatten, nach Frankfurt. Nach den Bekenntnissen Johann Martin Rupprechts hatte Schoden-Henrich die Gelegenheit zu dem Straßenraube angegeben, und die Räuber waren nach dessen Bestellung auf einen zwischen Frankfurt und Vilbel auf der Seite gelegenen Hof (Gronauer Hof) zusammen gekommen, tranken Kaffee und hielten sich so lange auf, bis sie es Zeit glaubten, auf den Raub ausziehen zu können. Auf dem eben bemerkten Platz, wo solcher verübt wurde, teilten sich die Räuber in zwei Parthien: die eine legte sich in einen Graben, die andere, worunter J. M. Rupprecht sich befand, mehr rückwärts, beide Parthien ungefähr 20 Schritte voneinander. Etwa eine Stunde vor Tag kamen die Juden und wurden nun von den vorwärts gelegenen Räubern mit ,,halt“ angerufen und auch gleich angepackt. Sie wurden, wie Rupprecht mit ihren Aussagen übereinstimmend einbekennt, mit Schlagen misshandelt; von sich selbst sagt derselbe, dass er auch einen der Juden visitiert habe, und ihm hierbei wohl einige Hiebe gegeben haben könne, worüber er sich aber nicht mehr bestimmt erinnern könne. Sonst nennt er namentlich den kleinen Hann-Adam, Schoden-Henrich und Manne-Friedrich als solche, welche geschlagen haben. Porzellain-Hannes erhielt von einem der Angegriffenen einen tüchtigen Hieb auf die Nase. Die silberne Uhr, welche dem Juden-Purschen von Werheim geraubt wurde, nahm der kleine Hann-Adam solchem ab; dieselbe kam nicht zur allgemeinen Teilung, sondern wurde von jenem, dem Porzellain-Hannes und seinem Sohn, sodann dem J. M. Rupprecht gegen die andern unterschlagen. Letzterer behielt sie und gab jedem der andern drei oder vier Sechsbätzner davon heraus.

Schoden-Henrich führte eine Pistole bei sich und Rupprecht ist in Hinsicht seiner selbst und des Hessen-Henrichs zweifelhaft, ob er und dieser nicht auch eine geführt hat; er stellt aber in Abrede, dass einem der Beraubten Pistolen vorgehalten worden sind. Außer der Uhr wurde den Beraubten nur weniges Geld nach seiner Angabe genommen; es war nach seiner Behauptung nur so viel, dass es zu einem Branntwein für ihn und seine Kameraden zugereicht habe. Den Aussagen der Beraubten in Ansehung der von solchen ihnen abgenommen worden sein sollenden Summen widerspricht er bestimmt. Auch Hölzerlips, der den Straßenraub zuerst angezeigt hat, gab zu Heidelberg an, dass die Räuber dabei nur weniges Geld bekommen hätten, was zum wenigsten die Angabe Rupprechts gegen die unbeschworenen Aussagen der Beraubten zu bestätigen scheint.

Rupprecht war kurz vor seiner lebten Arretierung zu Romsthal mit dem Manne – Friedrich zu Ostheim bei Gelegenheit eines Streifzugs durch Großh. Hess. Landdragoner und anderes Militär verhaftet und an Großh. Frankfurtsches Amt Windecke eingeliefert worden. Es wurde ihm hierbei von einem Soldaten nicht nur die bei gegenwärtigen Straßenraub geraubt wordene silberne Uhr, sondern auch die von dem unmittelbar vorher erzählten Straßenraub hergerührten zwei goldene Ringe und ein Dukaten abgenommen, er selbst aber nach kurzem Arrest wieder entlassen. Nach seiner durch die eingeleitete Korrespondenz sich als richtig nachgewiesen habende Angabe wurde hierüber, bei Gelegenheit, dass er in der Folge von Langenselbold nach Gießen ausgeliefert wurde, Untersuchung angestellt, es konnte aber ebenso wenig das Resultat hievon als die bemerkten geraubten Gegenstände erhalten werden.

BRILL, CARL FRIEDRICH: Actenmässige Nachrichten von dem Raubgesindel in den Maingegenden, dem Odenwald und den angrenzenden Ländern, besonders in Bezug auf die in Darmstadt in Untersuchung befindlichen Glieder desselben, Teil 2 Seite 332 Nr. 7

PFISTER, LUDWIG: Aktenmäßige Geschichte der Räuberbanden an den beiden Ufern des Mains, im Spessart und im Odenwald : enth. vorzügl. auch d. Geschichte d. Beraubung u. Ermordung d. Handelsmanns Jacob Rieder von Winterthur auf d. Bergstraße, Seite 90 Nr. XLVII